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Das Museum Georg Schäfer feiert in Schweinfurt den deutschen Expressionismus und stützt sich dabei auf Museumssammlungen aus Hagen und Aarau

Auf der Suche nach dem „Urwesenhaften“



Alexej von Jawlensky, Mädchenkopf mit rotem Turban und gelber Agraffe (Barbarenfürstin), um 1912

Alexej von Jawlensky, Mädchenkopf mit rotem Turban und gelber Agraffe (Barbarenfürstin), um 1912

Expressionistische Kunst setzt auf die Farbe, ist radikal subjektiv und bricht mit Konventionen. Ihr Interesse gilt nicht der Norm, sondern dem Ungewöhnlichen, der Ferne und dem Unbekannten. Der reine Ausdruck eines Motivs steht im Mittelpunkt, während naturalistische Nachahmung auf Ablehnung stößt. Plakativ umreißen diese Beschreibungen eine stilistisch neue künstlerische Strömung, die um 1905 bis 1920 ihren Höhepunkt hatte und revolutionär auf ihre Betrachter gewirkt haben muss. Alexej von Jawlensky, einer der Hauptvertreter des Expressionismus, führt dies mit seinem „Mädchenkopf mit rotem Turban und gelber Agraffe (Barbarenfürstin)“ aus der Zeit um 1912 prototypisch vor. Seine Porträtierte blickt dem Betrachter intensiv aus tiefschwarzen Augen entgegen. Bis ins dunkle Grün sind diese unterlaufen und bilden einen starken Gegensatz zu ihren geröteten Wangen auf sonst blass weißer Haut. Geflochtenes und im Licht glänzendes schwarzes Haar umrahmt den Kopf des Mädchens, auf dem sie einen Turban trägt, dessen Farbspektrum von Fliederfarben bis zu düster verschattetem Rot reicht. Eine goldgelbe Schmuckspange sticht darauf hervor. Vor dem tiefblauen Hintergrund wirkt die „Barbarenfürstin“ umso leuchtender.


Alexej von Jawlenskys Werk scheint leicht gemalt und ist durch dicke schwarze Umrisslinien strukturiert, die die kontrastreichen Farbflächen voneinander abgrenzen. Teils blitzt die zugrundeliegende Hartfaserplatte durch die Malschichten. Dies verleiht dem Bild zusätzlich eine spontane, skizzenhafte Wirkung, die auf den ursprünglichen, schnell eingefangenen und subjektiv empfundenen Ausdruck des Motivs zurückgeht. Unvollendet erscheint das Gemälde dabei keineswegs. Zu beobachten ist eine „Suche nach der Kraft des Urwesenhaften“, wie Wolf Eiermann eine gemeinsame Tendenz der Expressionisten ausmacht. Der Direktor des Museums Georg Schäfer in Schweinfurt hat die aktuelle Expressionismus-Schau „Back to Paradise“ zusammengestellt, in deren Mittelpunkt er bei aller Progressivität der Kunstform zugleich eine Entwicklung „back to the roots“ sieht. Denn die Künstler des Expressionismus begaben sich auf die Suche nach ihrer eigenen Form von Ursprünglichkeit und Paradies. Diese wollten sie unter anderem durch Reisen in fremde Länder, Besuche in Völkerkundemuseen oder im Rezipieren von Kunst der damals sogenannten „Naturvölker“ finden.

Zwei Sammlungen, viele Anknüpfungspunkte

Schon lange zählen die Expressionisten zu den Klassikern der Moderne. Im Museum Georg Schäfer sind nun Hauptwerke dieser Strömung zu sehen, die auch die Vielfalt einzelner Maler und ihres Œuvres aufzeigen sollen. Dies ermöglicht die Ausstellungskonzeption, indem sie den Künstlern jeweils individuelle Räume zuweist. Einen Ausgangspunkt bilden Gemälde, Zeichnungen und Grafiken namhafter Vertreter wie Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff, Hermann Max Pechstein, Otto Mueller oder Emil Nolde aus der 1983 erfolgten Schenkung des Ehepaars Valerie und Othmar Häuptli an das Aargauer Kunsthaus. Gerade deren pragmatische Art des Sammelns nach persönlichen Bezügen, Interesse und Gefallen macht den individuellen Charakter ihrer Kollektion aus. Zu den rund 155 Exponaten in Schweinfurt kommen Stücke aus dem Osthaus Museum Hagen, die nach 1945 zusammengetragen wurden, etwa von August Macke, Franz Marc, Gabriele Münter oder Alexej von Jawlensky. Expressionistische Gruppen wie die Neue Kunstvereinigung München, der Blaue Reiter oder die Brücke sind so im Museum Georg Schäfer vereint.

Im Schweinfurter Haus liegt der Schwerpunkt eigentlich auf deutscher Kunst des 19. Jahrhunderts. Umfangreiche Konvolute unter anderem von Caspar David Friedrich oder Carl Spitzweg machen das Museum überregional bekannt. Vertreten sind auch die Impressionisten Max Slevogt, Lovis Corinth oder Max Liebermann. Dass die Ausrichtung des Museums auf der Zeit vor dem Expressionismus liegt, sieht der dortige Leiter und Kurator der Sonderausstellung nicht als Widerspruch, sondern als willkommene Ergänzung zur Auseinandersetzung mit Gemeinsamkeiten, Unterschieden und mit den Entwicklungen der Kunst bis ins frühe 20. Jahrhundert. Deutlich tritt bei dabei zu Tage, wie wenig trennscharf genannte Kategorien und Zeiteinteilungen teilweise sind. Noldes 1908 entstandener „Blumengarten“ weist motivisch und stilistisch deutlich spätimpressionistische Züge auf, obwohl der Maler als Hauptvertreter des Expressionismus gilt. In die hauseigene Sammlung hat Wolf Eiermann ein frühes Stillleben Alexej von Jawlenskys integriert, das genau dieses Konzept der Wechselwirkungen repräsentiert. Die gegenseitige Beeinflussung der Kunst dieser Zeit will er auch durch verschiedene nebeneinander gestellte Medien verdeutlichen. So teilen sich Zeichnung, Druckgrafik und Malerei den Raum. Schwarz-weiße Arbeiten auf Papier sollen gegen das verbreitete Missverständnis ankämpfen, der Expressionismus sei hauptsächlich von seiner Farbigkeit bestimmt.

Raum für Raum zurück ins Paradies

Der erste Saal ist Ernst Ludwig Kirchner gewidmet, der als einer der bekanntesten Künstler des Expressionismus einen eindrucksvollen Auftakt bietet. Gleich mehrere Prinzipien der Schau greifen hier. Gemälden sind Grafiken gegenübergestellt. Diese sind teils in kleine Kabinette gehängt, um nicht von den größeren, bunteren und damit anziehenderen Malereien überlagert zu werden. Trotzdem ermöglichen freie Durchgänge visuelle Bezüge. Auf einer Leinwand ist eine stilisierte sitzende Figur im Profil zu sehen. Hinter ihr befinden sich zwei weitere in frontaler Ansicht, die mit ersterer interagieren. Umgeben ist die Gruppe von exotisch anmutenden Menschensilhouetten. Kirchners „Künstlergruppe (Unterhaltung der Künstler)“ von 1913 symbolisiert die gegenseitigen Einflüsse der Maler, hier durch einen direkten regen Kontakt.

Weiter im Rundgang führt der Weg zu Erich Heckel. Sein bekannter Holzschnitt „Männerbildnis“, ein Selbstporträt von 1919, führt in Abgrenzung zu Kirchner den eigenständigen Stil des Künstlers vor Augen. Eiermann präsentiert in diesem Raum vor allem vom Ersten Weltkrieg geprägte Arbeiten, die ein Leben im Kontrast zum gesuchten Paradies vermitteln. Zum einen wird hier die harte Realität der Zeit bewusst, zum anderen liefern die Werke einen nachvollziehbaren Grund für die Weltflucht, die einige der Expressionisten umtrieb. Mit Karl Schmidt-Rottluff folgt darauf ein weiteres Mitglied der Brücke-Gruppe, in deren Umkreis sich Lyonel Feininger bewegte. Dessen kristallin aufgespaltene Landschaft „Gaberndorf I“ von 1921 verdeutlicht, zu welch unterschiedlichen Ergebnissen die individuellen Ansätze führten.

Für Hermann Max Pechstein und Emil Nolde galt die Südsee als Idealbild des Paradieses. Dieses Gebiet war beiden ein innerer aber auch realer Rückzugsort. Die fremden, zu entdeckenden Ethnien und deren „Urwesenhaftes“, so Nolde, faszinierten sie besonders. Pechsteins Feder- und Aquarellzeichnung „Exotisches Mädchen“ aus den Jahren 1914/17 zeugt von dieser Leidenschaft. In einfachen feinen Linien zieht er skizzenhaft und ausdrucksstark die Konturen der fremdländischen Schönen nach und koloriert sie. Otto Mueller verortet um 1920 in seinem Gemälde der „Badenden“ mit einer weiblichen und einer männlichen Figur, die nackt in einem von Schilf umrundeten Gewässer stehen, das Paradies nicht in der Ferne, sondern in der Heimat. Seine Sehnsucht richtet sich auf einen Einklang zwischen Mensch und Natur. Ein besonderes Anliegen war Wolf Eiermann, den weniger bekannten Schweizer Cuno Amiet zu präsentieren, der ein loses Mitglied der Brücke war und dem er einen eigenen Bereich widmete. Deutlich führt der Kurator hier nochmals eine individuelle Künstlerpersönlichkeit mit ihrer eigenen Ausprägung vor. Mit Amiet schließt die Präsentation des Brücke-Kreises.

Ein Intermezzo bildet Max Beckmann, der weder zur Brücke, noch zum Blauen Reiter gehörte. Seine Lithografien der Serie „Berliner Reise“ aus dem Jahr 1922 geben einen sozialkritischen Einblick in das Großstadtleben zur Zeit der Weimarer Republik von überbordender Vergnügungskultur bis hin zum Elend in karikaturhaft überzeichneter Weise. Die Stadtthematik inspirierte zudem August Macke, beispielsweise in seinem Ölgemälde „Helle Frauen vor dem Hutladen“ von 1913. Geometrisch abstrahiert stehen zentral zwei elegante gesichtslose Frauen vor dem Schaufenster in einer unüberschaubaren verwinkelten Stadtkulisse. Zusammen mit Wassily Kandinsky, Gabriele Münter und Alexej von Jawlensky bespielt er den neunten, dem Blauen Reiter gewidmeten Raum. Holzschnitte Conrad Felixmüllers folgen darauf und zeigen wiederum die Vielfalt in der Gestaltungsweise durch unterschiedliche Medien.

Der negativen Seite des Lebens, fernab von Paradiesvorstellungen, wird im vorletzten Raum nochmals einen größeren Rahmen geboten. In der selbstgewählten Isolation des Künstlers und deren Zurschaustellung betont Eiermann hier philosophische Aspekte der Kunstrichtungen jener Zeit. Einen Ausblick offeriert die Schau am Ende mit Christian Rohlfs. Sein Werk reicht über das hinaus, was allgemein unter dem Expressionismus verstanden wird. Sein „Rotes Haus in Dinkelsbühl“ von 1921 stellt in wildem Pinselduktus ein Fachwerkgebäude in kalter winterlicher Umgebung vor. Wenig paradiesisch wirken dieses Motiv und seine Farbpalette von vornehmlich dunklen Braun- und Rottönen.

Die Ausstellung „Back to Paradise. Meisterwerke des Expressionismus“ läuft bis zum 22. April. Das Museum Georg Schäfer hat täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr, am Donnerstag zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 11 Euro, ermäßigt 9 Euro. An jedem ersten Dienstag im Monat gilt freier Eintritt. Der Katalog zur Ausstellung kostet 35 Euro.

Kontakt:

Museum Georg Schäfer

Brückenstraße 20

DE-97421 Schweinfurt

Telefon:+49 (09721) 519 19

Telefax:+49 (09721) 513 71

E-Mail: info@mgs-online.de



01.04.2018

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jan Soldin

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 rotem Turban und gelber Agraffe (Barbarenfürstin), um 1912
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Ernst Ludwig Kirchner, Badende (Fehmarn), 1912

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Ernst Ludwig Kirchner, Erna mit Japanschirm (Japanerin), 1913

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Ernst Ludwig Kirchner, Künstlergruppe (Unterhaltung der Künstler), 1913 (datiert 1912)

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Otto Mueller, Badende, um 1920

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