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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Grisebach bietet eine querschnitthafte Auswahl an moderner und zeitgenössischer Fotografie in unterschiedlichen Preisklassen: Ein Blick in den themenreichen Katalog

Malen mit Licht



László Moholy-Nagy, Ohne Titel. Weimar, 1923/25

László Moholy-Nagy, Ohne Titel. Weimar, 1923/25

Licht und Raum bilden zwei zentrale Elemente im Œuvre von László Moholy-Nagy. Seine Beschäftigungen beschränkten sich dabei nicht auf einzelne Medien. Der Bauhaus-Meister schuf Fotografien, Filme, publizierte theoretische Überlegungen und konstruierte sogar eine auf Licht- und Schattenwurf basierende kinetische Plastik namens „Licht-Raum-Modulator“. Sein experimentelles Vorgehen führte schnell dazu, dass Moholy-Nagy nicht nur im klassischen Sinne mit einer Kamera fotografierte, sondern sich ebenso mit dem zugrundeliegenden Medium des lichtempfindlichen Papiers auseinandersetzte. Auf diesem drapierte er verschiedene Gegenstände und setzte es unterschiedlich lang der Beleuchtung aus, was abstrakte Kompositionen auf den Blättern hervorrief. Die Ergebnisse, Unikate gemalt mit Licht, nannte Moholy-Nagy „Photogramme“.


Eine solche Arbeit steht nun bei Grisebach am 30. Mai in der Auktion „Moderne und Zeitgenössische Photographie“ in Berlin zum Verkauf. Gerade einmal etwas mehr als postkartengroß ist die Darstellung, die László Moholy-Nagy am Weimarer Bauhaus 1923/25 in der Dunkelkammer dem Papier entlockte. Hell und Dunkel, Schwarz und Weiß, Licht und Schatten spiegeln sich darauf in verschiedenen Abstufungen. Einzelne Gegenstände, die im Kontakt mit dem empfindlichen Papier standen, sind noch zu erkennen, wie mittig eine Gruppe Nägel. Andere Elemente sind nicht mehr als verwischte Spuren, die wie Abdrücke einer Bewegung erscheinen. Harte Kanten und weiche Übergänge bauen dabei eine ebenso kontrastreiche Spannung auf wie die mannigfaltigen Nuancen der monochromen Farbgebung. Als empfindliches Einzelstück der großen Zeit der deutschen Moderne hat das Fotogramm einen stolzen Preis: Grisebachs Experten erwarten hoch gesteckte 300.000 bis 500.000 Euro. In gleicher Technik, nur unter der Bezeichnung „Rayogramm“, fertigte Man Ray 1922 ein titelloses Bild mit schwungvollen auslaufenden Kreislinien in der Mitte. Für einen Abzug der Arbeit dieses Pioniers der Fotografie von 1963 sind 15.000 bis 20.000 Euro zu entrichten.

Wer solche Summen nicht zahlen möchte, kann auf den 1907 in Posen geborenen Theodore Roszak ausweichen. Vier Positionen an Fotogrammen aus den Jahren 1937/41 hat Grisebach von ihm im Angebot. Eines wirkt wie der Blick in ein Schwimmbecken. Von feinen Wellen ist die Sicht auf einen fließenartigen Untergrund verzerrt, gestört nur von einem weißen geometrischen Element (Taxe 1.000 bis 1.500 EUR). Für 2.000 bis 2.500 Euro sind zudem drei Arbeiten im Konvolut erhältlich, die mit ihren verschwommenen Strukturen an Röntgenbilder erinnern. Diese Ästhetik griff auch Arvid Gutschow auf. Seine Vergrößerung eines trockenen Laubblattes, vermutlich aus den 1930er Jahren ist ebenso ein Abzug, der wie ein Negativ erscheint und 700 bis 900 Euro kosten soll. Dain L. Tasker nutzte Röntgenstrahlen tatsächlich als Mittel seiner Kunst. „X-ray of a Lilly“ von 1930 lässt die Blüte der Pflanze durch die eingesetzte Technik wie eine schwungvoll abstrakte Komposition sanft im Wind wehen (Taxe 12.000 bis 18.000 EUR).

Die Kunst der klaren Ordnung

Edward Steichen war einer der wichtigen Vertreter der frühen Kunstfotografie. In den 1920er und 1930er Jahren machte er viele Modeaufnahmen, beschränkte sich allerdings nicht nur auf dieses Sujet. So lagerte er 1930 in „Gorham Sterlin, New York“ fein sortiert Messer, Gabel und Löffel übereinander auf Glasplatten, die jeweils von links und rechts diagonal nach vorn ins Bild treten. Vor dem schwarzen Hintergrund leuchtet das Silberbesteck geradezu. Der posthume Abzug mit Autorisationsvermerk soll 2.500 bis 3.500 Euro einspielen. Später wurden genauso „Three Apples“ von 1921 reproduziert. Die Früchte des Stilllebens in Nahansicht hat Steichen in einer dreieckigen Grundstruktur ausgerichtet (Taxe 2.500 bis 3.500 EUR). Aus der Küche stammte ebenso das Bildmaterial, das Ralph Steiner 1927 für „Ham and Eggs“ nutzte. Eier in verschiedenen Winkel beleuchtete er für einen starken Schattenwurf nach unten und verschmolz sie durch ihre Inszenierung zu einem künstlichen Muster. Dieses durchbricht ein in der Mitte stehender Teller, auf dem drei Schinkenscheiben mit runden Spiegeleiern liegen (Taxe 1.800 bis 2.400 EUR). Gemeinsam ist diesen Arbeiten die Inspiration durch Alltagsgegenstände, die unerwartete Strukturen aus einem künstlerischen Blickwinkel zu Tage treten lassen.

Wolf Strache nahm 1935 das „Shell-Haus“ von Emil Fahrenkamp in Berlin so auf, dass dessen typische wellenartige Fassade wie eine übereinander gestaffelte Fläche aus Wandelementen und Fenstern wirkt. Der spätere Abzug soll 900 bis 1.300 Euro einbringen. Interessant erscheint ebenso die skulpturenhafte Verknotung eines Staubsaugerschlauches von Piet Zwart aus dem Jahr 1930, die 1974 nochmals von der Kölner Galerie Wilde herausgegeben wurde (Taxe 500 bis 700 EUR). Die klare Ordnung und das optisch reizvolle Gefüge, das aus übereinander gestapelten Karosserieteilen von Autos resultiert, hielt Peter Keetman 1953 fest. Für 2.000 bis 3.000 Euro ist sein „VW-Werk“ erhältlich. Kleine Pyramiden reihen sich an der Wand der „Anechoic Chamber“ von Lewis Baltz aus den Jahren 1989 bis 1991 aneinander. Die Optik der Wandverkleidung in den France Télécom Laboratories, die konstruiert ist, um keinen Schall an den Wänden zu reflektieren, greift der Fotograf in der Serie „89-91 Sites of Technology“ in Farbe auf (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR).

Sommer, Sonne, Urlaubszeit

In Weegees „Coney Island“ von 1940 drängen sich die Menschen so dicht am New Yorker Strandgebiet, dass sie in einer gesichtslosen Masse verschwimmen. Bis zum Horizont sind Männer, Frauen und Kinder unterschiedlichen Alters aufgereiht, von denen die meisten nach vorn in Richtung der Kamera blicken und teils die Arme zum Schutz vor der Sonne erhoben haben. Weegee, der eigentlich Arthur Fellig hieß und mit seinen dokumentarischen Tatortfotos berühmt wurde, vermittelt hier eine ausgelassene Sommerstimmung, die sich die Personen trotz der maßlosen Überfüllung kaum verderben lassen. Der Abzug aus den 1960er Jahren stammt aus dem Nachlass des Künstlers und soll 10.000 bis 15.000 Euro erwirtschaften. Doch nicht nur am „Big Apple“, sondern auch in „Rio de Janeiro“ treibt es die Menschen im Sommer massenhaft ans Wasser, wie Elliott Erwitts Aufnahme von 1984 beweist. Junge Männer und Frauen sitzen und stehen in Badebekleidung vor einer Felsformation dicht beieinander (Taxe 3.500 bis 4.500 EUR). Idyllischere Zustände herrschen bei Bleicke Bleickens „Die Treppe, Kampen“ von 1950. Bei diesem Motiv, einer von zwanzig posthumen Reproduktionen des Jahres 2010 für 800 bis 1.200 Euro, ist der Strand noch leerer, den die ersten Besucher sogar über eine Treppe verlassen.

Surreal geht es Peter Beards „I’ll write whenever I can…“ von 1965 zu. Ein Mann liegt schreibend mit einem Buch im Sand, ungestört und in sein Schaffen versunken. Doch sein Unterkörper steckt tief im Maul eines Alligators. Trotzdem hat er keine Angst. Für das Unikat, das am Rand mit bunten Tierzeichnungen von Kivoi Mathenge verziert ist, sollen 30.000 bis 40.000 Euro fällig sein. Dass Reisen nicht nur Positives mit sich bringen, deckt Beards „Ahmed Diptych“ von 1968 auf. Zwei Darstellungen eines Elefanten von 2003/04 sind übereinander gestellt. Umgeben sind diese von skizzenhaften Arbeiten des Afrikaners E Mwangi Kuria mit weiteren Tieren sowie – im Kontrast – mit touristisch fotografierenden, jagenden und wildernden Weißen. 50.000 bis 70.000 Euro sind für diese Arbeit des Wildtierschützers gefordert. Die teils unbeachtete Not in Reisegebieten macht Herbert List deutlich. Bei ihm sitzt eine alte griechische Dame in einem Fenster. An ihrer Hauswand ist ein versiegter Wasserhahn zu sehen. Der Titel „Der letzte Tropfen“ verleiht dem Werk aus der Zeit um 1950 einen tragischen Charakter (Taxe 1.200 bis 1.800 EUR). Im selben Land entstand 1961 Henri Cartier-Bressons „Cyclades, Island of Sifnos, Greece“. Ein Weg führt zwischen der typisch weiß gestrichenen Bebauung in die Tiefe. Die Bebauung ist unbelebt bis auf ein Mädchen, das um eine Ecke rennt und kurz davor ist, hinter einer Mauer zu verschwinden (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR).

Die Sommerzeit bewegt viele Menschen zu mehr Beschäftigung im Freien und sportlicher Aktivität. Pierre Boucher nahm 1937 eine junge Dame in komplizierter Gymnastikpose mit zeitgenössischer Sportbekleidung auf einer Wiese als in einer Bewegung erstarrte Skulptur auf (Taxe 800 bis 1.200 EUR). Schon um 1925 inszenierte Rudolf Koppitz im Innenraum eine ähnliche „Tanzstudie“ in expressiver Haltung (Taxe 3.500 bis 4.500 EUR). Eine Vorliebe für starke Frauen hegten Philippe Halsman und Horst P. Horst. Ersterer sah die Hollywood-Ikone Marilyn Monroe, nur mit Hose und Büstenhalter bekleidet und rücklings auf einer Bank liegend, beim Gewichtestemmen. 1.000 bis 1.500 Euro sind für den posthumen Abzug in 250 Exemplaren aus dem Portfolio „Philippe Halsman / Marilyn Monroe“ fällig. Horst P. Horst stellte 1946 im Vintage „Mrs. George Whitney“ eine Frau alleine auf einen weiß ummauerten Platz. Den Blick hat diese selbstbewusst zur Kamera gerichtet und ihren Tennisschläger im linken Arm triumphierend erhoben (Taxe 2.500 bis 3.500 EUR).

Kleider machen Leute

Horst P. Horst machte sich ebenso als Modefotograf einen Namen. Lässig lehnt bei ihm eine Frau mit langem Rock, elegantem Oberteil und Hut in „Post WW II Fashion (Black)“ von 1946 an einer verschatteten Wand. Der Abzug stammt aus den 1980er Jahren und soll 3.000 bis 4.000 Euro kosten. Höher rangiert mit 10.000 bis 15.000 Euro sein bekanntes Bild „The Mainbocher Corset“ von 1939 in feinen Licht-Schatten-Abstufungen. Auf „Hat + 5 Roses, Paris“ ließ William Klein im Jahr 1956 einen weißen Hut mit einem Band aus Rosenblüten auf dem Kopf einer rauchenden Frau hervortreten (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR). Die Streifen auf den Kleidern der zwei Damen in Kleins gleich hoch bewerteten „Simone + Nina Piazza di Spagna Rome“ von 1960 spiegeln sich im Zebrastreifen wieder, den sie überqueren. Mondän und an der Grenze zwischen Malerei und Fotografie gestaltete Lillian Bassman „Harper’s Bazaar March 1950, Barbara Mullen“. Eine selbstbewusste Frau in ausgreifendem Mantel blickt nach links, hauptsächlich durch ihre verschwimmenden Konturen umrissen, die Bassman in der Dunkelkammer mit verschiedenen Techniken kreierte (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR). Doch gutes Aussehen macht Arbeit, wie Kleins überfüllte „Hairdressing School, Tokyo“ von 1961 für 3.000 bis 4.000 Euro veranschaulicht. Anton Stankowski lichtete das Handwerk hinter dem Geschäft mit der Mode schon 1933 in seiner „Schneiderbüste“ für 1.200 bis 1.800 Euro ab.

Nicht nur auf bekleidete, sondern auch auf nackte Körper richtete sich schon immer ein Fokus der Kunst. Dass in der Aktfotografie ein gewisser Voyeurismus eine Rolle spielen kann, führt Duane Michals vor. In einen Bild aus der Sequenz „For Balthus“ von 1967 versucht eine verschämt gebeugte Frau, sich vor einem rauchenden Mann in einem Sessel anzukleiden (Taxe 1.500 bis 2.000 EUR). Helmut Newtons „Hotel Room, Place de la République, Paris“ von 1976 aus der Serie „Sleepless Nights“ geht mit einer vor einem Sessel knienden Nackten, die ans Bettgestellt gefesselt ist, sadomasochistischen Phantasien nach (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Im Vergleich hoch ästhetisierend lichtete 1990 Patrick Demarchelier seine „Cindy“ ab. Das weltberühmte Fotomodell Cindy Crawford platzierte der Franzose vor einem neutralen Hintergrund in Rückenansicht und ließ es über die linke Schulter erotisch in die Kamera blicken (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR). Ähnlich optisch anspruchsvoll setzte Edward Weston seine „Nude (Charis in Doorway, Santa Monica)“ 1936 in Szene. In einer komplizierten Sitzpose sind fast nur Beine und Arme des Models zu sehen, den Kopf hat sie eingedreht (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR). Mit 8.000 bis 10.000 Euro etwas niedriger geschätzt ist seine „Nude (Sonya Noskowiak)“ aus dem Jahr 1934. Von seiner Fotokollegin blieb nur der kopflose Unterkörper mit angezogenen Beinen übrig.

Versteckt bleibt das Gesicht genauso bei Ruth Bernhards „Perspective II“. In dem Querformat aus dem Jahr 1967 liegt eine Frau nach hinten, das Antlitz vom Betrachter weggedreht (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR). František Drtikol fotografierte 1925 eine nackte Stehende in wellenartigem Rahmen vor sonst flächig abstraktem Hintergrund. Ihr Schatten ist so ausladend, dass er wie eine zweite Person auftritt. Für den Pigmentdruck „Composition“ auf Originalkarton hoffen Grisebachs Experten auf 40.000 bis 60.000 Euro. Eine Ikone der Aktfotografie war Robert Mapplethorpe. Für „Breasts“ bot sich ihm 1987 eine weibliche Brust in starker Untersicht. Die skulpturalen Körperformen gehen beinahe ins Abstrakte vor dem sonst dunklen Raum (Taxe 12.000 bis 18.000 EUR). Bekannt ist Mapplethorpe vor allem für seine Männerakte. 8.000 bis 10.000 Euro sind für seinen zusammengekauert sitzenden Schwarzen „Ajitto“ im Profil von 1981 vorgesehen.

Gesicht wahren

Selbstinszenierung und -vermarktung gehören häufig zum Künstlerdasein dazu. Gemäß dem Motto „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“ waren so Charakteristika leicht vermittelbar. Bei Ken Heymans „Andy Warhol in his Studio, N.Y.C.“ sitzt die Pop Art-Größe zwischen Kisten von „Campbell’s“, der Marke, die sein Œuvre so maßgeblich prägte (Taxe 1.200 bis 1.600 EUR). Alfred Stieglitz porträtierte Georgia O’Keeffe 1918 direkt vor einem ihrer Gemälde. Der spätere Silbergelatineabzug wohl aus den 1930er Jahren ist mit 1.500 bis 2.000 Euro gelistet. Ähnlich ging Michel Sima vor. Dora Maar steht in seiner Fotografie von 1946 allerdings hinter ihrem Stillleben mit Putzutensilien und schaut selbstbewusst darüber hinweg, Alexander Calder 1951/61 mit energischem Blick hinter einem seiner Mobile (Taxe je 1.000 bis 1.500 EUR). Mit dem Selbst der Frau beschäftigte sich Cindy Sherman. Oft und auch in der frühen Arbeit „Ohne Titel (Bus Riders II)“ von 1976 steht sie dabei als Hauptprotagonistin in verschiedenen Rollen im Mittelpunkt (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR).

August Sander bevorzugte den einfachen Menschen, etwa 1928 einen älteren „Dienstmann“ aus München. Dieser sitzt mit seiner Kopfbedeckung in der Hand, von der Arbeit gezeichnet, auf einem Stuhl und blickt frontal zum Betrachter. Ähnlich charakterstark setzte Dorothea Lange im Jahr 1937 ihre „Drought refugee from Oklahoma in California“ mit einfacher Kleidung und vom Leben geprägtem Gesicht ins Bild (Taxe je 5.000 bis 7.000 EUR). Poppiger geht es bei David LaChapelle zu. In „Amanda as Liz in Purple“ aus dem Jahr 2002 blickt das Model überzeichnet aus dem Bild heraus, die Farben ihrer Schminke sind unnatürlich stark hervorgehoben. Das Gesicht mit lilafarbenem Hintergrund orientiert sich klar an Andy Warhols Pop-Porträts (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR).

Lebensräume und Arbeitswelten

Großstädte mit ihren facettenreichen urbanen und gesellschaftlichen Strukturen üben auf Menschen eine besondere Magie aus. Gerade New York gilt allein schon wegen der Wolkenkratzer als Inbegriff einer Metropole. Eine Sicht, die auf solche Gebäude selten möglich ist, fing Berenice Abbott ein. „Water Front: From Roof of Irving Trust Co. Building, Manhattan“ von 1938 eröffnet in Vogelperspektive einen interessanten Blick in die Schluchten der städtischen Bebauung (Taxe 7.000 bis 9.000 EUR). Vor allem die leuchtenden Fenster mit ihren glitzernden Lichtern machen ihre Nachtaufnahme ähnlichen Stils von 1932 mit dem Blick auf Wohnblocks aus (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR). Aus Fußgängerperspektive schoss Thomas Struth sein Bild von „Zhejiang Zhong Lu, Shanghai“ im Jahr 1997. Die stark frequentierte Straße mit seitlichen Geschäften fluchtet zentral auf einen höheren Gebäudeturm (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR). In Paris tummelte sich 1931 Ilse Bing und entdeckte bei nassem Wetter einen „Bum on Pont des Arts“ (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR), ebenso Otto Steinert, der 1951 „Zwei Soldaten“ verloren auf endlos scheinender Kopfsteinpflasterfläche einfing (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR).

Tom Wood warf 1989 in „Between Chester and Birkenhead“ den Blick in einen Bus mit unterschiedlichen Charakteren, wie einem missgelaunten Mann und einer Dame, die die Vegetation aus dem Fenster heraus beobachtet. In „East Prescott Road, Dovecott“ von 1986 richtete er die Kamera aus dem Fenster hin zu wartenden Kindern an der Bushaltestelle, von denen eines in Richtung des Wagens ruft (Taxe je 1.000 bis 1.500 EUR). William Eggleston nahm 1992 verschwommen die Rückscheibe eines Autos mit einem Haus im Hintergrund auf. Die artifizielle Farbdarstellung soll 15.000 bis 20.000 Euro einbringen. Die Fahrzeugindustrie griff Daniel Josefsohn auf. In „Die neue S-Klasse“ aus dem Jahr 1998 besteigt ein Junge in weißer Kleidung mit rotem Sternenband auf den Hosen das ebenso sternförmige Logo von Mercedes Benz (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR).

Industriebauten stellte das Ehepaar Bernd und Hilla Becher in den Mittelpunkt seines Schaffens. Penibel ausgeleuchtet, ragen die Überbleibsel der Montanwirtschaft skulpturenhaft in den hellen wolkenlosen Himmel, etwa ein Wasserturm zwischen Bahnschienen in Trier-Ehrang von 1982 für 1.500 bis 2.000 Euro oder neun Kontaktabzüge mit Anlagen aus dem Ruhrgebiet für 4.000 bis 6.000 Euro. Doch schon früher stieß die technologisierte Welt auf Interesse. Ein junger Mann arbeitet sich in Arkadij Schaichets „Komsomolze am Handradsteuer“ von 1929 für 1.500 bis 2.000 Euro an einer großen Maschine ab. Für den Umbau der russischen Gesellschaft in der jungen UdSSR fanden zudem Alexander Rodtschenko mit seiner in Untersicht entwickelten „Pionierin“ von 1930 (Taxe 3.000 bis 5.000 EUR) und Margaret Bourke-White mit einem gleichaltrigen Treppenaufgang zum „Worker’s Club in Moscow“ eindrückliche Bilder (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR).

Dem steht die Schönheit der Natur entgegen, wie sie unter anderem Alfred Ehrhardt bezauberte. Der Liebhaber maritimer Themen schilderte 1933/37 im Watt einen „Klaren Wellenbau“, der dem Titel nach das wellenartige Muster des Sandes grafisch in den Mittelpunkt stellt (Taxe 2.500 bis 3.500 EUR). Albert Renger-Patzsch schafft es, in „Wintertag am Möhnesee bei Körbecke“ von 1946 zunächst den Anschein von unberührter Natur zu wahren. Doch im nebligen Hintergrund tauchen eine halb fertig gebaute Brücke und damit ein Zeichen von menschlichen Einwirken auf die Umwelt auf. Unberührter ist sein verschneiter Wald namens „Erlenbruch im Winter“ aus dem Jahr 1947, in dessen Eisflächen sich die Baumstämme wie Verlängerungen ihrer selbst spiegeln (Taxe je 3.000 bis 4.000 EUR). Auf die Strukturen von einem Kaktus ging Iwao Yamawaki in seinem Vintage von 1930/32 ein und konzentrierte sich auf die fleischigen Armen mit ihren Stacheln (Taxe 3.000 bis 5.000 EUR). Für einen natürlichen Rohstoff begeisterte sich zudem 1956 Wynn Bullock. Zwei Hände eines alten Menschen greifen um die Rinde eines Baumes, als wollten sie ihn umarmen. Die friedvolle Fotografie „Woman’s Hands“ aus dem Jahr 1956 steht nun ebenfalls für 3.000 bis 5.000 Euro zum Verkauf.

Die Auktion „Moderne und Zeitgenössische Photographie“ beginnt am 30. Mai um 18 Uhr bei Grisebach. Sämtliche Lose sind in Berlin von 25. bis zum 29. Mai täglich von 10 bis 18 Uhr zu besichtigen, dienstags nur bis 15 Uhr. Der Katalog ist online unter www.grisebach.com abrufbar.

Kontakt:

Grisebach

Fasanenstraße 25

DE-10719 Berlin

Telefon:+49 (030) 885 91 50

Telefax:+49 (030) 882 41 45

E-Mail: auktionen@grisebach.com



22.05.2018

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jan Soldin

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30.05.2018, Moderne und Zeitgenössische Photographie

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Ein geglücktes Experiment

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László Moholy-Nagy, Ohne Titel. Weimar, 1923/25
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30.05.2018, Auktion 288 – Moderne und Zeitgenössische Photographie










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