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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Bei Grisebach war für fast jeden etwas dabei: Mit der breit gefächerten Auswahl moderner und zeitgenössischer Fotografie überzeugte der Berliner Versteigerer seine Kunden

Im grünen Dickicht



Thomas Struths „Paradise 24, Sao Francisco de Xavier“ stellt den Betrachter unvermittelt in den brasilianischen Urwald. Senkrechte Baumstämme, wirres Gewächs am Boden und mannigfaltige Blattstrukturen überfordern ihn zunächst in ihrer Fülle. Diesen Zustand steigert Struth noch, indem er die Vegetation im Vordergrund genauso scharfgestellt aufnimmt wie die im Hintergrund, wozu das menschliche Auge in der Realität nicht fähig ist. Der Blick des Betrachters verliert sich dadurch erst orientierungslos im flächenartigen Muster des Dickichts, bevor er durch das längere und genauere Hinsehen einen Weg in die Tiefe der Fotografie findet und Einzelelemente fokussieren kann. Der passive Zuschauer wandelt sich dabei schon aufgrund der schieren Größe des Abzugs von 2,10 Meter Höhe und 2,71 Meter Breite zum aktiv Erforschenden der vermeintlich zahllosen Details. Struths „Paradise 24“ von 2001 fesselt den Betrachter lange und lässt ihn immer wieder Neues entdecken, was die Kunden bei Grisebach in Berlin zu schätzen wussten. Mit 76.000 Euro zog das monumentale Werk an der Spitze der Auktion taxkonform von Belgien in die Schweiz.


Die hochwertige Auswahl des Versteigerers von alten Klassikern über die Moderne bis hin zu den Zeitgenossen sprach ein breites Publikum an. Die losbezogene Zuschlagsquote lag bei 68 Prozent und generierte einen Bruttoumsatz von knapp 750.000 Euro. Als Vertreter der Düsseldorfer Schule blieb Thomas Struth unter den jüngeren Positionen nicht alleine. Mit seinem politischen „Plakat III“ von 1997, das in verdrehten Lettern den Leitspruch „Helmut Kohl zieht in die neue Hauptstadt“ vor einer fantastischen Stadtkulisse mit dem kopfüber in einem Kegelbau steckenden Bundeskanzler propagiert, musste sein Kollege Thomas Ruff aber einen Abschlag auf 25.000 Euro hinnehmen (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Überzeitlicher ist der Anspruch von Michael Wesely, der den „Point Lobos“ in Kalifornien drei Jahre später derart lange ablichtete, dass dieser zu abstrakten Querlinienkomposition verschwamm. Das Unikat, in dem der Faktor Zeit keine Bedeutung mehr zu haben scheint, faszinierte für überraschende 20.000 Euro (Taxe 7.000 bis 9.000 EUR). Als längeres Projekt angelegt war die Mappe „Deutschlandreise“ mit 400 Ink-Jet-Prints von Peter van Agtmael, Olivia Arthur, Paolo Pellegrin und Moises Saman, die in der BRD Skurriles entdeckten und neue Blickwinkel auf Bekanntes einnahmen. Das Konvolut von 2013 mit den ein Jahr jüngeren Abzügen respektierte die untere Schätzgrenze von 25.000 Euro.

Körperartisten im Fokus

Um 1920 inszenierte František Drtikol seine „Diabolische Tänzerin“ mit nach vorn gerecktem Kopf, intensivem Blick und weit ausgestreckten Armen, während sich hinter ihrem Rücken flammenartige Formen radial ausbreiten. Der düstere Vintage-Pigmentdruck kletterte mit seiner stimmungsvollen Atmosphäre auf 4.300 Euro (Taxe 2.500 bis 3.500 EUR). Ebenfalls eine Tänzerin setzte André Kertész 1926 ins Bild. Die Frau in dem Silbergelatineabzug „Paris. Burleske Tänzerin“ der 1970er Jahre räkelt sich für nun 6.000 Euro in komplizierter Pose auf einem Sofa. Links von ihr steht eine Skulptur mit ähnlich überdehntem Körper auf einem Hocker (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Schausteller regten um 1932 auch Otto Umbehr, genannt Umbo, zu seinen beiden Trapezkünstlern beim Sprung an. Deutscher Handel konnte „Die 3 Codonas während ihrer Arbeit hoch über dem Publikum“ erst bei 8.000 Euro übernehmen (Taxe 1.500 bis 2.000 EUR).

Edmund Kesting bannte 1939 ebenso starke Dynamik aufs Papier. Dass Dore Hoyer scheinbar mit ihrem eigenen Schatten zu tanzen scheint, liegt an der Mehrfachbelichtung. Damit war es Kesting möglich, verschiedene Bewegungszustände übereinander zu legen, was einem Sammler für das Vintage letztlich hohe 8.000 Euro abverlangte (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR). Bei Hans Hammarskiölds „Capriole“ von 1952 scheint das Pferd dagegen geradezu statisch in der Luft zu schweben, während sein Dompteur es zu weiteren Kunststücken antreibt. Die Momentaufnahme als Abzug um 1980 mit dem gestreckten Tier erreichte bei 2.500 Euro über das Doppelte der Erwartung. Drei Jahre später entstand Robert Doisneaus „Le manège de Monsieur Barré“. Im Zentrum des romantisch verklärten Bildes steht ein kleines verlassenes Karussell im Regen von Paris, unter anderem mit einem Dressurpferd wie dem der „Capriole“. Die kontrastreiche Stimmung zwischen Vergnügen und schlechtem Wetter, oder den Glanzlichtern des Wassers und dem ergrauten Hintergrund lösten ein Bietergefecht aus, das erst bei 9.500 Euro sein Ende fand (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR).

Der Mensch und sein Lebensraum

Derart pittoreske Stadtansichten waren schon weit früher im Repertoire der Fotografen. 1897 nahm Heinrich Kühn „Venedig“ in seiner typisch piktoralistischen Manier auf und machte sich die Technik des Gummidrucks zunutze, mit dem er seine besonders malerischen Effekte erzeugte. Wie impressionistisch getupft, stechen die Glanzlichter hervor, und die Menschen am Ufer der Stadt sind nur als Schemen auszumachen. Die artifiziellen Qualitäten Kühns stellten sich erst bei der oberen Taxe von 18.000 Euro einem Käufer zur Verfügung. Kühle Sachlichkeit kennzeichnet dagegen Ludwig Mies van der Rohes „Deutschen Pavillon“ der Weltausstellung in Barcelona 1928/29 mit seinen großen modernistischen Fensterflächen, glatten Mauern und den streng geometrischen Formen. Lediglich die expressiv bewegte Steinskulptur einer Frau von Georg Kolbe durchbricht dieses Prinzip auf dem Vintage der Agentur „Berliner Bild-Bericht“, das überraschend 6.500 Euro einspielte (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR). Das Interesse an der Industriekultur jener Zeit dokumentierte Albert Renger-Patzsch 1934. Die „Rangiergleise im Zechengebiet bei Dortmund“ fluchten zentral in die Tiefe und ästhetisieren damit die raue Umgebung, was ein Sammler mit 5.700 Euro honorierte (Taxe 1.500 bis 2.000 EUR).

Den Menschen in seinem Lebensraum nahm dagegen Boris Ignatowitsch in den Fokus. 1935 entstand „In der Dusche“ mit einigen Männern, die vor einer Küste unter dem Wasser stehen, das ein Sitzender im Vordergrund auf sie strömen lässt. Das intime Alltagsfoto brachte es mit 6.500 Euro auf über das Dreifache der anvisierten 1.500 bis 2.000 Euro. An Gefangenen auf politischen Plakaten huschen Passanten in Otto Steinerts Studie vorbei und wollen anscheinend deren Aussage trotz der anklagenden Blicke auf den Aushängen nicht wahrnehmen. Der inhaltlich spannende Abzug platzierte sich an der oberen Taxgrenze von 10.000 Euro. Zum gleichen Preis war Robert Franks „San Francisco“ zu haben, das ebenfalls mit der Unerreichbarkeit seiner Protagonisten spielt. Durch das Glasfenster einer Tür sind diese zwar zu sehen, jedoch für den Betrachter nicht in sozialer Interaktion zu erreichen (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). Sein ebenfalls in den 1950er Jahren aufgenommenes Bettlerpaar in „Valencia, Spanien“ scheiterte an 15.000 bis 20.000 Euro. Aufbruchsstimmung herrscht bei den Menschenmassen, die in Francesco Scavullos Modefoto „Antonia, Star Ferry, Hong Kong“ von 1962 für letztlich 3.700 Euro hinter einer eleganten Frau auf die Fähre zusteuern, die sie in eine neue Umgebung bringt (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR).

Die Entdeckung der Natur

Einen Blick auf die Natur in Vogelperspektive konnte Otto Lilienthal bei seinem „Gleitflug mit dem großen Doppeldecker vom Fliegeberg“ am 19. Oktober 1895 erhaschen. Den denkwürdigen Augenblick der Luftfahrtgeschichte verewigte Richard Neuhauss im selben Jahr fotografisch. Wohl auch der Pioniergeist sorgte heute für für einen Anstieg von 6.000 Euro auf 10.000 Euro. Im Flug durch die Landschaft befindet sich ebenfalls der Skifahrer in Martin Munkácsis „Um-Sprung. Arlberger Skischule“ von 1930. Hoch über der Schneedecke kreuzt er in Untersicht die Wintersportgeräte an seinen Füßen. Hier begeisterte sich ein dänischer Sammler bei 32.000 Euro (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). Weniger winterlich ist Josef Sudeks „Weiße Rose“, die sich mit noch halb geschlossener Blüte und dem sie umgebenden Blattwerk durch das Vintage von 1954 rankt. Das spannungsreiche und ästhetisch anspruchsvolle Werk entlohnten die Interessenten mit taxkonformen 5.000 Euro. Der Landschaft wandte sich Robert Adams zu. Sein „Clear Creek Canyon, Jefferson County, Colorado“ von 1977 aus der Serie „The Missouri West“ bestach für 6.500 Euro unter anderem durch die Kontraste der aufklaffenden Felsen neben einem flachen Bach (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR).

Zwei Jahre später richtete Lewis Baltz ebenfalls in Amerika seine Kamera auf die Einöde „Between West Sidewinder Drive and State Highway 248, looking West“ für seine Folge „Park City“, deren scheinbare Unberührtheit, unterbrochen nur durch einige Reste von Zivilisation, einem Sammler 3.800 Euro wert war (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR). Die Leinwand des Autokinos „South Bay Drive-In, San Diego“ zog 1993 Hiroshi Sugimoto in ihren Bann. Als schneeweißes Rechteck steht die Fläche im Zentrum der ansonsten nächtlichen Umgebung, aus der nur einige Bäume und kleine Häuser als Schatten herausragen. Nicht zuletzt den starken Hell-Dunkel-Effekt, den Sugimoto in seinem Foto aus der 1976 begonnen Serie „Theaters“ einfängt, würdigte das Publikum mit 18.000 Euro (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). Die mit 57.000 Euro zweitteuerste Offerte der Versteigerung stellt ähnlich das Licht ins Zentrum der Arbeit. Der Bauhäusler László Moholy-Nagy legte verschiedene Gegenstände experimentell auf lichtempfindliches Papier, um seine Fotogramme zu erzeugen. Das bei Grisebach offerierte Unikat von 1939 mit runden und ovalen Strukturen ging bei einer Schätzung von 50.000 bis 70.000 Euro in deutschen Kunsthandel.

Gesichter und Körper

Einige Filmgrößen seiner Zeit verband Alfred Eisenstaedt 1928 in einem Gruppenbildnis, auf dem Marlene Dietrich, Anna May Wong, Richard Eichberg und Leni Riefenstahl in eleganter Abendgarderobe auf dem Pierre Ball in Berlin zu sehen sind. Für die illustre Gesellschaft musste ein Sammler 6.500 Euro tief in die Tasche greifen (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Zwei Jahre später hielt Alexander Rodtschenko seinen „Pionier mit Trompete“ aus einem für das Neue Sehen charakteristischen Kamerawinkel steil von unten und in diagonaler Anordnung fest. Bei diesem Vintage des Klassikers engagierte sich ein deutsches Museum mit hohen 7.500 Euro (Taxe 3.000 bis 5.000 EUR). 500 Euro weniger waren für Man Rays Porträt der träumerisch nach oben rechts aus dem Bildraum schauenden „Paul Éluard und Valentine Hugo“ der Zeit um 1935 drin (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR). Nach unten hingegen ist der Kopf des anonymen „Solarized Portrait, New York“ von Erwin Blumenfeld um 1949 für 8.000 Euro gerichtet (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR). Den noch heute beliebten „James Dean mit den Photographen Dennis Stock und Gjon Mili“ verewigte Phil Stern 1955, im Jahr des Todes des Schauspielers, in lässiger Pose. Nicht zuletzt die Prominenz auf dem Gruppenporträt sorgte für einen Bieterwettstreit, bei dem der Hammer für den 1989 erstellten Abzug erst bei 6.000 Euro fiel (Taxe 1.000 bis 1.500 EUR).

Edward Weston richtete 1933 seinen Fokus stärker auf den Körper. „Sonya“ ist als liegender Akt von hinten zu sehen und hat die Beine angewinkelt, wobei sie der Ausschnitt auf den Rumpf des Körpers reduziert. Trotz der Qualitäten der damit einhergehenden Abstraktion stockten die Gebote für das Vintage bereits an der unteren Schätzgrenze von 8.000 Euro. Walde Huth widmete sich 1955 der Mode und drückte für das „Dior ‚Lucky‘-Decolleté, Paris“ den Auslöser. Durch das elegante Kleid mit schulterfreiem ovalem Rüschenausschnitt blickt eine Dame mit wertvollem Schmuck intensiv zum Betrachter, was die Bieter verführte, mit 2.600 Euro deutlich mehr als die Expertenmeinung von 1.200 bis 1.800 Euro zu bezahlen. Erotischer ist Jeanloup Sieffs „Corset, New York“ von 1962, das die skulpturenhaft kurvige Körpermitte der Frau ins Zentrum stellt. Der spätere Abzug des ästhetisch anspruchsvollen Werks ging taxkonform für 8.000 Euro weg. Mit Grace Coddington hatte Steven Meisel 1992 eine Ikone der Modewelt vor der Linse. Die fernöstlich minimalistische Fotografie der früheren Kreativdirektorin der Zeitschrift Vogue mit hochgeschlossenem schwarzem Kleid vor neutralem Hintergrund samt weißer Katze stieg auf 5.200 Euro (Taxe 3.000 bis 5.000 EUR), während Inez van Lamsweerdes fahler Gesichtsausschnitts von „Kirsten“ mit toten Augen aus der Serie „The Widow“ von 1996 nur auf 6.000 Euro kam (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR).

Alle Preise verstehen sich als Zuschläge ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Grisebach

Fasanenstraße 25

DE-10719 Berlin

Telefon:+49 (030) 885 91 50

Telefax:+49 (030) 882 41 45

E-Mail: auktionen@grisebach.com



25.01.2019

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jan Soldin

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Taxe: 6.000 - 8.000 EURO

Zuschlag: 10.000,- EURO

Losnummer: 2075




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