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Roswitha Haftmann-Preis geht an Michelangelo Pistoletto

Den diesjährigen Roswitha Haftmann-Preis gewinnt der Italiener Michelangelo Pistoletto. Die Roswitha Haftmann-Stiftung in Zürich ehrt damit das Gesamtwerk des seit über fünf Jahrzehnten tätigen sowie international beachteten Künstlers und betont: „Er gehört zu den wichtigen Protagonisten der performativen Kunst, indem er gesellschaftliche und politische Themen pointiert darstellt und intensive, teils kontroverse Diskurse mit einer breiten Öffentlichkeit initiiert hat.“ Pistoletto bedient sich dabei vor allem der Möglichkeiten von Installationen, Filmen, Performances und Schriften, die die Wechselbeziehungen zwischen Kunst und Alltag thematisieren. Sein Schaffen wird der Konzeptkunst und Arte Povera zugerechnet. Dafür erhält er nun 150.000 Schweizer Franken, womit es sich bei dem Haftmann-Preis um die höchstdotierte künstlerische Auszeichnung in Europa handelt.

Pistoletto, 1933 in Biella im Piemont geboren, arbeitete ab 1947 elf Jahre in der Restaurierungswerkstatt seines Vaters in Turin. Anfang der 1950er Jahre malte er erste figurative Arbeiten und Selbstporträts. Fotorealistische Darstellungen, Spiegel, die den Betrachter mit ins Bild nehmen, und Collagetechniken prägten sein Frühwerk. Die Galeristin Ileana Sonnabend machte ihn Mitte der 1960er Jahre international bekannt. In diese Zeit sind auch Pistolettos früheste plastische Arbeiten zu datieren. Nach dem Gewinn des Hauptpreises auf der Biennale São Paulo 1967 richtete sich das Interesse des Künstlers verstärkt auf die Performance, die Arte Povera sowie die Videokunst und das Theater. So gründete Pistoletto beispielsweise die Aktionskunstgruppe „Zoo Group“. Gegen Mitte der 1970er Jahre zog er sich immer weiter aus der Kunstwelt zurück: Er arbeitete als Skilehrer und hielt sich lange in den Bergen von San Sicario auf. Seit 1990 lebt und arbeitet Pistoletto in Turin.

Pistolettos persönlichem Wunsch, hinter der Kunst zurückzutreten, kommen die Roswitha Haftmann-Stiftung und das Kunsthaus Zürich, der Ort der Preisvergabe, nach, indem sie die Veranstaltung in kleinem Rahmen abhalten. Der Stiftungsrat wird die Auszeichnung an den ersten aus Italien stammenden Gewinner verleihen. Seit der Erstvergabe im Jahr 2001 bestimmt dieser, wer den Preis erhält. Ihm gehören die Direktoren des Kunstmuseums Bern, des Kunstmuseums Basel, des Museums Ludwig in Köln und des Kunsthauses Zürich an. Hinzu kommen Mitglieder, die vom Stiftungsrat berufen werden. Die Auszeichnung geht auf die Initiative der Schweizer Galeristin Roswitha Haftmann (1924-1998) zurück.

Quelle: Kunstmarkt.com/Jan Soldin

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