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Venedig feiert seinen großen Maler Jacopo Robusti zum 500. Geburtstag und ehrt Tintoretto mit drei großen Ausstellungen

Skandale und schnell gemalte Dramatik



Jacopo Tintoretto, Porträt eines weißbärtigen Mannes, um 1545

Jacopo Tintoretto, Porträt eines weißbärtigen Mannes, um 1545

Würdevoll sitzt der alte Herr auf einem Sessel, die Hand mit einem wertvollen Ring auf der Lehne. Die Kleidung verrät Geschmack und Reichtum. Aber der Blick bleibt nicht an diesen Äußerlichkeiten haften, sondern wird auf die Augen geführt, die in den Falten des Antlitzes glimmen. Diese Augen sind wach und skeptisch. In ihnen spiegeln sich Intelligenz, Misstrauen und Gier. Es sind Augen, die ein Leben lang über Geld und Geschäfte gewacht haben. Und der Maler hat in ihrer dunklen Unergründlichkeit und ihrer fordernden Präsenz die ganze Seele des Mannes ausgeleuchtet.


Der Maler, der solch psychologisch aufgeladene Porträts schuf, ist sein Leben lang kaum aus Venedig hinausgekommen: Jacopo Tintoretto wurde 1518 oder 1519 – ein genaues Datum ist nicht überliefert – in der Lagunenstadt geboren. Sein Vater war ein Färber – auf Italienisch „tintore“. So nannte man ihn, vielleicht auch weil er klein gewachsen war, das „Färberlein“. Mit diesem Beinamen ist er als Meister der Renaissance und des Manierismus in die Kunstgeschichte eingegangen und begeistert bis heute mit seinen Bildern die Menschen. Eigentlich hieß er Jacopo Robusti.

Beeinflusst von Michelangelo und Tizian

Viel war bisher nicht bekannt über sein Leben, schon gar nicht über seine Jugend. Vielleicht schließen die Forschungen im Zuge dieses Tintoretto-Jahrs die eine oder andere Lücke. Der Vater ließ ihn vermutlich bei einem der zahlreichen soliden Maler Venedigs ausbilden. Dass er in der Werkstatt des berühmten Tizian gelernt und von diesem hinausgeworfen wurde, dürfte ins Reich der Legende gehören. Aber eins ist richtig: Tintoretto hat sich genau angesehen, wie Tizian sich seine Erfolge ermalt hat. Und er hat die Malerei seiner Zeit genau studiert. „Von Michelangelo die Zeichnung, von Tizian die Farbe“ lautet sein überlieferter Wahlspruch.

Tintoretto muss in Venedig über ein ausgezeichnetes Netzwerk verfügt haben, und er war geschäftstüchtig. Einen seiner größten Aufträge bekam er, weil er der Rochusbruderschaft, der Trägerin der „Scuola Grande di San Rocco“, ein Bild schenkte und andere zu sehr moderaten Preisen ausführte. Seine Leidenschaft – das muss angemerkt werden – galt aber nicht dem Geld, sondern er war einfach ein begeisterter, fast schon besessener und daher höchst produktiver Maler.

Ein Bild wird zum Skandal

Er war noch keine zwanzig Jahre alt, als er 1537 eine Wohnung nebst Werkstatt mietet. Er arbeitet wohl zunächst im Dienst anderer Malereiwerkstätten, vielleicht sogar für Tizian, der ihn später als herausfordernden Konkurrenten empfand, liefert Porträts und mythologische Szenen. Mit dreißig Jahren gelingt ihm ein Coup: Für die „Scuola Grande di San Marco“ – die „scuole“ sind soziale Einrichtungen, die zum Beispiel der Krankenpflege dienen – malt er das „Sklavenwunder des heiligen Markus“. Das Bild schildert, wie der Stadtpatron Venedigs einen Sklaven vor dem Märtyrertod rettet. Markus schwebt mit dem Kopf nach unten über dem nackten Körper des Gefolterten. Seitenlicht taucht die Gestalt des Heiligen in einen scharfen Hell-Dunkel Kontrast. Dramatisch bauscht sich sein Mantel.

Das Bild wird zum Skandal: Es ist „übervoll von aufmerksamkeitserregenden Dingen: spektakuläre Verkürzungen und gewagte perspektivische Ansichten… Körper, die anatomisch gar nicht so plausibel erscheinen, die aber in jeder Hinsicht darauf getrimmt sind, Aufmerksamkeit zu erregen“, schildert der Kunsthistoriker Alexander Linke. Und der Historiker Arne Karsten schreibt: „Sein Markenzeichen waren neue, innovative, extravagante und hochdramatische Bildkompositionen in Verbindung mit spektakulären Lichteffekten. Zudem entwickelte sich Tintoretto zu einem berühmt-berüchtigten Schnellmaler, der, so ein spöttischer Zeitgenosse, bereits das fertige Bild lieferte, während die Konkurrenten noch an ihren Entwürfen saßen.“

Drei Ausstellungen in Venedig

Venedig, das seinen großen Sohn mit drei bedeutenden Ausstellungen ehrt, ist voll von Tintoretto-Gemälden: Rund sechzig sind es allein in der „Scuola Grande di San Rocco“. Das größte Tafelbild der Welt, ein sieben Meter hohes und 22 Meter breites „Paradies“ schmückt einen der zwei Säle, die Tintoretto im Dogenpalast mit Bildern ausgestattet hat. Sein dramatisches „Jüngstes Gericht“ findet sich in der Kirche Madonna dell’ Orto, für die Jacopo Robusti viel gemalt hat und in der er begraben liegt. 21 weitere venezianische Kirchen beherbergen Bilder von ihm. Kunstsinnigen Geistlichen ist zu verdanken, dass in Bamberg (Obere Pfarre) und Würzburg (Stift Haug) monumentale Tintorettos hängen. Und kaum eine der berühmten Gemäldegalerien der Welt muss ohne ein Bild des Venezianers auskommen, der am 31. Mai 1594 in seiner Heimatstadt im Alter von 75 Jahren gestorben ist und heute zu den größten Malern des 16. Jahrhunderts gezählt wird.

Bis zum 6. Januar 2019 ist im Palazzo Ducale in Venedig die Ausstellung „Tintoretto 1519-1594“ zu sehen. Im Umkreis seines berühmten Gemäldezyklus im Dogenpalast sind hier fünfzig Gemälde und zwanzig Zeichnungen versammelt. Die Leihgaben kommen aus vielen berühmten Museen der Welt, so alleine aus fünf Londoner Galerien, aus Berlin, Dresden, Gent, Paris, Prag, Rotterdam und Wien. Fünf herausragende Werke, darunter „Joseph mit dem Weib des Potiphar“, „Judith und Holofernes“ und „Der Raub der Helena“ leiht der Prado in Madrid aus.

In den Gallerie dell’Accademia in Venedig läuft zeitgleich eine Ausstellung mit frühen Werken: „Il giovane Tintoretto“. Eine Reihe von Bildern – auch in Venedigs Kirchen – wurde eigens aus diesem Anlass restauriert. Mit der Schau „Arte, Fede e Medicina nella Venezia di Tintoretto“ untersucht die Scuola Grande di San Marco die Wechselbeziehungen zwischen Kunst, Glaube und Medizin, wie sie sich in den Bildern des Malers spiegeln.

Die Tickets kosten 13 (Palazzo Ducale) und 15 Euro (Gallerie dell’Accademia); wer ein Ticket für eine Ausstellung vorweist, bekommt in den jeweils anderen eine Ermäßigung. Die Scuola Grande di San Marco ist für 5 Euro zu besuchen. Bei Marsilio Editori Venezia ist für jede der Ausstellungen ein Katalog erschienen; hilfreich ist außerdem für italienischsprachige Leser der bei Marsilio neu erschienene Führer „Tintoretto a Venezia“, der den reichen Bestand an Gemälden in Venedig erschließt.



13.12.2018

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Werner Häußner

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