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Bouchra Khalili setzt in ihren Filmarbeiten der kollektiven eine individuelle Geschichte gegenüber und thematisiert Kolonialismus, Migration und die sich daraus ergebenden Chancen. Die Secession in Wien präsentiert nun ihre erste Einzelausstellung in Österreich

Solidarität im Zeichen der Sprachverwirrung



Mit ihrer Videoarbeit „The Tempest Society“ machte die Filmkünstlerin Bouchra Khalili im vergangenen Jahr auf der Documenta 14 auf sich aufmerksam. Die 1975 in Casablanca geborene Künstlerin, die in Marokko und in Frankreich auswuchs und heute in Berlin lebt, beschäftigt sich mit Migration, Befreiungsbewegungen und Einzelschicksalen und erforscht in ihren Arbeiten eine, wie sie es selbst bezeichnet, „alternative Historiografie“. Derzeit ist ihr Documenta-Beitrag zusammen mit zwei weiteren Arbeitszyklen, der Multipart-Installation „Foreign Office“ sowie der 2012/13 entstandene Videoarbeit „The Speeches Series“, in der Wiener Secession zu sehen.


Bouchra Khalili nutzt in ihren Filmen, die sich durch eine klare und formal präzise Bildsprache auszeichnen, Techniken des Kinos, um die Zuschauerinnen und Zuschauer mit verdrängten Fakten unserer globalisierten Existenz zu konfrontieren. Sie stellt der kollektiven eine individuelle Geschichte gegenüber, die von Zugehörigen gesellschaftlicher Minderheiten erzählt wird. „Meine Identität“, erklärt Bouchra Khalili, „ist das Ergebnis eines Prozesses der ‚Kreolisierung’... Ich bin in Marokko geboren und aufgewachsen. Diese Kultur ist eine kraftvolle Kombination aus arabischer, afrikanischer, muslimischer und jüdischer Kultur. Diglossie ist eine häufige Situation in Marokko, wo viele Sprachen gesprochen werden, manchmal auf einmal: Arabisch, mündliche Formen des Arabischen, Tamazight-Sprachen, Französisch, Spanisch. Ich bin gebildet und lebe im Westen. Ich denke also, dass all diese sehr spezifischen Eigenschaften meine Art der Wahrnehmung von Grenz- und Zugehörigkeitsfragen beeinflusst haben.“

In Khalilis frühen Werken sind die Szenen stets auf eine einzelne Figur konzentriert. Die Videoinstallation „The Speeches Series“ besteht aus drei Filmarbeiten zu unterschiedlichen Themen, die auf Monitoren in verschiedenen Räumen der Ausstellung präsentiert werden. Jedes der drei „Kapitel“ besteht aus fünf Reden, die von jeweils fünf Protagonist*innen in ihrer Muttersprache und immer aus dem Gedächtnis wiedergegeben werden. In „Mother Tongue“ von 2012, dem ersten Video, rezitieren Pariser Migrant*innen die politischen und poetischen Texte antikolonialer Dichter und Kritiker in Sprachen, die keine eigene Schrift besitzen: Marokkanisch-Arabisch, Kabylisch, Maninka und Wolof. Das zweite Video der Trilogie „Words on Streets“ konzentriert sich auf die Frage der Bürgerschaft in der globalisierten Welt. Im dritten Kapitel „Living Labour“ betrachtet Khalili die Situation von Ausländern im eigenen Land, konkret von in den USA lebenden Arbeitskräften ohne gültige Papiere.

Neuere Arbeiten wie „Foreign Office“ von 2015 zeigen inszenierte Dialoge zwischen zwei Protagonist*innen, aber auch sie sind von Sprache durchdrungen und rufen Dritte-Welt-Szenarien aus den 1950er bis 1970er Jahren wach. „Foreign Office“ veranschaulicht, wie sich zwischen 1962 und 1972 nach Beendigung des algerischen Unabhängigkeitskrieges unterschiedliche revolutionäre Organisationen aus dem Ausland in Algier niederließen: die Black Panther Party, Nelson Mandelas African National Congress, die Bewegung zur nationalen Befreiung Palästinas und die Volksbewegung zur Befreiung Angolas. Durch die Beteiligung nichtprofessioneller Darsteller*innen lässt Bouchra Khalili die Geschichte lebendig werden. Dank der Protagonisten – hier eine junge Frau und ein junger Mann aus Algerien, die dieses weitgehend vergessene Kapitel der Geschichte entdecken und erforschen – und durch die klare Technik der filmischen Montage entwirft die Künstlerin eine neue Perspektive auf die Geschichte des Internationalismus.

„The Tempest Society“ von 2017 ist eine Weiterentwicklung dieses synkretistischen Prozesses, in dem Khalili zwischen der singuläre Stimme und einem kollektiven Chor hin- und herwechselt. Der historische Anknüpfungspunkt des in Athen spielenden Werks ist „al-Assifa“ (Der Sturm), ein Theaterensemble und Sozialprojekt, das im Paris der 1970er Jahre von einem Arbeitsmigranten aus Nordafrika und zwei französischen Studenten gegründet wurde. Im heutigen Athen gründen drei Personen mit unterschiedlichem Hintergrund eine Theatergruppe. Gemeinsam mit ihrem Publikum auf der Bühne als öffentlichem Ort der Bürger*innen versuchen sie, den aktuellen Zustand von Griechenland, Europa und dem Mittelmeer zu erkunden. Mitglieder der Tempest Society rufen gemeinsam mit drei Repräsentanten – Ghani, einem Mitglied und Sprecher von 300 Arbeitsimmigranten, die sich im Hungerstreik befinden, Katharina, die in Griechenland geboren wurde und dennoch ohne Papiere ist, und Malek, einem jungen syrischen Flüchtling – zu Gleichheit, staatsbürgerlicher Zugehörigkeit und Solidarität auf.

Mit ihren Projekten schlägt Bouchra Khalili eine sehr eindringliche Auseinandersetzung mit der Geschichte der Utopien, der radikalen Gleichheit und der zivilen Zugehörigkeit als einer Form des Widerstands gegen normative Identitätsprozesse vor. Die Künstlerin versetzt die Zuschauer in die Rolle von Zeugen und intimen Vertrauten und verleiht dem Einzelschicksal eine Stimme, beleuchtet solidarische Bewegungen und aktivistische Handlungen und stellt eine Verbindung von kolonialer und postkolonialer Geschichte und den gegenwärtigen Debatten zu globalen Migrationsbewegungen her. Treffend bezeichnet Khalili ihre filmische Montage als Hypothese, als eine Möglichkeit, durch ein einzelnes Subjekt kollektive Wahrheiten anzusprechen und so einer mobilisierenden und widerständigen gesellschaftlichen Stimme Gehör zu verschaffen. Das ist wichtig und ausgesprochen sehenswert.

Die Ausstellung „Bouchra Khalili“ ist bis zum 17. Juni zu sehen. Die Secession hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der reguläre Eintritt beträgt 9,50 Euro, ermäßigt 6 Euro. Für Kinder unter zehn Jahren ist er kostenlos.

Kontakt:

Secession

Friedrichstraße 12

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 587 53 07

Telefax:+43 (01) 587 53 07 34

E-Mail: office@secession.at



26.04.2018

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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Veranstaltung vom:


13.04.2018, Bouchra Khalili

Bei:


Secession

Künstler:

Bouchra Khalili










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