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Hodler und Giacometti in Winterthur

Ferdinand Hodler, Blick ins Unendliche, 1913-1916

Am 19. Mai jährt sich 100. Todestag von Ferdinand Hodler. Das nehmen einige Schweizer Museen zum Anlass, den bedeutenden Maler der frühen Moderne mit Ausstellungen zu würdigen. Auch das Kunstmuseum Winterthur gesellt sich in den Reigen der Gratulanten und hat dafür einen weiteren Großen der Schweizer Kunst des 20. Jahrhunderts ausgewählt: Alberto Giacometti. Der Dialog vereint es erstmals den Maler des Symbolismus der Jahrhundertwende und den Bildhauer des Existentialismus der Nachkriegsjahre in einer Schau. So wollen die beiden Kuratoren Konrad Bitterli und David Schmidhauser neue Wege beschreiten, indem sie Hodler nicht im Kontext seiner Zeit diskutieren, sondern in der Gegenüberstellung mit Giacometti neue gedankliche und ästhetische Zugänge eröffnen. Das Werk Hodlers untersuchen sie so auf seine inhaltliche Dimension und seine Relevanz für nachfolgende Generationen und stellen vor allem das Existentielle heraus.

Bitterli und Schmidhauser haben die über siebzig Exponate thematisch gruppiert und sechs Motivblöcke zusammengestellt: „Die Figur“, „Die Gruppen“, „Ego – Alter Ego“, „Liebe und Leiden“, „Bergwelten“ sowie „Zeichnung als Formfindung“. Formale Übereinstimmungen finden sich etwa in den Figurengruppen der beiden Künstler, die durch Wiederholung und Rhythmus geprägt sind. Alberto Giacomettis „Quatre figurines sur base“ von 1950 bilden den Auftakt zu Ferdinand Hodlers symbolistischen Figurenensembles mit den beiden Hauptwerke „Die Wahrheit“ von 1902 und „Der Blick ins Unendliche“ von 1913/16. Die existentielle Dimension sprechen etwa die Bilder und Zeichnungen von Valentine Godé-Darels Krankheit und ihrem langsamen Sterben an, die eine berührende Werkserie in Hodlers Œuvre bilden. Dem nüchternen Festhalten des Leidens und des körperlichen Zerfalls antwortet Giacomettis eindringliches Porträt seiner Mutter, deren ausgemergelter Kopf und Körper gleichsam im grauen Bildraum zu verschwinden scheinen.

Die Ausstellung „Ferdinand Hodler – Alberto Giacometti. Eine Begegnung“ ist bis zum 19. August zu sehen. Das Kunstmuseum Winterthur hat täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr, dienstags zusätzlich bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 19 Franken, ermäßigt 15 Franken. Für Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre ist er kostenlos. Begleitend zur Schau erscheint im Hirmer Verlag ein Katalog für 30 Franken.

Kunstmuseum Winterthur
Museumsstraße 52
CH-8402 Winterthur

Telefon: +41 (0)52 – 267 51 62
Telefax: +41 (0)52 – 267 53 17

Quelle: Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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