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Florentina Pakosta in Wien

Anlässlich des 85. Geburtstages von Florentina Pakosta widmet ihr die Albertina in Wien eine Retrospektive. Die mehr 100 Exponate von den 1970er Jahren bis in die Gegenwart verdeutlichen die konsequenten feministischen Anliegen und Positionen der 1933 in Wien geborenen Künstlerin. Anders als ihre Kolleginnen beschäftigt sich Pakosta nicht mit ihrem einen Körper, sondern mit denen mächtiger Männer. Zudem prangert sie auch immer wieder die männliche Vorherrschaft in der Kunstwelt an. So bemühte sie sich vergeblich Mitte der 1960er Jahre um eine Mitgliedschaft in der Secession und dem Künstlerhaus, wurde bei beiden aber abgewiesen. Sieben Jahre nach ihrer Aufnahme in die Wiener Secession realisierte sie 1978 die Schau „Secessionistinnen“, die erstmals in der Geschichte der Institution einzig Werke weiblicher Mitglieder ausstellte.

Das bevorzugte Medium Florentina Pakostas, die an der Akademie der bildenden Künste in Wien, an der École des Beaux-Arts in Paris und der Kunstakademie in Prag studierte, ist die Zeichnung. In surrealen Körperstudien verschmelzen die Personen mit Accessoires ihrer Eigenschaften und werden so zu Hybridwesen aus Toilettenschüsseln, Scheren, Skalpellen oder Waffen. Derart gelingt es ihr, die mächtigen Männer karikierend zu entlarven. Ihr „Revolverkopf“ von 1979 präsentiert einen lächelnden Mann mit Glatze im Profil. Aus seiner Stirn wächst ein Revolver heraus, der drohend in die Blickrichtung deutet. Gerade durch das selbstsichere Lächeln besitzt diese Arbeit eine unheimliche und bedrohliche Atmosphäre. Friedlicher und in Anlehnung an Franz Xaver Messerschmidts „Charakterköpfe“ studiert Florentina Pakosta in großformatigen Zeichnungen Grimassen und Masken als Ausdruck von geschlechtercodiertem Machtverhalten, etwa im 1981 datierten Druck „Vorfreude“. In Frontalansicht blickt der glatzköpfige Mann mittleren Alters vom Blatt. Das stille Lächeln, die leicht hochgezogenen Brauen und weit geöffneten Augen vermitteln seine etwas unsichere Freude auf ein wohl bald eintretendes Ereignis.

Die Arbeit auf der Leinwand nahm Pakosta erst ab den 1970er Jahren auf. In ihren „Menschenmassen“ und „Warenlandschaften“ thematisierte sie in den 1980er Jahren die Auflösung des Individuums in der Masse und das Verschwinden des Subjekts. Abstrakt und zuweilen ornamental ist die Gruppe der „Trikoloren Bilder“, zu denen auch der farbintensive „Triumph der Parabeln I“ von 2016 gehört. Ein Trio aus drei ineinander verschränkten, gelben, dreidimensionalen Parabelspitzen ist vor einem leuchtend königsblauen Grund miteinander vereint. Das Auf und Ab der Kurven bietet dem Auge eine breite Spielwiese. Trotz der Abstraktion beziehe sich Florentina Pakosta auch hier auf gesellschaftliche Verhältnisse, so die Kuratorin Elsy Lahner. Sie erklärt: „Auch in den abstrakten Werken offenbaren sich Strukturen männlich und aggressiv dominierter undurchdringlicher Netzwerke. Ein mutiger und radikaler Schritt, der für Florentina Pakosta keinen Bruch mit dem bisherigen Schaffen bedeutet.“ Pakosta sagt selbst zu ihren abstrakten Arbeiten: „Im geglückten Zusammenspiel fordern die drei Farben vom Betrachter emotionale Flexibilität, Assoziationsvermögen, Imaginationskraft und Abbau verkrusteter Denkmodelle und Vorurteile.“

Die Ausstellung „Florentina Pakosta“ läuft bis zum 26. August. Die Albertina hat täglich von 10 bis 18 Uhr, mittwochs und freitags zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt regulär 12,90 Euro, ermäßigt für Senioren 9,90 Euro und für Studenten 8,50 Euro. Für Kinder und Jugendliche unter 19 Jahren ist er frei. Der Ausstellungskatalog kostet 24,90 Euro.

Albertina
Albertinaplatz 1
A-1010 Wien

Telefon: +43 (0)1 – 534 830
Telefax: +43 (0)1 – 534 834 30

Quelle: Kunstmarkt.com/S. Hoffmann

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30.05.2018, Florentina Pakosta

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