Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Auktionsanzeige

Am 27.10.2018 Auktion 49

© Auktionshaus Lehr

Anzeige

Stilleben mit Äpfeln in weißer Schale mit blauem Glas, 1925 / Otto  Modersohn

Stilleben mit Äpfeln in weißer Schale mit blauem Glas, 1925 / Otto Modersohn
© Galerie Neher - Essen


Anzeige

Ohne Titel, 2012 / Heinz Mack

Ohne Titel, 2012 / Heinz Mack
© Galerie Neher - Essen


Anzeige

Nature morte au crane / Pablo Picasso

Nature morte au crane / Pablo Picasso
© Galerie Weick


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Ausstellungen

Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Das Von der Heydt-Museum in Wuppertal stellt das Individuelle und Progressive im Schaffen von Paula Modersohn-Becker vor und setzt es in Bezug zu ihrem künstlerischen Umfeld

Auf der Suche nach dem Ich



Paula Modersohn-Becker, Mutter mit Kind an der Brust (Halbakt), 1906

Paula Modersohn-Becker, Mutter mit Kind an der Brust (Halbakt), 1906

Die Geschichte der Kunst ist nicht gerade arm an Einzelgängern, die sich schwer mit den jeweiligen gesellschaftlichen Verhältnissen taten. Ihr individuelles Kunstschaffen abseits des Mainstreams erwies sich später aber als richtungweisend. Auch Paula Modersohn-Becker gehört zu dieser Gruppe. Zwar konnte die 1876 in Dresden geborene und in Bremen aufgewachsene Künstlerin während eines mehrmonatigen London-Aufenthaltes Zeichenkurse an der St. John’s Wood Art School besuchen und dann in Bremen privaten Zeichenunterricht nehmen. Doch auf Wunsch ihrer Eltern absolvierte sie zwischen 1893 bis 1895 ein Lehrerseminar. Zeitlebens musste sie sich bei den Eltern für ihren Malstil rechtfertigen, obgleich sie 1898 erfolgreich ihr Studium an der Zeichen- und Malschule des Vereins der Berliner Künstlerinnen abschloss.


Als Frau in der Ausbildung benachteiligt sowie von männlichen Kollegen wegen ihres außergewöhnlichen Malstils eher gering geschätzt, verfolgte sie beharrlich ihren künstlerischen Weg. Nach Auslandsreisen und zahlreichen Besuchen in renommierten Museen europäischer Hauptstädte wurde sie 1898 in Worpswede heimisch. Von hier aus ging Paula Modersohn-Becker fünf Mal zu längeren Aufenthalten nach Paris, wo sie neben ihrer künstlerischen Weiterbildung an Akademien rege Museen, Ausstellungen und Künstlerateliers besuchte. Die hier gewonnenen Einblicke beeinflussten sichtlich ihre Kunst. Das Spannende an ihrem Werkschaffen ist die Verarbeitung der in Paris gewonnenen Erkenntnisse in Verbindung mit einem für damalige Verhältnisse singulären Malduktus. Darauf baut die aktuelle Ausstellung im Wuppertaler Von der Heydt-Museum auf. Das von der Kuratorin Beate Eickhoff konzipierte instruktive Werkarrangement in Korrespondenz mit zeitgleichen Kunstströmungen lässt den eigenen Charakter von Paula Modersohn-Beckers Schaffen offenbar werden.

Die Auswahl setzt ein mit Arbeiten einiger ihrer Lehrer wie des Landschaftsmalers Ludwig Dettmann, oder der von ihr bewunderten Porträtmalerin Jeanna Bauck. Hinzu kommen Bilder von französischen Impressionisten, von Edvard Munch, Walter Leistikow, Max Klinger oder Arnold Böcklin, die die Künstlerin in Berliner Museen, Galerien und Ateliers bewunderte. Nach dem Auftakt folgen Säle, die Arbeiten Worpsweder Landschaftsmaler in einen engen Dialog mit Paula Modersohn-Becker stellen. Deren Bilder sah sie erstmals 1905 in der Kunsthalle Bremen, was sie anregte, sich in dem Künstlerdorf vor den Toren der Hansestadt niederzulassen. Doch ihre Malerei unterscheidet sich grundlegend von den anderen hier tätigen Künstlern. Modersohn-Becker ging nicht mit ihrer Staffelei in die Natur, um das Gesehene direkt auf die Leinwand zu übertragen. Gedanklich entwarf sie zunächst den Aufbau des geplanten Bildes. Alles Erzählerische blendete sie dabei aus und ordnete die Gefühlsbeschreibung der Form- und Farbfindung unter. So entstanden ausdrucksstarke Porträts, ein Genre, dem sich Modersohn-Becker schon früh verbunden fühlte. Karg und sonderbar leuchtend stellte sie einfache Menschen dar, erfasste der günstigeren Kosten wegen alte und unvorteilhaft aussehende Personen in eng geschnittenen, nur das Gesicht wiedergebenden Bildnissen.

Obwohl sie zeitweise Schülerin von Fritz Mackensen war, setzte sich Paula Modersohn-Becker auch in den Landschaften durch ihre analytische Beobachtungsgabe sowie ihr individuelles Formempfinden von der Arbeitsweise ihrer Worpsweder Kollegen ab. Ohne Rücksicht auf Schönheit, Konventionen und die damals übliche Naturnachbildung griff sie auf lineare Umrisse mit knappen Binnenzeichnungen und eine elementare, tonige Modellierung zurück. Mit dieser linearen Abstraktion versuchte sie, Größe und Demut von Menschen und der Natur herauszustellen. Im Jahr 1901 heirateten Paula Becker und der elf Jahre ältere Otto Modersohn. Beide verband eine ähnliche Kunstauffassung, ohne sich gegenseitig zu nahe zu kommen. In der Zusammenschau mit Gemälden der anderen Worpsweder Künstler wird die Äußerung des Kunstsammlers Karl von der Heydt verständlich, nach der Paula Modersohn-Becker höchst eigenständig war, „rücksichtslos und geradeaus malend, Dinge, die sehr worpswedisch sind und die doch nie einer sehen oder malen konnte“.

Weitere Abschnitte der Ausstellung thematisieren die Einflüsse aus Paris. Dank des erlesenen Eigenbestandes an Gemälden Pariser Künstler kann Beate Eickhoff aufzeigen, wie sich das Französische im Werk Modersohn-Beckers Bahn bricht: Pastoser flächiger Farbauftrag, klar umrissene Formen und lebensnahe Themen. Besonders in Paul Cézannes Gemälden erkennte sie eine Bestätigung ihrer eigenen künstlerischen Suche. Neben der Kunst der Fauves und der Nabis inspirierten auch altjapanische Malereien und altägyptische, auf Holzbrettchen gemalte, schlichte Fayum-Porträts die Künstlerin. Als Resultat kam ein unverwechselbarer Flächenstil heraus, der sich auf grundlegende bildnerische Formen reduzierte und mit dem sie die malerischen Leitideen des 19. Jahrhunderts durchbrach.

Erst 1906 erfuhr Paula Modersohn-Becker Anerkennung ihrer Leistungen durch den Bildhauer Bernhard Hoetger oder durch Clara und Rainer Maria Rilke. Deren Zuspruch zerstreute ihre Selbstzweifel. In stilisierten Naturstücken, Bildnissen und Selbstporträts betonte sie Licht und Schatten, maßgeblich inspiriert sind von einem Besuch bei Henri Rousseau im Jahr 1906. Mit neuer hellerer Tönung und statuarischer Formauffassung wandte sie sich nun Figurenbildern zu, bei denen sich die Schwangere oft selbst als Modell wählte. Ihre Verbindung von Selbstbildnis und Aktdarstellung in Anlehnung an gängige religiöse Motive von Maria und dem Kind war seinerzeit Aufsehen erregend und ungewöhnlich. Kurz nach Geburt ihrer Tochter erlag Paula Modersohn-Becker im Alter von 31 Jahren einer Embolie.

In ihrem Atelier wurden rund 700 Gemälde und 1.000 Zeichnungen gefunden; lediglich vier Bilder hatte sie zu Lebezeiten an Verwandte verkauft. Paula Modersohn-Becker malte nur für sich und wurde nie von einer Galerie vertreten. Aus dem Nachlass erwarb der Elberfelder Bankier August von der Heydt allein 32 Gemälde. Dezimiert durch Verluste im Krieg und die Aktion „Entartete Kunst“ besteht heute der im Wuppertaler Museum beheimatete Fundus aus 22 Arbeiten Modersohn-Beckers und stellt den größten Bestand nach Bremen dar. Ergänzt um 30 Leihgaben sowie weiteren 80 hauseigenen Bildern und Skulpturen anderer Künstler verdeutlicht das Panorama eingehend Modersohn-Beckers Sonderweg.

In Monografien über die Worpsweder Künstlerkolonie wurde die Malerin über lange Zeit nicht erwähnt. Trotz vernichtender Kritiken, vor allem während einer Ausstellung ihrer Werke 1899 in der Kunsthalle Bremen, verfolgte die heute anerkannte Vorläuferin des Expressionismus über ein kurzes Schaffensjahrzehnt hinweg ihren Weg. „Ich bin aus einem Guss, mich kann man nicht modellieren“, hat sie einmal unbeugsam verlauten lassen. Zeitlebens war sie dabei auf der Suche nach dem Ich. „Sie hat sich in ihrem Werk und von den Vorstellungen einer Männerwelt emanzipiert und wurde damit Vorbild für spätere Malerinnen“, bilanziert jetzt Museumsdirektor Gerhard Finckh ihren Weg.

Die Ausstellung „Paula Modersohn-Becker. Zwischen Worpswede und Paris“ läuft bis zum 6. Januar 2019. Das Von der Heydt-Museum hat täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 12 Euro, ermäßigt 10 Euro. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der im Museum 20 Euro kostet.

Kontakt:

Von der Heydt-Museum

Turmhof 8

DE-42103 Wuppertal

Telefon:+49 (0202) 56 36 23 1

Telefax:+49 (0202) 56 38 09 1

E-Mail: von-der-heydt-museum@stadt.wuppertal.de



10.09.2018

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Gesamt Treffer 18

Seiten: 1  •  2

Events (1)Adressen (1)Berichte (4)Variabilder (11)Künstler (1)

Veranstaltung vom:


09.09.2018, Paula Modersohn-Becker. Zwischen Worpswede und Paris

Bei:


Von der Heydt-Museum

Bericht:


Und in der Ferne leuchtet Paris

Bericht:


Happy Birthday Paula

Bericht:


Gescheiterte Glückspilze

Bericht:


Don Quijote im Teufelsmoor

Variabilder:

Paula Modersohn-Becker, Stillleben mit Kastanien, um 1905
Paula Modersohn-Becker, Stillleben mit Kastanien, um 1905

Variabilder:

Paula Modersohn-Becker, Frau mit roter Bluse, 1898/99
Paula Modersohn-Becker, Frau mit roter Bluse, 1898/99

Variabilder:

Paula Modersohn-Becker, Birkenallee im Herbst, 1900
Paula Modersohn-Becker, Birkenallee im Herbst, 1900







Paula Modersohn-Becker, Stillleben mit Kastanien, um 1905

Paula Modersohn-Becker, Stillleben mit Kastanien, um 1905

Paula Modersohn-Becker, Frau mit roter Bluse, 1898/99

Paula Modersohn-Becker, Frau mit roter Bluse, 1898/99

Paula Modersohn-Becker, Birkenallee im Herbst, 1900

Paula Modersohn-Becker, Birkenallee im Herbst, 1900

Heinrich Vogeler, Heufahrt auf der Hamme, um 1895

Heinrich Vogeler, Heufahrt auf der Hamme, um 1895

Paula Modersohn-Becker, Mädchenbildnis mit gespreizter Hand vor der  Brust, 1905

Paula Modersohn-Becker, Mädchenbildnis mit gespreizter Hand vor der Brust, 1905

Paula Modersohn-Becker, Sitzender Mädchenakt mit Blumenvasen, um 1907

Paula Modersohn-Becker, Sitzender Mädchenakt mit Blumenvasen, um 1907

Paula Modersohn-Becker, Kopf eines kleinen Mädchens mit Strohhut, 1904

Paula Modersohn-Becker, Kopf eines kleinen Mädchens mit Strohhut, 1904

Paula Modersohn-Becker, Stillleben mit Goldfischglas, 1906/07

Paula Modersohn-Becker, Stillleben mit Goldfischglas, 1906/07

Paula Modersohn-Becker, Alte Armenhäuslerin, um 1905

Paula Modersohn-Becker, Alte Armenhäuslerin, um 1905

Paula Modersohn-Becker, Otto Modersohn mit Strohhut im Profil nach rechts, um 1905

Paula Modersohn-Becker, Otto Modersohn mit Strohhut im Profil nach rechts, um 1905




Copyright © '99-'2018
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce