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Okwui Enwezor verlässt das Haus der Kunst

Okwui Enwezor verlässt aus gesundheitlichen Gründen das Haus der Kunst

Okwui Enwezor hat seinen Posten als künstlerischer Geschäftsführer des Hauses der Kunst in München aufgegeben. Als Grund nannte er gesundheitliche Probleme. Die Gesellschafter des Ausstellungshauses und der 54jährigen Kurator haben sich daher einvernehmlich auf einen Auflösungsvertrag verständigt. Enwezors Tätigkeit in München habe schon zum 1. Juni geendet, teilte heute das bayrische Kunstministerium mit. Wie die Süddeutsche Zeitung in der Angelegenheit schrieb, sei der aus Nigeria stammende Direktor schon seit August 2017 häufiger ausgefallen und habe mit seinem engen Mitarbeiterstamm vom Krankenbett aus kommuniziert. Enwezors Vertag war eigentlich zum 1. Oktober 2016 um fünf Jahre verlängert worden.

„Es gibt nie den idealen Zeitpunkt für einen Abschied, aber ich trete zu einem Zeitpunkt zurück, an dem das Haus der Kunst eine künstlerische Position der Stärke erreicht hat. Es war für mich ein besonderes Privileg, diese außergewöhnliche Institution zu leiten und mit solch einem engagierten und talentierten Team zusammenzuarbeiten“, sagte Okwui Enwezor zum überraschenden Weggang. „Dank der hervorragenden Ausstellungsprogramme von Okwui Enwezor konnte das Haus der Kunst sein internationales Ansehen erheblich stärken. Durch seine kuratorische Expertise hat die Institution weltweit Anerkennung erfahren“, lobte Bayerns Kunstministerin Marion Kiechle als Vorsitzende des Aufsichtsrats und der Gesellschafterversammlung.

Okwui Enwezor war seit 2011 Direktor des Hauses der Kunst und hat nach Chris Dercon dessen künstlerische Entwicklung entscheidend vorangetrieben. Zu seinen wichtigsten Projekten zählten die Ausstellungen „Matthew Barney: River of Fundament“, „Louise Bourgeois. Strukturen des Daseins“ oder „Hanne Darboven. Aufklärung“. Zudem rückte er die außereuropäische Kunst immer wieder in den Blickpunkt der westlich geprägten Kunstwelt und präsentierte dazu etwa den Südafrikaner Kendell Geers, den 1966 in Daressalam geborenen Architekten David Adjaye, die Malerin Lynette Yiadom-Boakye oder den Mexikaner Abraham Cruzvillegas. Auch mit „Postwar: Kunst zwischen Pazifik und Atlantik, 1945-1965“ wollte er den Betrachtungshorizont auf die Kunstentwicklung jener Zeit um eine globale Dimension erweitern. Als Auftakt einer Trilogie sollten in den nächsten Jahren noch die Teile „Postcommunism“ und „Postcapitalism“ folgen.

Während seiner Tätigkeit in München erhielt Okwui Enwezor den Internationalen Folkwang-Preis 2017 und wurde zum Kurator der 56. Biennale von Venedig im Jahr 2015 berufen. Schon zuvor hatte er große internationale Kunstschauen verantwortet, etwa 1996/97 die Biennale in Johannesburg, 2002 die Documenta in Kassel und 2007/08 die Gwangju-Biennale in Südkorea. Aber auch mit Problemen hatte Enwezor in München zu kämpfen. So machten ihm in letzter Zeit die Nähe eines leitenden Angestellten zu Sekte Scientology, Fälle von sexueller Belästigung und Finanzprobleme zu schaffen. Daher stellte ihm der Aufsichtsrat im Herbst einen neuen kaufmännischen Geschäftsführer zur Seite, aktuell seit April Bernhard Spies. Hauptkurator Ulrich Wilmes soll gemeinsam mit Spies zunächst die Verantwortung im Haus der Kunst übernehmen.

Quelle: Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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