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David Claerbout: In Bregenz ticken die Uhren anders

David Claerbout, The Pure Necessity (Die reine Notwendigkeit), 2016

Das Kunsthaus Bregenz zeigt seit dem Wochenende eine Ausstellung mit insgesamt sechs Videoinstallationen von David Claerbout, sowohl innen als auch außen. Nach Schließung des Kunsthauses erwacht seine gläserne Fassade zum Leben. Zu sehen ist die Projektion „The Pure Necessity“ von 2016, eine Adaption des Disney-Films „Das Dschungelbuch“. Doch hat sie mit dem Kinoklassiker nur wenig gemeinsam. Claerbout hat der Geschichte mit Hilfe von zwölf Animationszeichnern eine neue Stoßrichtung gegeben. Mogli, das Menschenkind, kommt darin gar nicht vor. Balu, Baghira und Kaa singen, sprechen und tanzen nicht. Claerbout lässt Bär, Panther und Schlange sich artgerecht verhalten. Sie sind nicht länger vermenschlicht.

Der 1969 in Kortrijk geborene, studierte Maler steht sonst vor allem für großformatige Filmprojektionen mit extrem verlangsamten Bildsequenzen. „Es geht um Zeit, es geht um Bilder, um Medien. Filme werden so verlangsamt, dass sie fast den Rhythmus oder den Takt einer Atmung bekommen. Und Fotografien werden in Gang gesetzt, bewegt, so dass sie Filmen ähnlich werden und man das Gefühl hat, dass Zeit vergeht“, erklärt Direktor Thomas Trummer. Vergänglichkeit und Stillstand, vor allem die majestätische Unbeirrbarkeit der Zeit sind die wiederkehrenden Sujets bei Claerbout, so auch in seiner auf 1.000 Jahre angelegten Real-Time-Projektion „Olympia (The Real-Time Disintegration into Ruins of the Berlin Olympic Stadium over the Course of a Thousand Years)“. Dafür hat er das Berliner Stadion in jahrelanger Arbeit Stein um Stein digital rekonstruiert und gibt es seit März 2016 dem natürlichen Zerfall in Echtzeit preis.

David Claerbouts Kunst folgt der Faszination für die Zyklen der Natur und den Ideen von Behutsamkeit und Zeit. Seine Werke erfordern ein Einfühlungsvermögen für Licht und Schatten, für Ferne und Fokus, für Ruhe und Vergehen. Charakteristisch sind Bildfolgen ohne Filmschnitt. Tatsächlich sind die Eindrücke digital hergestellt. Alle Einstellungen gehen auf aufwendige Rechenverfahren am Computer zurück. Kein Bild ist gesehen, jedes ist konstruiert. Dies gilt besonders für den 2011 entstandenen Film „The Quiet Shore“. Er ist weniger ein Film als eine Abfolge von Schwarz-Weiß-Bildern, eine Sequenz ohne Erzählung: Ein Küstenort in der Bretagne. Es ist Ebbe. Das Meer hat sich zu einer spiegelglatten Fläche in der Ferne zurückgezogen. Einige Jungen stehen am Ufer um einen Spielgefährten. Kraftvoll schlägt er die Hände ins Wasser, sodass es wie in einer Krone um ihn aufspritzt. Dies ist der Moment, dem sich alle Bilder widmen. Die Zeit verknappt sich auf einen Augenblick. Die Arbeit wird letztlich zu einer einzigen Fotografie, gesehen aus verschiedenen Blickwinkeln.

Die Ausstellung „David Claerbout“ läuft bis zum 7. Oktober. Das Kunsthaus Bregenz hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 20 Uhr geöffnet. Bis zum 31. August ist das Haus täglich von 10 bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 9 Euro, ermäßigt 7 Euro. Für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre ist er frei. Begleitend erscheint im Oktober eine Publikation mit einem Essay von Russell Ferguson und einem Gespräch zwischen Thomas Trummer und David Claerbout im Verlag der Buchhandlung Walther König für 46 Euro.

Kunsthaus Bregenz
Karl-Tizian-Platz
A-6900 Bregenz

Telefon: +43 (0)5574 – 485 94 0
Telefax: +43 (0)5574 – 485 94 408


16.07.2018

Quelle: Kunstmarkt.com/Maria Schabel

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14.07.2018, David Claerbout

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David Claerbout, The Pure Necessity (Die reine Notwendigkeit), 2016
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David Claerbout, Olympia (The Real-Time
 Disintegration into Ruins of the Berlin Olympic Stadium over the Course of a Thousand Years), 2016-3016
David Claerbout, Olympia (The Real-Time Disintegration into Ruins of the Berlin Olympic Stadium over the Course of a Thousand Years), 2016-3016

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David
 Claerbout, 2017
David Claerbout, 2017

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Künstler:

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