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Die Hypo-Kunsthalle in München feiert die Pariser Salonmalerei des 19. Jahrhunderts. Die Ausstellung „Gut. Wahr. Schön.“ schlägt ein Kapitel europäischer Malerei auf, das schon in seiner Zeit als anachronistisch beschrieben wurde. Die Augenblicksmagie der Werke aber ist gewaltig.

Das süße Parfüm des Salons



William Adolphe Bouguereau, Dante und Vergil, 1850

William Adolphe Bouguereau, Dante und Vergil, 1850

Unberührt lässt einen das Pathos dieses gewalttätigen Aktes nicht. Wie ein Vampir beißt der zu ewiger Tollwut verdammte Erbschleicher Schicchi dem Alchimisten Capocchio in den Hals. Raserei, Mordlust, Todesangst, Sünde, Strafe – alle menschlichen Abgründe treffen hier aufeinander. Der französische Maler William Adolphe Bouguereau hat daraus schon 1850 eine Szene übersteigerter Körperlichkeit gemacht. Die Posen des Kampfes sind so elegant wie in einem Ballett, die Leiber von athletischer Schönheit und animalischer Kraft. Am Rande stehen die Dichter Dante und Vergil wie zwei entsetzte Zuschauer, während im Hintergrund das Inferno vom Weltuntergang kündet. Bouguereaus Gemälde „Dante und Vergil“ ist nur ein Beispiel für den Widerspruch zwischen malerischer Meisterschaft und künstlerischem hyperventilierendem Leerlauf, den die Hypo-Kunsthalle in ihrer Ausstellung „Gut. Wahr. Schön. Meisterwerke des Pariser Salons aus dem Musée d’Orsay“ derzeit zur Diskussion stellt.


Man kann diese Malerei der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die zwischen Drama und Verzückung, zwischen Schwulst und Klassik, zwischen Traum und Hyperrealismus angesiedelt ist, nur als ein Zeitphänomen betrachten: Vom Staat gefördert, von einer pomp- und schwärmsüchtigen Klientel gefeiert, aber von vielen Zeitgenossen im Vergleich mit dem gerade aufkommenden Impressionismus schon damals als rückwärtsgewandt, seelenlos oder schlaffe Geschlecktheit verdammt. Das konservative Beharrungsvermögen der akademischen Malerei schlägt einem in dieser Schau mit ziemlicher Deutlichkeit als ins Überbordende geflüchtete Erstarrung entgegen. Auf dem Kunstmarkt muss man kein Revival der Salonmalerei einläuten. Die schwüle Erotik, die gekünstelte Theatralik, die mit malerischer Perfektion einhergeht, haben bis heute ihre Käuferschaft. Für die Stars von damals wie Jean-Léon Gérôme, Gustave Guillaumet oder Jean-Paul Laurens werden heute sechsstellige Summen und mehr gezahlt. An der kunsthistorischen Bewertung wird das kaum rütteln. Hypo-Kunsthallen-Direktor Roger Diederen aber verspürt für die Salonmalerei des späten 19. Jahrhunderts so etwas wie aufziehende Morgenluft. Die Faszination dieser Malerei liegt für ihn in der „Kombination aus großer Kunstfertigkeit, Bildgewalt und packenden Inhalten“. Die Rückwärtsgewandtheit und politisch-restauratorische Substanz aber bleiben unübersehbar.

Wer als Maler im Frankreich des Kaisers Napoleon III. etwas gelten wollte, musste am jährlich stattfindenden „Salon de Paris“ teilnehmen. Eine Auswahlkommission entschied über die Zulassung zu diesem erwählten Kreis, in dem nichts anderes als die akademische Malerei gefeiert werden sollte. Die Kriterien waren streng. Nur Historienmalerei und Sujets, die am Ideal der Antike festhielten, waren zugelassen. Die Aktmalerei, besonders weibliche Figuren mit erotischem Habitus fanden hier ihr Schlupfloch. Hier wurden Maler zu Staatskünstlern gemacht, die mit technischer Kennerschaft auf der Klaviatur der nationalen Epen spielen konnten. Die besten erhielten Regierungsaufträge. An großen Fresken und historischen Zyklen zur Ausgestaltung öffentlicher Gebäude bestand ausreichend Bedarf.

Die Hypo-Kunsthalle zeigt einige der gefeiertsten und in ihrer Zeit bereits vom Staat angekauften Gemälde aus diesen Salons, die heute zum Musée d’Orsay gehören. Der Bombast ist beeindruckend, aber die Quintessenz ernüchternd. Sie lehrt, wie Staatskunst, die sich gegen aktuelle Strömungen stemmt, ins Leere laufen kann. Die Ambivalenz von perfekter Könnerschaft und tendenziell süßlicher Emphase schlägt bei diesen Gemälden selbst in tragischen Sujets durch. Anrührend wie ein schlafendes Kind, das Kleid in weich fallende Falten drapiert, hat etwa Etienne Gautier „Die tote Cäcilia“ auf einer Marmorstufe wie auf einem Altar aufgebahrt. Vor ihr deuten Lyra, eine zarte Rose und ein Schwert, an dem das selbe frische Blut klebt wie das, das von dem Nacken der Heiligen auf die weiße Marmorstufe rinnt, auf ihre Rolle als jungfräuliche Märtyrerin.

Es hat gewiss mit der gesellschaftlichen Situation der Entstehungszeit dieser Malerei zu tun, dass die Ästhetisierung des Dargestellten auf ein Maß der synthetischen Vollkommenheit getrieben wurde. In einer Zeit stahlharter Industriealisierung, auf die Adolph von Menzel in Berlin etwa mit seinem „Eisenwalzwerk“ reagierte, und in einer Situation der Eruption ganzer Wertesysteme war das antike Ideal zu einer Phrase geworden, dem die Salonmalerei durch übersteigerte Entrücktheit, aufgeblasenen Detailreichtum oder eine Betonung des Körperlichen neuen Sinn einhauchen wollte. Das Ergebnis: Visuelle Überwältigung statt geistiger Signale. Jean-Léon Gérômes Gemälde „Junge Griechen beim Hahnenkampf“ von 1846 ist eine harmlose Idylle im antiken Gewande, in der die poetische Potenz der Szene an der schönen Oberfläche der akademisch brillant wiedergegebenen Körper verpufft. Alexandre Cabanel inszeniert die „Vertreibung aus dem Paradies“ zu einem illustren theatralischen Lamento übergroßer Gefühligkeit. Eine große Fassung dieses Gemäldes orderte übrigens der bayerische König Maximilian II. für die Ausgestaltung des Maximilianeums in München, damals Eliteschule und heute Sitz des Bayerischen Landtags. Es wurde im Krieg zerstört.

Und Joseph Blanc schlägt den Betrachter in den Bann mit einem drei Meter hohen, bunt beflügelten, sich aufbäumenden Pegasus, der perspektivisch die Pferdedarstellungen Diego Velázquez’ übertrumpfen will. Effektvoll thront auf ihm in raffinierter Körperdrehung, so dass Rücken, Gesicht und muskulöse Beine ins Blickfeld rücken, Perseus mit dem Haupt der Medusa in der Linken. Im Jahr 1869 ist diese postbarocke Wucht ebenso ein überzuckerter Rückgriff auf historische Vorbilder wie William Adolphe Bouguereaus „Geburt der Venus“ im Jahr 1879, die mit Sandro Botticellis gleichnamigem Gemälde aus dem späten 15. Jahrhundert lediglich Motiv und Sujet gemeinsam hat. Bei Bouguereau geriet die Geburt der Liebesgöttin, die bei Botticelli als Sinnbild für das Erwecken neuen Lebens steht, zur schwülen Vergötterung weiblicher Nacktheit. Das Bild wurde damals für eine stattliche Summe von 15.000 Franc für das Musée de Luxembourg angekauft, bei Zeitgenossen allerdings war es umstritten. Der Kunstschriftsteller Joris-Karl Huysmans verglich Bouguereaus Venus mit einer „baudruche“, einer Puppe aus Kautschuk. Der legendäre Kunsthistoriker Ernst H. Gombrich sah in ihr gar einen Vorläufer des Pin Up-Girls der Trivialkunst.

Einen entschiedenen Bruch erfuhr die heroische Selbstbetrachtung nach dem verlorenen Deutsch-Französischen Krieg 1870/71. Die Kunst entdeckte neue Helden. In einem herben Realismus malte Alfred Roll jetzt die Bäuerin „Manda Lamétrie“, während Pierre Puvis de Chavannes, Alphonse Osbert oder Edgard Maxence die innere Zerrissenheit des modernen Menschen im ausgehenden 19. Jahrhundert in symbolistischen Bildern reflektierten.

Die Ausstellung „Gut. Wahr. Schön. Meisterwerke des Pariser Salons aus dem Musée d’Orsay“ zeigt bis zum 28. Januar 2018 etwa 100 Gemälde aus der Zeit von 1850 bis 1900. Die Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung hat täglich von 10 bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 12 Euro, ermäßigt 11 Euro bzw. 6 Euro. Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 18 Jahren zahlen 1 Euro. Der von Roger Diederen und Laurence des Cars, Direktorin des Musée d’Orsay, herausgegebene Katalog erschien im Hirmer Verlag und enthält Beiträge von Paul Perrin, Sabine Cazenave und anderen. Die 275 Seiten starke Publikation kostet an der Kunsthallenkasse 29 Euro, im Buchhandel 39,90 Euro.

Kontakt:

Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung

Theatinerstraße 8

DE-80333 München

Telefon:+49 (089) 22 44 12

Telefax:+49 (089) 29 16 09 81



30.12.2017

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Sabine Spindler

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22.09.2017, Gut. Wahr. Schön. - Meisterwerke des Pariser Salons aus dem Musée d’Orsay

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Kunsthalle der Hypokulturstiftung

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William Adolphe Bouguereau, Dante und Vergil, 1850
William Adolphe Bouguereau, Dante und Vergil, 1850

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Mathurin Moreau und Michel Auguste Madroux, Die Erziehung des
 Achilles, 1867
Mathurin Moreau und Michel Auguste Madroux, Die Erziehung des Achilles, 1867

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Edouard-Théophile Blanchard, Narziss, um 1870
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Alphonse Osbert, Die Gesänge der Nacht, 1896
Alphonse Osbert, Die Gesänge der Nacht, 1896

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Jean-Paul Laurens, Die Exkommunikation Roberts des Frommen, 1875
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Gustave Guillaumet, Al-Aġwaṭ. Algerische Sahara,
 1879
Gustave Guillaumet, Al-Aġwaṭ. Algerische Sahara, 1879

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Jean-Léon Gérôme, Junge Griechen beim Hahnenkampf, 1846
Jean-Léon Gérôme, Junge Griechen beim Hahnenkampf, 1846







Mathurin Moreau und Michel Auguste Madroux, Die Erziehung des Achilles, 1867

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Edouard-Théophile Blanchard, Narziss, um 1870

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Alphonse Osbert, Die Gesänge der Nacht, 1896

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Jean-Paul Laurens, Die Exkommunikation Roberts des Frommen, 1875

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Gustave Guillaumet, Al-Aġwaṭ. Algerische Sahara, 1879

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Jean-Léon Gérôme, Junge Griechen beim Hahnenkampf, 1846

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Etienne Gautier, Die tote Cäcilia (von Rom), 1878

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Jean-Baptiste Carpeaux, Die drei Grazien, 1873

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Jules Bastien-Lepage, Die Heuernte, 1877

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Joseph Blanc, Perseus, 1869

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Léon Joseph Florentin Bonnat, Hiob, 1880

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William Adolphe Bouguereau, Die Geburt der Venus, 1879

William Adolphe Bouguereau, Die Geburt der Venus, 1879

Alexandre Cabanel, Das verlorene Paradies, 1867

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