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Stilleben mit Äpfeln in weißer Schale mit blauem Glas, 1925 / Otto  Modersohn

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Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Mit erfreulichen Ergebnissen hat die Versteigerung von Gemälden und Zeichnungen im Berliner Auktionshaus Bassenge geendet. Besonders gefragt waren diesmal die Portraitminiaturen

Einsames Künstlerleben



Carl Friedrich Heinrich Werner, Der Maler Hans Veit Friedrich Schnorr von Carolsfeld in seinem Atelier in der Leipziger Kunstakademie in der Pleißenburg, 1832

Carl Friedrich Heinrich Werner, Der Maler Hans Veit Friedrich Schnorr von Carolsfeld in seinem Atelier in der Leipziger Kunstakademie in der Pleißenburg, 1832

Er sitzt profilsichtig am Schreibtisch, der mit einem schwarzen Käppchen bedeckte Kopf zielt auf die geistig-kreative Tätigkeit am Zeichenpult, viele aufgestellte und herumliegende Malutensilien vervollständigen den Charakter eines Künstlerateliers. Hier wirkt der Leipziger Akademiedirektor Hans Veit Friedrich Schnorr von Carolsfeld. So hielt ihn 1832 sein einstiger Schüler Carl Friedrich Heinrich Werner fest. Das Arbeitszimmer befindet sich im Obergeschoss, sodass das frontal liegende Fenster den Blick auf den Sandsteinfirst eines Nebengebäudes freigibt. Der Innenraum lebt von einem hellen Dielenboden, die Wände sind in Dunkelgrün gestrichen und wurden mit Bildern und weiterem Anschauungsmaterial behängt. Die Mitte des Ateliers nimmt eine Staffelei ein, deren schlankes Gestell eine großformatige Leinwand trägt. Unter dem Fenster hat sich der vornehmlich auf Portraitkunst und die Illustration deutscher Dichterzeugnisse konzentrierter Maler an seinem Schreibtisch niedergelassen, um sich in seine Zeichenarbeit zu vertiefen. Die Prägung durch seinen Mentor Schnorr von Carolsfeld führte Werner zu einer akribisch detaillierten Wiedergabe, die so zur Hommage an den Lehrmeister wird. Fleiß und Bescheidenheit waren Werte, die Werner von ihm mitbekam. Diese Bescheidenheit nahm sich auch Bassenge zu Herzen, als der Berliner Versteigerer den Wert des Gemäldes auf 12.000 Euro festlegte. Das bodenständige Preisschild wurde rasch vom Publikum überboten und mit einem Hammerschlag bei 85.000 Euro zum Highlight der Auktion gekürt.


Gemälde Alter Meister

Die losbezogene Zuschlagsquote von 71 Prozent bei den Gemälden älter und neuerer Meister versetzte Bassenge am 1. Dezember in gute Stimmung – ein Wehrmutstropfen: eine „Allegorie der vier Elemente“ des Flamen Adriaen van Stalbemt um 1620/30 war als prominenteste Position mit 140.000 Euro ausgewiesen, blieb aber letztlich liegen. Auch das von Giovanni Francesco Barbieri und seiner Werkstatt erarbeitete Gemälde „David mit dem Haupt des Goliath“ hatte bei 120.000 Euro das Nachsehen. Dagegen sorgte manche schlicht bewertete Losnummer für einige Überraschung, etwa das um 1630 in Spanien entstandene Bildnis eines Herrn mit weißem Kragen im Oval. Die zarte und auch ein wenig ramponierte Miniatur anonymer Autorschaft war mit 300 Euro gelistet. Doch die Gebote schossen auf 48.000 Euro empor. Sahen hier die Käufer etwa Diego Velázquez am Werk?

So gut lief es für Peter Paul Rubens nicht. Dennoch konnte die in seiner Werkstatt ausgeführte innige „Madonna mit Kind“ 25.000 Euro beanspruchen (Taxe 28.000 EUR). Dieses minimale Defizit wurde direkt mit einem sportlichen Gefecht um eine elegante italienische „Madonna mit Kind“ des 16. Jahrhunderts ausgeglichen, die ihre veranschlagten 9.000 Euro mit einem Schlusswert von 22.000 Euro lässig hinter sich. Eine spätgotische „Beschneidung Christi“ aus Deutschland, die in einem offenen Kapellenraum in einer Hügellandschaft spielt, brachte es auf 8.000 Euro (Taxe 10.000 EUR), eine „Beweinung Christi“ aus dem Umkreis des Brügger Malers Adriaen Isenbrant um 1525/30 auf 5.500 Euro (Taxe 7.500 EUR). Auch Claes Molenaers Gemälde liefen etwas untertourig: Sein sommerliches Frühwerk „Landschaft mit einem Dorf und bäuerlicher Staffage“ von etwa 1645/50 mit 6.000 Euro (Taxe 10.000 EUR), seine „Fröhlichen Gesellschaft auf einem zugefrorenen Fluss vor einer Stadt“ mit 5.000 Euro (Taxe 9.000 EUR).

Gemälde Neuerer Meister

Zwei französische Gemälde ohne bekannten Urheber vom Beginn des 19. Jahrhunderts, die jeweils mit 6.000 Euro gelistet waren, nahmen den flotten Kurs im Auktionssaal dann wieder auf. Die klassizistische arkadische Waldlandschaft mit antikem Tempel und Figurenstaffage kletterte auf 20.000 Euro, die nur mit einem bunten Tuch um die Lenden bekleidete Indianerin mit Glasperlenschmuck und Graureiher vor wuchernder südamerikanischer Natur auf 26.000 Euro. Die Frankreich-Sympathie wollte nicht abreißen, und so verschaffte sich die Schilderung eines im Grünen liegenden Tals, das als von Bergen umringte „Landschaft in den Pyrenäen mit einem Heilbad“ des Pariser Malers Alexandre-Louis-Robert Millin Duperreux aufgerufen wurde, ein Preisschildchen von 7.000 Euro (Taxe 2.500 EUR).

Den Heimvorteil nutzte derweil Friedrich Otto Georgis spätromantische „Grotte der Egeria in Rom“ von 1856. Denn der sagenhafte Ort aus Ovids Metamorphosen errang wiederum gute 7.000 Euro (Taxe 2.400 EUR). Ebenso konnte sich Max Schmidt feiern lassen. Seine mit kühner Tiefenwirkung formulierte Darstellung des Castle Rock an der sonnigen Steilküste im Norden der Grafschaft Devonshire samt rastendem jungem Paar im Vordergrund ließ den Wert des Gemäldes ebenfalls auf 7.000 Euro hinaufschnellen (Taxe 4.000 EUR). Carl Robert Kummers atmosphärischer Sonnenuntergang über dem Meer um 1850/60 freute sich über 3.800 Euro (Taxe 3.500 EUR), Karl Lindemann-Frommels Sicht auf die markanten Faraglioni-Felsen im Meer vor Capri über 3.400 Euro (Taxe 3.000 EUR) und Max Uths impressionistische „Kleine Gutshöfe in Bornstedt bei Potsdam“ von 1899 über 2.200 Euro (Taxe 1.200 EUR).

Romantiker in Dresden

Tierschilderungen gehörten zeitlebens zu den Lieblingsthemen Wilhelm Kuhnerts. Seine stimmungsvolle „Tropennacht am Fluss“ von 1918 zeigt einige Zebras, die nachts am Flussufer ihrem Durst nach Wasser stillen. Das warme Dunkel, die im Mondlicht aufblitzende Wasseroberfläche, das friedliche Gefühl der sich in Sicherheit wiegenden Tiere – all das kam gut an und wurde mit 12.000 Euro belohnt (Taxe 4.000 EUR). Nicht ganz so viel Glück hatte Wilhelm Böttners „Bildnis Königin Luise von Preußen“, das vermutlich privat in Auftrag gegeben wurde. Der Umstand, dass das Gemälde der Forschung bis vor kurzem noch unbekannt war, löste eher Schüchternheit in der Bieterschaft aus. Die preußische Symbolfigur aus der Zeit der Napoleonischen Kriege konnte immerhin noch 10.000 Euro auf sich vereinen (Taxe 12.000 EUR). Die Dresdner Romantik im Umfeld Johan Christian Dahls und Caspar David Friedrichs konnte dann wieder punkten, einmal mit einer feinen Riesengebirgslandschaft im milden Abendlicht um 1830 bei 6.500 Euro (Taxe 1.800 EUR), das andere Mal mit einer charakteristischen, gleichaltrigen Vollmondlandschaft mit Burgruine bei 5.000 Euro (Taxe 3.500 EUR).

Vorteilhaft lief es für den Verkäufer einer von William Frederick Witherington gefertigten Landschaft mit dem Titel „Indien: Blick auf einen Fluss im Hochlands, im Vordergrund Hirten mit Wasserbüffeln“. Der ab 1805 an der Royal Academy geschulte Maler bereicherte seine Landstriche stets mit kleinen zarten Figuren, Menschen oder Tieren. So tat er es auch in dem um 1820 entstandenen Ölgemälde, das nun in Berlin für satte 18.000 Euro in ein neues Zuhause kommt (Taxe 2.500 EUR). Sein Waliser Kollege Penry Williams überzeugte mit der unvollendeten, zart lavierten italienischen Bauernfamilie auf einem Ochsenkarren an der Via Appia beim Grab der Caecilia Metella von 1842 bei 11.000 Euro (Taxe 6.000 EUR). Positiv war zudem das Ergebnis für die „Herbststimmung im Spreewald mit Stechkähnen auf einem Fluss“ des Dänen Peder Mork Mønsted von etwa 1913. Ein französischer Einfluss macht sich etwa in den sanft fallenden Blättern und der weich-vitalen Art der Pinselführung bemerkbar. 9.000 Euro waren sein Lohn (Taxe 4.000 EUR). Freudig blickten auch Franz Alts Passanten 1888 von der Terrasse des Pincio auf St. Peter im Licht der untergehenden Sonne und auf 3.200 Euro (Taxe 1.500 EUR).

Arbeiten auf Papier

Nach den Gemälden kam eine Sektion mit alten Bilderrahmen an die Reihe, die für eine exzellente Verkaufsrate von knapp 94 Prozent sorgte. Die Preise lagen hier zumeist im dreistelligen Bereich; teuerstes Objekt war ein als „ländlich“ bezeichneter Blattrahmen des 17. Jahrhunderts mit gebundenem Lorbeerstab und durchbrochenem Blumenfries für 1.100 Euro (Taxe 240 EUR). Bei den Arbeiten auf Papier ging die losbezogene Zuschlagsquote um 20 Prozent auf immer noch sehr gute 73,7 Prozent zurück. Regen Zuspruch gab es für einige niedrig angesetzte Blätter. Eher verhalten verlief jedoch die Versteigerung des Hoffnungsträgers, ein profilsichtiger „Ozelot“, den Aloys Zötl 1835 vor exotischem Baumwerk platzierte. Trotz großer Hoffnung blieb das Fauchen ein Miauen, und die Raubkatze erreichte nur 25.000 Euro (Taxe 28.000 EUR). Die gezeichneten und mit Feder und Pinsel vervollständigten „Zwei spielenden Leoparden“ von Georg Philipp Rugendas d.J. glichen das Zötlsche Schwächeln aus. Die tollenden Raubkatzen mit aufgerissenen Mäulern brachten es auf unerwartete 9.000 Euro (Taxe 3.800 EUR). Auch Eugène Delacroix’ energische Studie eines Löwen und einer Löwin stieß bei 6.500 Euro auf positive Resonanz (Taxe 2.400 EUR).

Süddeutsches Rokoko in der Sammlung Isphording

Der in Mähren geborene Gottfried Bernhard Göz verschrieb sich dem vitalen Rokoko-Stil, den er als Kupferstecher und Maler im 18. Jahrhundert in Schwaben praktizierte. Sein in brauner Feder gearbeitetes „Letztes Abendmahl“ konnte durch starke Tiefenwirkung, facettenreich geschildertes Personal und lieblich-organische Rokokozier erst bei 2.400 Euro den Besitzer wechseln (Taxe 750 EUR). Aus der Sammlung Eduard Isphordings mit süddeutscher Rokoko-Kunst reüssierte zudem Johann Wolfgang Baumgartners Stichvorlage mit der heiligen Rosalie auf der Weltkugel und Christus in den Wolken bei 2.200 Euro (Taxe 900 EUR), ebenso Josef Ferdinand Fromillers exakte „Anbetung der Heiligen Drei Könige“ von 1723 bei 1.600 Euro (Taxe 1.200 EUR) oder Melchior Steidls querformatige Entwurfsskizze „Allegorie auf die Glückseligen und die Verdammten“ bei 1.800 Euro (Taxe 1.200 EUR). Der Spitzenpreis der Sammlung Isphording von 4.200 Euro ging indes an die Vorzeichnung für das Frontispiz der Ordensgeschichte „Dreyfache Cronickh von dem dreyfachen Orden deß grossen H. Seraphinischen Ordens-Stiffters Francisci“ eines unbekannten süddeutschen Künstlers um 1686 (Taxe 900 EUR).

Emanuel Murants mit schwarzer Kreide gezeichneter „Hof mit einer verfallenen Hütte“ trumpfte mit 4.400 Euro auf (Taxe 2.400 EUR). Denselben Wert erbot sich auch Franz Kobells flott braun lavierte „Voralpenlandschaft mit Steinbrücke über einem Gebirgsbach“ (Taxe 1.800 EUR). Simon Petrus Klotz’ dichte Waldgegend mit antiken Ruinen und Schäfern, die er um 1800 durch starke dunkle Partien und lichtbestrahlte Tempelfragmente belebte, verabschiedete sich erst bei 8.500 Euro. Klassizistisch blieb es mit Francesco Casanovas Feldlager am Waldesrand mit zahlreichen Staffagefiguren bei Lustbarkeiten für 4.400 Euro (Taxe je 3.500 EUR). Honoré Daumier war als Karikaturist in der Wahrnehmung konservativer Gesetzesvertreter zeitlebens ein Querulant. Eben ein solchen, einen „Defenseur“, schuf der aufgrund seiner ehrlichen Sprache mitunter inhaftierte Künstler in typisch humoristischen Gesichtszügen, die einem Bieter 28.000 Euro wert waren (Taxe 30.000 EUR).

Zwar italienisch-mythologisch in Inhalt und Form, doch aus deutscher Hand stammt die Aquarellarbeit „Pompeji: Das Haus des Fauns“ von Maximilian Albert Hauschild. Seine klar konturierten Ruinenbauten und der meisterhaft umgesetzte Sonneneinfall auf den offenen Platz führten zu einer starken Bewertung von 11.000 Euro (Taxe 6.000 EUR). Eine Seitenansicht des Erechtheion mit der Korenhalle auf der Akropolis in Athen aus unbekannter italienischer Hand erhielt 7.000 Euro (Taxe 1.800 EUR). Aufmerksamkeit wurde zudem Andrea Gasparinis feines Aquarell mit dem Halt eines Reiters und eines Wagenlenkers an der Osteria di Ponte Lucano bei Tivoli von 1849 zum doppeltem Schätzwert von 6.000 Euro und Carl von Blaas’ unvollendeter Tanzszene vor der Cestius-Pyramide in Rom bei 4.000 Euro zuteil (Taxe 1.500 EUR). Der 1814 in Aschaffenburg geborene Architekt Karl von Leimbach studierte 1847 in Venedig eingehend die spätgotische Fassade des Palazzo Foscari, was jetzt zu 2.400 Euro führte (Taxe 400 EUR). Der Dresdner August Leopold Venus hielt sich dagegen lieber in der Heimat auf und ließ 1886 seinen nun 5.500 Euro teuren Blick oberhalb von Pirna über die Sächsischen Schweiz auf den Königstein und den Lilienstein schweifen (Taxe 2.400 EUR).

Der Symbolismus auf der Überholspur

Über mangelndes Interesse konnte sich Karl Wilhelm Diefenbach nicht beklagen. Die Käufer umwarben zwei Blätter zu seinem monumentalen Fries „Per aspera ad astra“, der sich heute im Stadtmuseum seines Geburtsortes Hadamar befindet: Seine mit schwarzer Tusche gemalten sportlichen „Seiltänzer“ ließen ihren Schätzwert von 3.000 Euro mit einem Gebot von 13.000 Euro locker hinter sich, auch seine ebenso scherenschnittartig formulierten „Akrobaten: Kinder und Affen auf dem Barren turnend“ machten bei 11.000 Euro eine sportliche Figur (Taxe 2.500 EUR). Auch darüber hinaus hatte die symbolistische Kunst einiges für das Publikum zu bieten. Hugo Höppener, alias Fidus, verdoppelte den Wert seines elfengleichen „Knaben auf einer Löwenzahnblüte“ von 1889, der eine Fahne schwenkt, auf 12.000 Euro. Sein jugendliches Schlittschuhläuferpaar von 1890 in lebensreformatorischer Kleidung legte eine Steigerung von 1.500 Euro auf 4.800 Euro hin. Jeweils 4.200 Euro kamen für seinen Tondo „Gabriel“, auf dem sich eine entblößte Frau ekstatisch einem männlichen Wesen mit verschlingenden Haaren entgegenstreckt (Taxe 2.400 EUR), und für ein nacktes Kind im „Zauber der Unschuld“ zusammen, das in einem Teich auf einen übermächtigen Löwen im Schilf zuläuft (Taxe 1.200 EUR). Als Aquarelle gesellten sich Ferdinand Heilbuths Waldgegend an einem Teich mit tanzenden Frauen bei einer Pansherme im Abendlicht für 5.000 Euro (Taxe 900 EUR) und Carlos Schwabes „Unschuld“ von 1921 hinzu. Die nackte junge Frau, die wohl im originalen Ädikularahmen ihr Spiegelbild in einem Seerosenteich betrachtet, bezirzte die Anwesenden zu 8.500 Euro (Taxe 6.000 EUR).

Hermann Wöhler ist seit eineinhalb Jahren Stammgast bei Bassenge mit guten Aussichten auf Wertsteigerungen. So war es auch diesmal, etwa bei dem in tiefe Nacht getauchten, monsterhaften „Alp bemächtigt sich eines Hauses“. In der durchfensterten, von Innen hell erleuchten Gebäudefront agieren Menschlein, die nicht ahnen, dass das riesenhafte Fabelgeschöpf bereits seine große Hand auf das Gebäudedach gelegt hat, um diesem habhaft zu werden. Der Hammer fiel deutlich über den Erwartungen bei 7.000 Euro (Taxe 1.200 EUR). Wöhlers hochkantige traumhafte dunkle „Ikaruslandschaft“ forderte von seinem Käufer gar 9.500 Euro (Taxe 1.800 EUR), und auch sein Blick über einen alten Friedhof auf das Meer unter dem Titel „Wie so sanft ruhn…“ von 1929 ließ sich bei 7.500 Euro nicht lumpen (Taxe 1.500 EUR), ebenso seine „Landschaft im Gebirge“ mit zerzaustem Nadelbaum bei 7.000 Euro (Taxe 1.200 EUR). Hier hat er sich vielleicht Anregung bei Albrecht Altdorfer geholt. Denn in seinem Umfeld entstand die vergleichbare, mit schwarzer Feder gearbeitete „Gebirgslandschaft mit großer Fichte“. Nicht zuletzt das im Bild befindliche Monogramm „IH“, das mit einer Zeichnung im Frankfurter Städel korrespondiert, und die Datierung auf das Jahr 1522 forderten schließlich 9.000 Euro (Taxe 6.000 EUR).

Beliebte Miniaturen

Den Abschluss am 1. Dezember machte bei Bassenge ein eigener Katalog mit Portraitminiaturen. Die 130 Positionen lockten zahlreiche Bieter, die über 90 Prozent abnahmen und häufig die Wertvorstellungen hinter sich ließen, so gleich zu Beginn bei zwei barocken Grafitwerken des Engländers Thomas Forster. Sein stolzer Herr mit wallender Allongeperücke im Oval heimste 7.000 Euro ein (Taxe 600 EUR), seine zarte junge Schöne von einer Landschaft gar 7.500 Euro (Taxe 800 EUR). Dieser britische Trend setzte sich rund hundert Jahre später bei John Smarts Bildnis einer jungen Frau mit gepudertem Haar bei 2.400 Euro und ihres Pendants bei 2.600 Euro etwas abgemildert fort (Taxe je 2.000 EUR), gewann aber bei Henry Bones markantem Konterfei des Namensvetters Henry Hope aus dem Jahr 1806 mit 7.500 Euro wieder an Fahrt (Taxe 2.500 EUR). Dass die Briten Meister in der Portraitkunst waren, bewiesen gleichfalls Bernard Lens III mit seiner jungen Frau in blauem Gewand samt Spitzeneinsatz und langem braunem Haar von 1721 bei 850 Euro (Taxe 800 EUR) oder Richard Cosway mit seinem Bildnis eines jungen Manns um 1790 bei 1.400 Euro, hinter dem der irische Dramatiker und Politiker Richard Brinsley Sheridan stecken soll (Taxe 1.000 EUR).

Gegen die britische Übermacht taten sich andere Nationen etwas schwer. Deutschland beteiligte sich mit Friedrich Carl Grögers klassizistischem Bildnis eines älteren Herrn im blauen Rock für 3.200 Euro (Taxe 1.000 EUR), mit Friedrich Heinrich Fügers etwas verhärmter Dame im silbergrauen Kleid für 4.200 Euro (Taxe 3.000 EUR). Österreichischen Einfluss ließ zudem Carl Josef Alois Agricolas Miniatur eines Grafen Wratislaw mit dem Komtur-Kreuz des kaiserlichen Leopold-Ordens für 2.200 Euro spüren (Taxe 1.000 EUR). Auch Moritz Michael Daffingers junger Mann in dunkelblauem Rock hatte sich für die Portraitsitzung um 1815/20 zwei Orden umgehängt und nahm dafür nun 1.900 Euro entgegen (Taxe 1.500 EUR). Bei Emanuel Thomas Peter und seiner jungen Frau in rostrotem Kleid fiel der Anstieg von 800 Euro auf 1.800 Euro deutlicher aus. Nach Russland ging es mit dem um 1807 erstellten Bildnis eines adretten Offiziers aus dem Izmailovsky-Regiment für 7.500 Euro (Taxe 1.500 EUR). Der höchste Zuschlag ging mit 9.000 Euro an einen jungen Franzosen in dunkelgrünem Rock und weißer Halsbinde, den Jean-Baptiste-Joseph Duchesne 1812 mit energischem Blick und wild lockiger Haarpracht als Romantiker auszeichnete (Taxe 5.000 EUR).

Alle Preise verstehen sich als Zuschläge ohne Aufgeld.

Kontakt:

Galerie Bassenge

Erdener Straße 5a

DE-14193 Berlin

Telefon:+49 (030) 893 80 290

Telefax:+49 (030) 891 80 25

E-Mail: info@bassenge.com



29.12.2017

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Claudia Rauth

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