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Köln eröffnet den Ausstellungsreigen anlässlich der Geburt Tintorettos vor 500 Jahren. Das Wallraf-Richartz-Museum blickt dazu auf das Frühwerk des großen Venezianers und wartet mit Neuzuschreibungen und Entdeckungen auf

Die vielen Hände eines Genies



Jacopo Tintoretto, Liebeslabyrinth, um 1538 und um 1552

Jacopo Tintoretto, Liebeslabyrinth, um 1538 und um 1552

Ein anmutiger venezianischer Garten nimmt den Besucher sofort in Beschlag. Etwa von den Inseln Giudecca und St. Giorgio aus sieht er im Hintergrund unter einer Verbindungsbrücke hindurch das Zentrum Venedigs. Inmitten von Teichen, Brücken und Hügeln beherrscht ein leicht in den Vordergrund gerücktes rundes Heckenlabyrinth die Szenerie. Der Maler Jacopo Tintoretto wandelte das antike Motiv des verschlungenen menschlichen Lebenswegs ab und teilte das Labyrinth in der Mitte in zwei Abschnitte. Eine Abkürzung führt in die rechte Hälfte des Mittelkreises, wo man den Tafelnden bloß aufspielen darf. Zum Tisch der Weisheit gelangt man jedoch über den langen Weg durch alle Viertel des Runds. Die jung Vermählten am Eingang lassen vermuten, dass es sich bei dem Bild um ein Hochzeitsgeschenk gehandelt hat. Im Jahr 1538 begonnen und nicht vollendet, erlitt das Gemälde in der Folgezeit Risse und Ausbrüche. Erst um 1552 vollendet es Tintoretto in leuchtenden Farben und mit beigefügten Tieren unter Zuhilfenahme eines Assistenten.


Nach umfassenden Restaurierungen in den Jahren 2006/07 konnte Kurator Roland Krischel das im Hampton Court Palace aufbewahrte, zur Kollektion der britischen Königin gehörende Gemälde nun eindeutig dem jungen Tintoretto zuweisen. Bis dahin galt es als Werk des Flamen Lodewijk Toeput. Dieses Starstück der Präsentation im Kölner Wallraf-Richartz-Museum verweist bereits darauf, wie viel Aufwand es bedeutet, das Netz aus Eigenhändigkeit, Werkstattleistungen oder Nachahmern zu entschlüsseln. In der Ausstellung, die erfreulich konsequent auf die Jahre zwischen 1537 bis 1555 begrenzt ist, befindet sich auch das Frühwerk Tintorettos immer noch im „Umbau“. Doch warten die Kölner dank führender Experten in ihrem Team mit außergewöhnlichen neuen Forschungserkenntnissen auf. Ziel ihrer Schau ist es, im Vorgriff auf die in einem Jahr beginnende große Tintoretto-Retrospektive in Venedig sowie viele begleitende Ausstellungen dem anfänglichen Innovationsdrang und der Experimentierfreude des temperamentvollen Venezianers nahe zu kommen.

Jacopo Robusti erblickte mutmaßlich im zweiten Halbjahr 1518 in Venedig als Sohn des Färbers Giambattista das Licht der Welt. Sein Künstlername Tintoretto, übersetzt „Färberlein“, verweist darauf ebenso wie auf seine Kleinwüchsigkeit. Nach kurzer Lehrzeit avancierte er schon 1538 zum Meister mit eigener Werkstatt, die er seit 1537 für 20 Dukaten angemietet hatte. Die in dem spärlichen Atelier von ihm und einem Mitarbeiter geschaffenen, überwiegend kleinformatigen Werke während der fruchtbaren 1540er Jahre sind Thema der Schau. Um 1547 bezog er dann ein deutlich größeres Studio. Damit ging auch die Verlagerung des Schaffens auf Gesellen einher und verringerte seine eigenhändige Tätigkeit; der Erfindungswille und die überschäumende Originalität verebbten, der Malstil verwässerte. Doch da besaß Tintoretto schon den Ruf als namhafter Vertreter moderner Malerei. In Venedig, das er zeitlebens nur einmal kurz für wenige Tage verließ, verstarb er am 31. Mai 1594.

Jacopo Tintoretto galt als überaus eigenwillig, eitel und ehrgeizig. Rasche Auffassungsgabe und großes Arbeitstempo verleiteten den Schnell- und Vielmaler zu einer gelenken, flüssigen Ausdrucksart. Verkürzungen, deformierte zerdehnte Gestalten, axiale theatralische Raumkompositionen mit zurückweichender Perspektive und ein dunkel-silbriges Kolorit in Verbindung mit dramatisierendem Helldunkel verleihen den Bildern Wucht, Tiefensog und einen persönlichen Duktus. Für Jacopo Robusti war die Malerei auch ein Mittel, aus der Anonymität herauszutreten, sozial aufzusteigen, Mitsprache zu üben. Mit großem Ehrgeiz war er bestrebt, an markanten öffentlichen Orten, in Palästen, Kirchen, Versammlungshäusern seine einprägsame Werke als Markenzeichen zu hinterlassen, nicht ohne ökonomische Chancenabwägung zwischen Gewinn, Marktrisiko, Selbstwerbung und Benevolenz.

Sein kolossales „Paradies“ im Dogenpalast gilt weltweit als eines der größten Leinwandgemälde. Als Regisseur traumhafter Parallelwelten verstand er es geschickt, gesellschaftliche oder religiöse Spannungen darzustellen, die er bis hart an die Grenzen offizieller Meinungsbildung heranführte. Unter den rund 65 Exponaten mit religiösen, allegorischen, exotischen Themen und Porträts ist die „Fußwaschung“ aus dem Musée de Grenoble eine aparte Neuentdeckung des Frühwerks. Auf dem leider stark verschmutzten Ölbild präsentiert sich der Maler im Zentrum des Geschehens als bärtiger Apostel Jakobus auf einem Löwenstuhl. Die geschickte Komposition aus rahmenden Großfiguren sowie perspektivischer Staffelung der Köpfe kann über die etwas ungelenke Plastizität der Figuren und allzu schematische Kulisse nicht ganz hinwegtäuschen. Während der in ein hellrotes Gewandt gehüllte Christus Petrus die Füße wäscht, huscht bereits Judas in geduckter Haltung durch eine halboffene Tür im Hintergrund davon.

Zur Porträtmalerei sah sich Tintoretto zwecks Bestreitung seines Lebensunterhaltes und Festigung seines sozialen Netzwerkes hingetrieben. Teils gewährte er ruinöse Preisnachlässe für Bildnisse von Freunden, Förderern oder Musikern aus seinem Umfeld. Durchreisende wurden lediglich rasch skizziert, die Werkstatt arbeitete dann das Porträt aus. Machte sich der Meister selbst an die Arbeit, entstanden sensible, intensive, malerisch virtuose Bildnisse, quasi seelische Röntgenaufnahmen. Das packende, eine fast beängstigende Intensität ausstrahlende „Bildnis eines Mannes“ weist mit seiner skizzenhaften Charakteristik weit über die eigene Epoche hinaus und konnte jüngst Tintoretto eindeutig zugeschrieben werden. Bis vor kurzem galt es noch als Werk von Annibale Carracci.

Ein Schlaglicht mit Hell-Dunkel-Kontrast und das ausdrucksvolle Hervortreten des Kopfes aus dem Schatten kennzeichnen Tintorettos Selbstporträt aus dem Jahr 1547. Mit kurzen, kraftvollen Pinselstrichen hielt er sich mit sorgenvoll gerunzelter Stirn, unbändigem Haar und wachem Blick bei effektvoller Lichtwirkung geistreich wie packend fest. Das Bildnis ist gleichsam das ideale Signaturbild der Ausstellung. Ein eigenes Kapitel beschäftigt sich mit der Geschäftspartnerschaft Tintorettos zu dem Maler und Handwerker Giovanni Galizzi. Mit der Ausweitung seiner Produktion ab 1544 kooperierte der Meister wohl eng mit Galizzi, dessen Anteile an den Ausarbeitungen der Gemälde die Ausstellung zu verifizieren versucht. Erst um 1554 trennten sich die Wege der beiden, und Jacopo Tintoretto warb andere Assistenten an. Zu diesem Aspekt und weiteren Themen bringt Köln nun mehr Licht in dunkle Zonen des Genies Tintoretto.

Die Ausstellung „Tintoretto. A Star was born“ ist bis zum 28. Januar 2018 zu sehen. Das Wallraf-Richartz-Museum hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, jeden ersten und dritten Donnerstag im Monat zusätzlich bis 22 Uhr geöffnet. Das Haus ist am 11. November, Heiligabend, 1. Weihnachtsfeiertag, Silvester und Neujahr geschlossen. Der Eintritt beträgt 13 Euro, ermäßigt 8 Euro. Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog erschienen, der im Museum 35 Euro kostet.

Kontakt:

Wallraf-Richartz-Museum - Fondation Corboud

Obenmarspforten 40

DE-50667 Köln

Telefon:+49 (0221) 221 211 19

Telefax:+49 (0221) 221 226 29



10.10.2017

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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06.10.2017, Tintoretto – A Star was born

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