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Japanische Klarheit und Reduktion als entscheidender Katalysator für die Ausbildung der europäischen Moderne: Die Wiener Ausstellung „Faszination Japan“ wagt diese These und untermauert sie anhand zahlreicher Exponate aus Ost und West

Als Fremdheit noch erwünscht war



Alfred Stevens, Die japanische Pariserin, 1872

Alfred Stevens, Die japanische Pariserin, 1872

Japan und den Westen verbindet eine wechselvolle Geschichte. Nachdem es im Jahr 1543 ein Leck geschlagenes portugiesisches Handelsschiff an die japanische Küste verschlagen hatte und damit ein erster Kontakt zustande kam, begann zunächst ein reger Austausch von Waren, insbesondere mit Portugal, Spanien und Holland. 1639 jedoch schloss Japan offenbar aus Angst vor einer unkontrollierbaren Christianisierung und kultureller Hegemonie des Westens abrupt seine Grenzen. Alle westlichen Ausländer mussten das japanische Festland verlassen. Allein die Holländer durften auf einer künstlich aufgeschütteten Insel vor Nagasaki verbleiben. Fortan galt das Land als nahezu vollkommen isoliert.


Erst 1854 gab es einen Neuanfang. Die USA setzten die japanische Regierung derart unter Druck, dass diese einer neuerlichen Öffnung ihrer Häfen zustimmte. Damit war die über 200 Jahre andauernde, selbstgewählte Isolation des asiatischen Inselstaates auf einen Schlag beendet. Jetzt waren es die Japaner selbst, die verstärkt damit begannen, ihre Waren und Ideen im großen Stil in den Westen zu exportieren. Die groß angelegten Auftritte Japans auf den Pariser Weltausstellungen 1867 und 1878 blieben nicht ohne Folgen – auch nicht für die Kunst. Klarheit und Reduktion, die Grundkomponenten japanischer Formensprache und Ästhetik, stießen im Westen, insbesondere in Paris, auf überaus großes Interesse.

Emile Zola, Edgar Degas, Claude Monet, Charles Baudelaire, aber auch die Schriftstellerbrüder Edmond und Jules de Goncourt – sie alle begannen jetzt damit, japanische Artefakte, insbesondere die „Ukiyo-e“, narrativ aufgeladene und oftmals leuchtend bunte Farbholzschnitte, zu sammeln. Gleichzeitig boten aber auch die großen Pariser Kaufhäuser wie Printemps oder Au Bon Marché günstige Waren aus Fernost wie Lackdosen, Stoffe, Kimonos, Fächer oder Keramik für ein Massenpublikum an. Der Pariser Kritiker Ernest Chesneau kommentierte die grassierende Japanomanie im Jahr 1878 mit den Worten: „Das ist keine Mode mehr, das ist Leidenschaft, das ist Verrücktheit.“

Die Japan-Begeisterung machte jedoch an der französischen Grenze nicht halt. Außerhalb Frankreichs waren es unter anderen – allerdings mit zeitlicher Verzögerung – die Künstler des Blauen Reiters, also Franz Marc, August Macke und Wassily Kandinsky, die sich von der exotischen Ästhetik anstecken ließen. In Österreich gehörten Gustav Klimt und Egon Schiele zu den größten Bewunderern und Sammlern japanischer Artefakte. Aus den Beständen Klimts stammt auch eine Reihe fantasievoller Objekte, darunter bemalte Schachteln, Tierminiaturen und eine No-Maske, die jetzt in der Schau „Faszination Japan. Monet · Van Gogh · Klimt“ zu sehen sind.

Die von Evelyn Benesch kuratierte, groß angelegte Herbstausstellung des Bank Austria Kunstforum Wien zeigt anhand von mehr als 150 Exponaten, wie begierig die fernöstliche Bildsprache ab dem späten 19. Jahrhundert von der westlichen Avantgarde aufgesogen und wie variantenreich sie adaptiert und modifiziert wurde. Neben Meistern des japanischen Farbholzschnitts, darunter Katsushika Hokusai oder Utagawa Hiroshige, präsentiert die Schau insgesamt rund 65 Künstler, darunter außer Monet, Klimt und Vincent van Gogh auch weitere Europäer wie Paul Gauguin, James Ensor, Edvard Munch oder Félix Vallotton.

„Ich beneide die Japaner um die ungemein saubere Klarheit, die alle ihre Arbeiten haben. Nie ist das langweilig, und nie scheint es zu sehr in Eile gemacht. Das ist so einfach wie Atmen, und sie machen eine Figur mit ein paar Strichen mit derselben Leichtigkeit, als wäre das genau so einfach, wie seine Weste zuzuknöpfen“, schrieb Vincent van Gogh 1888 an seinen Bruder Theo. Weniger beim allgemeinen Publikum, dafür aber besonders unter Künstlern waren japanische Farbholzschnitte beliebt. Ihre entscheidenden Charakteristika wie die Flachheit der Darstellung, das Fehlen jeglicher Zentralperspektive, der Mut zu vollkommen leeren Flächen, die Verlagerung des Bildgeschehens vom Zentrum an die Ränder, die häufig ornamentale Hintergrundgestaltung und das unorthodoxe Spiel mit Größenverhältnissen faszinierten die westlichen Künstler.

Abgesehen von der formalen Ebene waren es aber auch die motivischen Inhalte, die die europäische Avantgarde inspirierte. Claude Monets Wiener Exponat „Waterloo Bridge“ von 1902 zeigt kaum wahrnehmbar die im Nebel verborgenen Umrisse des Bauwerks. Der Rest sind flächig aufgefasste Darstellungen von Licht und Wasser. Brückenmotive auf Farbholzschnitten von Utagawa Hiroshige oder Katsushika Hokusai, übrigens alle aus privaten und öffentlichen Wiener Sammlungen, bieten sich hier unmittelbar zum Vergleich an. Ebenso korrespondieren Henri de Toulouse-Lautrecs erotische Pariser Cabaret-Szenen und Pierre Bonnards Werbemotive für Revuetheater oder Champagner mit japanischen Geisha-Darstellungen. Ein nahezu vollkommenes Amalgam westlicher und japanischer Ästhetik stellt das 1872 entstandene Gemälde „Die Japanische Pariserin“ des Belgiers Alfred Stevens dar, das auf einer kleinen Empore an der Stirnseite des ersten Ausstellungssaals gezeigt wird. Eine Dame mit kunstvoll hochgestecktem Haar, geblümtem Kimono und durchscheinendem Fächer in der Hand betrachtet sich im Spiegel ihrer großbürgerlichen Behausung.

Dass die Ausstellung ausgerechnet in Wien zu sehen ist, hat mehrere Gründe. Zum einen waren es nach den Pariser gerade auch die Wiener Künstler, die sich vom damaligen Japan-Hype beeinflussen ließen – jedoch mit einiger Verspätung. Bereits auf der Weltausstellung in Wien 1873 waren japanische Artefakte zu sehen. Doch dieser Impuls wurde von den Künstlern nicht aufgenommen. Erst 1897 mit der Gründung der Wiener Sezession öffneten sich die Wiener Museen und die Kunstgewerbeschule den fernöstlichen Einflüssen. Plötzlich war es auch an der Donau en vogue, nach japanischer Manier zu arbeiten. Zum anderen trägt der Reichtum der Wiener Sammlungen, aus denen viele der Leihgaben stammen, wesentlich zum Gelingen des Ausstellungskonzepts bei. Heute zählen die Ostasiatika-Sammlungen des Museums für angewandte Kunst und des Weltmuseums Wien zu den wichtigsten weltweit.

Gustav Klimts goldene, oft durch Wellenmuster rhythmisierte Hintergründe sind von japanischen Vorbildern ebenso geprägt wie seine variantenreiche Figurenauffassung. Auch der Architekt und Möbeldesigner Josef Hoffmann, von dem in der Ausstellung minimalistische, streng geometrische Blumenkörbe aus weiß lackiertem Eisenblech zu sehen sind, ließ sich von Fernost inspirieren. Hoffmann und der Grafiker Koloman Moser nahmen den Manufakturgedanken und damit ein Grundprinzip der angewandten Kunst Japans sogar ins Arbeitsprogramm der Wiener Werkstätte auf: „Was wir wollen, ist das, was der Japaner immer getan hat. Wer würde sich irgendein Werk japanischen Kunstgewerbes maschinell hergestellt vorstellen können?“

Die in zahlreiche Unterkapitel aufgeteilte und von Evelyn Benesch und ihrer Assistentin Marie-Therese Thier sorgsam eingerichtete Schau hält allerlei Skurriles bereit. So sind im Kapitel „Geister – Helden – Fabelwesen“ fantasievolle Darstellungen von Monstern und Unterweltwesen Katsushika Hokusais und anderer Holzschnittkünstler zu sehen, die wiederum aufs Wunderbarste mit Traumdarstellungen Odilon Redons oder Alfred Kubins korrespondieren. Eine zeitgenössische Note fügen die eigens angefertigten Teepavillons der drei österreichischen Künstlerinnen Stefanie Pflaum, Margot Pilz und Eva Schlegel der Schau hinzu, die gerade aufgrund ihrer vielen thematischen Verästelungen sehenswert ist.

Die Ausstellung „Faszination Japan. Monet · Van Gogh · Klimt“ läuft bis zum 20. Januar 2019. Das Kunstforum der Bank Austria Wien hat täglich von 10 Uhr bis 19 Uhr, freitags zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet, an Heiligabend von 10 bis 15 Uhr, an Silvester von 10 bis 16 Uhr und an Neujahr von 12 bis 19 Uhr. Der Eintritt beträgt für Erwachsene 11 Euro, für Senioren 8,50 Euro und für 17- bis 27jährige 6 Euro, darunter 4 Euro. Der 264seitige Katalog aus dem Kehrer Verlag kostet im Museumsshop 32 Euro, im Buchhandel 39,90 Euro.

Kontakt:

Bank Austria Kunstforum

Freyung 8

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 557 33 26

Telefax:+43 (01) 557 33 27

E-Mail: office@kunstforumwien.at



22.10.2018

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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