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Sabine Fellner setzt sich in ihrer Schau mit dem Altern auseinander und hat dazu im Wiener Belvedere facettenreich Kunstwerke aus dem 20. und 21. Jahrhundert versammelt

Der Herbst des Lebens



Sich auf völlig unbekannte Dinge einzulassen, lernen geduldig zu sein, Kritik anzunehmen, sich anzustrengen und weiterzumachen, auch wenn es schwer fällt – immer wieder haben Künstler und Künstlerinnen das „Alter“ begleitet, sich selbst oder andere beschrieben: mit ihren Ängsten, mit Sehnsüchten, mit Enttäuschungen und Verzweiflung. Das fordernde, aufmüpfige, indes auch zermürbende Zusammenspiel von Jung-Bleiben-Wollen und machtlosem Altern, von Aufbegehren, Melancholie und Resignation, von Zeigen und Verwehren hat Pina Bausch in ihrem wunderbaren Tanztheaterstück „Kontakthof with Ladies and Gentlemen over ´65“ auf die Bühne gebracht. Weder mit Tänzern, noch mit Schauspielern, sondern mit einem Ensemble von betagten Laien, von Menschen mit viel Lebenserfahrung erarbeitete sie ihr Stück und schuf damit eine Ode an das Alter, an die Liebe, die unstillbare Sehnsucht und die unvermeidliche Trauer als die Konstanten unserer Existenz.


Eine Szene aus dem Film von Lilo Mangelsdorff, der die Anfänge der Proben von „Kontakthof“ zeigt und den Weg bis zur Premiere dokumentiert, läuft aktuell als Endlosschleife in der von Sabine Fellner kuratierten Ausstellung „Die Kraft des Alters“ im Unteren Belvedere in Wien. Die kurze Sequenz zeigt 22 ältere Männer und Frauen. Sie tanzen neben- und miteinander auf einer leeren Bühne. Nur vereinzelt verlässt eine/r der Tänzer_innen die Choreographie der Gruppe und steht plötzlich im Mittelpunkt durch eine aufreizende, berührende oder provokante Geste. Das ist zum Schmunzeln und zum Schaudern, vor allem weil Tänzer und Tänzerinnen die ungemeine Spannung vor Augen führen, die unter der Haut lebt, und die Verzweiflung, die in der Freude lauert.

Die Filmsequenz ist eines von rund 200 Werken von 100 Künstlerinnen und Künstlern, die sich dem „Herbst des Lebens“ widmen. Die Schau greift damit ein Thema auf, das 1999 bereits Bazon Brock zu der thematisch ähnlichen Ausstellung „Die Macht der Alters“ veranlasste. Während Brock ausschließlich Werke von zeitgenössischen Kunstschaffenden versammelte, geht die Wiener Präsentation zeitlich weit zurück und umspannt mit Arbeiten von Gustav Klimt, Paula Modersohn-Becker und Lovis Corinth, die am Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden, bis zu aktuellen Beiträgen von Barbara Eichhorn, Tina Barney, Martin Parr, Edgar Honetschläger und Annegret Soltau einen Zeitraum von mehr als hundert Jahren.

Gleich vorweg: das was Sabine Fellner zusammengetragen hat, ist ein reiche Auslese von verschiedensten Annäherungen an das Thema, die sich in der Ausstellung in zuweilen überraschenden Konfrontationen begegnen. Bereits im ersten Ausstellungsraum trifft eine Fotografie der 74jährigen und hantelschwingenden Künstlerin Margot Pilz auf Oskar Kokoschkas Portrait von Carl Moll aus dem Jahr 1913. Daneben hängen Annie Leibovitz’ schonungslose Portraits von Iggy Pop und eine beeindruckende Fotoserie von Barbara Klemm, die die Künstlerinnen Simone de Beauvoir, Meret Oppenheim und Louise Bourgeois und die Schriftstellerin Susan Sontag vor die Kamera bat und Falten, gealterte Haut und graues Haar ohne Beschönigung zeigt. Vor allem aber bestechen die Aufnahmen durch die wache Präsenz, die Ausgeglichenheit und Lebenserfahrung, die in den Gesichtern steckt.

Auch die österreichische Künstlerin Ines Doujak präsentiert in ihrer Fotoarbeit „O.T., Table Tennis Table“ von 2002 eine alte Frau. Bekleidet mit einem ärmellosen silbernen Kleid und ohne Schuhe, sitzt sie auf einem Tischtennistisch wie auf einer Bühne, glückselig strahlend, die Hand hoheitsvoll zum Gruß erhoben. Die Performancekünstlerin Martha Wilson macht in „Beauty Pass“ von 2017 und „Life/Style Lift“ von 2014 deutlich, wie sehr weibliche Identität heute immer noch an das physische Erscheinungsbild gebunden ist. Mit scharfsichtigem Witz entlarvt sie die Absurdität von Schönheitsoperationen, die jeden Zug von Individualität und Lebendigkeit auslöschen.

Der Wunsch nach anhaltender Virilität ist dagegen männliche Strategie, sich dem Alter zu stellen. Alfred Hrdlicka kommentiert in seiner Radierung „Der goldene Winkel“ von 1973 ironisch die Angst vor dem Verlust der phallischen Macht. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren würdevolle Ausstrahlung und Prestige meist jene Seiten des Alters, die bildwürdig erschienen. Jugendlichkeit vorzuführen, war hier kein Kriterium. Im Gegenteil, man zeigte sich betont gesetzt und war bestrebt, sich älter erscheinen zu lassen, als man tatsächlich war.

Neben den frühen Beispielen der Altersidealisierung und den aktuellen, selbstbewussten und lebensbejahenden Körperbefragungen präsentiert die Ausstellung aber vor allem mit zahlreichen Zeugnissen der eigenen Vergänglichkeit den schmerzlichsten Aspekt des Altwerdens. Egon Schiele verkörperte mit dem Portrait „Selbstseher II“ von 1911 die allgegenwärtige Anwesenheit des Todes. Diesen Gedanken behandelt auch Birgit Jürgenssen 1979 in ihrer Arbeit „Totentanz mit Mädchen“. Das Verrinnen von Zeit und das eigene Alter dokumentiert Roman Opalka in seinen mit fortlaufenden Zahlen beschrieben Bildertafeln und den gleichzeitig entstandenen Fotoselbstportraits.

Einsamkeit ist ein Thema, das proportional zu den Jahren an Bedeutung gewinnt, nicht nur aufgrund des Todes von geliebten Menschen. Sprachlosigkeit und Langeweile in einer langen Lebensbeziehung setzt Hans Op de Beeck in seiner Videoarbeit „Coffee“ von 1999 auf beklemmende Weise ins Bild. Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit des allein Zurückgelassenseins thematisieren Ron Muecks „Man in a Sheet“ von 1997 und Kiki Smiths große Tuschezeichnung „Pieta“ aus dem Jahre 2000. Miyako Ishiuchi setzt 2011 mit „Mother’s“ Kleidungsstücke ihrer verstorbenen Mutter ins Bild, und Elfie Semotan die Betttücher ihrer Großmutter. Weitere berührende Arbeiten sind Regina Hüglis Portraitserie von Demenzkranken sowie die Videoprojektion „Gone“ der Schweizer Künstlerin Nives Widauer von 2011/17.

In der Zusammenschau gelingt der Ausstellung ein facettenreiches Kaleidoskop über das aktuelle wie zeitlose Thema „Alter“. Das ist sehr sehenswert, wäre aber ungleich überzeugender, wenn statt mit der Betonung auf Zuschreibungen wie „Stärke, Kraft, Schönheit und Freude“ die kontroverse Komplexität auch im Titel der Schau und in den Katalogtexten ihren äquivalenten Ausdruck gefunden hätte.

Die Ausstellung „Die Kraft des Alters“ ist bis zum 4. März zu sehen. Das Untere Belvedere hat täglich von 10 bis 18 Uhr und freitags zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt regulär 13 Euro. Der Katalog kostet 36 Euro.

Kontakt:

Unteres Belvedere

Rennweg 6

AT-1030 Wien

Telefax:+43 (01) 79 557 136

Telefon:+43 (01) 79 55 70

E-Mail: info@belvedere.at



20.02.2018

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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Veranstaltung vom:


17.11.2017, Die Kraft des Alters

Bei:


Österreichische Galerie Belvedere

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Egon Schiele, Selbstseher II (Tod und Mann), 1911
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Karl Mediz, Die Eismänner, vor 1902
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Broncia Koller-Pinell, Die Mutter der Künstlerin, 1907
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Gustav Klimt, Alter Mann auf dem Totenbett, 1899
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in der Ausstellung „Die Kraft des Alters“
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Egon Schiele, Selbstseher II (Tod und Mann), 1911

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Karl Mediz, Die Eismänner, vor 1902

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Broncia Koller-Pinell, Die Mutter der Künstlerin, 1907

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Gustav Klimt, Alter Mann auf dem Totenbett, 1899

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in der Ausstellung „Die Kraft des Alters“

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