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Die Museumslandschaft Hessen-Kassel zeigt eine Ausstellung die Prachtentfaltung des Landgrafen Karl in und um Kassel

Barocker Prunk eines hessischen Sonnenkönigs



Bartholomeus Eggers, Standbild Landgraf Karl, 1686

Bartholomeus Eggers, Standbild Landgraf Karl, 1686

Zwei stattliche Figuren bilden den Auftakt in der Rotunde des Kasseler Fridericianums. Bartholomeus Eggers schuf das Standbild des Landgrafen Karl von Hessen-Kassel, einem bedeutenden Fürsten der Barockzeit. Ihm beigesellt ist der Abguss einer römischen Kopie des Herkules Farnese. Er steht kennzeichnend für Karls Politik der Stärke und Orientierung an Wunschbildern. Herkules’ besondere Rolle als Göttersohn, personifizierte Größe und Vollbringer von Heldentaten wird hoch über der Stadt Kassel besonders deutlich. Auf dem Karlsberggipfel steht als Point de vue einer gewaltigen Achse auf einem oktogonalen Schloss seit 1717 die über acht Meter hohe Kolossalstatue des Herkules. Das fast acht Tonnen schwere Konstrukt galt seinerzeit als größte freistehende Ganzmetallplastik weltweit, erst 1875 wurde sie vom Hermannsdenkmal bei Detmold und elf Jahre später von der New Yorker Statue of Liberty übertroffen.


Dieser sichtbarsten Hinterlassenschaft des Landgrafen Karl (1654-1730) begegnet man mehrfach in der Ausstellung der Museumslandschaft Hessen-Kassel. Über 720 Objekte entfalten im Fridericianum ein facettenreiches Panorama über dessen Wirken. Elf Kapitel berichten davon, wie er nach Übernahme der Regentschaft im Jahr 1677 sein Herrschaftsgebiet wirtschaftlich, militärisch, in Wissenschaft, Bildung und Kunst nach vorne brachte. Dabei verfolgte er einige weit über das realistische Maß hinaus schießende künstlerische Visionen und bauliche Projekte. Schon in den ersten Abschnitten, die sich seiner Dynastie und Biografie widmen und in zahlreichen Porträts die Mitglieder seiner Sippschaft vorstellen, mischt sich ein Gemälde, das aus der Vogelschau den oktogonalen Quellbau samt Herkulesstatue zeigt, unter dem sich Grotten, Bassins, Treppen und Kaskaden herabschichten.

Der Begebenheit, dass Karls Sohn Friedrich im Jahr 1720 König von Schweden wurde, verdankt die Schau eine erlesene Kostbarkeit. Aus der Rüstkammer des Stockholmer Schlosses konnte der 1734 gefertigte Krönungsmantel des Königs entliehen werden, ein majestätisches Textil aus dunkelblauem Samt. Geschnitten in der Form eines fast kompletten, zur Birnenform erweiterten Kreises ist es mit hunderten gestickten Kronen aus Gold und Silberfäden verziert, die sich halbkreisförmig um den Halsschnitt ordnen.

Auch in eher staatshistorischen Kapiteln kommen immer wieder die Künste ins Spiel, so etwa im Abschnitt Wirtschaft. Um 1700 in Fayence gefertigte Büsten des Landgrafenpaares verweisen auf die von Karl um 1680 in Kassel errichtete Fayencemanufaktur, eine der frühesten im damaligen Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Der kleine Betrieb, in dem hauptsächlich Gebrauchswaren nach Delfter Vorbild produziert wurden, blieb bis zur Aufgabe im Jahr 1788 ein Zuschussbetrieb. Mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten hatte auch die von Karl wieder belebte Altmündener Glashütte zu kämpfen. Von der bis 1818 laufenden Fabrikation des für die barocke Hofhaltung notwendigen Kristallglases zeugen zwei Weingläser.

Rund die Hälfte der Ausstellungsabschnitte ist den Künsten gewidmet. Der kunstsinnige Karl erwarb, beauftragte, sammelte und verschenkte weit über 10.000 Objekte aus allen Sparten. Unter den Unmengen an Stücken, die nach seinem Tod inventarisiert wurden, befinden sich Gemmen, Münzen, Medaillen, Gemälde, Möbel, Plastiken oder Schmuckstücke, die der Herrschaftsrepräsentation dienten und nun partiell ihren Weg in die Ausstellung fanden. Die Auswahl geht bis hin zu Exotischem, wie aus China stammende Frauenstatuen aus Porzellan. Zu den herausragenden Werken gehören drei überlebensgroße Büsten aus Carrara-Marmor, die das Herrscherpaar samt ihrem Sohn Wilhelm überlebensgroß darstellen und Meisterwerke des französischen Bildhauers Pierre-Étienne Monnot sind.

Prächtig strahlt eine kunstvoll in farbiger Scagliola-Technik ausgearbeitete Tischplatte dem Betrachter entgegen, deren Blumengebinde und Vogelmotive sich an die niederländische Malerei des späten 17. Jahrhunderts anlehnen. Von Jacob Dobbermann, einem auf Elfenbein- und Bernsteinverarbeitung spezialisierten Künstler aus Danzig, stammen die beiden vollplastischen Statuetten „Kleopatra“ und „Die Zeit entführt die Wahrheit“, die den erlesenen und kenntnisreichen Kunstgeschmack des Landgrafen zum Ausdruck bringen. Den Ruhm der Kasseler Schleifmühle und ihres Edelsteinschnitts begründete der 1677 an den Hof berufene Christoph Labhardt, dessen Büste einer jungen Frau aus zwei verschiedenen Bernsteinteilen gefertigt ist.

Ein eigener Raum widmet sich der obligatorischen Italienreise Karls, bevor ein großer Saal ausschließlich seinen architektonischen Projekten vorbehalten ist. Zu seiner Politik der strukturellen Modernisierung und des ökonomischen Aufstiegs gehörten umfangreiche Bauprojekte wirtschaftlicher und repräsentativer Art, die noch heute das Stadtbild Kassels und Teile Nordhessens prägen. Wie alle seine Adelsgenossen wollte er damit seine tatsächliche oder beanspruchte Bedeutung und Macht zum Ausdruck bringen. Dazu gehörten repräsentative Prachtgärten, die Karls Herrschaft im Sinne des Absolutismus unterstreichen sollten. Wasser spielt in seinen beiden bedeutenden Gartenanlagen, dem heutigen Bergpark Wilhelmshöhe mit den lediglich zu einem Drittel ausgeführten Kaskaden und dem barocken Herkulesmonument sowie der Karlsaue mit der Orangerie die zentrale Rolle. Zahlreiche Pläne, Entwürfe, Stiche, Panoramaansichten, Möbel und Modelle verschaffen einen dichten Überblick. Beherrschend gibt sich der achtteilige Zyklus großformatiger Gemäldeprospekte des Hofmalers Jan van Nickelen, in dem er ab 1716 Idealversionen des Karlsberges illustrierte.

Vom enormen Luxus fürstlicher Raumausstattung zeugen zwei mit feinen Einlegearbeiten verzierte, lackierte und vergoldete Kabinettschränke, die europäische und fernöstliche Elemente vereinen. Neben den höfischen Großprojekten spiegeln zahlreiche Bauvorhaben den Wandel des Landes, wie etwa Siedlungen für mehrere Tausend geflohene Hugenotten, die ab 1685 in Wellen aus Frankreich kamen, oder Verkehrswege, allen voran ein nicht vollständig realisierter, Weser und Fulda verbindender Kanal. Die Ausstellung schließt mit der Vorstellung des von Karl ab 1696 initiierten Kunsthauses, einer gattungsübergreifend sammelnden Institution zwischen Museum, Schaudepot und Lehrsammlung. Alle für das Wissen der Menschheit relevanten Objekte faden hier ihren Platz: Dinge aus der Natur über die Anatomie, Technik, Kunst bis hin zur Tierwelt. Historische Sammlungsschränke aus Nussbaum führen die Aufbewahrungspraxis vor Augen; ein Gemälde des heiligen Franziskus von Assisi aus der Werkstatt von Peter Paul Rubens gehört zu den künstlerischen Highlights.

Wer vollends in die Barockwelt eintauchen möchte, dem sei der Besuch des zwischen 1722 und 1739 nach Plänen von Pierre-Étienne Monnot geschaffenen Marmorbades in der Karlsaue empfohlen. In einem frei stehenden Pavillon gruppiert sich um ein mittig unter einer Kuppel platziertes Badebecken eine überbordende Ausstattung aus verschiedenen Marmorsorten, mythologischen Statuen und Reliefs, die Themen aus Ovids Metamorphosen aufgreifen.

Im Kasseler Umland stößt der Kunstfreund bis heute auf eindrucksvolle Zeugnisse hugenottischer Besiedlung. Der recht schmucklose Fachwerkbau der Querkirche in Carlsdorf von 1701/04 mit rechtwinklig um den Abendmahlstisch geordneten Bänken sowie Bad Karlshafen gehören zu den interessantesten Sehenswürdigkeiten und Hinterlassenschaften Karls. Nach holländischem Muster ließ er direkt am Weserufer ab 1699 „Carlshaven“ als Handelsstadt im Stil einer barocken Planstadt anlegen. Rund um das durch eine Schleuse von der Weser direkt ansteuerbare Hafenbecken gruppieren sich die für Hugenottenflüchtlinge konzipierten Typenhäuser. Bis Ende 2018 wird das Becken mit neuer Schleusenkammer revitalisiert. Dies zeigt, wie instruktiv die Kasseler Ausstellung eine Vergangenheit in den Blick nimmt, deren Phänomene uns noch 300 Jahre später beschäftigen und Richtschnur für die Bewältigung heutiger Aufgaben sein können.

Die Landesausstellung „groß gedacht! groß gemacht? Landgraf Carl in Hessen und Europa“ ist bis zum 1. Juli zu sehen. Das Fridericianum hat täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 6 Euro. Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog erschienen, der im Museum 39,90 Euro kostet.

Kontakt:

Documenta und Museum Fridericianum gGmbH

Friedrichsplatz 18

DE-34117 Kassel

Telefon:+49 (0561) 70 72 720

Telefax:+49 (0561) 70 72 775

E-Mail: info@fridericianum.org



17.05.2018

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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16.03.2018, groß gedacht! groß gemacht? - Landgraf Carl in Hessen und Europa

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Documenta und Museum Fridericianum

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Museumslandschaft Hessen Kassel

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Bartholomeus Eggers, Standbild Landgraf Karl, 1686
Bartholomeus Eggers, Standbild Landgraf Karl, 1686

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in der Ausstellung „groß gedacht! groß gemacht?
 Landgraf Carl in Hessen und Europa“
in der Ausstellung „groß gedacht! groß gemacht? Landgraf Carl in Hessen und Europa“

Variabilder:

Jan van
 Nickelen, Idealansicht der Wasserspiele auf dem Carlsberg (Ansicht Nr. 2). 1716-1721
Jan van Nickelen, Idealansicht der Wasserspiele auf dem Carlsberg (Ansicht Nr. 2). 1716-1721

Variabilder:

Pierre-Étienne Monnot, Landgraf Karl von Hessel-Kassel, Landgräfin Maria Amalie von Hessen-Kassel und Prinz Wilhelm
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Erhard Weigel, Heraldischer Himmelsglobus,
 1689-1699
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Caspar Hoffmann, Augsburger Prunkuhr, um 1680
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in der Ausstellung „groß gedacht! groß gemacht? Landgraf Carl in Hessen und Europa“

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Jan van Nickelen, Idealansicht der Wasserspiele auf dem Carlsberg (Ansicht Nr. 2). 1716-1721

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Pierre-Étienne Monnot, Landgraf Karl von Hessel-Kassel, Landgräfin Maria Amalie von Hessen-Kassel und Prinz Wilhelm

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Erhard Weigel, Heraldischer Himmelsglobus, 1689-1699

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Caspar Hoffmann, Augsburger Prunkuhr, um 1680

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