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Stefan Moses gestorben

Der Fotograf Stefan Moses ist tot. Der 89jährige starb am Wochenende in München. Der 1928 im schlesischen Liegnitz geborene Künstler bezeichnete sich selbst als „Menschenfotograf“. Das Portrait dominiert daher sein Werk, darunter Bildnisse von Thomas Mann, Otto Dix, Günter Grass, Peggy Guggenheim, Joseph Beuys und Erich Kästner. Viele seiner Bildserien kreisen um Deutschland und die Deutschen. In Moses’ Augen war „Deutschland genauso exotisch wie Afghanistan oder Paraguay, überall unerforschte Gebiete“. Er dokumentierte etwa Menschen und ihre Berufe in Westdeutschland unter dem Titel „Deutsche“ und widmete eine seiner Publikationen dem Thema „Ein Tier und sein Mensch“. Nach der Wiedervereinigung 1989 beschäftigte er sich unter anderem mit dem Projekt „Ostdeutsche Portraits“.

„Mit Stefan Moses verliert Deutschland nicht nur einen großen Fotografen, sondern einen seiner bedeutendsten Chronisten“, sagte Kulturstaatsministerin Monika Grütters. Seine unerschöpfliche Neugier habe den ganz alltäglichen Frauen und Männern auf der Straße gegolten. Untrüglich sei sein Gespür für die Theatralik scheinbar banaler Alltagssituationen gewesen, so Grütters weiter. „Wir können uns glücklich schätzen, dass dieses ‚lebenslängliche Erinnerungswerk‘ - wie Moses selbst seine Arbeit beschrieben hat – in seinen Arbeiten festgehalten ist.“

Oft inszenierte Stefan Moses seine Portraits vor einem grauen Filztuch. Die Menschen scheinen gespannt oder amüsiert ihre Ablichtung abzuwarten. Die Personen in seinen Schwarzweiß-Aufnahmen sind aus ihrer üblichen Umgebung herausgeschnitten, nur um auf den Fotografien als Individuen deutlicher hervorzutreten. Die Mitglieder der Bayerischen Akademie der Schönen Künste positionierte Moses vor einem dreiteiligen Toilettenspiegel, damit sie mit sich selbst ins Gespräch kommen. Unerwartet ist auch eine Fotografie von Willy Brandt: Im Anzug mit Jackett über den Schultern steht er 1983 im dichten Unterholz im Wald und lächelt freundlich, beinahe schüchtern als Privatmann in die Kamera. Überraschend ist zudem das Portrait der österreichischen Schauspielerin Tilla Durieux: Die alte Dame ist in Pelz und edle Kleidung gehüllt und scheint für die Serie „Große Alte im Wald!“ dank eines Tricks der Perspektive in eine Baumgabelung geklettert zu sein.

Stefan Moses absolvierte den ersten Teil seiner Fotografenausbildung in Breslau bei der Kinderfotografin Grete Bodlée. Als 1935 die Nürnberger Rassegesetze in Kraft traten, galt Moses als „Halbjude“, musste seine Lehre abbrechen und wurde in das Zwangsarbeitslager Ostlinde gebracht. 1945 gelang ihm die Flucht. In Erfurt traf er wieder auf Grete Bodlée und konnte seine Lehre abschließen. Nun zog es ihn nach Weimar, wo er kurze Zeit für das Nationaltheater tätig war. 1950 wurde München zu seiner Wahlheimat. Er arbeite für Zeitschriften und Agenturen wie „Magnum“, „Revue“ oder „Neue Zeitung“. Ab 1960 kam der „Stern“ hinzu. Für ihn schuf er Reportagen, mit denen die Öffentlichkeit auf Moses aufmerksam wurde. Seine Bilder wurden auf etlichen Ausstellungen präsentiert, etwa im Literaturhaus Salzburg, im Essener Museum Folkwang, im Münchner Stadtmuseum oder in der Kunsthalle zu Kiel. Zudem erhielt Stefan Moses das Bundesverdienstkreuz und 2014 den Lovis Corinth-Preis.

Quelle: Kunstmarkt.com/S. Hoffmann

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