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Fritz Cremer bei den Ostdeutschen Kunstauktionen in Berlin

Die Ostdeutschen Kunstauktionen in Berlin veranstalten bis Ende März eine Ausstellung mit Werken des Künstlers Fritz Cremer. Im Mittelpunkt stehen plastische Arbeiten, aber auch Zeichnungen, Aquarelle und Druckgrafik sind vertreten. Cremers Kunst ist figurativ mit Einflüssen expressiver Abstraktion. Für ihn und sein Schaffen Essentielles verglich er 1972 mit einem Knochen, „an dem ich herumnage – vom Geistigen, vom Gedanklichen und auch von Formalen her. Daher weiß ich dann, dass ich dem Betrachter etwas übergebe, an dem er auch nagen muss und sich festbeißen kann“. Dieser intellektuelle Anspruch macht den Bildhauer bis heute interessant.

Cremers Werk teilt sich in zwei Komplexe. In einem im Jahr 1959 geführten Interview beschreibt er die Aufgabe der Bildhauerei, „sich mit dem Guten und Schweren zu beschäftigen“, was treffend die beiden Pole seines Werkes umreißt. Zum einen schuf der Künstler große mahnende und von sozialen Problemen sowie seinen Erlebnissen im Zweiten Weltkrieg geprägte Figuren und Gruppen, wie unter anderem das „Buchenwald-Denkmal“, das er 1958 vollendete. Zum anderen gehören zu Cremers Œuvre auch intime, liebevolle und nachdenkliche Arbeiten, wie kleine Plastiken von Liebespaaren. Beide Richtungen greifen die Ostdeutschen Kunstauktionen in ihrer Ausstellung auf.

Deutlich wird dies beispielsweise bei der „Knieenden Mutter“, einer Bronzeplastik von 1939/80, die wie eine Bettlerin niedergedrückt kniet und flehend in Richtung Himmel blickt. Die knapp 30 Zentimeter hohe Arbeit ist für 5.000 Euro zu haben. Cremers eng umschlungen liegendes „Liebespaar“ aus dem Jahr 1976 für 4.600 Euro verschmilzt hingegen in Zweisamkeit zu scheinbar nur einem Körper. Die Bandbreite des Künstlers beweist auch die 1961 entstandene und skizzenhaft abstrakte Tuschezeichnung „Soldat“ für 1.900 Euro. In ihrer Flächigkeit sticht diese Arbeit unter dem sonst vom Volumen her geprägten Schaffen des Bildhauers hervor.

Fritz Cremer, geboren 1906 in Arnsberg, nahm nach seiner Steinbildhauerlehre in Essen ab 1929 ein Studium an den Vereinigten Staatsschulen für Freie und Angewandte Kunst in Berlin-Charlottenburg auf. 1934 folgte ein Parisaufenthalt des langjährigen KPD-Mitglieds. Während einer weiteren Reise nach London traf er auf Bertolt Brecht und Helene Weigel, die für sein Schaffen prägend waren. Cremer pflegte engen Kontakt zur „Roten Kapelle“, einer Widerstandsgruppe gegen das NS-Regime. Nach Cremers Einzug in die Wehrmacht und anschließender jugoslawischer Kriegsgefangenschaft trat der Künstler 1946 der SED bei und wurde Leiter der Bildhauerabteilung der Akademie für angewandte Kunst in Wien. 1950 siedelte er in die DDR über und übernahm eine Meisterklasse an der Akademie der Künste der DDR, deren Vizepräsident der Bildhauer von 1974 bis 1983 war. Zehn Jahre später verstarb Fritz Cremer in Berlin.

Die Ausstellung „Fritz Cremer: Plastik - Zeichnung - Druckgraphik“ läuft vom 2. bis zum 30. März in den Räumen der Ostdeutschen Kunstauktionen. Zu besichtigen ist die Schau Dienstag, Donnerstag und Freitag von 13 bis 19 Uhr sowie samstags von 11 bis 15 Uhr. Auf Vereinbarung ist sie auch außerhalb dieser Zeiten zugänglich. Der Besuch ist frei.

Ostdeutsche Kunstauktionen
Karl-Marx-Allee 85
D-10 243 Berlin

Telefon: + 49(0)30 – 42 85 20 00
Telefax: + 49(0)30 – 42 85 20 02

Quelle: Kunstmarkt.com/Jan Soldin

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