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Wuppertal zeigt Thomas Wrede

Thomas Wrede, Gebirgslandschaft mit Kissen und Stehlampe, 2000

Unter „sceneries“ führen Suchmaschinen zu eindrucksvollen, aber auch kitschigen Landschaftsmotiven in gemalter oder fotografischer Form, die zum Teil digital bearbeitet sind. Wann man im Theater von „sceneries“ spricht, sind Kulissenbilder gemeint. So wählte der Fotograf Thomas Wrede diesen Begriff auch als Titel seiner aktuellen Wuppertaler Retrospektive, um die beiden Pole seines Schaffens auf den Punkt zu bringen: die Landschaft und ihre Inszenierung. Die umfassende Werkübersicht verdeutlicht Wredes Position innerhalb der aktuellen Fotokunst. Die Auswahl erstreckt sich von frühen Schwarzweiß-Arbeiten bis hin zu jüngeren digitalen Bildern. Stets ist Wrede bestrebt, in Serien Realität und Fiktion ironisch, absurd oder witzig miteinander zu verweben. In der Unmittelbarkeit des Mediums und seiner emotionalen Wirkung möchte der Künstler einen in die Tiefe gehenden Betrachtungsprozess in Gang setzen. Dabei dient ihm die Natur als Bühne für Inszenierungen zwischen Idylle und Katastrophe.

Fast wie eine Meditation über das Sein erscheinen die komplizierten Aufnahmen von Vögeln, die gegen Scheiben geprallt sind. Die feinen Körperabdrücke aus Schmierspuren, Staub und Fett werden erst im Gegenlicht sichtbar. „Die Vögel stehen in der Luft und schreien“, so der Titel der frühen, 1991 begonnenen Serie, die die flüchtigen Spuren der tödlichen Tragödien visualisiert. In spannungsreichen und vielschichtigen Fotografien der Serie „Samsö“ hielt Thomas Wrede 1996 fest, wie auf einer alten Deponie für Plastikfolien diese sich mit der Landschaft verbinden und doch schleimige Fremdkörper bleiben. Ein Jahr später thematisierte er in „Magic Worlds“ die an filmische Szenarien angelehnte irritierende Künstlichkeit von Freizeitparks, die über die Realität triumphieren.

Bilder in Bildern bieten die Aufnahmen von Fototapeten in Privatwohnungen, die Wissen und Ahnung, Innen und Außen, Wirklichkeit und Künstlichkeit miteinander verbinden. In perfekt komponierten Wechselspielen von Orten und Oberflächen verschmilzt Thomas Wrede in der Serie der „Manhattan Picture Worlds“ Straßenrealität und Werbeillusion. In der Werkgruppe der „Real Landscapes“ setzt er kleine Häuser oder Bäumchen von Modelleisenbahnen ein. Unter Verschiebung der Proportionen zeigen die Inszenierungen reale Landschaften mit eingefügten Spielzeugen, in denen Pfützen zum See, Sandhaufen zum Berg werden. Am Abschluss des Parcours stehen die Panoramen der „Seascapes“. Erstmals treten Menschen in Wredes Bildern auf, die sich angesichts des Blicks in die unermessliche Ferne ziellos wie Miniaturen durch Weiten der Strände oder der flachen Gewässer bewegen. Sie sind nur noch Randfiguren, was der Pathosformel romantischer Landschaftsmalerei entspricht.

Der 1963 in Iserlohn geborene Künstler studierte Malerei und Zeichnen bei Norbert Tadeusz und Gunther Keusen an der Münsteraner Kunstakademie und Fotografie bei Dieter Appelt in Berlin. Er versteht sich als bildender Künstler, weniger als Fotograf. Seit dem Jahr 2005 nimmt er eine Professur für Fotografie und Medien an der Hochschule der bildenden Künste in Essen wahr. Wredes technische Brillanz und Perfektion überbieten sogar noch den Illusionismus traditioneller Malerei.

Die Ausstellung „Thomas Wrede. Sceneries“ ist bis zum 26. August zu besichtigen. Die Von der Heydt-Kunsthalle hat täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 3 Euro, ermäßigt 2 Euro. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der im Museum 20 Euro kostet.

Von der Heydt-Kunsthalle
Geschwister-Scholl-Platz 4-6
D-42275 Wuppertal

Telefon: +49 (0)202 – 563 65 71
Telefax: +49 (0)202 – 563 80 91

Quelle: Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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