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Journal

Schloss Johannisberg im Rheingau, die ehemalige fürstliche Residenz der Metternichs, gilt als Geburtsstätte des deutschen Spitzensektes. Vor rund 1000 Jahren in einem Weinberg als Benediktinerkloster begründet, verbindet es grandiose Lage und künstlerischen Rang

Auf dem deutschen Sektthron



Schloss Johannisberg thront über seinen Weinhängen im Rheingau

Schloss Johannisberg thront über seinen Weinhängen im Rheingau

Schon von weitem sichtbar thront über sanft abfallenden Rebhängen Schloss Johannisberg vis-à-vis der alten Rheinstadt Bingen. Wie auf einen Fluchtpunkt hin lenken lange Weinstockreihen den Blick auf den in warmem Gelb leuchtenden, akkurat ausgeformten Schlosskomplex. In der weitläufigen Natur springt die Landmarke unweigerlich allen vorbeirauschenden Bahn-, Schiffs- oder motorisierten Reisenden ins Auge. Die Ursprünge der nach dem Fürstenhaus Metternich benannten Sektmarke sind hier zu suchen. Doch bis es dazu kam, vollzog sich eine auch künstlerisch wechselhafte Geschichte der Domäne.


In die Jahre um 1100 fällt der allmähliche Aufbau eines Benediktinerklosters auf dem damaligen Bischofsberg. Als die neu erbaute Basilika am 24. Juni 1130 Johannes dem Täufer geweiht wurde, übertrug sich der Name des Heiligen auf den Berg. Nach Aufhebung des Klosters im Jahr 1563 und Zeiten der Verwahrlosung gelangte das Anwesen 1716 an die Fuldaer Fürstäbte. Diese errichteten bis 1725 an der Stelle des alten Klosters nach den Plänen der Mainzer Baumeister Andrea Gallasini und Johann Kaspar Herwarthel ein dreiflügeliges barockes Sommerschloss mit nördlich ausgerichtetem Ehrenhof und parallel zur Hangkante verlaufendem Kopfbau. Johann Dientzenhofer entwarf die Pläne für den barocken Innenausbau der romanischen Kirche.

Hohe Summen verschlang darüber hinaus die Erneuerung des bereits im Jahr 817 erstmals urkundlich erwähnten Weinanbaus. Da sich die Fürstäbte um 1720 auf die Anpflanzung des Rieslings konzentrierten, gilt der Johannisberg als weltweit erster geschlossener Weinberg dieser Rebsorte. Die Weinlese konnte jedoch immer erst beginnen, wenn ein Kurier den Fürstäbten in Fulda eine Probe Trauben vorgelegt hatte. Als sich im Jahr 1775 der Kurier um acht Tage verspätete, waren die Trauben schon von Edelfäule befallen. Trotzdem kelterte man daraus einen Wein. Die Spätlese war hier geboren.

Nach wechselnden Besitzverhältnissen im Zuge der 1802 erfolgten Säkularisation gelangte Johannisberg im Jahr 1816 an Kaiser Franz I. von Österreich. Für die Verdienste, die sich sein Hof- und Staatskanzler Klemens von Metternich während des Wiener Kongresses erworben hatte, schenkte Franz diesem ein Jahr später die Domäne Johannisberg. Die damit verbundene Auflage, ein Zehntel der Weinernte an die Familie von Habsburg zu entrichten, besteht noch heute und wird monetär beglichen.

Im 19. Jahrhundert wurden moussierende Weine en vogue. Dieser Entwicklung versperrten sich die Metternichs nicht und bemühten sich zusammen mit Johann Jacob Söhnlein ab 1864, aus den Rieslingweinen Sekt zu produzieren. Rasch stellte sich enormer Erfolg ein, den die Pariser Weltausstellung von 1867 mit der Goldmedaille krönte. Ab 1925 bürgen die Metternichs persönlich mit Namen und Wappen für die Qualität ihrer Erzeugnisse. Das mittig von drei Jakobsmuscheln besetzte Stammwappen ziert auch die Etiketten der Wein- und Sektflaschen.

Die Metternichs hinterließen auch bauliche Spuren. Die Kirche und das Schloss überformte ab 1826 der Darmstädter Architekt und Weinbrenner-Schüler Georg Moller im klassizistischen Stil. Nach über 100 Jahren wurde dieser Zustand Opfer eines Desasters: Nach einem schweren Bombenangriff auf Mainz wurden in der Nacht vom 12. auf den 13. August 1942 Kirche und Schloss durch einen Notabwurf britischer Fliegerbomben schwer getroffen.

Paul Alfons Prinz von Metternich-Winneburg, der 1917 in Wien geborene Urenkel des Staatskanzlers, verlegte nach Verfolgung und Enteignung in der Tschechoslowakei ab 1945 seinen Wohnsitz auf den Johannisberg. Zwischen 1954 und 1964 baute er das Weingut wieder auf. Während die fürstliche Familie im Westflügel ihre privaten Wohnräume einrichtete, wurden die Salons im Ostflügel nicht rekonstruiert. Der sportbegeisterte Adelige, der auch als Rennfahrer und Präsident des Automobilclubs von Deutschland hervortrat, implantierte hier eine Tennishalle. In den 1980er Jahren ließ Fürstin Tatiana für das Rheingau Musik Festival an dieser Stelle einen Konzertsaal mit Empore einbauen.

Im alten Stil wurden lediglich die repräsentativen Säle des Mitteltraktes rekonstruiert. Hinter dem Hauptportal gelangt der Besucher in die von dorischen Säulen unterteilte Eingangshalle. Darüber liegt der den gesamten Mittelbau einnehmende große Saal. Graue Pilaster mit fantasievollen Kompositkapitellen gliedern die in sanften, beigefarben getönten Wände. Palmettenfriese leiten zum Deckenspiegel über. Doppeltüren gestatten den Austritt auf den konsolgestützten Balkon, von dem sich ein grandioser Ausblick in das Rheintal bietet.

Die ehemalige Klosterkirche St. Johannes führte der Architekt Rudolf Schwarz im Zuge des Wiederaufbaus auf die strengen romanischen Formen des zwölften Jahrhunderts zurück. Die dreischiffige, mit drei Arkaden in den Schlossbau hineinragende Pfeilerbasilika mit Querschiff und drei Apsiden ergänzte Schwarz um einen stattlichen Vierungsturm, eine Vorhalle und eine Taufkapelle.

Eine Attraktion stellt der unter dem U des Hauptschlosses angelegte, 1721 vollendete und rund 260 Meter lange Weinkeller dar. Neben Reihen großer Fässer aus Eichenholz fällt vor allem das Kellertuch ins Auge. Sämtliche Gewölberücken und -laibungen sind von dem schwammartig amorphen, graugrünen Schimmelpilz befallen, der mindestens 85 Prozent Luftfeuchte benötigt. Er lebt wesentlich vom verdunsteten Alkohol und dient als Luft- und Feuchtigkeitsregulator. Über einen abgezweigten Gang erreicht man einen um die 900 Jahre alten, tiefer gelegenen Keller. Hier lagert als kostbarster Schatz des Hauses die Weinbibliothek „Bibliotheca subterranea“. 12.000 Flaschen aus Jahrgängen seit 1748 sind hier vereint. Ab 1842 finden sich durchgängig alle Jahrgänge. Alle 30 Jahre werden die Flaschen neu verkorkt und die Weine auf ihre Trinkbarkeit hin untersucht.

Mit dem Ableben von Paul Alfons von Metternich-Winneburg am 21. September 1992 und seiner Ehefrau Tatiana am 26. Juli 2006 war die Linie des Hauses Metternich-Winneburg erloschen. Ursprünglich sollte das Gut bei Aussterben der Linie an die Habsburger zurückgehen. Diese Regelung fiel aber der Abschaffung der Adelsprivilegien im Jahr 1920 zum Opfer. So gelangte das Weingut an die eng mit dem Fürstenpaar befreundete Fabrikantenfamilie Oetker. Die Tradition der Sektherstellung wird auch unter der Obhut der Oetker-Gruppe gewahrt; die Cuvée für den Sekt wird auch heute noch auf dem Johannisberg zusammengestellt.

Fürst von Metternich-Winneburg’sche Domäne
Schloss Johannisberg
D-65366 Geisenheim-Johannisberg

Telefon: +49 (0)6722 – 700 90
Telefax: +49 (0)6722 – 700 933



31.12.2018

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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 Kirche mit ihren drei Apsiden
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in der Kirche von Schloss Johannisberg
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Schloss Johannisberg: Die Kirche von Süden
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Schloss Johannisberg: Konzertsaal im Ostflügel
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Ausblick von Schloss Johannisberg in die Rheinebene

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im großen Saal von Schloss Johannisberg

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Der Ostflügel von Schloss Johannisberg mit dem Kirchenbau

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Schloss Johannisberg: Konzertsaal im Ostflügel

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Schloss Johannisberg: Die Kirche von Süden

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die Kirche mit ihren drei Apsiden

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die Weinbibliothek von Schloss Johannisberg

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auf der Terrasse von Schloss Johannisberg

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im Weinkeller von Schloss Johannisberg

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der Ehrenhof mit den barocken Kavaliersbauten

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in der Kirche von Schloss Johannisberg

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in der unteren Eingangshalle von Schloss Johannisberg

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