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Städel-Chef Demandt gegen Vorverurteilungen von Künstlern

Philipp Demandt spricht sich für eine offene Debatte aus

Im Zuge der #MeToo-Debatte hat sich nun Philipp Demandt, der Direktor des Städel Museums in Frankfurt am Main, in einem Interview mit der FAZ kritisch zu Wort gemeldet: „Die zunehmende Bereitschaft, Künstler aufgrund nicht nachgeprüfter Vorwürfe vorzuverurteilen, sie gesellschaftlich zu ächten und ihr gesamtes Schaffen in Frage zu stellen, hat etwas zutiefst Beunruhigendes.“ Die Rechtsprechung finde immer noch im Gerichtssaal statt, so Demandt in der Donnerstagausgabe der FAZ. „Wenn ich die Tugendhaftigkeit des Künstlers zum Maßstab mache, sind die Museen bald leer.“

Die Wirkung eines Kunstwerks liege im Auge des Betrachters und sei abhängig von den Zeitumständen. Jeder Mensch habe das Recht, ein Kunstwerk zu mögen oder abzulehnen, aber über all dem stehe das Recht, sich eine eigene Meinung zu bilden. Und das könne der Betrachter nicht, wenn man ihm ein Kunstwerk vorenthält. Die Museen sollten Konflikte thematisieren und eine klare Haltung einnehmen, wünscht sich Demandt. Dies habe das Städel zum Beispiel bei den Kinder-Akten des Expressionisten Ernst Ludwig Kirchner getan. „Natürlich gibt es Grenzen. Man muss nicht alles zeigen“, räumt der Direktor ein. Aber beim Abhängen von Bildern oder Absagen von Ausstellungen mahnt er zur Vorsicht: „Wo wollen Sie anfangen? Wo aufhören? Bei der Kunst? Der Literatur? Der Musik? Erst hängen wir Bilder ab, dann die Freiheit an den Nagel.“

Vor kurzem hatte die National Gallery in Washington eine Ausstellung mit dem Fotorealisten Chuck Close nach Vorwürfen sexueller Belästigung abgesagt. Genauso verfuhren vorläufig die Hamburger Deichtorhallen mit der für den Herbst geplanten Ausstellung von Bruce Weber, der den Ausstellungsmachern gegenüber jedoch seine Unschuld beteuerte.

Quelle: Kunstmarkt.com/Jan Soldin

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