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Anton Romako in Wien

Anton Romako, Tegetthoff in der Seeschlacht bei Lissa (I), 1882

Das Leopold Museum in Wien widmet Anton Romako nach 26 Jahren wieder eine Personale. Der 1832 im nahen Atzgersdorf geborene und 1889 in Wien verstorbene Künstler gehört zu den eigenwilligsten und widersprüchlichsten Malern des 19. Jahrhunderts, so die Kuratorin Marianne Hussl-Hörmann. Er wandte sich vom vorherrschenden Realismus ab und konzentrierte sich als einer der ersten auf die Welt der Träume und des Unbewussten. Entscheidend für seine Kunst waren tragische Lebensereignisse: Die Trennung von seiner Frau, der Tod des Bruders und der Selbstmord seiner beiden Töchter. In der Wiener Ausstellung versuchen etwa 70 Exponate aus allen Schaffensphasen Romakos Wanderung zwischen Tradition und Moderne nachzuzeichnen.

Romakos Stil wird stark von der Linie und exakten Zeichnung beherrscht, wie auch von der Leidenschaft für die Farbe und für eine bewegte Komposition. Seine Ausbildung absolvierte er in den Akademien in Wien bei Ferdinand Georg Waldmüller und in München bei Wilhelm von Kaulbach und Carl Rahl. Sie lehrten ihn die präzise Zeichnung und klare Komposition. Ergänzend unterwies ihn Carl Friedrich Heinrich Werner in Venedig. Von 1856 bis 1876 lebte Anton Romako in Rom, war erfolgreicher Genremaler wie auch Portraitist und heiratete Sophie Köbel. Stilistisch ist in dieser Phase ein narrativer Realismus zu beobachten, den Romako mit der barocken Bildtradition kombinierte. Laut Hussl-Hörmann tat er dies, um der Szene eine übergeordnete Bedeutung zu verleihen.

Seinem 1873/75 entstandenen „Italienischen Fischerkind“ fehlen die Idealisierung und Schönheit. So weisen die tiefliegenden Augen mit dunklen Schatten auf die Müdigkeit hin. Die runden vollen Backen erzielen mit dem angespannten Mund eher eine trotzige als kindliche Haltung. Mit dem Fischernetz um die Schultern und den wuscheligen Haaren wirkt das Kind eher wie ein schlecht gelaunter Teil des Meeres. Ab Ende der 1860er Jahre sorgte Romakos radikalere Interpretation und Abweichung von der künstlerischen Norm für fehlende Absätze. Mit der Armut trennte sich seine Frau von ihm und ließ ihn mit den fünf Kindern in Rom zurück.

1876 kehrte Anton Romako mit seinen zwei ältesten Kindern nach Wien zurück, wo sein sozial gut vernetzter Bruder lebte. Er wandte sich nun eher mythologischen und historischen Motiven zu. Mit dem Tod des Bruders 1882 und dem fehlenden Erfolg zog der verzweifelte und verbitterte Maler zwei Jahre lang nach Genf. Hilfe erhielt er durch Karl Graf von Kuefstein, dessen Frau Romako malte. Das Unverständnis der Öffentlichkeit gegenüber Romakos Kunst verhinderte Erfolge. Seine 1882 gemalte „Tegetthoff in der Seeschlacht bei Lissa“ bezieht sich zwar auf ein damals zeitgenössisches Ereignis, jedoch ist die Ausführung ungewöhnlich. Romako interpretierte nicht den Erfolg der österreichischen Truppen, vielmehr liest sich der Schrecken der Schlacht in den überzeichneten Gesichtern der Matrosen und des Admirals ab. Das Meer ist nicht zu sehen, stattdessen ein weißer unbestimmter Hintergrund, das Schiffsdeck könnte ebenso gut eine Theaterbühne sein. So bleibt die Szene eher in einem surrealen Raum verhaftet, der Romakos Zeitgenossen irritiert haben muss.

Die Ausstellung „Anton Romako. Beginn der Moderne“ läuft vom 6. April bis zum 18. Juni. Das Leopold Museum hat täglich von 10 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt regulär 13 Euro, ermäßigt 8 Euro. Der begleitende Katalog kostet im Museum 29,90 Euro.

Leopold Museum
Museumsplatz 1
A-1070 Wien

Telefon: +43 (0)1 – 525 70 0
Telefax: +43 (0)1 – 525 70 1500

Quelle: Kunstmarkt.com/S. Hoffmann

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06.04.2018, Anton Romako - Beginn der Moderne

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Leopold Museum

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Anton Romako, Tegetthoff in der Seeschlacht bei Lissa (I), 1882
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Anton Romako, Die Familie des Künstlers beim
 Frühstück, 1872/73
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Anton Romako, Italienisches Fischerkind, 1873/75
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Anton Romako, Portrait der Gräfin Maria Magda Kuefstein,
 geb. Krüger, 1885/86
Anton Romako, Portrait der Gräfin Maria Magda Kuefstein, geb. Krüger, 1885/86

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Anton Romako, Mädchen, einen Wildbach
 überschreitend, 1880/82
Anton Romako, Mädchen, einen Wildbach überschreitend, 1880/82

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Anton Romako, Bildnis Isabella Reisser, 1885
Anton Romako, Bildnis Isabella Reisser, 1885

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