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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Die Auktion von Jugendstil und angewandter Kunst im Wiener Dorotheum schließt mit soliden Ergebnissen. Josef Hofmann führt den Verkauf wieder einmal an

Kaffeekultur in Silber



Josef Hoffmann, Sahnekanne, 1904/05

Josef Hoffmann, Sahnekanne, 1904/05

Was könnte eine Versteigerung von Silber und Kunsthandwerk in Wien besser krönen als ein Stück, das die traditionelle Wiener Kaffeehauskultur repräsentiert? Die zarte Oberskanne des Wiener Designers Josef Hoffmann erwies sich dafür sehr geeignet. Das zierliche Sahnekrüglein entstand 1904/05 als Teil eines Kaffeeservices in Hofmanns Wiener Werkstätte und kann sich in den ruhigen puristischen Formen nicht der Herkunft seines vom Architekturstudium geprägten Erschaffers lossagen. Die Kanne mit ihrem klar konturierten Korpus ist mit einem hochkant angelegten Viereck geziert, der aus Ebenholz gefertigte kantige Henkel nimmt die klaren Linien auf. Bei gerade einmal neun Zentimetern Höhe lockte das Behältnis dennoch mehrere Interessenten unter den Kunden in Dorotheum. Bei 68.000 Euro fiel schließlich der Hammer, womit er die untere Schätzgrenze mehr als verdoppelte und die Kanne zum teuersten Objekt des Tages machte.


Mit dem Verkauf von knapp der Hälfte aller Positionen schlossen die Wiener Auktionatoren die Versteigerung von Jugendstil und angewandter Kunst am 4. Dezember solide, wenn auch nicht überschwänglich ab. Auch der zweite und dritte Platz auf dem Siegertreppchen gehören zwei Hoffmann-Erzeugnissen: So erboten sich zwei vor 1925 entstandene muschelartige Tafelaufsätze mit Henkeln und Hammerschlagdekor taxgerechte 34.000 Euro, während eine ebenfalls silberne Girandole mit acht sternförmig angelegten Kerzenarmen ihren unteren Schätzwert von 32.000 Euro bestätigte. Josef Hoffmanns im aufwendigen Gittermuster „Efeu gebuckelt“ gearbeiteter Kaviaraufsatz von 1909 konnte trotz mächtigem Preisschild von 20.000 bis 40.000 Euro keine Aufmerksamkeit erregen. Dafür überzeugten seine drei Serviettenringe mit Perlbandrändern und farbigen Halbedelsteinen von 1922/24 bei 3.000 Euro oder ein gleichaltriges schlichtes rundes Tablett mit feinem Hammerschlag bei 4.000 Euro jeweils am unteren Taxrahmen. Mit Silberprodukten tat sich zudem der Holländer Johannes Lauweriks hervor. Seine auffällig spiralförmig wie eine Muschel geschwungene Schale von etwa 1910 heimste 4.500 Euro ein (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR).

Geteilter Zuspruch zu Chiparus’ Chryselephantine-Figuren

Auch in Osteuropa hielt das Art Déco Einzug in das künstlerische und kunsthandwerkliche Schaffen. So bildete etwa der im rumänischen Dorohoi geborene und in Italien und Frankreich geschulte Bildhauer Demetre Chiparus mit seinen dekorativen Skulpturen eine Schlüsselfigur für die rumänische Jugendstil-Strömung. Ein Paradebeispiel ist seine für 12.000 Euro veräußerte „Liegende Nymphe mit Weizenähren“ aus grün und golden patinierter Bronze, die auf einem dunklen Marmorsockel ruht und sich mit ihrem Rücken an ein üppiges Bündel von Weizenähren schmiegt (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR). Weniger Glück hatte der Einlieferer von Chiparus’ exaltierten Skulpturen „Delhi Dancer“ und „Actress“, die sich trotz kunstvoll kombiniertem Materialmix aus Elfenbein, Bronze und marmoriertem Onyx sowie geschmeidigen Körperlinien nicht zu neuen Besitzern tanzten (Taxe je 15.000 bis 20.000 EUR).

Immerhin die untere Schätzgrenze von 9.000 Euro erzielte eine um 1930 entstandene und aus Elfenbein und Bronze gefertigte „Tamburintänzerin“ des deutschen Chryselephantine-Spezialisten Ferdinand Preiss, während ein aus Keramik gefertigtes elegisches „Mädchen mit Rosen“ in goldenem Kleid von Michael Powolny für 8.500 Euro in neue Hände kam (Taxe 6.000 bis 12.000 EUR). Ein Wehrmutstropfen: Zwei üppig rund geformte Steinzeugvasen von Pierre Adrien Dalpayrat mit einer warmen Verlaufsglasur in Braun, Violett, Blau und Grün wollten niemand haben (Taxe je 10.000 bis 15.000 EUR), ebenso, wie eine orange- und ockerfarbene Keramikvase der aus Wien stammenden Britin Lucie Rie um 1930, die ihren Wunschwert von bis zu 15.000 Euro nicht bestätigen konnte.

Eule als Theaterdirektor

Mehr Erfolg bei der Keramik hatten Peter Behrens’ Kegelvase mit zwei markanten Henkeln und grünrotem Farbverlauf von 1901 bei 1.700 Euro (Taxe 1.700 bis 2.500 EUR) oder die lustigen anthropomorphen Tierfiguren Eduard Klablenas, wie eine Eule als stämmiger „Theaterdirektor“ von 1915/18 bei 1.600 Euro oder ihre noch etwas feistere Partnerin bei 5.500 Euro (Taxe je 900 bis 1.800 EUR). Auch einige Keramikerinnen taten sich hervor, darunter Gudrun Baudisch mit einem Lampenfuß in Gestalt einer runden Frau mit roten Bäckchen für 3.600 Euro (Taxe 1.500 bis 2.500 EUR) oder Kitty Rix mit einem weiteren Exemplar aus den späten 1920er Jahren für 3.200 Euro, diesmal als umgedrehtes Kegelsegment in Grün mit einigen roten und schwarzen geometrischen Applikationen (Taxe 800 bis 1.500 EUR). Für Therese Trethans Deckelgefäß aus Porzellan mit zwei Ausgüssen und blauem Randdekor samt dekorgleichem Teller waren dann 2.200 Euro fällig (Taxe 400 bis 600 EUR).

Otto Prutscher zählt zu den klassischen Vertretern des Wiener Kunsthandwerks am Anfang des 20. Jahrhunderts. Nach einer Tischlerlehre wurde er Schüler von Josef Hoffmann an der Wiener Kunstgewerbeschule und erhielt dort prägende Eindrücke. Prutscher machte sich vor allem als Architekt einen Namen, überdies designte er Möbel, Einrichtungsgegenstände und Glasobjekte. Zu diesen zählen auch seine zwei um 1912 entstandenen Weinglas-Paare. Die mit weichem violettem Wellendekor überfangenen Gläser stechen durch lange Stiele und eine zylindrische Kuppa ins Auge. Für die sympathischen Trinkgefäße gab es einmal 14.000 Euro, das zweite Paar wechselte für 9.000 Euro den Besitzer (Taxe je 9.000 bis 12.000 EUR). Die von Prutscher entworfene Tischuhr für das Damenzimmer der Villa Rothberger in Baden aus Edelholzfurnier ergatterte sich 12.000 Euro. Ihr versilbertes Ziffernblatt zeigt geschwungene Ziffern neben stilisierten Blattranken und wird von blau hinterfangenen Allegorien von Tag und Nacht flankiert (Taxe 12.000 bis 20.000 EUR).

Erfreulich lief die Runde um einen prächtigen Spiegelrahmen mit Glascabochons aus den Händen von Georg Klimt. Der Einlieferer des in Wien um 1910 entstandenen Objekts aus reliefiertem und getriebenem Messing ging mit 8.500 Euro nach Hause (Taxe 3.000 bis 6.000 EUR). Einen amerikanischen Beitrag leistete ein Paar hohe bronzene Kerzenleuchter mit langem Stiel und zierlichen Tülleinsätzen aus den New Yorker Tiffany Studios für 4.500 Euro (Taxe 3.500 bis 5.000 EUR). Zu einem kleinen Highlight mauserte sich eine bronzene Vase von Gustav Gurschner um 1905, deren ovale Form an ihrer Außenwand reliefierte keltische Motive und zentral einen Käfer trägt. Mit 10.000 Euro sorgte sie für gute Stimmung (Taxe 4.500 bis 6.000 EUR). Beim Glas erstritt sich eine farbabstrakte Vase, eine Gemeinschaftskreation von Franz Hofstötter und Adolf Beckert für die böhmischen Glasmanufaktur Johann Lötz Witwe, beachtliche 8.000 Euro (Taxe 5.000 bis 8.000 EUR). Beim Schmuck reüssierte Jean Després’ runder Silberanhänger mit Hammerschlagdekor und Lapislazui-Stein um 1930 bei 2.800 Euro (Taxe 1.500 bis 2.500 EUR) und Franz Boeres’ Halskette mit Dreiecksmotiv in blauem Email und kleinen Naturperlen von 1904/05 bei 5.000 Euro (Taxe 4.000 bis 8.000 EUR).

Über England und Frankreich wieder nach Wien

Die Sparte der Lampen führt eine Londoner Hängelampe aus Kupfer und Messing mit Blattdekor und sechs grünlich-weißen Glasschirmen an. Ihr Entwerfer William Arthur Smith Benson machte sich Ende des 19. Jahrhunderts in England als Kunstschmied einen Namen und wurde Gründungsmitglied der englischen Gilde für Kunsthandwerker. Für sein repräsentatives Beispiel des englischen Jugendstil gab es statt 5.000 bis 8.000 Euro schließlich 15.000 Euro. Aus Frankreich stammte ein naturalistischer Mistelluster, der mittels vergoldetem und grün patiniertem Messing – zu vielen Blättern geformt und mit kleinen weißopaken Glaskugeln versehen – 8.500 Euro erwirtschaftete (Taxe 2.500 bis 4.000 EUR). Wiener Luft brachte eine Hängelampe, eine Variante von Adolf Loos, wieder in die Auktion. Das aus Messing gefertigte Dodekaeder hängt an einer fast 1,5 Meter langen Messingkette und ging für taxkonforme 8.000 Euro weg. Guten Absatz fanden die Produkte der Werkstätte Hagenauer, etwa Karl Hagenauers filigraner, zweiarmiger Messingleuchter mit stilisiertem Frauenakt und Tiermotiven bei 3.800 Euro (Taxe 1.000 bis 1.500 EUR).

Freunde der Möbelsparte kamen gleichfalls auf ihre Kosten. Eine erfolgreiche Versteigerung konnte der Einlieferer eines aus Ulmenholz geschaffenen Sessels verzeichnen, den Henry van de Velde ab 1894/95 in seiner eigener Künstlervilla „Bloemenwerf“ im belgischen Uccle nutzte. Trotz Altersspuren fand der Stuhl für 10.000 Euro einen neuen Besitzer (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). Mit einem Ausziehtisch von Gustav Siegel schwenkte das Interesse wieder nach Österreich um. Zum Hingucker wird das warmrote Möbelmöbel von 1901 vor allem durch seine vier Beine, die sich schwungvoll teilen, eine ovale Form ausbilden und sich schließlich in der Mitte unter der Tischplatte zusammenfinden. 8.000 Euro waren der Lohn (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR). Den Heimvorteil nutzten zudem zwei 6.500 Euro teure originelle Armlehnsessel von Marcel Kammerer, der die Stücke vor 1906 mit ihren geometrischen Rauten, kugeligen Füßen und Schellack-Oberfläche entwarf (Taxe 4.000 bis 8.000 EUR), ebenso das Eduard Josef Wimmer-Wisgrill zugeschriebene Fauteuil mit rechtwinklig durchbrochener Rückenlehne um 1918/20 bei 2.600 Euro (Taxe 2.500 bis 4.000 EUR).

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Dorotheum

Dorotheergasse 17

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 515 60 0

Telefax:+43 (01) 515 60 443

E-Mail: client.services@dorotheum.at



20.02.2018

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Claudia Rauth

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04.12.2017, Jugendstil und angewandte Kunst des 20. Jahrhunderts

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Der Architekt in der Silberkanne

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 Siegel, Ausziehtisch, 1901
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Gustav Siegel, Ausziehtisch, 1901

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Zuschlag: 8.000,- EURO

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Taxe: 1.500 - 2.500 EURO

Zuschlag: 2.800,- EURO

Losnummer: 265

Gustav Gurschner, Vase, Wien um 1905

Gustav Gurschner, Vase, Wien um 1905

Taxe: 4.500 - 6.000 EURO

Zuschlag: 10.000,- EURO

Losnummer: 221

Otto Prutscher, 2 Weingläser, um 1912

Otto Prutscher, 2 Weingläser, um 1912

Taxe: 9.000 - 12.000 EURO

Zuschlag: 14.000,- EURO

Losnummer: 146

Gudrun Baudisch, Lampenfuß, 1928

Gudrun Baudisch, Lampenfuß, 1928

Taxe: 1.500 - 2.500 EURO

Zuschlag: 3.600,- EURO

Losnummer: 9

Karl Hagenauer, Kerzenleuchter

Karl Hagenauer, Kerzenleuchter

Taxe: 1.000 - 1.500 EURO

Zuschlag: 3.800,- EURO

Losnummer: 157

William Arthur Smith Benson, Hängelampe, London 1899/1900

William Arthur Smith Benson, Hängelampe, London 1899/1900

Taxe: 5.000 - 8.000 EURO

Zuschlag: 15.000,- EURO

Losnummer: 257

Michael Powolny, Mädchen mit Rosen, um 1910

Michael Powolny, Mädchen mit Rosen, um 1910

Taxe: 6.000 - 12.000 EURO

Zuschlag: 8.500,- EURO

Losnummer: 94

Franz Hofstötter und Adolf Beckert, Vase, 1909

Franz Hofstötter und Adolf Beckert, Vase, 1909

Taxe: 5.000 - 8.000 EURO

Zuschlag: 8.000,- EURO

Losnummer: 175

Josef Hoffmann, Zwei Aufsätze, vor 1925

Josef Hoffmann, Zwei Aufsätze, vor 1925

Taxe: 30.000 - 60.000 EURO

Zuschlag: 34.000,- EURO

Losnummer: 95

Otto Prutscher, Tischuhr, 1913

Otto Prutscher, Tischuhr, 1913

Taxe: 12.000 - 20.000 EURO

Zuschlag: 12.000,- EURO

Losnummer: 148

Otto Prutscher, 2 Weingläser, um 1912

Otto Prutscher, 2 Weingläser, um 1912

Taxe: 9.000 - 12.000 EURO

Zuschlag: 9.000,- EURO

Losnummer: 145

Ferdinand Preiss, Tänzerin mit Tamburin, Berlin um 1930

Ferdinand Preiss, Tänzerin mit Tamburin, Berlin um 1930

Taxe: 9.000 - 12.000 EURO

Zuschlag: 9.000,- EURO

Losnummer: 234




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