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Martin Mannig in Dresden

Martin Mannig, Wonderland, 2006/07

Die Städtische Galerie Dresden widmet Martin Mannig die erste museale Retrospektive. Der 1974 in Freiberg geborene ehemalige Graffiti-Künstler, der von 1999 bis 2004 an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden studiert hat und Meisterschüler bei Ralf Kerbach war, präsentiert in der Ausstellung Gemälde, Zeichnungen, Filme und die sie inspirierenden Figuren. Mit ihnen gibt Martin Mannig einen Überblick zu Umfang und Struktur seiner künstlerischen Arbeit. Neben Objekten aus der eigenen Sammlung des Künstlers sind auch aktuelle Werke zu sehen, etwa die eigens für die Ausstellung geschaffene Installation „Volksrakete“, in der Mannig 29 Objekte aus dem Museum für Sächsische Volkskunst der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden integriert hat. Ein neues Beschäftigungsfeld bildet hier das Nähen. Mannig verarbeitet mit Nadel und Faden Leinwand-Versatzstücke und dreidimensionale Elemente zu einem neuen Bildganzen.

Der Ausstellungstitel „folkfuturism“ soll die Fusion zwischen Traditionellem und Modernem umschreiben, etwa die Verbindung aus Japan-Pop und erzgebirgischer Volkskunst. Martin Mannig reiste 2008 erstmals nach Tokio, 2011 folgte eine zweite Reise nach Fernost. Sein künstlerisches Konzept, so das Museum, speise sich „aus einer bizarren Mischung volkskünstlerischer Artefakte mit Charakteren, die Computerspielen, Horrorfilmen, Manga-Comics oder Kinderbüchern entstammen“. In „Atomic Flipper“ von 2013 fliegen Augenbälle und von Comics entlehnte Knall-Wolken samt Sprechblasen ähnlich einer Collage im Raum und durchdringen sich gegenseitig. Vor alledem schwebt eine zerteilte abstrakte menschenähnliche Gestalt mit Beinen.

Mannigs Tendenz zur Dekonstruktion bekannter Figuren und ihre neue Zusammenfügung, so dass sich der eingeschriebene Charakter gegen die visuelle Erscheinung kehrt, verdeutlicht etwa „Wonderland“ von 2006/07: Der aus dem Film „Ghostbusters“ stammende Stay Puft Marshmallow-Man von 1984 wird zu einem unsicher wirkenden kleinen Charakter verwandelt. Im Film wütete er übergroß in New York. Dasselbe Schicksal ereilt auch den dunklen übermächtigen Bösewicht Darth Vader aus der Star Wars-Serie. Sein Erkennungsmerkmal, der schwarze Helm, sitzt auf dem Kopf eines Mädchens in grünem Kleid mit roten Strümpfen. Sie blickt und hört gerade den Ausführungen des Marshmallow-Man zu. Dieses eigentümliche Wunderland mit seiner dunklen Farbskala samt roten Akzenten scheint eher eine umgekehrte alptraumhafte Version von Lewis Carolls Erzählung zu sein, auf die der Titel wohl anspielt.

Die Ausstellung „Martin Mannig. folkfuturism“ ist bis zum 14. Januar 2018 zu sehen. Die Städtische Galerie Dresden hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, freitags zusätzlich bis 19 Uhr geöffnet. Das Haus bleibt an Heiligabend, dem 1. Weihnachtsfeiertag und zu Silvester geschlossen. Der Eintritt beträgt 5 Euro, ermäßigt 4 Euro. Freitags ist der Eintritt ab 12 Uhr frei. Der Ausstellungskatalog kostet 26 Euro.

Städtische Galerie Dresden
Wilsdruffer Straße 2
D-01067 Dresden

Telefon: +49 (0)351 – 488 73 01
Telefax: +49 (0)351 – 488 73 53


08.11.2017

Quelle: Kunstmarkt.com/S. Hoffmann

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14.10.2017, Martin Mannig. folkfuturism

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