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Von ihm stammen einige der schönsten Skulpturen der Spätgotik, aber erst zu seinem diesjährigen 500. Todestag wird der Bildhauer Erasmus Grasser erstmals in einer monografischen Ausstellung gewürdigt: Das Bayerische Nationalmuseum präsentiert bedeutende Hauptwerke aus seinem Schaffen

Charakterköpfe eines gotischen Meisters



Erasmus Grasser, Moriskentänzer „Zauberer“, München 1480

Erasmus Grasser, Moriskentänzer „Zauberer“, München 1480

Charaktervoll, einfühlsam und ausdrucksstark – das ist das erste, was einem bei den spätgotischen Skulpturen Erasmus Grassers in den Sinn kommt. Ein Könner und Meister aus der Zeit um 1500, der seine Figuren in der Gefühlsspanne zwischen Sanftmut und Drastik, Verklärung und Realismus und auch zwischen Machtgesten und Menschlichkeit anlegen konnte. Zum ersten Mal sind die bis heute in vielen Kirchen verbliebenen Hauptwerke dieses Bildhauers aus München in einer Ausstellung zusammengeführt. „Bewegte Zeiten“, so der Titel der Schau, die gemeinsam vom Bayerischen Nationalmuseum und vom Diözesanmuseum Freising realisiert wurde, zeigt einen Bildhauer, der in die Gesichter seiner Figuren die ganze Tragik der Menschheit hineinlegen konnte.


Für viele ist Grasser bis heute vor allem der Schöpfer der bizarren Moriskentänzer, die er um 1480 als ersten großen städtischen Auftrag für den neuen Tanzsaal des Münchner Rathauses fertigte. Mit gekreuzten, zum Sprung ansetzenden Beinen, mit weit ausladenden Armgesten und mit tänzerisch verschraubten Körpern hat der damals etwa 30jährige Bildhauer ein Skulpturenensemble voller bizarrer Dynamik geschaffen, das wie ein Vexierbild körperlicher Akrobatik daherkommt. Die exzentrischen Figuren in mittelalterlichen Kostümen sind der heiter leichte Anfang einer Ausstellung, die zu einer Neuvermessung Grassers im kunsthistorischen Koordinatensystem zwischen seinen Zeitgenossen Tilman Riemenschneider, Veit Stoß und Daniel Mauch führen könnte. Denn Grasser hat viel weitreichendere Spuren hinterlassen.

Kontrapunktisch zu den harlekinischen Moriskentänzern hat das Bayerische Nationalmuseum noch im selben Saal ein anderes Meisterwerk Grassers inszeniert. Dicht an dicht reihen sich die 40 Figuren des Chorgestühls der Münchner Frauenkirche in die Höhe, wie sie vor 500 Jahren dort ihren Platz fanden. Virtuos angelegte, halbfigurige Arbeiten von beeindruckender menschlicher Mimik. Ausgemergelte Gesichter, demütige Posen, kirchliche Autoritätsgesten oder tiefe Insichgekehrtheit sind typische Kennzeichen dieses Ensembles. Unübersehbar ist, wie Erasmus Grasser bei den kirchlichen Würdenträgern mit den Stereotypen der päpstlichen Insignien und wie frei er im Falle der vorchristlichen Propheten mit Kleidern, Kopfbedeckungen und Haartracht umgeht.

Grassers fast fünfzigjähriges Schaffen in und um München hat die Bildkunst seiner Zeit im Herzogtum Bayern stark geprägt. Sein Werk ist heute noch in vielen kleinen Kirchen zwischen München und Salzburg erhalten. Wahrscheinlich wäre das mächtige Kreuzretabel des Flügelaltars der Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt in Ramersdorf, das zu den rund 40 Exponaten gehört, heute eine Touristenattraktion, läge die Kirche nicht am Rande Münchens unmittelbar neben einer Autobahnauffahrt. Die Darstellung ist keine der üblichen Heiligen- und Familienaufstellungen. Sie zeigt einen großen Menschenauflauf, der sich – um Perspektive zu erzielen – ähnlich wie in der Malerei stufenförmig um das Kreuz schart. Für die Pfarrkirche St. Sixtus in Schliersee, die zur Einflusssphäre der Münchner Frauenkirche gehörte, entstand um 1495 die von tiefer Leidempfindung geprägte Gruppe der Heiligen Dreifaltigkeit als Gnadenstuhl. Viele Grassersche Skulpturen sind von Tragik, Trauer und Erschütterung geprägt.

Anders der heilige Petrus aus der Münchner Peterskirche. In sich selbst ruhend, väterlich und zugleich repräsentativ thront er auf einem frühbarocken Sockel, weshalb die Figur von 1490 lange für ein barockes Werk gehalten wurde. In der Ausstellung ist sie erstmals wieder als freistehende Skulptur im Kontext mit dem Bildprogramm des einstigen Hochaltars der Peterskirche zu sehen, das von Jan Polack stammt. Für die Peterskirche hat Erasmus Grasser übrigens schon 1482 eines seiner grandiosesten Werke geschaffen: das in Stein gehauene Epitaph für den Domdekan Ulrich Aresinger, das leider nur als perfekt simulierte Leuchtkasten-Fotografie vorhanden ist. Auch die Wiederentdeckung eines bedeutenden Künstlers ist kein Automatismus. Im Skulpturenkatalog des Bayerischen Nationalmuseums aus dem Jahr 1896 kam der Name Grasser nicht ein einziges Mal vor. Dabei hatte das Museum bereits 1874 das berührende Monstranzaltärchen mit der Kreuzigungsszene gekauft, die in Komposition und Stil der Figuren durchaus Ähnlichkeiten zum Ramersdorfer Retabel aufweist.

Wie bei vielen Zeitgenossen lässt auch Grassers Schaffen einen bestimmten Grad an Realismus und Wahrhaftigkeit erkennen, unter anderem in den teilweise weltlichen Gewändern und Attributen, aber auch in seiner starken Körperlichkeit der Schmerzensmannfiguren. Lieber tauscht er die fast stereotype Idealisierung der Schönen Madonnen gegen eine neue Vitalität und Lebensnähe aus. Besonders deutlich wird das an dem äußert feingliedrig geschnitzten Andachtsbild des Schmerzensmannes mit zwei Engeln, das erst vor zwei Jahren bei Christie’s für 112.000 US-Dollar vom Diözesanmuseum Freising mithilfe der Ernst von Siemens Kunststiftung erworben wurde. Diese Engelspietà um 1480/90 macht in besonderem Maße die Virtuosität Grassers deutlich. Typisch für die meisten Arbeiten – das offenbaren die ausdrucksstark geschnitzten Figuren Maria und Johannes von circa 1480, die wohl ursprünglich Teil einer Kreuzigungsgruppe waren – sind nicht die feinen zarten Gesichter, sondern Charakterköpfe mit großen Nasen, breiten Kinnpartien und seitlich abfallenden Augenbrauen. Die Grasser-Forschung ist mit dieser Schau noch lange nicht an ihren Endpunkt gekommen.

Die Ausstellung „Bewegte Zeiten. Der Bildhauer Erasmus Grasser“ ist bis zum 29. Juli zu sehen. Das Bayerische Nationalmuseum hat täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 12 Euro, ermäßigt 8 Euro. Ausführlich beschreibt und charakterisiert der Katalog zur Ausstellung das Werk Grassers und setzt ihn in Beziehung zu anderen Münchner Bildhauern Ende des 15. Jahrhunderts. Die von Renate Eikelmann und Christoph Kürzeder herausgegebene Publikation zum Preis von 39 Euro umfasst 408 Seiten und enthält zahlreiches Bildmaterial, das über die Exponate hinausgeht, und den Stand der Forschung dokumentiert.

Kontakt:

Bayerisches Nationalmuseum

Prinzregentenstraße 3

DE-80538 München

Telefon:+49 (089) 211 24 01

Telefax:+49 (089) 211 24 201

E-Mail: bay.nationalmuseum@bnm.mwn.de



12.07.2018

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Sabine Spindler

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Erasmus Grasser und Werkstatt, Achatius-Altar, um 1503/06
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Erasmus Grasser, Maria und Johannes, um 1480
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Erasmus Grasser, Büsten aus dem Chorgestühl der Münchner Frauenkirche, 1502

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Erasmus Grasser, Heiliger Petrus, wohl 1490

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Erasmus Grasser, Anna Selbdritt, nach 1480

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Erasmus Grasser und Werkstatt, Achatius-Altar, um 1503/06

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Erasmus Grasser, Maria und Johannes, um 1480

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Erasmus Grasser und Werkstatt, Kreuzretabel aus Maria Ramersdorf, um 1482

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Erasmus Grasser und Werkstatt, Kreuzretabel aus Maria Ramersdorf, um 1482

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Erasmus Grasser und Jan Polack, Monstranzaltärchen, um 1480/90

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Erasmus Grasser, Moriskentänzer „Mohr“, 1480

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Erasmus Grasser, Büsten aus dem Chorgestühl der Münchner Frauenkirche, 1502

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Erasmus Grasser, Moriskentänzer „Prophet“, 1480

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