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Am 12.12.2017 Ergebnisse und Nachverkauf Auktion 67: Moderne

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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Verhaltene Kauflaune bei der Auktion mit Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts von Neumeister in München

Hässlicher Hollywood-Star



Andy Warhol, Liz, um 1964

Andy Warhol, Liz, um 1964

Unaufdringlich gibt sich das schwarz-weiße frontale Antlitz der Hollywood-Ikone Liz Taylor. Ihre weiche Rundungen, die ruhigen und wohlwollenden Augen und das formschöne Stupsnäschen haben schon so manchen Filmfreund begeistert. Doch leider geht ein weißer Strich durch ihr Gesicht. Noch dramatischer ist sie auf einem zweiten Blatt entstellt: Durch den versetzten Mehrfachdruck wirkt die Leinwanddiva fast wie ein Zombie, während auf dem dritten Druck wieder nur wenige Fehlstellen ihre Schönheit schmälern. Vielleicht war es gerade dieser starke Antagonismus in der Vorstellung von Liz Taylor, der die Bieter der vergangenen Auktion moderner und zeitgenössischer Kunst bei Neumeister in Kauflaune schaukelte. Die drei Offsetlithografien, mit denen Andy Warhol um 1964 seine berühmten Bilder der Schauspielerin vorbereitete, waren mit bis zu 1.800 Euro vergleichsweise niedrig angesetzt. Doch der ungewöhnliche Einblick in die Werkgenese katapultierte sich mit 31.000 Euro zum Höhepunkt der Veranstaltung.


Nicht alle Losnummern erfreuten sich derart regen Interesses. Mit einer losbezogenen Zuschlagsquote von mageren 36,8 Prozent und einem Gesamtumsatz von rund 500.000 Euro wurden die Erwartungen nicht umfänglich befriedigt. Das bekam vor allem die Zeitgenossen-Abteilung zu spüren; hier sank die Verkaufsrate auf 27,3 Prozent. Gerade einige hochpreisig angesetzte Hoffnungsträger mussten die Apathie des Publikums ertragen, so etwa Albert Oehlens helle Malerei „Untitled (3rd Eye – Keep your Eyes open)“ über einer Kaltnadelradierung von 1987. Die Mischung aus Abstraktion und Figürlichkeit, die das menschliche Auge zum Thema hat, provozierte bei einem Schätzwert von 150.000 bis 200.000 Euro keinen Hammerfall. Genauso erging es Sigmar Polke. Weder sein mit farbenfrohen Punkten 1995/96 überarbeiteter Faksimiledruck der Rembrandtschen Kirchenansicht von Bloemendaal (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR), noch sein Triptychon „Drei Selbstbildnisse“ als Collage aus Stoff, Kataloginnenseiten und Bleistiftzeichnungen von 1995 (Taxe 180.000 bis 220.000 EUR) oder sein mit Kugelschreiber und dunkelroter Tusche erstelltes „Fremdes Wesen“ von 1994 fanden einen Abnehmer (Taxe 40.000 bis 50.000 EUR).

Post War & Contemporary Art

Die Kunden pickten sich lieber bei den günstigen Preisen gezielt ihre Schätzchen heraus, etwa Markus Lüpertz’ neoexpressive schwarze Gouache, die 1987 als Vorstudie zu seiner Bronze des heiligen Sebastian diente, bei erfreulichen 14.000 Euro (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR), oder Arnulf Rainers schmissige „Verbotene Fehde (Selbstbildnis)“ von 1968/70. Hier folgte der Österreicher seiner Vorliebe für Übermalungen und bekritzelte mit schwarzer, roter und blauer Ölkreide spontan einen Gelatinesilberabzug, der sein mit einem Strumpf überzogenes und damit unkenntlich gemachtes Gesicht erahnen lässt. Der Inbegriff einer Selbstdefinition oder gar -kritik wurde mit einem Gebot von 12.000 Euro belohnt (Taxe 7.500 bis 9.500 EUR). Diesen Wert und damit den unteren Schätzpreis gab es zudem für Anselm Kiefers Collage „Schlangengrube“. Auf einen grauen Karton hatte er dafür 1983 die Haut einer Brillencobra und die historische Fotografie der Kohlengrube aus seinem Atelier in Höpfingen aufgebracht.

Gleich neun Werke des Aktionskünstlers Joseph Beuys betraten am 8. Dezember das Münchner Parkett und repräsentierten in ihrer Eigenschaft als einstige Alltagsgegenstände die Idee des Krefelder Querdenkers, jeder und alles habe die Fähigkeit, Kunst zu werden. Beispielhaft manifestiert sich seine den Kunstbegriff revolutionierende Geisteshaltung vor allem in dem kleinen weißen Pommes-Pappteller, den Beuys 1978 mit dem Satz „Ich ernähre mich durch Kraftvergeudung“ beschriftete und damit einmal mehr tiefere Bedeutungszusammenhänge und Wirkprinzipien unserer Alltagskultur beleuchtete. Statt für gewünschte 3.000 Euro wanderte eines von insgesamt 141 Exemplaren nun für 5.000 Euro in neue Hände. Ähnlich komplikationsfrei lief es für Beuys’ mit brauner Ölfarbe bearbeitete Serigrafie, die ein profilsichtiges Foto des Künstlers zur Grundlage hat. Denn das aus der von 1973 bis 1980 erstellten „3-Tonnen-Edition“ stammende Werk ließ mit 2.400 Euro seinen Wunschpreis von bis zu 1.500 Euro lässig hinter sich.

Gerhard Richters Farboffset „Betty“ kam ebenfalls gut an. Das 1991 nach dem gleichnamigen Gemälde für die Tate Gallery gedruckte Poster, das eine blonde, sich vom Betrachter wegdrehende Frau in bunt-rotem Blumenjäckchen zeigt, erstritt sich 14.000 Euro (Taxe 6.000 bis 7.000 EUR). Richters lebensbejahender, abstrakt-farbenfroher acrylglasversiegelter Digitalprint „Flow“ entfaltete hingegen keinen Geldfluss bei den Auktionsteilnehmern (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). Dann bezauberte Marilyn Monroe wieder die Sammler zu 8.000 Euro und trat in Gestalt einer handkolorierten Fotografie an, die Bert Stern 1962 während des legendären „Last Sitting“ schoss und 2012 nochmals abziehen ließ (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR).

Bei der jüngeren Kunst überzeugten Till Gerhards schemenhaft wandelnde drei „Narren“ von 2004 bei 5.000 Euro (Taxe 5.000 bis 6.000 EUR), Mauro Bergonzolis erotischer Pop Art-Verschnitt „Amadeus“ bei 6.000 Euro oder Matthias Gangkofners sich verflüchtigende Luftblasen in dem blauen Wasserausschnitt „Hafenperlen 3“ von 1999 bei 6.500 Euro (Taxe je 5.000 bis 7.000 EUR). Aber auch hier blieben die teuren Werke liegen, etwa SEOs knallige Seelandschaft „Blick in den Kosmos“ von 2015 oder Cornelia Schleimes gefühlvolle Menschenschilderungen „Träum weiter“ von 2007 und „Melancholie“ von 2012 (Taxe je 25.000 bis 30.000 EUR).

Die Offerte zeitgenössischer skulpturaler Arbeiten tat sich insgesamt eher schwer, besonders die Konzeptkunst wollte nicht so richtig aufleben. So fing der als „Linse“ geformte Hohlspiegel Adolf Luthers von 1977 keine angestrebten 9.000 bis 11.000 Euro ein. Auch Norbert Krickes „Raumkurve“, die sich seit 1976/77 als gebogener Stahldraht auf einer grauen Platte unter einem Plexiglaskasten windet, musste auf 20.000 bis 25.000 Euro verzichten, ebenso wie die unbetitelte fontänenartige Arbeit von 2000 aus Messing- und Zinndrähten des Künstlerpaars Brigitte und Martin Matschinsky-Denninghoff auf 12.000 bis 15.000 Euro. Immerhin seine untere Schätzgrenze von 2.500 Euro erreichte die unbetitelte, aus einem fragmentarischen Brustabdruck gefertigte Gipsplastik in einem Objektkasten von dem für seine Gipskunst bekannten George Segal.

Moderne Kunst

Die Offerte mit Kunst aus der ersten Jahrhunderthälfte hatte mehr Glück. Hier engagierte sich das Publikum eifriger und nahm mehr als die Hälfte der 95 Positionen mit. Zum Wunschwert von 27.000 Euro verließ Max Liebermanns grün-luftiges Pastell „Der Nutzgarten in Wannsee nach Westen, auf dem Weg eine Gärtnerin“ von 1924 das Auktionshaus. Impressionisten-Kollege Lesser Ury gesellte sich mit einem ebenso sommerfrischen „Landweg“ bei 15.000 Euro (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR) und mit dem kräftigeren Ölgemälde „Schweriner See“ von 1912 hinzu. Die Urlaubsstimmung der flotten Malerei veranlasste einen Besitzerwechsel beim oberen Schätzwert von 10.000 Euro. Konstantin Ivanovich Gorbatov entführte den Betrachter dann nach Westrussland und erbot sich für die mit Gouache und Aquarell ruhig geschilderten Kirchen der „Stadt Toropez“ problemlos 14.000 Euro (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR).

Doch auch bei den hochpreisigen Arbeiten der modernen Kunst gab es Motivationsschwierigkeiten. Sie offenbarten sich am deutlichsten bei Henri Lebasques symbolistischer Ölstudie „La danse“ von 1917. Von der ausgelassenen Tanzstimmung der unbekleideten hübschen Mädchen im Grünen ließ sich bei 80.000 bis 100.000 Euro niemand anstecken. Keinen der im Saal anwesenden Geldbeutel vermochte Gustav Klimts „Sitzende Dame von vorne. Adele Boch-Bauer“ zu öffnen, die mit schwarzer und violetter Pastellkreide sowie weißen Höhungen auf bräunliches Backpapier kam (Taxe 60.000 bis 70.000 EUR). Ein weiterer Hoffnungsträger, die 38teilige Lithograpfieserie „Cirque“ von Marc Chagall, deren Realisierung 1967 auf seine Begeisterung für reges Zirkusgeschehen im Kindesalter zurückgeht, ließ die Erwartungen von 100.000 bis 150.000 Euro gleichfalls ins Leere laufen.

Anders sah es bei dem 1900 in Österreich geborenen Herbert Bayer aus, der als Schüler von Wassily Kandinsky und Paul Klee ideale Bedingungen für seine künstlerische Ausbildung genoss. Bis auf eine Position mit zwei Ausstellungsplakaten langten die Kunden bei allen acht Kunstwerken zu. In erster Linie arbeitete Bayer als Typograf, Designer und Fotograf. Doch auch sein surrealistisch angehauchtes Ölgemälde „Ein Vorgang in Blau“ von 1936 mit einer weiten Wüste samt schwebenden Formen entlockte einem Bieter schließlich taxkonforme 16.000 Euro. Seine beiden Abstraktionen „Yellow Glow“ und „An der südlichen Mauer“ aus den 1950er Jahren erwirtschafteten 7.500 Euro und 5.500 Euro (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR und 5.000 bis 7.000 EUR). Bayers Regenbogenfarbstudie „Chromatic intersection“ von 1966 positionierte sich über den Verwaltungen bei 7.500 Euro, und auch die drei surrealen Fotografien von 1932 blieben im Rahmen der Schätzungen zwischen 1.200 Euro und 1.400 Euro nicht unbeachtet.

Klassische Bildhauerei verkörpert die bronzene „Tänzerin“ von Fritz Klimsch aus dem Jahr 1936, deren zarter und doch sportlicher Körperbau einem Sammler schließlich 11.000 Euro wert war (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR), während seine erschöpft wirkende „Rastende“ von 1950 erst im Nachverkauf bei 6.100 Euro etwas Lebensmut zugesprochen bekam (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR). Von organischen Formen lebt die warm-goldene Bonze „Rencontre“ Lucien Wercollier, die sich majestätisch erhöht auf einem schwarzen Marmorsockel präsentierte und mit 5.000 Euro bedacht wurde (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR). Eine weitere Skulptur des Luxemburger Künstlers heißt „LIA“ und zeigt sich als kaum erhabene dreidimensionale Platte aus weißem Marmor, die schließlich für 6.500 Euro in neue Hände kam (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Das hochrechteckige, aus Corten-Stahl und Eisen gefertigte „Kleine Epitaph“ von Fritz Koenig bestätigte mit einem Schlussgebot von 4.000 Euro seine untere Schätzgrenze.

Alle Preise verstehen sich als Zuschläge ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Neumeister Münchener Kunstauktionshaus

Barer Straße 37

DE-80799 München

Telefax:+49 (089) 23 17 10 55

Telefon:+49 (089) 231 71 00

E-Mail: auctions@neumeister.com



19.12.2017

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Claudia Rauth

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08.12.2017, Klassische Moderne, Post War & Contemporary Art

Bei:


Neumeister Münchener Kunstauktionshaus GmbH & Co. KG

Bericht:


Freundschaftlicher Rotztuch-Erinnerungsknoten

Kunstwerk:

Anselm
 Kiefer, Schlangengrube, 1983
Anselm Kiefer, Schlangengrube, 1983

Kunstwerk:

Herbert Bayer, Ein Vorhang in Blau, 1936
Herbert Bayer, Ein Vorhang in Blau, 1936

Kunstwerk:

Herbert
 Bayer, Yellow Glow, 1955
Herbert Bayer, Yellow Glow, 1955

Kunstwerk:

Herbert Bayer, Chromatic intersection, 1966
Herbert Bayer, Chromatic intersection, 1966

Kunstwerk:

Matthias Gangkofner, Hafenperlen 3, 1999
Matthias Gangkofner, Hafenperlen 3, 1999

Kunstwerk:

Mauro
 Bergonzoli, Amadeus
Mauro Bergonzoli, Amadeus







Matthias Gangkofner, Hafenperlen 3, 1999

Matthias Gangkofner, Hafenperlen 3, 1999

Taxe: 5.000 - 7.000 EURO

Zuschlag: 6.500,- EURO

Losnummer: 741

Fritz Koenig, Kleines Epitaph X, 1981

Fritz Koenig, Kleines Epitaph X, 1981

Taxe: 4.000 - 6.000 EURO

Zuschlag: 4.000,- EURO

Losnummer: 588

Lucien Wercollier, Recontre

Lucien Wercollier, Recontre

Taxe: 4.000 - 6.000 EURO

Zuschlag: 5.000,- EURO

Losnummer: 586

Max Liebermann, Nutzgarten in Wannsee nach Westen. Auf dem Weg eine Gärtnerin, 1924

Max Liebermann, Nutzgarten in Wannsee nach Westen. Auf dem Weg eine Gärtnerin, 1924

Taxe: 25.000 - 30.000 EURO

Zuschlag: 27.000,- EURO

Losnummer: 525

Markus Lüpertz, Ohne Titel (Studie zu „Heiliger Sebastian“), 1986

Markus Lüpertz, Ohne Titel (Studie zu „Heiliger Sebastian“), 1986

Taxe: 8.000 - 10.000 EURO

Zuschlag: 14.000,- EURO

Losnummer: 659

Herbert Bayer, Chromatic intersection, 1966

Herbert Bayer, Chromatic intersection, 1966

Taxe: 5.000 - 7.000 EURO

Zuschlag: 7.500,- EURO

Losnummer: 568

Till Gerhard, Narren, 2004

Till Gerhard, Narren, 2004

Taxe: 5.000 - 6.000 EURO

Zuschlag: 5.000,- EURO

Losnummer: 722

George Segal, Untitled

George Segal, Untitled

Taxe: 2.500 - 3.500 EURO

Zuschlag: 2.500,- EURO

Losnummer: 708

Herbert Bayer, Yellow Glow, 1955

Herbert Bayer, Yellow Glow, 1955

Taxe: 3.000 - 4.000 EURO

Zuschlag: 7.500,- EURO

Losnummer: 566

Mauro Bergonzoli, Amadeus

Mauro Bergonzoli, Amadeus

Taxe: 5.000 - 7.000 EURO

Zuschlag: 6.000,- EURO

Losnummer: 729

Lesser Ury, Landweg

Lesser Ury, Landweg

Taxe: 15.000 - 20.000 EURO

Zuschlag: 15.000,- EURO

Losnummer: 513

Bert Stern, Marilyn Monroe with pink roses, 1962

Bert Stern, Marilyn Monroe with pink roses, 1962

Taxe: 6.000 - 8.000 EURO

Zuschlag: 8.000,- EURO

Losnummer: 681

Fritz Klimsch, Tänzerin (Tanzende), 1936

Fritz Klimsch, Tänzerin (Tanzende), 1936

Taxe: 10.000 - 12.000 EURO

Zuschlag: 11.000,- EURO

Losnummer: 527




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