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Das Kunsthistorische Museum in Wien konfrontiert die Alten Meister seiner Sammlung mit Kunst der Moderne und Gegenwart und schafft überraschende Konstellationen über die Jahrhunderte hinweg

Ein Happening ohne Ende



Tullio Lombardo versus Félix González-Torres

Tullio Lombardo versus Félix González-Torres

Mit seinem Buch „Sehen. Das Bild der Welt in der Bilderwelt“ lehrte John Berger uns Anfang der 1970er Jahre, Bilder neu zu betrachten. Er analysierte Gemälde nicht allein im Kontext ihrer Entstehung, sondern als Gebrauchsmuster der modernen Gesellschaft. Ihn interessierten die menschliche Wahrnehmung und die Spannung zwischen Realität und Abbild. Seine versammelten Essays erinnern uns daran, welch ungemein menschlicher Schaffensprozess es ist, Kunst zu machen, zu betrachten und zu deuten.


Die Geschichte verortet Künstler und Künstlerinnen in der Periode ihres Schaffens; doch sie gehört auch jenen, die einem Kunstwerk, das in der Vergangenheit entstand, lebendig gegenüberstehen. Im Kunsthistorischen Museum (KHM) in Wien kann man derzeit einen höchst inspirierenden Dialog von Teilen der herausragenden Sammlungsbestände mit moderner und zeitgenössischer Kunst erleben, der den Besucherinnen und Besuchern Begegnungen zwischen Alt und Neu ermöglicht und auf Kontinuitäten in der Kunstgeschichte verweist. Jasper Sharp, der als Kurator für das KHM seit 2012 mit verschiedenen Ausstellungsformaten wie „Modern and Contemporary“ und „Modern Masters“ ein strukturiertes Programm entworfen und mehrere Projekte, unter anderem Einzelpräsentationen von Lucian Freud, Joseph Cornell und Edmund de Waal, erarbeitet hat, ist auch für die aktuelle Gruppenausstellung verantwortlich.

Die Schau zeigt eine Auswahl bedeutender Werke, die zwischen 1800 und heute entstanden sind, zeitlich also dort anknüpfen, wo die hauseigene Sammlung endet. Von Objekten und Künstlern des Museums ausgehend, hat Sharp Begegnungen arrangiert, die einladen, den Blick von der Vergangenheit ins Heute oder vice versa hin und her schweifen zu lassen. Obwohl die beiden Objekte aus verschiedenen Jahrhunderten stammen, haben sie dennoch das Potential, unsere Erfahrung des jeweils andern zu verändern. Mit seinem Ansatz, die Entwicklung von Ideen und Bildern quer über die Jahrhunderte und Kulturen herauszustellen, beruft sich Sharp auf die Überlegungen von George Kubler, die der amerikanische Kunsthistoriker 1962 in einem theoretischen Essay mit dem Titel „The Shape of Time. Remarks on the History of Things“ beschrieben hat. Darin entwickelte Kubler ein strukturalistisches Modell einer Geschichtsschreibung von Kunst, das den traditionellen Kunstbegriff reformierte, das die kulturellen, zeitlichen und objektbezogenen Einschränkungen und Hierarchisierungen der bisherigen Kunstgeschichte in Frage stellte und das einen explizit transkulturellen Ansatz verfolgte. In diesem Sinn schuf Sharp insgesamt 19 Dialogsituationen, die eine Sicht auf die Kunstgeschichte als Ideenreservoir veranschaulichen.

Chronologisch gesehen beginnt die Ausstellung mit zwei Spätwerken: „Stürmische See“ von Joseph Mallord William Turner, das durch den Tod des Malers 1842 unvollendet blieb, und „Nymphe und Schäfer“, ein Gemälde von Tizian um 1570/75. Turner, der Tizian überaus schätzte und seine Werke schon in jungen Jahren studierte, behauptete, dass „die höchste Ehre, die der Landschaft bislang zukommt, diese durch die Hände Tizians erhalten hat“. Die Konfrontation der beiden Werke betont neben der verwandten Farbpalette vor allem die unkonventionelle Gestaltung von Landschaft: mit Hilfe von Farbe und Licht, den sich am Horizont auflösenden Konturen und den abstrakten, über die Bildgründe flirrenden Details bringen Tizian und Turner ein Gefühl für Zeit und Veränderung in ihre Bilder, das nur zu gut dem Wesen von Natur entspricht.

Ein zweites Gemälde von Tizian, das Bildnis des „Papstes Paul II.“, entstanden nach 1546, konfrontiert Sharp mit einem Portrait von Pablo Picasso: es ist „Celestina“, das Bild einer Kupplerin, das Picasso 1904 in Barcelona, unter prekären finanziellen Verhältnissen lebend, am Ende der Blaue Periode malte. Stellung und Profession der Dargestellten könnten unterschiedlicher nicht sein. Gleichwohl sind beide starke Persönlichkeiten, strahlen Würde, Stolz und Macht aus. Das Bestechende, das die Gemälde eint, erklärt sich aus dem Vermögen beider Maler, durch die präzise Beschreibung das Wesen der Dargestellten zu erfassen.

Mit zwei Selbstbildnissen, dem Portrait der italienischen Renaissancekünstlerin Sofonisba Anguissola aus dem Jahr 1554 und einer fast 400 Jahre später entstandenen Fotografie der französischen Künstlerin Claude Cahun, die sich selbst mit kurz geschnitten Haaren und in Männerkleidung vor einem Spiegel portraitiert, fokussiert Sharp auf das Leben und die Haltung von zwei ungewöhnlichen Künstlerinnen. Beide lehnten jeweils in ihrer Zeit die gesellschaftlichen Konventionen ab, ebenso die Frauen zugeschriebenen Rollenvorstellungen und die allgemein akzeptierte Konstruktion von Identität.

Auch die „Susanna“ von Jacopo Robusti, genannt Tintoretto, findet sich in neuer Nachbarschaft. Neben der nackten, blonden Schönheit aus dem Jahren um 1555/56, die von zwei lüsternen alten Männern begafft wird, hängt nun eine Arbeit von Kerry James Marshall. Das Bild zeigt den Blick durch ein Fenster auf eine nur mit einem Slip bekleidete afroamerikanische Frau, die sich nach dem Baden abtrocknet und sich wie Susanna unbeobachtet wähnt. In beiden Gemälden ist der Akt des schamlosen Schauens das zentrale Thema: bei Tintoretto übernehmen diese Aufgabe die beiden Voyeure. Kerry James Marshall hingegen verweist die Betrachter selbst in eben diese Rolle und fordert sie auf, das was man in der westlichen Kunst nicht sieht, zu überdenken.

„Das Pelzchen“ von Peter Paul Rubens um 1636/38 war im letzten Jahr am selben Ort während der großen Rubens-Schau neben Tizians „Mädchen im Pelz“ um 1535 zu sehen. In der aktuellen Ausstellung hängt das Bildnis, in dem Rubens seine zweite Frau Hélène Fourment verewigte, nun neben dem Gemälde „Iris stehend“ von Maria Lassnig aus dem 1972/73, die in der Form figurativer Malerei die Möglichkeit findet, um neue Vorstellungen von Identität zu formulieren. Bei beiden Gemälden dient der Körper des Modells der Selbstreflexion des Künstlers und der Künstlerin. Rubens verband das Reale und das Ideale zu einer Verkörperung von Liebe und Schönheit. Maria Lassnig hingegen konfrontiert uns und sich selbst mit der Darstellung einer selbstbewussten Frau und vereint die kompromisslose Darstellung des weiblichen Körpers und der eigenen Befindlichkeit mit dem Blick von Außen.

In weiteren Konfrontationen stehen sich etwa Möbelobjekte von Franz West, die bereits 1989 in den Räumen des KHM zu Gast waren, und Caravaggios „Rosenkranzmadonna“, ein „Selbstportrait“ der 1650er Jahren von Rembrandt und ein unbetiteltes Werk von Mark Rothko aus dem Jahr 1959/60, Tullio Lombardos Relief „Junges Paar“ um 1505/10 und ein Uhrenensemble von Félix González-Torres um 1987/90, Diego Velázquez’ „Infant Felipe Próspero“ und Edouard Manets 1861 entstandenes Bildnis eines „Knaben mit Schwert“, die „Heilige Familie“ von Bronzino und das großartige Familienbildnis „Großes Interieur WII“ von Lucian Freud um 1981/83, der Torso der nackten Aphrodite eines antiken römischen Bildhauers und die fotografische Langzeitstudie „Carving“ von Eleanor Antin aus dem Jahr 1972, ein Blumenstillleben von Jan Brueghel d.Ä. und eine Videoarbeit von Steve McQueen gegenüber.

Mit der Konfrontation von Rogier van der Weydens „Kreuzigungsaltar“ von 1443/45 und Ron Muecks „Dead Dad“ von 1996/97 gelingt der Ausstellung eine weitere höchst eindringliche Begegnung. Bei aller Genauigkeit der Körperschilderung bewirkt doch die „gezielte Widersprüchlichkeit“, wie Ben Street in seinem Katalogtext bemerkt, die besondere Faszination, die von diesen beiden realistischen Werken ausgeht. Während der abgemagerte Köper von Rogier van der Weyden die Leiden Christi und seinen Sieg über den Tod verkörpert, gemahnt die geschrumpfte Vaterfigur von Ron Mueck an irdische Gebrechlichkeit und Unausweichlichkeit.

Die Ausstellung „The Shape of Time“ ist ein Angebot, Altes neu und Neues mit dem Wissen der Vergangenheit zu betrachten. Durch die Einbeziehung moderner Medien wie Fotografie, Film und Installation, die Teilnahme feministischer Künstlerinnen sowie die Beteiligung nichteuropäischer Kunstschaffender gelingt es der Schau, auf wichtige Entwicklungen in der Kunst seit der Gründung der Sammlung des Museums zu verweisen. Anhand der oft überraschenden Nebeneinanderstellungen setzt Jasper Sharp ausgewählte Objekte und Gemälde in ein neues kausales Verhältnis zueinander: Oft spürt und sieht man auf den ersten Blick, dass Künstlerinnen und Künstler ähnliche Ziele verfolgen. Unabhängig vom Zeitpunkt der Entstehung der Werke werden Gemeinsamkeiten sichtbar. Aber auch dort, wo der verbindende Funke nicht sofort überspringt, vermitteln die erhellenden Katalogtexte von Sharp und Street neue Denkanstöße, bieten ein Korrektiv zu den Informationen, die wir aus der Geschichte kennen, und führen vor, was das Betrachten von Kunst wirklich ist: ein Happening ohne Ende.

Die Ausstellung „The Shape of Time – Alte Meister im Dialog mit der Moderne“ ist bis zum 8. Juli zu sehen. Das Kunsthistorische Museum Wien hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Ab Juni ist das Museum auch montags zugänglich. Der Eintritt beträgt 15 Euro, ermäßigt 11 Euro; für Kinder und Jugendliche unter 19 Jahren ist er frei.

Kontakt:

Kunsthistorisches Museum Wien

Maria-Theresien-Platz

AT-1010  Wien

Telefon:+43 (01) 525 24 0

Telefax:+43 (01) 525 24 503

E-Mail: info@khm.at



16.03.2018

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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06.03.2018, The Shape of Time – Alte Meister im Dialog mit der Moderne

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Kunsthistorisches Museum Wien

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Nackte Aphrodite versus Eleanor Antin
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in der Ausstellung „The Shape of Time – Alte Meister im Dialog mit der Moderne“
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in der Ausstellung „The Shape of Time – Alte Meister im Dialog mit der Moderne“
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in der Ausstellung „The Shape of Time – Alte Meister im Dialog mit der Moderne“
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Dirck Santvoort versus Catherine Opie
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Manet versus
 Velázquez
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Tizian versus
 Turner
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Nackte Aphrodite versus Eleanor Antin

Nackte Aphrodite versus Eleanor Antin

in der Ausstellung „The Shape of Time – Alte Meister im Dialog mit der Moderne“

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in der Ausstellung „The Shape of Time – Alte Meister im Dialog mit der Moderne“

in der Ausstellung „The Shape of Time – Alte Meister im Dialog mit der Moderne“

in der Ausstellung „The Shape of Time – Alte Meister im Dialog mit der Moderne“

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Dirck Santvoort versus Catherine Opie

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Manet versus Velázquez

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Tizian versus Turner

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Rubens versus Lassnig

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Rembrandt versus Rothko

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Caravaggio versus Franz West

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Pieter Bruegel versus Peter Doig

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Tintoretto versus Kerry James Marshall

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