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Raubkunst der Sammlung Budge verlässt Großbritannien

Meißner Figur des Pulcinella von etwa 1710 geht nach Japan

Obwohl die Erben der ursprünglichen Besitzerin dies zu verhindern suchten, erteilten britische Regierungsbehörden eine Ausfuhrgenehmigung für eine um 1710 in der Porzellanmanufaktur Meißen gefertigte Skulptur. Die Figur des Pulcinella stammte aus der Sammlung der jüdischen Mäzenin Emma Budge. Der Besitz der Hamburgerin wurde 1937 zwangsversteigert und der Erlös von der Regierung des Deutschen Reiches als Staatsvermögen einbehalten. Damit handelt es sich gesichert um sogenannte Raubkunst. Gemäß der Washingtoner Erklärung von 1998 hätte man die Plastik also nicht veräußern oder ausführen dürfen.

Das Problem sei die fehlende nationale Bedeutung der Figur, erklärte eine Sprecherin des Arts Council. Obwohl man den Fall geprüft habe, lasse die Rechtslage ein tatsächliches Verbot der Ausfuhr nicht zu. Das kann nur zum Schutz vor Kulturgutverlusten erfolgen. Der größte Teil der Sammlung Budge gilt heute als verschollen. Der Käufer der Figur 1937 auf der Auktion bei Paul Graupe in Berlin muss sie kurz darauf an Kunsthändler Arthur Kauffmann übergeben haben. Kauffmanns Erben boten die Figur nun 2016 in London auf dem Kunstmarkt an, dort wurde sie von einem japanischen Sammler für rund 270.000 Pfund erworben.

Zuständig für die Klärung von Fragen zu Nazi-Raubkunst ist in Großbritannien das Spoliation Advisory Panel. Dies kann aber nur aktiv werden, wenn, wie hier im Falle von privaten Parteien, beide dem zustimmen. Der derzeitige Besitzer hat dies jedoch verweigert. Vergleichbar mit der deutschen Limbach-Kommission, fehlen diesem Gremium die Möglichkeiten für weitere rechtliche Schritte. Den Erben bleibt also nur abzuwarten und zu hoffen, dass ein zukünftiger Besitzer einer Restitution oder Entschädigung zustimmen wird.

Quelle: Kunstmarkt.com/Maria Schabel

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