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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Die internationale Auswahl an modernen und zeitgenössischen Künstlern sorgte bei Koller in Zürich für reges Interesse und starke Preissprünge. Verhaltener war die Kauflaune bei teurer Schweizer Kunst

Beliebte Ägypterinnen



Erst Ende Mai kam bei Grisebach Max Beckmanns „Weiblicher Kopf in Blau und Grau“ von 1942, auch genannt „Die Ägypterin“, zum Spitzenpreis von 4,7 Millionen Euro an eine Schweizer Sammlung. Damit wurde es das teuerste je in einer deutschen Auktion gehandelte Gemälde. Nun bescherte Kees van Dongens Darstellung einer Orientalin dem Züricher Versteigerer Koller einen Spitzenpreis. Ein Galerievertrag ermöglichte dem Künstler ab 1910 Reisen unter anderem in den Orient, deren Eindrücke er in dem Gemälde aus dieser Zeit verarbeitete. In „Rouge et Jaune (L’Egyptienne)“ blickt die Frau mit tiefroten Lippen und mandelförmigen Augen direkt zum Betrachter. Ihre Haut ist grünlich gefärbt, und ein gelber Schleier ummantelt sie. Van Dongen baute durch den intensiven Blick und die sinnlichen Lippen in Distanz zur geschlossenen Kleidung ein spannungsgeladenes Bild der Ägypterin auf. Formal verstärkte er diesen Effekt durch die gekonnt gewählten Farbkontraste vor dem roten Hintergrund. Die reizvolle Exotin ließ Koller auf 1 bis 2 Millionen Franken hoffen. Für einen Rekord, wie Beckmann, sorgte van Dongens Ägypterin letztlich nicht. Trotzdem wurde sie mit einem Zuschlag von 1,5 Millionen Franken das begehrteste Stück der Auktion „Impressionismus & Klassische Moderne“.


Knapp 80 Prozent der Lose fanden in dieser Rubrik am 29. Juni einen neuen Besitzer und spülten brutto 4,78 Millionen Franken in die Kassen von Koller. Trotz einer recht ansprechenden Zuschlagsrate von rund 70 Prozent schwächelte die Schweizer Kunst an diesem Tag mit einem Umsatz von 1,33 Millionen Franken, vor allem da die Kunden fast allen hochpreisigen Offerten, etwa von Hodler oder Giacometti, Absagen erteilten. Die Kunst von „Postwar & Contemporary“ ging am folgenden Tag zu 78 Prozent weg und sorgte für 3,29 Millionen Franken. Zusammen mit den „Grafiken & Multiples“, die mit einem Ergebnis von 1,16 Millionen fast gleichauf mit der Schweizer Kunst lagen, kamen in allen Teilversteigerungen an den beiden Tagen für Koller insgesamt erfreuliche 10,6 Millionen Franken bei 74 Prozent abgesetzter Positionen zusammen.

Fauvistisches aus der Westschweiz

Kees van Dongen war gleich mehrfach unter den Spitzenlosen der Moderne vertreten. Sie stammten alle aus einer Westschweizer Sammlung, die auf Otto und Helene Welter bis in den 1920er Jahre zurückreicht. Seine ebenfalls fauvistische „Danseuse“ aus der Zeit um 1906/10 in Öl auf Papier wirkt schnell skizziert. Rote Linien umreißen die Frau, die die Hände an den Kopf hält und in ihre Bewegung vertieft nach oben blickt. Die Bauchtänzerin Anita La Bohémienne, eine verführerische Gestalt des Pariser Nachtlebens, die van Dongen faszinierte, hielt sich an die untere Schätzung von 120.000 Franken. In „Péniche à Delfshaven“ von 1907 setzte der Künstler seine Heimatstadt mit ihrer Pilgerkirche am Fluss in flüchtig abstrakter Weise um, wofür mindestens 100.000 Franken gefordert waren und erreicht wurden. Das jüngere „Portrait de femme“ aus der Zeit um 1913 zeigt eine Theaterbesucherin im Profil nach rechts. Die elegant Gekleidete mit Federbusch am Hut sowie aufgeklapptem Fächer verabschiedete sich schon bei 200.000 Franken (Taxe 250.000 bis 350.000 SFR).

Überhaupt kein Interesse hatte das Publikum indes an Kees van Dongens unspektakulärer Strandszene „L’Ânier“ bei Scheveningen aus dem Jahr 1912 mit zwei Eselsreitern, darunter wohl seine Tochter Dolly (Taxe 400.000 bis 600.000 SFR). Dafür hatte die Westschweizer Sammlung etwa noch Auguste Herbin mit seiner „Paysage“ um 1905 zu bieten. Im Sinne der Fauves trennte er die Farben stärker voneinander. Einzelne Flächen ergeben den zentralen See, in dem sich das bunte Laub spiegelt. Für den Karton kletterten die Gebote auf 50.000 Franken (Taxe 12.000 bis 18.000 SFR). Auch Maurice de Vlamincks „L’Allée“ um 1912/14 war für die Westschweizer einträglich. Aus dem dunklen Dickicht des Waldes scheint der helle Weg hervor. Vlamincks expressiv diagonale Pinselführung mit strahlenden Akzenten beweist seinen sicheren Umgang mit den zeitgenössischen Ausdrucksmitteln der Kunst, was einen Interessenten verlockte, 50.000 Franken über der höheren Taxe von 120.000 Franken hinzublättern. Mit dem weniger bekannten Franzosen Gen Paul hatten die Einlieferer ebenfalls Glück. Alle drei Gemälde des 1895 geborenen Spätexpressionisten verließen Koller über den Erwartungen, darunter die Ansicht eines Pariser Vergnügungslokals am Montmartre von 1923 für 30.000 Franken oder das exaltierte Portrait eines Geigers für 22.000 Franken (Taxe je 6.000 bis 9.000 SFR).

Naturvielfalt der Moderne

Max Liebermann machte die Natur immer wieder zum Thema. Der Impressionist fühlte ihr mit leuchtenden Tönen und gezielt abstrahierenden Pinselstrichen nach. Eine ländlich unbeschwerte Stimmung charakterisiert die „Allee mit Frauenfigur und Kind“ von 1896, die 75.000 Franken einbrachte (Taxe 80.000 bis 140.000 SFR). Auch Maximilien Luce stellt in „Bessy-sur-Cure. Les lavandieres au bord de l’eau“ aus dem Jahr 1906 die Vegetation ins Zentrum. Bäume rahmen einen Flusslauf, im Hintergrund ist die Silhouette eines Dorfes zu erkennen. Dabei bediente er sich einer kleinteiligen spätimpressionistischen Malweise, die mit 48.000 Franken gewürdigt wurde (Taxe 40.000 bis 60.000 SFR). Weitaus flächiger gestaltete der Ungar Dezsö Czigány in den 1930er Jahren seine Landschaft mit parallelen Baumreihen in pastellener Farbigkeit und nahm dafür 20.000 Franken in der Mitte der Schätzwerte ein.

Nikolai Bogdanov-Belsky inszenierte etwas früher die vier „Bauernkinder am Lagerfeuer“ in einem Buchenwald. Interessiert sind ihre Augen auf einen schlafenden Hund gerichtet, den ein Junge mit einem Stock zu wecken versucht. Die realistische friedliche Landidylle verdoppelte im Wettstreit ihre obere Erwartung von 50.000 Franken auf 100.000 Franken. Pierre-Auguste Renoir abstrahierte um 1915 stärker. Glühend gelb, satt grün und tief rot schillern die pastos ausgeführten Gewächse unter einem hellblauen Himmel. Die kleinformatige „Paysage – Les Arbres“ erzielte mit dem stimmungsvollen Kolorit hohe 110.000 Franken (Taxe 70.000 bis 90.000 SFR). Eine der jüngsten Naturschilderungen war Charles Lapicques kunterbunte „Vallone en Bretagne“ von 1957 in schwingenden arabeskenhaften Linien für 20.000 Franken (Taxe 12.000 bis 18.000 SFR).

Die erste Nachkriegszeit

Mit den Auswirkungen des Ersten Weltkriegs beschäftigte sich Maurice Utrillo, der von der Bombardierung der Kathedrale in Reims im September 1914 zutiefst erschüttert war. Auf seiner aus unmittelbarem Eindruck 1914 gemalten „Cathédrale de Reims en flammes“ züngeln bedrohlich grünrote Feuersäulen aus den Fenstern des gotischen Kirchenbaus, schwarzer Rauch umhüllt die weiße Steinfassade. Für diese Schreckensvision gab es 70.000 Franken (Taxe 60.000 bis 80.000 SFR). Nach der Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts setzte Albert Marquet ein Militärschiff in Szene, das im Gegenlicht nur schemenhaft auszumachen ist. Der atmosphärisch gelbe Sonnenuntergang in „Le Croiseurs, effet de contre-jour“ von 1922 für 70.000 Franken wirkt fast zu friedlich für sein Motiv (Taxe 50.000 bis 70.000 SFR). Freundlicher ist da Raoul Dufys schwarz umrissenes Segelschiff, hinter dem ein Dampfer fährt. Der Himmel und das Wasser sind als hellblau Fläche zusammengefasst. Die verspielte Gouache „Bateaux et Baigneuse“ aus der Zeit um 1924/25 kam auf 46.000 Franken (Taxe 25.000 bis 35.000 SFR).

Neusachlich inspiriert ist André Derains „Buste de femme assise aux seins nus“. Um 1930 schuf er das Brustbild der jungen Frau mit halblangen Haaren vor braunem Grund. 15.000 bis 25.000 Franken waren dafür zu niedrig angesetzt, denn der Zuschlag erfolgte erst bei 60.000 Franken. Dazu gesellte sich eine studienhafte, stille „Nu en buste“ von Moise Kisling für 20.000 Franken (Taxe 5.000 bis 7.000 SFR). Mehr sozialkritischer Geist spricht aus Otto Dix’ weiß gehöhter Rötelzeichnung eines „Sitzenden Akts beim Zöpfeflechten“ von 1931, der sich am oberen Schätzrahmen von 30.000 Franken platzierte. Im preiswerten Bereich setzte sich Ivan Generalics „Hochzeit auf dem Land“ von 1953 durch. Die naive Hinterglasmalerei mit ihren einfachen Figuren aus dem bäuerlichen Leben sollte 2.000 bis 3.000 Franken einbringen, verbesserte sich dann doch auf 14.000 Franken.

Ernst Ludwig Kirchner schnitzte um 1910 eine Schale, die von zwei massigen, hockenden Figuren getragen wird und fasste sie in Rot und Schwarz. Für den Expressionisten gab es keine Abstufung zwischen artifiziellen Gebrauchsgegenständen und künstlerischer Skulptur. 155.000 Franken lassen auf einen Käufer der „Obstschale II“ schließen, der diese Meinung teilt (Taxe 100.000 bis 200.000 SFR). Höher kletterte noch Wilhelm Lehmbrucks „Büste des Emporsteigenden Jünglings“. Der Steinguss entstand nach Vorlage seiner ganzfigürlichen Bronze aus dem Jahr 1913/14, die sich heute im Lehmbruck Museum Duisburg befindet. Der charakteristisch schmale Kopf mit überlangem Hals und gesenktem Blick spielte 270.000 Franken ein (Taxe 150.000 bis 250.000 SFR). Georg Kolbe bestach mit seiner Bronzeplastik von 1921 für 75.000 Franken. „Die Kathedrale“ ist eine auf nötige Formen reduzierte Frau im Schneidersitz, die die Arme erhoben hält und ein Tuch von ihrem Kopf zieht (Taxe 40.000 bis 60.000 SFR). Noch stärker zog seine spätere Skulptur „Genius“ von 1946. Die stehende Nackte hat den Kopf nach rechts gerichtet und kniet mit einem Tuch in der Hand auf einem Felsen. Die angedachten höheren 24.000 Franken wurden verdoppelt.

Schweizer Kunst

Mit der Schweizer Kunst hatte Koller diesmal nicht so viel Glück. Trotz der hohen Abnahmequote setzten die sonst üblichen Zugpferde aus. Das bekam vor allem Giovanni Giacometti zu spüren. Keines seiner Werke mit sechsstelligen Preisvorstellungen ging weg, darunter sein liegender fauvistischer Akt „La lettrice (Die Leserin)“ von 1912 für 250.000 bis 350.000 Franken oder seine sonnige „Fienagione (Heuernte)“ aus dem Bergell für 120.000 bis 180.000 Franken. So führt Albert Ankers „Seminarist“, der in roter Robe gedankenversunken von einer Brüstung über einen Fluss schaut, die Sektion der Schweizer Maler an. Das Hochformat von 1893 löste einen Bieterwettstreit aus, in dem der Hammer erst bei 115.000 Franken fiel (Taxe 60.000 bis 80.000 SFR). Eigentlich hätte bei Anker das 1862 in Öl gemalte, verhaltene Mädchenbildnis bei 200.000 bis 300.000 Franken das Rennen machen sollen. Doch daraus wurde nichts. Ankers Aquarell einer bäuerlichen „Lesenden jungen Frau“ von 1905 erreichte seine untere Grenze von 25.000 Franken, sein „Knabe mit Schreibtafel und Wasserglas“ verpasste diese mit 45.000 Franken (Taxe 60.000 bis 90.000 SFR).

Die Marke von 100.000 Franken streifte noch Gottardo Segantini. Pointillistisch bildete er 1941 zweimal den „Grevasalvas am Lunghinpass ob Maloja“ ab: Einmal mit hellgrüner Wiese, klarem Himmel und bewohnten Berghäusern, das andere mal von einer dicken Schneedecke überzogen, mit kaltem Kolorit und weiten Schattenwürfen. Für die Sommerversion stiegen die Gebote bis zur unteren Schätzung von 100.000 Franken, das kleinere Winterexemplar verfehlte seine Taxe von mindestens 80.000 Franken um 5.000 Franken. Während Ferdinand Hodlers frühes realistisches Gemälde „Waldinneres (Le Nant de Frontenex)“ um 1874 Kollers Publikum zu teuer war, freuten sich seine Studienblätter regen Zuspruchs. Das undatierte Bildnis einer Unbekannten in Öl auf Karton, das noch Skizzenspuren durchscheinen lässt, steigerte sich auf 36.000 Franken (Taxe 15.000 bis 20.000 SFR). Der mit Bleistift festgehaltene „Holzfäller“, der gerade die Axt zum Schlag erhebt, überzeugte durch seine Momenthaftigkeit zu 22.000 Franken (Taxe 14.000 bis 18.000 SFR).

Deutlich früher entstand Alexandre Calames „Brienzersee, vom Bödeli bei Bönigen aus gesehen“. Die romantisch stille und einsame Seenlandschaft um 1845, die von der Abendsonne gelb beleuchtet wird, umwarben die Kunden mit 20.000 Franken (Taxe 8.000 bis 12.000 SFR). Diesen Wert gab es zudem für François Didays atmosphärische Schilderung von Hirten mit Ziegenherde an einem Bach im Gebirge aus dem Jahr 1863 (Taxe 15.000 bis 20.000 SFR). Robert Zünd stellte im 19. Jahrhundert einen röhrenden Hirschen unter die Bäume vor ein Gewässer. Im Hintergrund erheben sich für 45.000 Franken Hügel, während links weitere Tiere grasen (Taxe 40.000 bis 60.000 SFR). Rudolf Koller freute sich über 7.000 Franken für die fein ausgeführte Kreidezeichnung eines Hirtenmädchens mit zwei Kühen wohl von 1867 (Taxe 3.000 bis 5.000 SFR).

Augusto Giacometti schuf 1943 eine abstrahierte Pflanzendarstellung. Die Blütenranke der „Campanula (Glockenblume)“, die sich senkrecht durch die fleckenhaft rostrot-braune Leinwand zieht, blieb mit 30.000 Franken taxkonform. Cuno Amiet stellte 1945 in einer Vase hinter zwei Büchern einen Blumenstrauß auf den Tisch und erwirtschaftete damit 36.000 Franken (Taxe 25.000 bis 35.000 SFR). Ein nacktes, in der Hocke sitzendes Paar rückte Hans Erni 1958 ins Zentrum. Mit dünnen Linien konturierte er die Körper und hob sie vom blauen wellenartig verzierten Grund ab. Unerwartet war das Doppelte der höheren Taxe von 7.000 Franken möglich. Hoch hinaus ging es noch mit einer Rarität von Adolf Dietrich. 1928 malte er auf einer kleinen Holzplatte einige Nadelbäume und nutzte sie als Trägerbrettchen für ein Geweih. In die urige Waldlandschaft vernarrte sich das Publikum mit 16.000 Franken (Taxe 800 bis 1.200 SFR). Auf der Rückgangsliste stellten sich aus dem hochpreisigen Segment noch die beiden Gouachen mit einem bärtigen Mann und einer jungen Frau aus Savièse von Ernest Biéler (Taxen zwischen 50.000 und 180.000 SFR), die gemäßigt expressionistische „Tessiner Landschaft, Mendrisiotto“ von Paul Camenisch um 1926 (Taxe 60.000 bis 80.000 SFR) oder Varlins düstere Vision „D’après Goya“ von 1970/73 ein (Taxe 70.000 bis 90.000 SFR).

Internationale Zeitgenossen

Jüngere Schweizer Positionen, unter anderem vom Bauhausmeister Johannes Itten, hatte Koller im Bereich „Postwar & Contemporary“ gelistet. Dessen „Simultanes Leuchten“ von 1964, eine Komposition aus Quadraten und Rechtecken in dunklen Lila-, Blau- und Grüntönen mit roten Akzenten im Zentrum, brachte 60.000 Franken ein (Taxe 60.000 bis 90.000 SFR). Kollegin Verena Loewensbergs musste mit ihrer titellosen Farbstreifenschichtung von Rosa zu Blau vor gelbem Grund von 1974 einen Abschlag auf 16.000 Franken hinnehmen (Taxe 18.000 bis 24.000 SFR). HR Giger bezog seine Inspiration häufig aus der Popkultur, wie schon der Titel „Lord of the rings I“ von 1975 verrät. Gigers organisch grüne Strukturen, die 120.000 Franken wert waren, visualisieren eine wuchernde Ästhetik des namensgebenden Fantasy-Klassikers (Taxe 70.000 bis 100.000 SFR). Für seine schwebend lila-rote „Landschaft VIII“ mit weichen Übergängen und runden Formen riefen die Sammler 80.000 Franken auf (Taxe 70.000 bis 100.000 SFR).

Mark Tobey füllte 1953 einen Karton feingliedrig mit roter Tempera in verschiedenen Abstufungen. Nur Farbnuancen lassen Formen wie spitze hellere Dreiecke oder eine rosafarbene Grundfläche hervortreten. Die versierten „Western Pagodas“ waren dementsprechend hoch angesetzt und erfüllten ihre Schätzung von mindestens 150.000 Franken. François Fiedlers sechs Jahre jüngere titellose Arbeit ist ebenfalls kleinteilig. Rau erscheinen die düsteren Farbübergänge, die sich dennoch zu einem harmonischen Ganzen fügen. Die Qualitäten des gebürtigen Ungarns honorierten die Bieter mit 37.000 Franken (Taxe 5.000 bis 7.000 SFR). Genauso beliebt war der Tscheche Mikuláš Medek. „Maso Krize“ von 1961, ein informelles Hochformat in dunklem Blau mit mehreren helleren Rechtecken, ließ seine Preisvorstellungen von 20.000 bis 30.000 Franken weit hinter sich. Beim Doppelten des höheren Wertes fiel der Hammer. Sein Landsmann Václav Boštík konnte sich über 40.000 Franken und 47.000 Franken für seine beiden schemenhaften energetischen Ballen in Orange und Blau von 1988 auch nicht beklagen (Taxe je 30.000 bis 40.000 SFR).

Antoni Clavés abstrahierte „Nature morte au compotier“ auf rotem Grund von 1956 reüssierte bei 24.000 Franken (Taxe 8.000 bis 12.000 SFR), Theodoros Stamos’ spielerisches rotes Lineament auf dem „Infinity Field – Torino Series III #2“ von 1987 bei 45.000 Franken (Taxe 25.000 bis 35.000 SFR), während seine Farbfeldmalerei „Cheops Sun-Box #1“ die untere Schätzung von 70.000 Franken respektierte. Bram van Velde zwang wohl 1968 geschwungene breite Streifen in eine hochformatige Gouache, bis sie sich harmonisch zusammenfügten, wofür 50.000 Franken fällig waren (Taxe 18.000 bis 24.000 SFR). Einen ähnlichen Wertzuwachs erfuhr Georg Baselitz. Sein Blatt „Ohne Titel (Sitzender weiblicher Akt)“ von 1976, das das Motiv in schwarzen Ölbalken nur erahnen lässt, schoss auf 40.000 Franken (Taxe 16.000 bis 22.000 SFR). Victor Vasarely, der sich aktuell regen Interesses erfreut, war mit einer der ikonischen, scheinbar hervortretenden Kugeln vertreten. Die Illusion „KEZDI-DOMB“ von 1968/74 in Rot, Lila und Grün forderte 165.000 Franken (Taxe 90.000 bis 160.000 SFR). Andy Warhol blieb gegenständlich und brachte 1983 einen „Clockwork Panda Drummer“ aus den „Toy Series“, umgeben von Schriftzügen, in seinem bevorzugten Siebdruckverfahren auf die rosarote Fläche, wofür er heute mit 160.000 Franken bezahlt wurde (Taxe 80.000 bis 140.000 SFR).

Unter den jüngsten Positionen konnte Karin Kneffel beeindrucken. Mit virtuosem Hyperrealismus malte sie 2005 marmorne Bodenfließen, in denen sich vier hohe Fenster und ein Hund spiegeln. 88.000 Franken schienen dafür nicht zu viel verlangt (Taxe 45.000 bis 65.000 SFR). Katharina Grosse konnte den Erfolg der deutschen Zeitgenossen fortsetzen. Ihre grünbraune Komposition „1020S“ von 2006 mit gesteinsartiger Anmutung verdoppelte ihre Schätzung auf 48.000 Franken. Noch mehr überraschte da nur George Condo: Umrisshaft und mit doppeltem Gesicht zeichnete er im Jahr 2008 mit Bleistift die nackten „Two female models“. Sein markanter Linienstil erinnert dabei an Picasso. Der Zuschlag erfolgte erst bei 46.000 Franken (Taxe 17.000 bis 19.000 SFR).

Innerhalb der Plastik bestach John Chamberlain. Aus bemalten Stahl formte er 1979 eine zerknüllte Kugel in Gelb- und Lilatönen, als wäre das Material biegsam wie Papier. Die Sinnlichkeit und Harmonie von „Kiss #18“ steht in starkem Kontrast zum verwendeten Material der alten Öltonnen. Diese Transformation sollte 250.000 bis 350.000 Franken legitimieren. Die hohe Taxe konnte das große Interesse allerdings nicht bremsen, das erst bei 440.000 Franken gestillt wurde. Dezenter war die jüngere Bronzearbeit „Red Square“ von Tony Cragg. Von dem 2007 geformten Metall ist nichts zu sehen, das es komplett rot gefasst ist. Zwei Lagen sind übereinander gestuft und bilden ineinander verschlungene Bögen aus. Das ausgewogene Stück wurde mit 120.000 Franken innerhalb seiner Taxe von 90.000 bis 150.000 Franken übernommen. 24.000 Franken waren es für Armans zerschnittenen und mit Schraubenschlüsseln übersäten Gott „Mercure aux clés“ von 2002 (Taxe 20.000 bis 30.000 SFR), 16.000 Franken für Niki de Saint Phalles sich windenden „Serpent“ (Taxe 10.000 bis 15.000 SFR) und 38.000 Franken für ihr ebenfalls buntes Unikat „L’oiseau amoureux“ um 1980 (Taxe 40.000 bis 60.000 SFR).

Menschengrafik

Unter den „Grafiken & Multiples“ rangiert mit 140.000 Franken die großformatige „Dominique“ von Franz Gertsch an erster Stelle. Er porträtierte die Frau 1988 in einem monochrom türkisfarbenen Holzschnitt in fotorealistischer Weise. Ihr Gesicht ist das Zentrum, den restlichen Raum füllen ihre gelockten Haare (Taxe 120.000 bis 180.000 SFR). Gefolgt war Gertsch vom vielfältig tätigen Pablo Picasso. Er nahm 1958 seine „Femme au corsage à fleurs“ im Profil nach rechts in flächiger Weise mit Kratzspuren auf, die das Blatt durchscheinen lassen, und nun dafür 85.000 Franken ein (Taxe 70.000 bis 90.000 SFR). Fast identisch verewigte Picasso seine letzte Ehefrau Jacqueline Roque im selben Jahr nochmals auf eines Zinkografie, die mit ihrem melancholischen Blick von 25.000 Franken auf 45.000 Franken schnellte. Françoise Gilot stand von 1943 bis 1953 an Picassos Seite. Seine Lithografie ihres Konterfeis mit wallender Mähne führte er 1946 linearer in Umrissen aus und heimste dafür 43.000 Franken ein (Taxe 28.000 bis 34.000 SFR).

Picassos Vielfalt visualisierte 1973 Richard Hamilton. In seiner Aquatinta „Picasso’s meninas“ gab er den Meister, der von verschiedenen Personen aus seinen Werken in seinen unterschiedlichen Stilen umringt wird, in Anlehnung an Velázquez’ Klassiker „Las meninas“ wieder. Hohe 29.000 Franken waren Hamiltons Lohn (Taxe 14.000 bis 18.000 SFR). Auch David Hockney erwies Picasso seine Referenz und schuf 1973 die nun 14.000 Franken teure Radierung „The student: homage to Picasso“, in der er bewundernd dem Jahrhundertkünstler gegenübersteht (Taxe 5.000 bis 7.000 SFR). Alberto Giacomettis Lithografie „Buste de Diego au col roulé et sculptures sur l’etagère de l’atelier II“ von 1951, die genauso die Kunst selbst zum Thema macht, wirkt dagegen eher schnell skizziert. Die trotzdem ausgewogene Komposition erreichte 18.000 Franken (Taxe 8.000 bis 12.000 SFR). Fette Umrisse, knallige Farben und auf ein Minimum stilisierte Menschen charakterisieren Keith Harings Œuvre. In einer Serigrafie aus der Serie „Growing“ von 1988 erwächst aus dem Kopf einer Figur eine weitere, was er nochmals wiederholte. 48.000 Franken war einem Sammler dieses lustige Blatt wert (Taxe 25.000 bis 30.000 SFR). Daran schlossen sich für 44.000 Franken Harings „Statue of Liberty“ von 1986 (Taxe 30.000 bis 40.000 SFR) und für 42.000 Franken die fidelen Gestalten auf den vier Farbserigrafien „Pop Shop“ von 1988 an (Taxe 25.000 bis 35.000 SFR).

Alle Preise verstehen sich als Zuschläge ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Koller Auktionen

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CH-8031 Zürich

Telefon:+41 (044) 445 63 63

Telefax:+41 (044) 273 19 66

E-Mail: office@kollerauktionen.ch



23.07.2018

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jan Soldin

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Wilhelm Lehmbruck, Büste des Emporsteigenden Jünglings, 1913
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 Kolbe, Die Kathedrale, 1921
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Georg Kolbe, Die Kathedrale, 1921

Georg Kolbe, Die Kathedrale, 1921

Taxe: 40.000 - 60.000 SFR

Zuschlag: 75.000,- SFR

Losnummer: 3226

Ernst Ludwig Kirchner, Obstschale II, um 1910

Ernst Ludwig Kirchner, Obstschale II, um 1910

Taxe: 100.000 - 200.000 SFR

Zuschlag: 155.000,- SFR

Losnummer: 3223

Wilhelm Lehmbruck, Büste des Emporsteigenden Jünglings, 1913

Wilhelm Lehmbruck, Büste des Emporsteigenden Jünglings, 1913

Taxe: 150.000 - 250.000 SFR

Zuschlag: 270.000,- SFR

Losnummer: 3256

Max Liebermann, Allee mit Frauenfigur und Kind, 1896

Max Liebermann, Allee mit Frauenfigur und Kind, 1896

Taxe: 80.000 - 140.000 SFR

Zuschlag: 75.000,- SFR

Losnummer: 3201

Pierre-Auguste Renoir, Paysage (Les Arbres), um 1915

Pierre-Auguste Renoir, Paysage (Les Arbres), um 1915

Taxe: 70.000 - 90.000 SFR

Zuschlag: 110.000,- SFR

Losnummer: 3213




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