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Museumsmann Paul Vogt gestorben

Paul Vogt im Museum Folkwang, 2011

Paul Vogt ist tot. Der langjährige Direktor des Museums Folkwang starb bereits am 1. Oktober im Alter von 91 Jahren in Münster. Das gab heute das Essener Museum bekannt. Ihm verdanke das Museum Folkwang den Wiederaufbau der Sammlung, die durch die Beschlagnahmungen der Nationalsozialisten stark beschädigt worden war. Zu den wichtigsten Verdiensten Vogts gehöre die Rückerwerbung von 20 zentralen Gemälden der Osthaus-Sammlung – darunter Paul Cézannes „Steinbruch Bibémus“ und Ernst Ludwig Kirchners „Tanzpaar“, teilte das Kunstinstitut mit und führte weiter aus: „Das heutige Renommee des Museum Folkwang und seiner Sammlungen ist wesentlich der starken Persönlichkeit von Paul Vogt zu verdanken, der die Geschicke und Zukunft dieses Hauses so entscheidend mitgeprägt hat.“

Paul Vogt zählt zu den wichtigen Museumdirektoren der deutschen Nachkriegsgeschichte. Er kam am 29. Mai 1926 in Essen-Holsterhausen zur Welt, studierte nach dem Zweiten Weltkrieg Kunstgeschichte, Archäologie und Vorgeschichte in Göttingen, war Mitarbeiter des dortigen Universitätsmuseums und zugleich Nachlassverwalter Christian Rohlfs’, seines 1938 verstorbenen Onkels. Danach war er kurzeitig Assistent der Kunstsammlungen der Veste Coburg und Dozent an der dortigen Volkshochschule. 1954 ging er zurück in seine Heimatstadt und arbeitete zunächst als Stellvertreter des Folkwang-Direktors Heinz Köhn.

1963 übernahm Paul Vogt dann dessen Amt und war bis zu seiner Pensionierung 1988 Leiter des renommierten Hauses. Hier bemühte er sich, die Lücken zu schließen, die die Nationalsozialisten mit ihrer Säuberungsaktion „Entartete Kunst“ dem Museum zugefügt hatten. Denn das Folkwang hatte rund 1400 Werke verloren, etwa die Hälfte seines berühmten, von Karl Ernst Osthaus aufgebauten und Ernst Gosebruch weitergeführten Gesamtbestandes. Vogt wollte das Verlorene zurückholen oder durch Gleichwertiges ersetzten. Zudem war er bestrebt, die Kunstentwicklung der Moderne in ihrer Breite zu dokumentieren, erweiterte die Sammlung französischer Kunst um Gemälde von Claude Monet, Robert Delaunay oder Yves Tanguy und kaufte Werke unter anderem von Joan Miró, Salvador Dalí, Piet Mondrian, Edvard Munch, Max Beckmann und Josef Albers an.

Zudem interessierte sich Paul Vogt für die amerikanische Gegenwartskunst und führte die Sammlungsentwicklung mit der Erwerbungen von Werken Barnett Newmans, Franz Klines, Morris Louis’, Mark Rothkos, Jackson Pollocks, Ad Reinhardts und Frank Stellas weiter. Genauso engagierte er sich für die osteuropäische Avantgarde und ab den 1980er Jahren für die Kunst der „Jungen Wilden“ um Georg Baselitz, Markus Lüpertz oder A.R. Penck. Im Jahr 1979 siedelte Vogt die Fotografische Sammlung, die heute zu den wichtigsten Fotosammlungen weltweit gehört, im Museum Folkwang an und konnte dazu auf die 1958 von Otto Steinert an der Folkwangschule begründete Kollektion zurückgreifen. Auch die Eingliederung des Deutschen Plakat Museums in das Museum Folkwang hat er frühzeitig angeregt.

1977 wurde Paul Vogt zum Professor der Universität Essen ernannt, nachdem er schon Jahre zuvor zunächst für die Medizinstudenten am Essener Klinikum, dann im Rahmen der Gesamthochschule Essen Vorlesungen über Kunst gehalten hatte. 1984 wurde er von Berthold Beitz an die Kulturstiftung Ruhr berufen und war bis 2010 als geschäftsführendes Vorstandsmitglied für die Ausstellungen auf der Villa Hügel in Essen verantwortlich. Für sein umfassendes Engagement erhielt Paul Vogt das Bundesverdienstkreuz.


10.10.2017

Quelle: Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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