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Das Belvedere 21 in Wien präsentiert eine Retrospektive zu Rachel Whiteread und geht auch auf ihr umstrittenes Holocaust-Denkmal ein

Im Negativraum der Kunst



Die britische Künstlerin Rachel Whiteread schuf im Jahr 2000 mit dem „Holocaust-Memorial“ auf dem Wiener Judenplatz eines der überzeugendsten Beispiele für ein Denkmal im öffentlichen Raum. Umso erstaunlicher ist es, dass in Wien bisher keine größere Schau ihrer Werke zu sehen war. Vor 13 Jahren stellte das Kunsthaus Bregenz erstmals in Österreich ihre Abgüsse von Leerräumen aus: Negativformen von Alltagsgegenständen, Möbeln und Architekturelementen, für die die Turner-Preisträgerin industrielle Materialien wie Gips, Beton, Harz, Gummi, Metall und Papier verwendet. Grundlegendes Prinzip für Whiteread ist es, den Negativraum zum Positiv zu verkehren, die Leere zu füllen, das „Nichts“ zu materialisieren.


Dass das Belvedere 21 mit der Ausstellung nach den Querelen, die die Errichtung des Mahnmals begleiteten – die Boulevardpresse und die FPÖ lehnten das Projekt ab –, und Whitereads daraus erfolgter Abkehr von Wien eine empfindliche Lücke schließt, ist ebenso ein Verdienst, wie die gute Auswahl der Exponate, die über die Mängel der Inszenierung hinwegblicken lässt. Denn man muss leider einräumen, dass die erste Station der Ausstellung in der Tate Britain überzeugender und klarer gestaltet war. Die gemeinsam mit der Londoner Institution konzipierte Personale der 1963 in England geborenen Künstlerin, die im Herbst in die National Gallery of Art in Washington weiterwandert, muss sich im Wiener Schweizergarten in dem von Karl Schwanzer 1958 zur Weltausstellung in Brüssel konzipierten Pavillon gegen ein Übermaß an Lichtschutz behaupten, der aus konservatorischen Gründen angebracht wurde und die klare Architektur dieses wunderbaren Ausstellungsortes stört. In beengender Dichte sind die Werke dargeboten, so dass sich die Stille, die Whitereads Kunst stets umfängt, in Wien nicht recht entfalten kann.

Die Ausstellung gibt mit rund 70 Arbeiten aus den späten 1980er Jahren bis zu neuen Güssen aus Pappmaché einen umfassenden Querschnitt durch das drei Jahrzehnte umspannende Œuvre der britischen Künstlerin. Empfangen werden die Besucher*innen mit zwei Werkgruppen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. „Untitled (Twenty-five-spaces)“ von 1995 ist ein mehrteiliges Werk, das sich aus 25 Abgüssen von Räumen unter Stühlen zusammensetzt. Die in verschiedenen Farbtönen in Kunstharz gegossenen Blöcke brechen das Licht. Dank der milchig durchscheinenden Konsistenz wirken die kompakten Kuben eher wie überdimensionierte Geleewürfel und verhehlen ihre harte Substanz. Rachel Whiteread folgt einer Idee von Bruce Nauman, der bereits 1965 einen Stuhl durch seinen Negativraum abbildete, und entwickelt den komplexen Formgedanken weiter: Das Konkrete wird unsichtbar, die Freistellen sichtbar und Gedachtes wird zum Gegenstand der Skulptur.

Das Thema von Objekt und Erinnerung ist auch in der zweiten, im Eingangsbereich der Ausstellung gehängten Wandarbeit präsent. Für ihre 2017 entstanden Papierreliefs „Wall (Apex)“, „Roof (Beams I)“ und „Wall (Three Windows)“ kehrte Whiteread zu einem Material zurück, das sie schon für erste Versuche während ihres Studiums verwendet hatte. Mittels eines Aktenvernichters zerkleinerte Whiteread verschiedenste Papiere und goss sie als Pappmaché auf Wellblech. Farbige und glitzernde Papiere verteilen sich in dem grauen, getrockneten Papierbrei, der in Form gegossen und an die Wand gehängt an gesprenkelten Marmor erinnert. Auslöser für diese junge Serie war die Auftragsarbeit „Flat Pack House“ für die neu erbaute US-Botschaft in London. Whiteread benutzte als Motiv den Prototyp eines amerikanischen Hauses aus den 1950er Jahren und zeigt dessen Innenleben als plastischen Betonfries.

Im Hauptraum reihen sich frühe und aktuelle Werke, monumentale Arbeiten, Kleinplastiken und Collagen dicht um die im Zentrum stehende Arbeit „Untitled Room (Room 101)“. Der ursprüngliche „Raum 101“ war ein Büro im Sendehaus der Londoner BBC-Zentrale, in der George Orwell während des Zweiten Weltkriegs eine Zeit lang in der Indian Section des Eastern Service arbeitete. Der Raum lieferte dem Schriftsteller die Inspiration für die Folterkammer in seinem Roman „1984“. Auf Einladung der BBC nahm Whiteread einen kompletten Abguss des Zimmers. Wenngleich der ursprüngliche Raum zu Orwells Zeiten anders aussah, wird durch dessen Abformung die Skulptur über die bloße Form hinaus mit Erinnerung aufgeladen.

Der Bogen der Präsentation umspannt weitere Grundelemente des Hauses: das Motiv der Treppe in „Untitled (Stairs)“ von 2001, die Bodenabformungen „Untitled (Square Sink)“ von 1990 und „Untitled (Floor)“ von 1994/95 sowie die mehrteilige Serie „Untitled (In Out)“ von 2004/12, für die Whiteread Türen verschiedener Londoner Gebäude in Gips abgeformt und später in transparentem Kunstharz gegossen hat. „Closet“ aus dem Jahr 1988 gehört neben den gleichaltrigen „Torso“ und „Mantle“ zu den frühesten in der Ausstellung gezeigten Arbeiten. Mit abgeformten Alltagsgegenständen – Schränken, Tischen, Badewannen, Waschbecken und Matratzen – schafft Rachel Whiteread ein Inventar des Alltäglichen. Stellvertretend verweisen auch hier Alltagsdinge auf die Präsenz von Personen.

Whitereads Gestaltung des Holocaust-Mahnmals für die mehr als 65.000 ermordeten Wiener Juden und Jüdinnen auf dem Wiener Judenplatz wird anhand eines Modells und Fotomontagen dokumentiert. Der monumentale, tempelartige Quader der Innenseite einer Bibliothek, gegossen aus Beton, einem Material, dem man damals absprach, genug Würde für eine solche Aufgabe zu besitzen, ist ein physisch abwesendes Zentrum der zeitlich im Gedenkjahr platzierten Rachel Whiteread-Retrospektive im Belvedere 21. Whiteread bezeichnete das Denkmal für Wien als wegweisend für ihre Karriere. Den Erinnerungsdiskurs hat das Auftragswerk jedenfalls nachhaltig verändert.

Die Ausstellung „Rachel Whiteread“ ist bis zum 29. Juli zu sehen. Das Belvedere 21 hat täglich außer montags und dienstags von 11 bis 18 Uhr, mittwochs und freitags zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 6 Euro. Für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre ist er frei. Der Katalog aus dem Hirmer Verlag kostet 36 Euro.

Kontakt:

Belvedere 21 - Museum für zeitgenössische Kunst

Arsenalstraße 1

AT-1030 Wien

Telefon:+43 (01) 795 577 00

Telefax:+43 (01) 79 557 136

E-Mail: info@21erhaus.at



04.07.2018

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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