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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Lempertz’ Streifzug durch die Kunst der Moderne lässt kaum Sammlerwünsche offen. Werke einer rheinischen Privatsammlung ergänzen das reichhaltige Angebot

Mehrdimensionale Menschenbilder



Wilhelm Lehmbruck, Büste der Knienden (Geneigter Frauenkopf), 1912/14

Wilhelm Lehmbruck, Büste der Knienden (Geneigter Frauenkopf), 1912/14

Wilhelm Lehmbruck ist bekannt für seine ausdrucksstarken Menschenskulpturen. 1911 schuf er die „Kniende“, eine überlebensgroße Frau mit heruntergerutschtem Gewand, die eine Hand auf ihr Knie legt und die andere zur Brust erhebt. Ihr Kopf ist leicht nach links geneigt und schaut ergeben nach unten. Die überlangen Proportionen geben ihr trotz der unterwürfigen Pose einen würdevoll grazilen Anschein. Das Werk schien Lehmbruck zu gefallen, denn er reproduzierte den Kopf mit Teilen des Oberkörpers mehrfach mit verschiedenen Materialien. Eine solche Terrakotta mit der Höhe von 43 Zentimetern steht nun in der Auktion „Moderne Kunst“ bei Lempertz zum Verkauf. Die „Büste der Knienden (Geneigter Frauenkopf)“ entstand in den Jahren 1912 bis 1914 und soll 250.000 bis 300.000 Euro einbringen.


Das Kölner Auktionshaus offeriert sie am 1. Juni zusammen mit gut 300 weiteren Positionen an Kunst aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Am kommenden Freitag stehen dann zwar größtenteils Gemälde und Grafik, aber ebenso noch weitere Skulpturen auf dem Programm, unter anderem von Ernst Barlach. Sein „Verschwender I“, dessen Vorlage von 1921 nie gegossen wurde, erschien posthum als Bronze mit einer Auflage von zwölf Stück. Der Abgebildete steht in seinem feinen Mantel aufrecht, richtet die Augen geradeaus, hat die Arme aber abwehrend und verschlossen über Kreuz gelegt (Taxe 25.000 bis 28.000 EUR). Georg Kolbes etwas frühere „Statuette I“ von 1917 strahlt eine ähnlich ungekünstelte Darstellungsweise aus und stellt die Körperformen sowie die Armbewegung zum Kopf in den Mittelpunkt (Taxe 35.000 bis 45.000 EUR).

Ewald Mataré, bedeutend für die nachfolgende Kunst unter anderem als Lehrer des jungen Joseph Beuys, wurde vom NS-Regime als „entarteter Künstler“ diffamiert und zog sich in die innere Emigration zurück. Aus jener Zeit, aus dem Jahr 1938, stammt seine „Stehende Madonna mit Kind“. Der kleine Jesus liegt in den Armen der Gottesmutter und blickt diese intensiv an, während er mit einer Hand nach ihrem Gesicht greift. Die in nur drei Ausführungen bekannte Bronzeplastik soll 25.000 bis 30.000 Euro einspielen. Frei stilisiert schuf der Münchner Anton Hiller 1953 seine bronzene „Mädchenfigur“ in Lebensgröße, die starr und hieratisch steht und geradeaus schaut (Taxe 25.000 bis 30.000 EUR).

Die Bilder der Frau

Frauen hatten es während der Industrialisierung und am beginnenden 20. Jahrhundert nicht leicht. Viele mussten Kinder erziehen, den Haushalt führen und gleichzeitig eine Nebentätigkeit ausüben, um ihre Familie zu ernähren. Dafür gab es typisch weibliche Berufe, wie sie Max Liebermann abbildete. Bei seinem großformatigem Ölgemälde „Flachsscheuer in Laren“ aus dem Jahr 1887 stehen die Damen rechts, sind alle nach links ausgerichtet und zwirbeln ein zum Spinnen vorbereitetes Flachsbündel durch ihre Hände. Für die fabrikähnliche triste Situation mit impressionistischen Stileinflüssen entstand um 1886 eine Ölstudie, die nun für 150.000 Euro gelistet ist. Liebermanns „Nähende Mädchen in Huyzen“ von 1890, ebenfalls eine Vorstudie, beweist, dass auch Jüngere nicht vor harter Arbeit gefeit waren (Taxe 80.000 bis 100.000 EUR). Idyllisch wirken dagegen seine schon die Form auflösenden „Blumenstauden im Nutzgarten nach Südwesten“ von 1926 mit ihrem expressiven Pinselduktus und sattem Grün für 400.000 bis 450.000 Euro.

Vor pittoresker Kulisse porträtierte um 1907 Heinrich Vogeler seine Ehefrau Martha im Profil. Entspannt sitzt diese warm gekleidet auf einem Geländer und sieht nach links in die Ferne. Den Hintergrund füllt eine raue winterliche Berglandschaft mit Abendsonne (Taxe 90.000 bis 100.000 EUR). Leicht und unbeschwert ist das Leben der zwei jungen Damen auf Pierre-Auguste Renoirs Farblithografie „Le Chapeau épinglé, 2E Planche“ aus der Zeit um 1898. Ein Mädchen, rücklings zu sehen, steckt einem weiteren Blüten an den Hut. Das Blatt der spontan eingefangenen und doch durchkomponierten Szene soll 30.000 bis 40.000 Euro einbringen. Henri Matisse skizzierte um 1908/10 mit Bleistift umrisshaft einen Akt, bei dem die Frau nach rechts auf einem Hocker aufgelehnt sitzt (Taxe 25.000 bis 30.000 EUR). Vitale Lebenslust versprüht Leo Putz’ „Reigen 2. I.“ von 1921, inspiriert von Arthur Schnitzlers erotischem Theaterstück. Vor einem See spielt links eine Frau Geige und befindet sich in einem schnellen Tanzschritt, was ihr eine Gruppe rechts gleich tut (Taxe 80.000 bis 100.000 EUR).

Die Darstellung von Weiblichkeit interessierte genauso die Klassiker des Expressionismus. Ernst Ludwig Kirchner schnitt im Jahr 1909 seine „Tänzerin mit gehobenem Rock“ in Holz. Der monochrome Abzug ist geprägt von einer starken Flächigkeit und wilder Dynamik (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR). Otto Muellers Farblithografie „Stehende Zigeunerin mit Kind auf dem Arm“ um 1926/27 nutzt eine andere Gestaltungsweise. Im Zentrum steht selbstsicher die exotisch anmutende Mutter mit unnatürlich gelbbraunem Hautton vor einem einfachem ländlichen Haus mit Gartenzaun (Taxe 30.000 bis 35.000 Euro). Max Beckmanns „Lesende Frau“, eine Tuschfederzeichnung über Bleistift aus dem Jahr 1946, ist in ihrer Aussage weniger klar. Die Dargestellte liegt auf einem Bett, ihr Gesicht ist halb von einer Zeitschrift verdeckt sowie am Betrachter gänzlich uninteressiert. Dieser Abkehr stehen ihre entblößte Brust und ein verlorener Schuh entgegen, die beide eine gewisse Erotik transportieren (Taxe 35.000 bis 40.000 EUR). Einfach nur mit sich selbst und seiner Tätigkeit beschäftigt ist das „Blonde Mädchen mit losen Blumen (am Tisch sitzend)“ von Otto Dix, das er zwei Jahre später in Öl ausführte. Konzentriert betrachtet die junge Dame ihre gesammelten Pflanzen (Taxe 50.000 bis 60.000 EUR).

Vielfältige Formen der Natur

Wie Franz Marc selbst schrieb, versuchte er „das Zittern und Rinnen des Blutes der Natur, in den Bäumen, in den Tieren, in der Luft“ nachzuspüren. Dies manifestierte sich 1913 deutlich in seiner „Abstrakten Baumstudie“, einem Aquarell, das auf den ersten Blick kaum als solche zu erkennen ist. Schwarze Zacken und tiefgrüne Flecken füllen das Blatt für 30.000 bis 35.000 Euro. Einen anderen Weg beschritt einen Jahr früher Peter August Böckstiegel. Vor dem „Westfälischem Dorf im Sommer“ findet sich eine dichte Vegetation, gemalt mit sehr pastosem Auftrag in warmen, beinahe rot glühenden Farben (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Karl Hofers „Tessiner Flusslandschaft mit Brücke“ von 1939 ist da zurückhaltender. Ruhig fließt das Gewässer an einigen Häusern vor einer Bergkulisse vorbei. Trotz oder eben wegen der dezenter gehaltenen Farben hat das Ölgemälde eine idyllische Ausstrahlungskraft (Taxe 70.000 bis 90.000 EUR).

Eine belebte fröhliche Atmosphäre fing Ernst Wilhelm Nay 1952 in „Mit Tropfenketten“ ein, die wie eine unkörperliche bunt erblühende Wiese wirken (Taxe 150.000 bis 180.000 EUR). Schon weit früher versuchte Emil Nolde solche Stimmungen mittels einer abstrahierenden Malweise aufzugreifen. „Am Nachmittag“ aus der Zeit um 1930/35 zeigt eine aquarellierte tiefblaue Wolkenlandschaft, die sich im Wasser spiegelt und auf dem Medium des Japanpapiers eine besondere Leuchtkraft entwickeln kann. Lempertz fordert dafür 130.000 bis 160.000 Euro. In „Dahlien und Sonnenhut“ stellte Nolde Pflanzen als Stillleben in den Mittelpunkt. Das farbenfrohe Querformat in gleicher Technik soll 100.000 bis 120.000 Euro einspielen. Ein kleines Blumenbouquet findet sich auch links hinter Noldes Porträt eines Jägers. Das Ölgemälde von 1918 stellt Mann mit Schnauzer frontal in typisch grüner Jacke vor eine weiß verputzte Wand. Die Figur eines Buddhas über seiner rechten Schulter irritiert in der eher ländlichen deutschen Szene (Taxe 350.000 bis 450.000 EUR).

Dem Stillleben widmete sich auch Gabriele Münter. Ihre „Blumen in braunem Topf“ von 1933 sind abstrahiert vor einem Hintergrund aus hellen Flecken zu sehen, der an die Blütenfarben angelehnt ist (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR). Ihre Zeitgenossin Paula Modersohn-Becker interessierte sich um 1900 für eine „Landschaft mit Moorkanal“ in der Gegend um Worpswede. Sattes Grün dominiert in ihrem pastosen Malstil mit Öl auf Papier, eine Siedlung im Hintergrund ist nur schemenhaft zu erkennen (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR). In ähnlicher Weise stellt sie die „Birkenstämme und Haus“ dar, die sich auf der Rückseite der „Kinder vor Bauernhaus“ aus der Zeit um 1901 befinden. Die Szene wirkt düster, die Bauernkinder isoliert. Das Thema ursprünglicher Landschaften und Lebensweisen begleitete die Künstlerin seit ihrem Umzug nach Worpswede im Jahr 1898 (Taxe 300.000 bis 400.000 EUR).

Der Mensch und sein Lebensraum

Einen zeichnerischen Zugriff auf die Landschaft pflegte Lyonel Feininger. „Wolken über dem Meer mit zwei Figuren am Strand“ von 1934 ist dementsprechend mit Tuschfeder ausgeführt und nur grob mit Aquarell eingefärbt. Sein vier Jahre jüngerer Straßenkehrer „V. (Street Sweeper in Paris)“ gleicher Technik ist sogar nur in Graustufen gehalten. Der Mann sieht dadurch verloren vor der tristen Stadtarchitektur aus. Beide Blätter sollen 25.000 bis 30.000 Euro kosten. Später abstrahierte Feininger stärker. Das „Dorf Neppermin, Ostsee“ und „Adrift“ mit einem Boot auf einem Fluss sind mit wenigen Linien und breiten Flächen gearbeiteten Werke des Jahres 1946 (Taxe je 25.000 bis 35.000 EUR). Die Industriekultur fingen in geometrisierender Weise Max Peiffer Watenphul und Franz Wilhelm Seiwert ein. Ersterer stellte 1920 eine kleine Bogenbrücke über einen schnurgeraden Fluss in den Mittelpunkt, umgeben von Stadthäusern und Fabrikschornsteinen. Seiwert setzte in „Fabrik und Wohnhäuser am Rhein“ fünf Jahre später isoliert wirkende blockhafte Bauten ins Bild, hinter denen schwarze Schlote qualmen, während auf dem grün gefärbtem Fluss ein Schiff dampft. Beide Ölarbeiten sind auf 30.000 bis 35.000 Euro taxiert.

Das großstädtische Leben der 1920er zwischen Exzess und Abgrund griff George Grosz auf. Die Tuschfederzeichnung „Es klingt wie fernes Glockenläuten“ zeigt einen liegenden kränklichen Mann auf einem Bett. Vor ihm auf einem Tisch steht Medizin genauso wie Alkohol. Ihn stören metaphorische Glocken, und der Lärm steigert seinen Kopfschmerz, den er zu betäuben versucht. Rückseitig ist eine skizzenhafte Polizeistreife zu sehen (Taxe 35.000 bis 45.000 EUR). Alexej von Jawlensky zog sich in diesen Jahren auf mystischen Themen zurück. Um 1919 malte er ein „Heilandsgesicht“ mit Öl auf Papier, das dem Betrachter maskenhaft und intensiv aus großen mandelförmigen Augen entgegentritt. Dicke schwarze Linien führen die nötigsten Umrisse der Physiognomie vor, freie Flächen füllt der Künstler mit Pastellfarben. Das Highlight der Auktion entstand in mehreren jeweils individuellen Fassungen ähnlichen Stils, jedoch nicht immer so konsequent eindrücklich wie in dieser mit 400.000 bis 500.000 Euro bewerteten Version. Jawlenskys „Mystischer Kopf: Erde“ des selben Jahres ist weniger aufs Geometrische reduziert und erhält seine Ausstrahlung durch ungleich expressivere schwungvollere Pinselstriche (Taxe 200.000 bis 250.000 EUR). Mit religiösen Themen beschäftigte sich zudem Hermann Stenner und malte 1913/14 in expressiven Formen und Farben einen leidenden „Christuskopf“ unter Dornenkrone (Taxe 70.000 bis 80.000 EUR).

Aus einer rheinischen Privatsammlung

In Walter Gramattés „Bei Granada (II. Fassung)“ ist der Blick aus einem Fenster auf eine von Nebeln durchzogene südländische Hügelformation gerichtet. Stimmungsvoll wirft der Mond sein Licht in die Nachtszene von 1927 (Taxe 50.000 bis 55.000 EUR). Im Dunkeln präsentiert ebenso Alexander Kanoldt sein „Stadtbild (Klausen)“ aus dem Jahr 1912. In friedlicher Stille reihen sich die auf ihre Grundformen beschränkten Häuser aneinander (Taxe 50.000 bis 60.000 EUR). Zwischen diesen Gemälden wirkt Werner Schramms „Selbstmörder“, ein Frühwerk des Künstlers von 1919, umso schriller und verstörender. Die grüne Figur im Zentrum hält sich eine Waffe an den Kopf und ist umgeben von unregelmäßigen bunten Farbstrukturen, teils mit Binnenzeichnungen versehen, wie einem nacktem Frauenkörper oder hausähnlichen Gebilden (Taxe 30.000 bis 50.000 EUR). Ähnlich skurril ist Gert Heinrich Wollheims „Selbstportrait mit Braut“ von 1921, auf dem er sich neben der Frau mit verrückten Fratze und krampfhafter Handpose gezeichnet hat (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Die Gegensätze dieser Lose weisen deutlich die spannungsgeladenen, gesellschaftlichen, politischen und persönlichen Lagen hin, die mit dem Ersten Weltkrieg und der folgenden unsteten Zeit einhergingen. Ihnen hat sich eine rheinische Privatsammlung verschrieben, die Lempertz mit ihren 66 Positionen oft wenig geläufiger und daher umso interessanter Namen nun wieder auf den Kunstmarkt zurückführt.

Seine Kriegserfahrungen prägten Werner Scholz noch lange, wie seine „Witwen (Die beiden Witwen)“ von 1931 verdeutlichen. Nicht nur die düstere Farbgebung, sondern auch ihre in den Proportionen verzerrten Gesichter visualisieren ihre Verzweiflung (Taxe 35.000 bis 45.000 EUR). Desillusioniert dreinschauend, in blauem Kleid und auf einem Stuhl sitzend, fing Erwin Graumann 1925 eine „Junge Berlinerin“ ein (Taxe 25.000 bis 27.000 EUR). Gegen die maßlose Kultur des Vergnügens, oft verbunden mit Prostitution, richtete sich unter anderem Hannah Höch in ihrer Zeichnung „Reeperbahn I“ von 1927 (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR). Ökonomische Missstände verarbeitete Erich Müller-Kraus in „Streik“ von 1931. Auf dem Aquarell sind die Protestierenden als entindividualisierte, auf Grundformen beschränkte Masse zu sehen (Taxe 4.000 bis 4.500 EUR). Gequält wirkende „Zeitungsträger“ vor einem vorbeifahrenden feisten Geschäftsmann sind 1921/23 Thema bei Georg Scholz. Die Lithografie zeigt sie in typisch neusachlich-karikierender Weise (Taxe 3.000 bis 3.500 EUR). Für eine ebenso politische Zeichnung Otto Griebels von 1921, die collagenartig tagesaktuelle Probleme aufgreift, müssen Interessenten tiefer in die Tasche greifen. 15.000 bis 20.000 Euro sind für das mit „Ja exzentric muss man sein!“ betitelte Gästebuchblatt für Dresdner Sammler Fritz Glaser gefordert. Und bei Bruno Voigt aquarellierter Zeichnung aus den 1930er Jahren marschiert der Tod gleich mit (Taxe 4.000 bis 5.000 EUR).

Neben so viel Aufwühlendem freute sich der rheinische Sammler aber auch an Idyllischem, etwa an Stillleben. Adolf de Haer lässt seine „Sonnenblumen in blauer Vase“ um 1920 leicht kubistisch aufblühen (Taxe 22.000 bis 25.000 EUR), ebenso wie Walter Ophey seinen Strauß mit Tuchdekoration in kräftigen Farben (Taxe 40.000 bis 50.000 EUR). Distanziert neusachlich geht Eberhard Viegener 1927 bei seinem „Stillleben mit Tongefäß, Kaktus und Äpfeln“ ans Werk und hat sich dafür ein braunes Kolorit ausgesucht (Taxe 30.000 bis 35.000 EUR). Ulrich Leman entführt uns 1924 in leuchtendem Kolorit zum Nonnenkloster Kesariani am Hymettos vor den Toren Athens (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR), Fritz Schaefler um 1925 zu einer sommerlichen Ernteszene (Taxe 3.000 EUR), und Thomas Ring entwickelte 1927 eine „Romantische Liebe“ in einer geometrisch abstrahierten Seenlandschaft (Taxe 5.000 bis 6.000 EUR).

Die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts war von der aufkommenden Ungegenständlichkeit bestimmt. August Mackes „Abstrakte Formen XX“ von 1913, eine Blei- und Farbstiftzeichnung mit gezackten Linien ist dafür ein frühes Beispiel (Taxe 18.000 bis 20.000 EUR). Diese mathematische Geometrie schlägt sich auch bei Franz Essers „Großer Stehender Figur“ um 1933 (Taxe 3.000 bis 3.500 EUR) und im skulpturalen Bereich bei Oscar Jespers’ „Vrouwehoofd (Frauenkopf)“ aus dem Jahr 1930 nieder. Die weiße Marmorskulptur mit einem stark nach rechts gedrehtem Kopf und flachem, kristallin stilisiertem Gesicht soll 60.000 bis 80.000 Euro kosten. Eine ähnliche Fassung in Kunststein von 1929, die nur den Kopf ohne Schulterpartie beinhaltet, ist für 25.000 bis 30.000 Euro günstiger zu haben. Franz Wilhelm Seiwerts frühere „Frauenbüste mit nach links geneigtem Kopf“ aus dem Jahr 1920 ist dagegen naturalistischer modelliert, obwohl die Gesichtspartien auf feine Bogenschwünge reduziert sind (Taxe 12.000 EUR).

Die Auktion „Moderne Kunst“ beginnt am 1. Juni um 17 Uhr bei Lempertz in Köln. Sämtliche Lose sind dort bis zum 30. Mai von 10 bis 17:30 Uhr und am 31. Mai von 12 bis 16 Uhr zu besichtigen. Der Katalog ist online unter www.lempertz.com abrufbar.

Kontakt:

Kunsthaus Lempertz

Neumarkt 3

DE-50667 Köln

Telefon:+49 (0221) 92 57 290

Telefax:+49 (0221) 92 57 296

E-Mail: info@lempertz.com



28.05.2018

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jan Soldin

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