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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Bassenge trumpft in der Versteigerung von Druckgrafik des 15. bis 19. Jahrhunderts mit Qualität und Quantität auf. Die Sonderauktion „Memento Mori“ stürzt sich dagegen gezielter auf ein Thema

Geschäftstüchtige Alte



Jacob Matham, Nuptiae in Cana Gallileae (Das letzte Abendmahl), 1616

Jacob Matham, Nuptiae in Cana Gallileae (Das letzte Abendmahl), 1616

Kunst zu reproduzieren heißt, auf dem Markt pragmatisch mit einem Werk mehr Gewinn umsetzen zu können. Für kleinere Summen, als beispielsweise für Ölgemälde nötig waren, wurden große Arbeiten so einer breiteren Masse zugänglich, gleichzeitig konnten Künstler ihre Bekanntheit steigern und ihre Ideen über größere Entfernungen hinweg bekannt machen. Die Rolle der Verleger und Produzenten von Druckgrafik ist damit auch kunsthistorisch nicht zu unterschätzen. Beide dieser Tätigkeiten vereinte der in Haarlem lebende Jacob Matham, der zwar eigene Zeichnungen entwarf, aber hauptsächlich reproduzierend arbeitete. „Nuptiae in Cana Gallileae“, eine Darstellung der Hochzeit von Kana aus dem Jahr 1616, die fälschlicherweise lange für ein letztes Abendmahl gehalten wurde, geht so auf Taddeo Zuccaro zurück. Stürmisch eilt eine Frau eine Treppe zur Tafel der Gäste mit Jesus im Zentrum hinauf, um zu verkünden, dass der Wein ausgegangen sei. Für 2.800 Euro steht der Kupferstich nun zum Verkauf. Bei „Christus erweckt den toten Sohn der Witwe von Nain“ aus der Zeit um 1593/94 bezieht sich Matham auf Federico Zuccaro, den Bruder Taddeos. 1.200 Euro sind für diese manieristisch bewegungs- und figurenreiche Szene gefordert.


Doch Jacob Matham vertrieb noch weitere Größen der Kunstgeschichte. Um 1594 druckte er das Blatt „Die Jungfrau mit dem Kind und dem Johannesknaben und dem heiligen Franziskus“ nach Tizian. Weil das Original des venezianischen Meisters nicht mehr erhalten ist, hat es besonders dokumentarischen Wert (Taxe 1.800 EUR). Zeitgenossen finden sich im Œuvre Mathams ebenso wieder. 1617 bildete er nach dessen Vorlage seinen Stiefvater und zeitweiligen Lehrer Hendrick Goltzius ab. Das ovale Porträt, dessen Schätzung bei 2.400 Euro liegt, ist in einen allegorischen Rahmen gefasst und beschriftet. Bei Bassenge in Berlin steht am 30. Mai Druckgrafik des 15. bis 19. Jahrhunderts aller Preisklassen im Mittelpunkt. Vertreten sind neben genannten reproduzierenden Grafiken auch eigene Schöpfungen für das Medium, beispielsweise von Dürer, der sogar im Rechtsstreit versuchte sich gegen unerlaubtes Kopieren seiner Arbeiten zu wehren.

Frühe deutsche Meister

Albrecht Dürer, der große deutsche Meister grafischer Techniken, beschert der Versteigerung einige Highlights. Um 1496/97 legte er das Blatt „Samson tötet den Löwen“ an. Der Holzschnitt mit der bewegten Kampfszene vor ländlichem Hintergrund soll 4.500 Euro einspielen. Kurz darauf, im Jahr 1498, veröffentlichte er mit großem Erfolg die „Apokalypse“ zur Offenbarung des Johannes mit 15 großformatigen Abbildungen. Aus der lateinischen Ausgabe von 1511 stehen nun fünf dieser Arbeiten zum Verkauf, unter anderem die dramatischen und dynamischen „Apokalyptischen Reiter“ für 45.000 Euro sowie „Vier Engel, die Winde aufhaltend“, „Die sieben Posaunenengel“ und „Das Sonnenweib und der siebenköpfige Drache“ für jeweils 6.000 Euro. Das Dreifache kostet „Das Tier mit den Lammshörnern“ mit absonderlichen apokalyptischen Wesen aus der deutschen Urausgabe von 1498. Hier stammt zudem der „Lobgesang der Auserwählten im Himmel“ her (Taxe 7.500 EUR).

Als Kupferstich führte Albrecht Dürer im selben Jahr eine technisch feine Allegorie der Eifersucht aus. Beeindruckend ist der für den Künstler typische Detailreichtum, auffällig vor allem in der Vegetation des Hintergrunds (Taxe 45.000 EUR). 1513 schuf er „Das Schweißtuch, von zwei Engeln gehalten“ auf einem kleinen symmetrisch komponierten Papierbogen (Taxe 15.000 EUR). Ein Jahr jünger ist eines seiner Hauptwerke. „Die Melancholie“ oder „Melencolia I“ ist eine so rätselhafte Darstellung, dass über deren Deutung bis heute Uneinigkeit besteht. Das beinahe legendäre Blatt in sehr gutem Erhaltungszustand hat allerdings seinen Preis: 120.000 Euro schätzen die Experten von Bassenge.

Vor Dürer war Martin Schongauer am Werk, etwa mit dem virtuos und detailreich ausgeführten Kupferstich „Die Geburt Christi“ in einer verfallenden Architektur um 1470/75 (Taxe 6.000 EUR). Hans Baldung Griens „Drei Parzen“, die im Holzschnitt von 1513 für 3.500 Euro wenig schmeichelhaft auftreten und am Faden des Schicksals hantieren, wirken dagegen eher grob, was ihnen aber eine besondere Ausdrucksstärke verleiht. Dass in dieser Technik auch feineres Arbeiten möglich ist, beweist das nach einer Zeichnung Leonhard Becks entstandene Blatt „Heilige Amalberga“ für 3.200 Euro. Hergestellt wurde es wohl um 1516/19 in der Augsburger Werkstatt von Jost de Negker. Albrecht Altdorfer zeichnete 1518 seine „Schöne Jungfrau von Regensburg in der Kirch“ mit noch gotischen Anklängen. Die Vorlage gehört heute zum Bestand des Berliner Kupferstichkabinetts, der kleinformatige Holzschnitt geht für eine Schätzung von 900 Euro in die Versteigerung.

Goldene Zeiten für die Kunst

In den Niederlanden blühte im 17. Jahrhundert, dem „Goldenen Zeitalter“, aufgrund der florierenden Wirtschaft die Kunstproduktion. Der bekannteste Künstler jener Jahre ist Rembrandt Harmensz van Rijn, der sich in einer Radierung zeichnend am Fenster zeigt. Den Blick hat er im kleinformatigen Blatt selbstbewusst beobachtend zum Betrachter gerichtet, als würde er diesen porträtieren (Taxe 4.000 EUR). Seinen virtuosen Umgang mit Licht und Schatten beweist er in der „Großen Auferweckung des Lazarus“ aus der Zeit um 1632, in der Christus von hinten verschattetet zu sehen ist, während das Grab mit zurückschreckenden Menschen hell erleuchtet ist (Taxe 3.500 EUR). Ähnliche Hell-Dunkel-Effekte nutzt er um 1652 für „Die Anbetung der Hirten bei Laternenschein“ (Taxe 3.500 EUR) oder für „Joseph und Potiphars Weib“ von 1634. Der Druck, kleiner als eine Postkarte, steht für 4.500 Euro zum Verkauf. „Die Windmühle“ aus dem Jahr 1641 ist eine ungewöhnlichere, aber beliebte Landschaft des Künstlers. Die teils romantisch verfallenen Gebäude vor weitem Horizont sollen dementsprechend immerhin 24.000 Euro einspielen. Gerade zu seiner frühen Zeit in Leiden arbeitete Rembrandt eng mit Jan Lievens zusammen, der sich kurz vor dem heute bekannteren Meister selbstständig gemacht hatte und den lokalen Markt schnell dominierte. Lievens’ „Brustbild eines bärtigen Mannes“ nach rechts ist nun für 1.200 Euro im Angebot.

Um die Mitte des 17. Jahrhunderts erreichte Adriaen van Ostade den Höhepunkt seines Schaffens. „Der Tanz unter der Laube“ aus der Zeit um 1652 präsentiert ein beliebtes festliches Genremotiv im ländlichen Umfeld. Die Taxe liegt bei 15.000 Euro. Interessant ist sein „Brillenhändler“ von 1646. Eine alte Frau beugt sich aus der Tür zum Verkäufer, während ihr Mann hinter ihr aus dem Schatten heraus argwöhnisch das Geschäft beobachtet. Brillenhändler hatten zu jenen Zeiten oft einen schlechten Ruf, da ihren Sehinstrumenten zum einen Bewunderung, zum anderen aber Misstrauen beigemessen wurde (Taxe 9.000 EUR). Günstigeres bietet der weniger bekannte in Amsterdam ansässige Adriaen van de Velde, der 1670 beispielsweise ein „Mutterschaf mit zwei Lämmern“ und „Zwei liegende Schafe“ im kleinen Format für 400 Euro aufnahm. Als Grafiker für den späten Rubens machte sich Christoffel Jegher in den 1630er Jahren einen Namen. Ein Holzschnitt nach dessen „Susanna und die beiden Alten“, in dem Moment, in dem sie der zum Bade bereiten Frau die Kleider wegreißen, ist für 4.000 Euro zu haben.

Die niederländische Tradition

Doch schon aus dem 16. Jahrhundert listet der Katalog qualitätvolle niederländische Druckgrafiken. Maarten van Heemskerck bildete den „Skulpturenhof des Palazzo della Valle in Rom“ in einer Zeichnung ab, nach der ein anonymer Kupferstecher im Jahr 1553 arbeitete. Beeindruckend ist die Detailfülle der antiken Kunstwerke, aber ebenso des illusionistisch gemalten Wolkenhimmel des Raumes, der seinen Effekt in der Reproduktion entfalten kann (Taxe 2.400 EUR). Nach Heemskercks Folge der menschlichen Laster stach Cornelis Cort 1564 Reproduktionen, die als neunteiliges Konvolut 2.500 Euro einbringen sollen. Cort arbeitete zudem nach Frans Floris, dessen sieben freie Künste zusammen als ebenso viele Kupferstiche auf 750 Euro hoffen.

Hendrick Goltzius ist vor allem für sein facettenreiches Œuvre bekannt, stark beeinflusst vom italienischen Manierismus. Ab 1590 bereiste er das südalpine Land für mehrere Jahre und kam mit dortigen Meisterwerken in Kontakt. Nach Jacopo Negretti schuf er 1596 beispielsweise einen heiligen Hieronymus beim Bibelstudium in einsamer Gegend (Taxe 2.400 EUR). Seltener ist bei ihm die Technik des Holzschnitts. Eine wohl selbst entworfene „Landschaft mit Wasserfall“ in dieser Technik aus der Zeit um 1597 bis 1600 soll 6.000 Euro einbringen. Um die Jahrhundertwende war genauso Gerrit Pietersz Sweelink tätig, von dem nur sechs Radierungen von 1593 bekannt sind. „Die Ruhe auf der Flucht“, eine fein gearbeitete Familienszene in einfachem Nachtlager, will Käufern der Rarität 45.000 Euro abverlangen. Auf Sweelinks ebenso seltene Allegorie „Caritas mit Fides und Spes auf Wolken“ stehen 6.000 Euro. Klein ist auch das grafische Werk von Hessel Gerritsz, der eher als Stecher von Landkarten bekannt war. Nach David Vinckboons d.Ä. erstellte er jedoch vier Radierungen, die zusammen „Die vier Jahreszeiten“ ergeben. Verbildlicht sind diese durch vier Landschaften mit Schlössern aus der Umgebung von Amsterdam sowie belebter Staffage (Taxe 7.500 EUR).

Europaweite Verbindungen

Rom war in der Neuzeit ein Zentrum der Kunst. Hier waren nicht nur Größen wie Raffael oder Michelangelo ansässig, sondern es gab durch die Kirche viele Aufträge auch für weniger bekannte Künstler. Auf Reisen durfte die Stadt zudem für das Antikenstudium nicht fehlen. Michele Lucchesi war dort beispielsweise ab 1534 rund dreißig Jahre zuhause. Gegen Ende seines Aufenthalts im Jahr 1564 arbeitete er an „L’Asinaria“ mit einer Gruppe Eseln, die Relikte der Wissenschaft, Kunst oder Geschichte treten. Das rätselhafte, gleichwohl humorvolle Blatt kann als Mahnung zum Respekt vor dem reichen Kulturerbe Roms gelesen werden (Taxe 6.000 EUR). Diesem zollte auch der gebürtige Franzose Antonio Lafreri Respekt. Einen Druck des „Amphitheatrum Castrense“ von 1560 verlegte er für seine bedeutende Folge des „Speculum Romanae Magnificentiae“, der länderübergreifend kommerziell erfolgreichen Sammlung von Abbildungen aus der ewigen Stadt, die gerne als Album gebunden wurde (Taxe 750 EUR). Seinen Landsmann Claude Lorrain zog es später ebenso in die Metropole. Vielleicht stammt die Idee für seine „Scène de brigards“ des Jahres 1633 von dortigen Erfahrungen (Taxe 3.500 EUR).

Umgekehrt zog es den Italiener Rosso Fiorentino nach Frankreich, genauer an die Baustelle von Schloss Fontainebleau. Nach dessen unvollendeter Zeichnung, noch vor der Zeit bei Paris, fertigte um 1559 Jacopo Caraglio den „Raub der Sabinerinnen“, einen figurenreichen Kupferstich für 2.400 Euro. Der zwischen 1540 und 1545 in Fontainebleau tätige und nur per Notname bekannte Monogrammist IQV nahm sich für das Querformat „Venus auf einem Wagen, von Schwänen gezogen“ Giulio Romanos Werk als Vorbild (Taxe 6.000 EUR). Beide Arbeiten belegen die gegenseitige künstlerische Befruchtung über nationale Grenzen hinweg. Italienische Einflüsse, vor allem durch Parmigianinos lang gestreckte Figuren, fallen unter anderem in der manieristischen Radierung „Die Heilige Familie mit der heiligen Katharina, Johannes dem Täufer und einem Engel“ von Jacques Bellange auf (Taxe 4.500 EUR).

Leichtigkeit und Schwere im 18. Jahrhundert

Mit Gesellschaftskritik und mit Humor ging William Hogarth ans Werk. Über Tom Rakewell, einen verschwenderischen jungen Erben eines reichen Kaufmanns, der in London sein Geld verprasst und schließlich im Irrenhaus endet, entwickelte er eine Gemäldeserie, die in Form von acht Radierungen mit Kupferstich aus dem Jahr 1735 für 6.000 Euro zum Verkauf stehen. Im sechs Jahre jüngeren „Engaged Musician“ spielen und singen allerlei junge und alte Menschen Musik oder lärmen anderweitig. Der beschäftigte Musiker, ironisch als feiner Pinkel in der guten Stube charakterisiert, blickt genervt aus dem Fenster und muss den Lärm ertragen (Taxe 900 EUR). Ernster geht es bei Francisco de Goya zu. In der Folge „Los Desastres de la Guerra“ führt er die Grauen des Krieges in aller Drastik vor. „No se puede saber porqué“ ist als Probedruck für 4.500 Euro zu haben, andere Blätter der Serie wie „Sanos y enfermos“ oder „No hay que dar voces“ schon für 600 Euro.

Beliebt waren ebenso Landschafts- oder Stadtveduten. Der Venezianer Bernardo Bellotto wirkte eine Zeit in Dresden und bildete dort im Jahr 1752 den Altmarkt mit vielen Ständen und Staffagefiguren ab (Taxe 4.500 EUR). Ähnlich arbeitete Giovanni Battista Piranesi, blieb allerdings in seinem Heimatland und fing fünf Jahre später das Kolosseum in Rom monumental aufragend ein (Taxe 3.000 EUR). Franz Joseph Leopold ließ kurz nach der Jahrhundertwende im Jahr 1806 Gebäude außen vor. „Rastender Wanderer am Gebirgsbach“ ist eine idyllische Natur mit romantischer Gepräge für 2.400 Euro. Giorgio Fossati kümmerten in einer Serie aus zwölf Radierungen eher Innenräume. Zu seinen Kaminen mit gemütlichen Flammen ergänzte Francesco Fontebasso kleine Putti, die sich wärmen oder das Feuer schüren. Acht Blätter dieser Folge listet der Katalog mit 2.800 Euro.

Sammlerlieblinge

Beliebt sind bei Sammlern Raritäten. Mit Lorenzo Pennis Gruppe von fünf Putti in einer Landschaft mit idealer Renaissance-Stadt im Hintergrund hat Bassenge eine Seltenheit im Angebot. Lediglich ein weiteres Blatt dieser Art aus der Mitte des 16. Jahrhunderts konnte der Versteigerer nachweisen. Dementsprechend sind 7.500 Euro anvisiert. Besonders ist die Arbeit „Johannes der Täufer in der Einöde“ nach Parmigianino, die Antonio da Trento er in der aufwändigen Clair-obscur-Technik gedruckt hat. Mithilfe von zwei Stöcken ist so ein verschiedenfarbiger Holzschnitt möglich (Taxe 2.400 EUR). Ein wohl zeitgenössisches Kolorit zeichnet „Zwei Landsknechte mit einer Dame und der Tod mit Sanduhr auf einem Baum lauernd“ von Urs Graf aus dem Jahr 1524 für 6.000 Euro aus. Skurril muten die Arbeiten von Christoph Jamnitzer an. Im „Zweikampf zwischen einem Frosch und einem Krebs“ und im „Zweikampf von Fabelwesen“ ließ er einer Fantasie freien Lauf und erfand 1610 groteske Szenen, die zusammen für 2.400 Euro im Angebot sind. Nach Jan Collaert d.Ä. stach sein Sohn Adriaen Collaert im Jahr 1582 zehn „Entwürfe für Anhänger“, die ähnlich fantastisch gestaltet sind und aus ungewöhnlichen Figuren bestehen. Das Konvolut der selten Frühdrucke lässt die Experten mit 8.500 Euro rechnen. Mit 750 Euro einiges günstiger ist Hans Sebald Behams Proportionsstudie „Eines Weibes Haupt“ von 1542. Weiblichkeit ist in diesem verschrobenen kleinem Blatt nicht zu entdecken, viel mehr wirkt der Kopf wie der eines Mannes.

Bei Sammlern beliebt ist Druckgrafik der Zeit des Fin de Siècle, die Bassenge deshalb mit einer eigenen Rubrik im Katalog würdigt. Hier sticht zunächst Johann Michael Bossards „Gefesselter Prometheus“ von 1902 heraus, den er in einen runden Ausschnitt dramatisch hineinkomponierte (Taxe 1.200 EUR). Bossards „Tanz“ eines nackten Paares im Blumenmeer, umgeben von einer Blütengirlande, mit Amoretten hat mit Rot, Schwarz und Weiß eine starke Farbigkeit (Taxe 1.500 EUR). Paul Herrmanns „Zeit“, ein Bildnis des Gottes Chronos von 1913, der als riesenhafte Figur mit Sense durch die Landschaft streift, ist durch seine schleierhafte Verbildlichung und durch die in der Bewegung verschwimmenden Elemente besonders atmosphärisch (Taxe 1.200 EUR). Mit Licht und Schatten inszenierte Carl Hachez um 1910 seine „Salome mit dem Haupt Johannes des Täufers“, den der Halbakt mit ausgestrecktem Arm hält (Taxe 600 EUR).

Morbide sind die Arbeiten von Louis-Jean Desprez. Aus seinem „Tombeau avec sphinx“, einem Grabmonument mit einer Eule auf einem von Sphingen getragenem Sarkophag, schauen an einer Öffnung noch die Füße einer Leiche heraus. Offen aufgebahrt liegt diese auf dem „Tombeau avec cariatides“ vor einer Architektur mit Karyatiden. Bei „Tombeau à la Mort débout“ steht eine Personifikation des Todes mit rauchendem Gefäß vor dem Sarg. Die düster romantischen Aquatintakompositionen, die exemplarisch den Leitsatz des „Memento Mori“ in Zeiten von Krieg und Leid illustrieren, entwickelte Desprez zwischen 1779 und 1784. Sie sollen jeweils für 7.500 Euro zu haben sein.

Die Zeit verrinnt: Memento Mori

„Memento Mori“, also „Bedenke, dass du sterblich bist“, ist nicht nur ein Leitsatz des 17. und frühen 18. Jahrhunderts, sondern auch Motto einer spanisches-deutschen Sammlung bei Bassenge, in der gemischt bildende Kunst und Kunstobjekte verschiedener Jahrhunderte beheimatete sind. Am 31. Mai steuert die Sonderauktion über 100 weitere Positionen bei, darunter ein ovales flämisches Vanitasstillleben mit seifenblasendem Putto, Instrumenten, Büchern und Schädel aus der Mitte des 17. Jahrhunderts. Abgebildet ist darauf genauso eine Sanduhr, die die begrenzte Zeit des Menschen auf Erden symbolisiert (Taxe 15.000 EUR). Eine deutsche Halbstunden-Sanduhr aus dem 18. Jahrhundert mit deutlichen Nutzungsspuren, die ihr aber Charakter verleihen, soll 3.000 Euro kosten. Prominent ist ein solches Objekt in einem schlichten andalusischen Stillleben des 17. Jahrhunderts mit Buch, Brot und Wasserkaraffe für 6.000 Euro platziert. Das Motiv wiederholt sich regelmäßig. Luca Cambiaso malte beispielsweise schon im 16. Jahrhundert einen Knaben mit Stundenglas und Totenschäde (Taxe 3.500 EUR). Doch heute noch findet das Symbol Verwendung, unter anderem in Gilles Lorins zeitgenössischer Schwarzweiß-Fotografie „Vanité de l’Archiviste“ von 2018, die in Anlehnung an historische Vanitasgemälde komponiert ist (Taxe 1.800 EUR).

Totenschädel nehmen ebenfalls eine prominente Rolle im Themenkreis des „Memento Mori“ ein. Ein deutsches Bild der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts zeigt den heiligen Hieronymus, wie er tief gebannt, beinahe meditierend dem menschlichen Überrest in die Augenhöhlen blickt (Taxe 6.000 EUR). In Leder produzierte ein spanischer Künstler des 16. Jahrhunderts ein Reliefbild mit dem heiligen Franziskus, der neben einem kahlen Schädel das Kruzifix umarmt (Taxe 5.000 EUR). Auch in den Niederlanden des folgenden Jahrhunderts stießen Totenkopf-Motive auf große Beliebtheit, wie der Pieter Steenwijck zugeschriebene Schädel in breitem Kartuschenrahmen als Grisaille für 3.500 Euro darlegt. Joachim von Sandrart d.Ä. wird eine Rötelzeichnung der Zeit um 1650 zugeschrieben, in der der Tod auf einem Grabmal kauert, während im Vordergrund Putti spielen (Taxe 4.000 EUR).

Nur 4,3 Zentimeter misst das aus Deutschland stammende und aus Buchsbaum geschnitzte Miniaturmodell eines Schädels (Taxe 1.200 EUR). Die Herrschaft des Todes über das Leben illustrierte Johann Jakob Ridinger nach Johann Elias Ridinger um 1760. Ein Skelett hält zentral eine Schrifttafel mit dem hervorgehobenem Satz „Omnia mihi subdita“ und weist mit einem Pfeil darauf (Taxe 6.000 EUR). Noch deutlicher macht die Allgegenwart des Todes auf allen Wegen ein englischer Spazierstock mit Schädelknauf aus dem 18. Jahrhundert für 800 Euro. Den Kreis zur Auktion der Druckgrafik schließt eine herausragende Arbeit Albrecht Dürers: In „Ritter, Tod und Teufel“ wird der edle Kämpfer von allen denkbaren Gefahren belauert. Das Hauptwerk des Nürnbergers von 1513 schätzen die Experten von Bassenge auf 60.000 Euro. Wohl Louis-Jean Desprez schließt sich noch einmal an und schickt ein weiteres Grabmonument mit thronendem Tod als Weltenherrscher vor einem Sarkophag für 7.500 Euro in die Auktion. Und auch auf den drei Radierungen „La Comédie de la Mort“, „La Baigneuse et le Temps“ und „La Baigneuse et al Mort“ von Rodolphe Bresdin aus den 1850er Jahren wimmelt es nur so von Knochenmännern (Taxen zwischen 7.500 Euro und 8.000 EUR). Vergänglichkeit und Tod hat Jean Labourdette erst 2016 in seinem Oval „Upside Down Skull“ thematisiert (Taxe 4.500 EUR).

Die Versteigerung „Druckgrafik des 15. - 19. Jahrhunderts“ beginnt am 30. Mai um 10 Uhr bei Bassenge in Berlin, die Sonderauktion „Memento Mori“ am 31. Mai um 16 Uhr. Sämtliche Lose sind vom 24. bis 28. Mai täglich von 10 bis 18 Uhr zu besichtigen, am Dienstags den 29. Mai nur bis 17 Uhr. Der Katalog ist online unter www.bassenge.com abrufbar.

Kontakt:

Galerie Bassenge

Erdener Straße 5a

DE-14193 Berlin

Telefon:+49 (030) 893 80 290

Telefax:+49 (030) 891 80 25

E-Mail: info@bassenge.com



23.05.2018

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jan Soldin

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31.05.2018, Sonderauktion: Memento Mori

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Der Charme des Schauerhaften

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nach Maarten van Heemskerck, Der Skulpturenhof des Palazzo della Valle in Rom, 1553

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Albrecht Dürer, Das Tier mit den Lammshörnern, 1496/98

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