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Zoran Musics Kunst spricht vom Menschen in seiner existenziellen Verfasstheit. Eindrücklich wird dies in seinen Erinnerungen an das KZ Dachau. Das Wiener Leopold Museum widmet ihm eine Schau

Wir sind nicht die Letzten



Zoran Music, Wir sind nicht die Letzten, 1970

Zoran Music, Wir sind nicht die Letzten, 1970

Fotos aus der Zeit des Konzentrationslagers Dachau existieren nur wenige: auf Aufnahmen, die von der SS in Auftrag gegeben wurden und solchen, die die Amerikaner bei der Befreiung Ende April 1945 und in der Zeit danach machten, ist das Grauen bildlich festgehalten. Fast jeder kennt diese Bilder: Geschorene Köpfe und ausgezehrte Körper, dicht gedrängt auf Holzpritschen kauernd, mit ausgemergelten Gesichtern. Im Laufe der Zeit wurden diese Fotografien durch ihre Reproduktion in Zeitungen, Zeitschriften, illustrierten Büchern und Ausstellungen zum Symbol der NS-Schreckensherrschaft, zum Symbol für den Holocaust. Die Bilder verloren aber über die fortgesetzte stereotype Veröffentlichung auch einen Teil ihres Schreckens, so dass sie heute zwar im kollektiven Gedächtnis verankert sind, aber gleichzeitig die Erschütterung über den Prozess der visualisierten Historisierung abgeschwächt wurde.


Zeichnungen von Häftlingen, die die Gräuel miterlebten und dokumentierten, kommt daher ein unschätzbarer Wert zu. Diese Quellen berichten ebenso wie die Fotografien über geschichtliche Ereignisse, vor allem aber werden sie zu einem offenen Fenster, in dem ein Augenblick der Wahrheit zum Ausdruck kommt, das Festhalten eines Moments in existenzieller Not, der unmittelbar von einem Betroffenen fixiert wurde. Einen Einblick in den unvorstellbaren Alltag der Menschen im KZ Dachau geben beispielsweise Zeichnungen des deutschen Künstlers Georg Tauber und seines polnischen Kollegen Michal Porulski.

Mit Zoran Music widmet nun das Leopold Museum in Wien einem weiteren Leidensgenossen dieser Zeit eine große Retrospektive. Sie erzählt die Biografie des 1909 in Bukovica bei Görz geborenen Künstlers, von den Anfängen des Einzelgängers in der damals noch Österreichisch-Ungarischen Monarchie, über die Vertreibung der Familie, seine Zeit in der Steiermark und Kärnten, über Zagreb nach Triest, die Gefangenschaft in Dachau bis nach Paris und Venedig. „Poesie der Stille“ heißt die Schau, die 167 Gemälde und Papierarbeiten versammelt. Viele Arbeiten sind Leihgaben aus internationalen Sammlungen, ein großer Teil kommt aus Musics Atelier in Venedig, das seine Witwe Ida bis zu ihrem Tod im Januar dieses Jahres betreute.

Eine ockerbraune Grundfarbigkeit, ein stets im Bildmittelpunkt fixiertes Sujet und ein melancholischer Grundton ziehen sich als unverkennbare Stilelemente durch das gesamte Œuvre des slowenischen Malers und Zeichners, den Vertreibung, Deportation und zahlreiche Umzüge an viele Orte quer durch Europa geführt haben: Wien, Zagreb, Paris, Maribor, Triest, Dachau, Ljubljana, Gorizia, Paris und immer wieder Venedig, deren neblig marode Stimmung der Künstler so liebte, wo er viele Jahre bis zu seinem Tod 2005 wohnte und begraben ist.

Die Ausstellung beginnt mit Grafiken, die Anfang der 1930er Jahre noch während Musics Studium an der Zagreber Akademie der bildenden Künste entstanden. Den Milieubeschreibungen und Straßenszenen, die sich deutlich an Werken George Grosz und Otto Dix aus den 1920er Jahren orientieren, folgen um 1935 Gemälde und Zeichnungen, die von den arkadischen Landschaften Dalmatiens geprägt sind, etwa „Aus Dalmatien“ oder das „Motiv aus Korcula“ von 1936. In den Gouachen aus der Zeit um 1940 betont Music vor allem die Linie und skizziert Stadtlandschaften, wie den „Bahnhof“ in Maribor von 1941 oder San Marco in „Venedig“ von 1944. Music lebt in dieser Zeit hauptsächlich in Ljubljana. Nach der Kapitulation Italiens zieht er nach Triest und besucht Venedig.

Aufgrund seiner Bekanntschaft mit einigen Antifaschisten wird Zoran Music in Triest verhaftet. Als er sich weigert, auf die Seite der Kollaborateure zu wechseln, wird er im November 1944 in das Konzentrationslager Dachau deportiert. Dort arbeitet er als Dreher zwangsweise in einer Munitionsfabrik. Am 29. April 1945 wird das KZ befreit. Music kann das Lager aber erst Anfang Juni verlassen. Während dieser Zeit der Ungewissheit zeichnet er, rund hundert Skizzen während seiner 200 Tage andauernden Gefangenschaft. 20 davon werden nun in einem eigenen Raum im Leopold Museum ausgestellt. Mit bescheidenen Mitteln hält Music den Horror fest, der ihm tagtäglich begegnet: die Menschen zwischen den Baracken, leblose Körper sowie die Leichname jener, die nicht das Glück hatten, zu überleben. Es sind vor allem diese wenigen, schnell hingeworfenen Kohle- und Tintenzeichnungen, die so eindrücklich in Erinnerung bleiben. Music gibt dem Elend ein Gesicht, aber nicht ein Gesicht, das personalisierte Züge trägt. Es ist das menschliches Leid an sich, die Unerträglichkeit des Geschauten und das Unvorstellbare an Grausamkeit und Menschenverachtung, die uns in diesen kleinen Skizzen begegnen.

Im Herbst 1945 kehrt Zoran Music nach Venedig zurück. 1948 nimmt er an der ersten Biennale nach dem Krieg in Venedig teil und ein Jahr später heiratet er die Malerin Ida Barbarigo. Um 1950 entstehen zahlreiche Selbstbildnisse und Bildnisse seiner Frau sowie aquarellierte Ansichten von Venedig in hellen, leuchtenden Farben. Als Reminiszenz an seine Kindheit entwickelt Music einen individuellen Typus von Landschaftsdarstellungen, traumhafte Szenen von Pferden und Reitern, in denen die menschlichen Körper mit denen der Tiere zu neuen Körpervolumina miteinander verschmelzen, so im „Pferdchen“ von 1950.

Nach der Jahrhundertmitte wirkt sich die in der damaligen Moderne vorherrschende Abstraktion und Reduktion der Ausdrucksmittel bei Vergrößerung der Formate auch auf den Stil von Zoran Music aus, der jedoch seine Eigenständigkeit und Unverwechselbarkeit auch in den abstrahierten Arbeiten, die nach seinem Umzug nach Paris entstehen, nicht verliert. Aus einer intellektuellen und psychischen Krise heraus kündigt sich Mitte der 1960er Jahre Musics Rückkehr zur Gegenständlichkeit an. Pflanzenmotive wie in der „Felslandschaft“ von 1972 werden ihm zum Vorwand einer malerischen Auseinandersetzung mit dem Thema Vergänglichkeit.

1965 nimmt Zoran Music an der vielbeachteten Ausstellung „Arte e Resistenza in Europa“ teil, die in Bologna, Turin und Mailand gezeigt wird. Während seiner mehrere Jahre andauernde Schaffenskrise wird diese Schau ebenso wie eine vielbeachtete Music-Ausstellung in Graz, die weiter nach Ljubljana wandert, zu einer wichtigen Stütze, aus der der an sich selbst zweifelnde Künstler wieder Selbstbewusstsein schöpft. Im Zusammenhang den Protestbewegungen des Jahres 1968, den weltweit sich ausbreitende Kriegsschauplätzen und nach dem Tod von Paul Celan verarbeitet Music die in Dachau erlebten Schrecken abermals in berührenden und ausdrucksstarken Bildern. „Nous ne sommes pas les dernieres“ – „Wir sind nicht die Letzten“ – lautet der Titel dieser eindrucksvollen Werkserie, die Music zwischen 1970 und 1975 malt. Mit ungeheurer Macht scheinen sich die traumatischen Erfahrungen, die der Künstler im KZ Dachau erlebt hat, nun auf der Bildfläche zu entladen. Mit den namenlosen Toten, die er singulär oder in übereinandergeschichteten Gruppen von Leibern auf die Leinwand holt, setzt Music nicht nur den Opfern der Vernichtungslager eindrucksvolle Erinnerungsbilder, sondern findet zu einer zwischen aktuellen Kriegschauplätzen und Verdrängungsmechanismen angelehnten Motivik, die er selbst als Anklage versteht ebenso wie als Mahnung und humane Botschaft.

Ende der 1990er Jahre entstehen wieder zahlreiche Selbstbildnisse sowie Doppelportraits mit seiner Frau Ida. In dieser letzten Werkphase vereinzelt Music die Körper in dunklen perspektivlosen Gründen, die scheinbar ins Unendliche führen. Die Gesichtszüge verschwimmen ins Undeutliche, die Gesten wirken müde und kraftlos. Im Alter von 89 Jahren fertigt der Künstler, der zunehmend unter einer Sehschwäche leidet, mehrere Selbstbildnisse, von denen jedes aussieht, als hätte er es in dem Bewusstsein gemalt, es könnte seines letztes sein. Auf das Jahr 1998 datiert das Abschlussbild in dieser sehenswerten Ausstellung. Allein der Titel „Selbstbildnis“ gibt Aufschluss über die dargestellte Person, die Malerei tut es nicht. Ins Zentrum des mittelgroßen Hochformats platziert Music eine sitzende Gestalt mit einem deformierten, an den undeutlichen Konturen sich auflösenden und mit dem Raum zerfließenden Körper, dessen unnatürlich große linke Hand den Kopf in nachdenklicher Geste stützt. Nicht einmal eine Verlorenheit des Blicks gönnt Music dem Betrachter, die Alberto Giacometti in so viele Gesichter seiner Plastiken knetete, oder eine Todesgrimasse, wie die in den Gemälden von Francis Bacon. Music malt die Erkenntnis des In-die-Welt-Geworfenseins des Menschen, die Ausweglosigkeit und seine eigene traurige Einsamkeit.

Im Gespräch mit dem französischen Kunsthistoriker Jean Clair sagte Music 2001 vier Jahre vor seinem Tod: „Malerei ist der Ausdruck des Inneren und nicht des Äußeren. Es gibt sichtbare Dinge, und es gibt Dinge, die man fühlt. …Malerei sollte der Ausdruck dessen sein, was man in sich trägt, mit geschlossenen Augen.“ Bis zuletzt rief Zoran Music die Bilder aus der „Hölle Dachau“ in Erinnerung – ein Wille zum Zeugnis, dem großer Respekt zu zollen ist.

Die Ausstellung „Zoran Music – Poesie der Stille“ ist bis zum 6. August zu sehen. Das Leopold Museum hat täglich von 10 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt regulär 13 Euro, ermäßigt in verschiedenen Stufen zwischen 8 Euro und 9,50 Euro. Der Katalog kostet im Museum 29,90 Euro.

Kontakt:

Leopold Museum

Museumsplatz 1

AT-1070 Wien

Telefon:+43 (01) 525 700

Telefax:+43 (01) 525 701 500

E-Mail: leopoldmuseum@leopoldmuseum.org



24.07.2018

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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13.04.2018, Zoran Mušic - Poesie der Stille

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Zoran Music,
 Pferdchen, 1951
Zoran Music, Pferdchen, 1951

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Zoran
 Music, Pflanzenmotiv, 1972
Zoran Music, Pflanzenmotiv, 1972

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Zoran Music im Atelier in Venedig, 1999
Zoran Music im Atelier in Venedig, 1999

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Zoran Music, Schwarzer Gipfel (Weißer Berg), 1950
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Zoran Music, Selbstbildnis, 1950
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Zoran Music, Selbstbildnis, 1990
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Zoran Music, Stehender Akt, 1994
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Zoran Music, Pferdchen, 1951

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Zoran Music, Pflanzenmotiv, 1972

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Zoran Music im Atelier in Venedig, 1999

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Zoran Music, Schwarzer Gipfel (Weißer Berg), 1950

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Zoran Music, Selbstbildnis, 1950

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Zoran Music, Selbstbildnis, 1990

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Zoran Music, Molino Stucky, 1983

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Zoran Music, Wir sind nicht die Letzten, 1976

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Zoran Music, Wir sind nicht die Letzten, 1974

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Zoran Music, Ida, 1990

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Zoran Music, Frauen auf dem Weg zum Markt, 1949

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