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Christa Dichgans gestorben

Christa Dichgans ist gestorben

Christa Dichgans ist tot. Die Berliner Malerin starb am vergangenen Samstag nach langer schwerer Krankheit im Alter von 78 Jahren. Das teilte ihre Galerie Contemporary Fine Arts in Berlin mit. Bekannt wurde Dichgans in der Pop Art-Bewegung der der 1960er und 1970er Jahre. In dieser Zeit entstanden die für ihr Frühwerk typischen Bilder von Spielzeuganhäufungen, die dem Rausch der Warenwelt ein Gesicht gaben. Auch später blieben die Magie der Dinge und ihr Fetischcharakter für ihr Schaffen bestimmend. Ihre Stillleben sind durchdrungen vom Prinzip der Masse und der Häufung. Dabei löste Dichgans die Objekte aus ihrem gängigen Kontext, drängte sie zusammen und setzte ihnen meist eine monochrome leere Farbfläche gegenüber. So blickte sie kritisch auf das Konsumverhalten des Wirtschaftswunders.

In der Folgezeit erweiterte Christa Dichgans ihr malerisches Repertoire. Neben den Selbstportraits wurde ihr Freund A.R. Penck ein wiederkehrendes Motiv in ihren Bildnissen. Zudem verklausulierte sie die dargestellten Personen über eine Anhäufung von alltäglichen Dingen aus deren Leben, etwa beim „Portrait Rudolf Springer“ von 1974. Auch für ihr Gemälde „Deutschland“ zwängte Dichgans 1976 typisch deutsche Versatzstücke auf engen Raum, darunter Fachwerkhäuser, Karl Marx, Luther, Würste, Rotkäppchen, ein Klavier, Geldscheine, Autos, einen Hirschen oder Berge. Zudem konzentrierten sich ihre Bilder oft auf das Thema Stadt. Hier schichtete sie hochhausartige Türme als Verdichtung des Existentiellen eng übereinander. Der Moloch Großstadt erscheint als groteskes Symbol von Macht und Arroganz. Aus ihren Spielzeuganhäufungen wurden im Laufe der malerischen Entwicklung Schlachtfelder.

Christa Dichgans, geboren 1940 in Berlin, wuchs in Düsseldorf auf und studierte von 1960 bis 1965 an der Hochschule der Künste in Berlin unter anderem bei Fred Thieler. Unmittelbar danach folgte eine Einladung durch den DAAD nach New York. 1971 lebte sie als Stipendiatin an der Villa Romana in Florenz. Ihre erste Einzelausstellung organisierte 1972 der legendäre Galerist Rudolf Springer, den sie später heiratete. In den 1980er Jahren war sie Assistentin von Georg Baselitz an der Hochschule in Berlin. Auch wenn Dichgans stets Einzelausstellungen hatte und an Gruppenausstellungen beteiligt war, wurde sie von der großen Häusern der Kunstwelt kaum wahrgenommen. Das änderte sich erst in den letzten Jahren, etwa 2010 durch die einflussreiche Ausstellung „Power Up! Female Pop Art“ in der Kunsthalle Wien, die dann auch durch Deutschland tourte, oder durch die Schau „German Pop“ in der Frankfurter Kunsthalle Schirn im Jahr 2015. Noch in diesem Frühjahr widmete ihr die Kestnergesellschaft in Hannover eine Retrospektive.

Quelle: Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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