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Das Museum LA8 in Baden-Baden rückt das Image des „Schwarzwaldkünstlers“ Hans Thoma in ein neues Licht

Weit mehr als nur Idylle



Hans Thoma, Der Wanderer, 1887

Hans Thoma, Der Wanderer, 1887

Am Zusammenfluss zweier Bachläufe stehen etwas versteckt im hohen Gras zwei lesende Kinder im Mittelpunkt einer melancholischen Szene. Durch raffinierte Lichtregie betont, lädt die Erinnerung an unbeschwerte Tage zum genauen Hinsehen ein. Was genau treiben die Kinder in der unberührten freien Natur? Viele Details wie das Ufergestrüpp im Vordergrund rücken nun in den Fokus. Der 1863 in Öl fixierte „Sommermorgen im Bernauer Tal“ besticht durch Selbstsicherheit und malerische Souveränität. Als genauer Beobachter nahm Hans Thoma alles ernst. Prägnante Umrisslinien, Spiegelungen, Schattenwürfe, atmosphärisch dichte Farbstimmungen zeichnen seine Sujets aus. Doch er meint es auch ernst. So etwa beim 1887 aquarellierten Wanderer, der mühsam und angestrengt vor sanfter Hügelsilhouette frontal vor den Betrachter tritt und schweren Schrittes den Aufstieg bewältigt. Es ist quasi die Umkehrfigur zu Caspar David Friedrichs „Wanderer über dem Nebelmeer“ um 1818. Thoma gestaltet die Bildfindung lebensnäher, unidealistisch und latent konfrontativ. Diese Echtheit mag an Gustave Courbets „Steinklopfer“ erinnern. Beide, Courbet und Thoma, waren sture Bauernsöhne. Dies verband die Künstler, als Thoma den Franzosen während des einjährigen Paris-Aufenthaltes im Jahr 1868 persönlich kennenlernte.


Am 2. Oktober 1839 im Schwarzwaldort Bernau in einfache Verhältnisse hineingeboren, brach Hans Thoma Lehren als Fotograf und Uhrenschildmaler ab. 1859 wurde er Schüler von Johann Wilhelm Schirmer an der Großherzoglichen Kunstschule in Karlsruhe. Düsseldorf und die Kunststadt München, wo er mit Arnold Böcklin in Kontakt kam, sowie Frankfurt waren weitere Stationen seines Lebens. Als ihn Großherzog Friedrich I. von Baden 1899 zum Professor an die Großherzogliche Kunstschule in Karlsruhe und in Personalunion damit zum Direktor der Staatlichen Kunsthalle berief, wechselte er erneut den Wohnort. Hier in Karlsruhe verstarb Hans Thoma am 7. November 1924.

Thomas malerisches Œuvre kennzeichnet ein ständiges Umwälzen des eigenen Bildrepertoires. Er entleiht seine Motive aus früheren Werken, passt sie an oder lässt sie in völlig neuen Zusammenhängen aufgehen. Auswirkungen hatten insbesondere seine fünf langen Italien-Aufenthalte, wo er in Florenz Adolf von Hildebrand und Hans von Marées begegnete. So entwickelte sich seine Malerei zu einer Mischung aus Schwarzwald und Italien, Realismus und Farbabstraktion, Ortslosigkeiten und Zwischenidentitäten. Nichts verdeutlicht dies besser als der um 1910 gemalte „Frühlingsreiter“. Zentral im Bild sitzt die etwas überlängte Figur in statuarischer Pose ohne Sattel auf einem Schimmel, dessen bewegte Schrittfolge einen Gegensatz bildet. Der offene, karge Landschaftsraum vermittelt zusammen mit dem klassisch-strengen Bildaufbau etwas Archaisches. Wo spielt sich das eigenartige Ineinander von Gleichgewicht und Dynamik ab, im Schwarzwald oder in Italien?

Thomas letzte bildliche Strategien offenbaren keineswegs idyllische Abbilder der Heimat, sondern eher eine antitraditionelle Gemengelage und sind Kompositionen, die sich aus verschiedenen Quellen speisen. Dies versucht das Museum für Kunst und Technik des 19. Jahrhunderts in Baden-Baden mit seiner Ausstellung „Hans Thoma – Wanderer zwischen den Welten“ darzulegen. Basierend auf genauen Beobachtungen, arbeitete Thoma gezielt Fragwürdiges heraus. Die Gemälde unter den rund 200 Exponaten zeigen mitnichten einen Thoma der Bauernstuben oder des verspielten Reigens auf der Wiese, sondern eine Welt der Widersprüche und Gegensätze. Viele Schlüsselwerke waren lange verschwunden. Sein über Schlesien, Russland und die DDR gewanderter Nachlass konnte erst 1992 restituiert werden. Auch Werke aus weiteren, bis vor wenigen Jahren verborgenen Sammlungen sind erstmals in der Ausstellung öffentlich präsent.

Hans Thoma war über Jahrzehnte nicht erfolgreich und wurde erst ab 1890 populär. Um 1900 zählte er zu den bekanntesten zeitgenössischen Künstlern in Deutschland, seine Arbeiten wurden hoch gehandelt. Als der Kunsthistoriker und Städel-Direktor Henry Thode die Deutung der Werke Thomas zunehmend für sich reklamierte und in ein dumpfes völkisch-nationales Korsett zwängte, brach zeitweise sein Ansehen ein. Dies war zugleich eine Steilvorlage für die Vereinnahmung durch die Nationalsozialisten. Diese Sichtweise will Kurator Philipp Kuhn endgültig revidieren und zieht dazu auch eine Reihe spartenübergreifender Schaffensbereiche des Künstlers heran.

Viele Grafiken Thomas führen den souveränen Illustrator und begnadeten Porträtisten vor Augen. Statt harmonischer Episoden strahlen seine Zeichnungen eine frappante Unmittelbarkeit des künstlerischen Ansatzes aus. Das großformatige Blatt der „Zitronenverkäuferin“ von 1880 offenbart, wie Hans Thoma den Reiz einer weitgehenden Reduktion auf Linien auszuloten versucht. Ab 1891 wandte er sich Experimenten auf druckgrafischem Feld zu. So testete er den neuen „Tachographen“, ein eigentlich für Reproduktionen von Bürodrucksachen konzipiertes Gerät, und ging rasch zu klassischen Steindrucken über, bevor er seine Lithografien in Kunstdruckereien vervielfältigen ließ.

Neben der Auswahl aus Thomas rund 400 nachweisbaren Flachdrucken sowie rund 300 Radierungen ergänzen Dekorationsgegenstände, Nutzobjekte und ausgeführte Möbelentwürfe die Auswahl. Wie reich und vielfältig Thomas wenig bekannte Betätigung auf dem Feld der angewandten Künste war, zeigen seine Entwürfe für Tapisserien, Stoffe oder Bilderrahmen. Am bekanntesten sind seine Gestaltungen von Brettstuhllehnen, die in serieller Produktion hergestellt wurden. Neben seinem Wirken als Direktor der Staatlichen Kunsthalle in Karlsruhe, wo er mit der Schaffung der „Thoma-Kapelle“ oder Ankäufen von Gemälden Matthias Grünewalds von sich reden machte, verweisen zum Abschluss Keramiken auf Thomas Funktion als Mitbegründer der Karlsruher Majolika Manufaktur.

Das von Anbeginn hohe künstlerische Niveau der 1901 begonnenen Produktion begründete den herausragenden Ruf der Manufaktur. Hans Thoma nahm starken Einfluss auf das inhaltliche Konzept und betätigte sich auch als Entwerfer. Wandteller, Platten, Fliesen sind inspiriert von italienischen Majoliken. Besonders deutlich wird die Bezugnahme auf Florentiner Traditionen um die Familie della Robbia bei Reliefplatten wie der heiligen Cäcilia oder dem Weihwasserbecken mit dem heiligen Christophorus. Ludwig Justi, Direktor der Berliner Nationalgalerie und Protagonist der Moderne, bezeichnete Hans Thoma im Jahr 1921 als „den Patriarchen unter den lebenden Künstlern Deutschlands“ und richtete ihm im Folgejahr eine große Ausstellung in seinem Museum aus.

Die Ausstellung „Hans Thoma. Wanderer zwischen den Welten“ ist bis zum 4. März zu sehen. Das Museum für Kunst und Technik des 19. Jahrhunderts hat täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 7 Euro, ermäßigt 5 Euro. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der im Museum 19 Euro kostet.

Kontakt:

Museum für Kunst und Technik des 19. Jahrhunderts

Lichtentaler Allee 8

DE-76530 Baden-Baden

Telefon:+49 (07221) 500 796 0

Telefax:+49 (07221) 500 796 10



16.02.2018

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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23.09.2017, Hans Thoma. Wanderer zwischen den Welten

Bei:


Museum für Kunst und Technik des 19. Jahrhunderts

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Verharren in gediegener Glückseligkeit

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Hans
 Thoma, Zitronenverkäuferin, 1880
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Hans Thoma,
 Einsamkeit, 1901
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 Thoma, Beginnender Regen, 1902
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Hans Thoma, Weihwasserbecken mit dem heiligen Christophorus, 1921
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Hans Thoma, Zwei Schwarzwälder Brettstühle: Storch und Hase mit
 Fuchs, um 1900
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Hans Thoma, Einsamkeit, 1906
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Hans Thoma, Zitronenverkäuferin, 1880

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Hans Thoma, Einsamkeit, 1901

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Hans Thoma, Beginnender Regen, 1902

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Hans Thoma, Weihwasserbecken mit dem heiligen Christophorus, 1921

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Hans Thoma, Zwei Schwarzwälder Brettstühle: Storch und Hase mit Fuchs, um 1900

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Hans Thoma, Einsamkeit, 1906

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Hans Thoma, Engelswolke, 1876

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Hans Thoma, Liebespaar mit Amor und Tod, 1877

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Hans Thoma, Blick in die Ausstellung mit Kinderbett aus dem Jahr 1896

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Hans Thoma, Der Frühlingsreiter, 1910

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Hans Thoma, Neapolitanerin, 1882

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Hans Thoma, Sommermorgen im Bernauer Tal, 1863

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