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Hans Op de Beeck hat in der Kunsthalle Krems seine magischen melancholischen Welten in Grau inszeniert und sie zu einer begehbaren Bühne ausgebaut

Dunkel verstörendes Echo der Realität



in der Ausstellung „Hans Op de Beeck: The Cliff“

in der Ausstellung „Hans Op de Beeck: The Cliff“

Für seine unlängst eröffnete Ausstellung „The Cliff“ hat Hans Op de Beeck in der Kunsthalle Krems einen dunklen Parcours erstellt: eine melancholisch-surreale Welt der Stille und Intimität. Bei seiner Erkundung meinen die Besucher in einen Bereich zwischen Traum oder und Wirklichkeit einzudringen: differente Gefühle, wie sie das Publikum bei der Betrachtung der Werke des belgischen Multimedia-Künstlers nicht selten erlebt. Für seine Personale versammelt Op de Beeck Plastiken, Objekte, Installationen, Malerei und Film: in einheitliches Grau gefasste Abformungen von Kindern, jungen Erwachsenen und Gegenständen, großformatige Aquarelle und insgesamt sieben Videoarbeiten evozieren eine entrückte Welt, in der sich gleichwohl Echos der Erlebten finden.


In all seinen Werken versucht der 1969 in Turnhout geborene Künstler eine bestimmte Stimmung zu erzeugen. Es geht ihm stärker um die Balance zwischen Form und Erzählung als um die Vermittlung eines bestimmten Inhalts. Wenn Op de Beeck in der Installation „My bed a raft, the room the sea, and then I laughed some gloom in me“ von 2019 ein junges Mädchen schlafend auf einem Bett vorstellt, das auf einem Floß liegt, welches wiederum auf einem Seerosenteich treibt, dann gibt es ungeachtet der perfekt anmutenden Nachbildung keinen Zweifel daran, dass die Arbeit eine Konstruktion ist. Neben dem Bett befinden sich Bücher, eine Taschenlampe, ein Glas, Beeren und Tabletten. Mehrere Schmetterlinge verharren regungslos neben der schlafenden Gestalt. Sie sind Teil eines Arsenals von theatralischen Mitteln, die Hans Op de Beeck verwendet, um die spezifisch geheimnisvolle, mystische Atmosphäre seiner Installationen zu erzeugen. Er inszeniert tatsächliche Räume, in denen sich Fiktion und Realität überschneiden.

Wichtig ist dem Künstler vor allem, was er emotional und rational beim Betrachter bewirkt: eine Überschneidung zwischen der Erscheinung der Außenwelt und ihrer Wahrnehmung durch das Individuum. Indem Op de Beeck die Betrachter mit Zuständen, Gesten und Haltungen konfrontiert, die in ihrer vertrauten Alltäglichkeit an Selbst-Erlebtes andocken, entwirft er einen Schwellenbereich, der Artefakt und Erfahrung, Gestaltung und Interpretation miteinander verbindet. Die dreidimensionalen, revitalisierten Stillleben regen zur Beschäftigung mit Details und zugleich mit Phänomen wie Intimität und Innerlichkeit an und fordern die Betrachter damit auf, ein komplexes Gedächtnisspiel zu betreiben.

Das gelingt Hans Op de Beeck durch eine subtile Ausbalancierung von Licht und Schatten, Kunst und Kitsch, von Schwerem und Leichten. Diese Ambivalenz zeichnet auch die monumentale skulpturale Installation „The Cliff“ von 2019 mit einem halbwüchsigen Paar aus, das auf dem Vorsprung eines riesigen Kliffs sitzt. Der graue Fels muss zuerst umlaufen werden, bevor man die beiden Jugendlichen entdeckt. Das Mädchen starrt geradeaus in die Ferne, während der Junge ganz gebannt vom Antlitz des Mädchens ist. In fester und zugleich zärtlicher Geste umklammert der Jugendliche die Hand der neben ihm Sitzenden. Die Körperhaltungen der beiden sind durchströmt von einer zärtlichen Anspannung, von der Aufregung des Rendezvous.

Hans Op de Beeck erzählt von dieser einen, für die beiden Dargestellten so ganz besonderen Begegnung. Es sind die feinen Gesten, die Zartheit der jungen Körper, mittels derer er ein Bild idealisierter junger Liebe inszeniert – voller Unschuld und darauf angelegt, an etwas früher Geschehenes, an ein selbst erlebtes Gefühl der Betrachter zu appellieren. Die Geschichte der Kindheit und des Aufwachsens wird als eine Art Verzauberung dargestellt, die die Betrachter lockt, zu erinnern und die eigene Fantasie zu bemühen. „Es ist“, bemerkte Op de Beeck, „wie bei den Madeleines bei Proust, jenen Küchlein, bei deren Genuss der Erzähler seine Kindheit schmeckt.“

Das Auftauchen lebensgroßer grauer Figuren, Objekte und Alltagsgegenstände in den letzen Jahren zeigt eine Abkehr von der bisherigen plastischen Produktion des Künstlers, die sich auf weitgehend menschenleere Räume und Environments konzentrierte. „Christmas“, entstanden 2006, ist ein Beispiel für Op de Beeks Interesse an der atmosphärischen Gestaltung architektonischer Räume. Es handelt sich um die verkleinerte skulpturale Darstellung eines durchgestylten Designer-Wohnzimmers. Wände, Fenster, sowie sämtliche Einrichtungsgegenstände, Pflanzen, ein geschmückter Weihnachtsbaum und verpackte Geschenke wurden einfarbig mit schwarzem Metallic-Autolack übersprüht. Dadurch wirkt die ganze Szene dunkel, düster und verfremdet und erzählt in ihrer Doppelbödigkeit von der Wahrung des Scheins und dem Festhalten von Familientraditionen an einem Platz , der als „Zuhause“ bezeichnet wird und doch häufig ein Ort von Streit, Trauma, Missbrauch und Verbrechen ist.

Hans Op de Beeck schafft Orte der Introspektion. Er öffnet Assoziationsfelder, in die der Betrachter mit seinen eigenen Erfahrungen, Erinnerungen und Interpretationen eintreten kann. Das klassische Environment wird durch ein Immersionsfeld abgelöst, in dem Darstellung weitgehend durch Empfindung ersetzt ist. Souverän setzt Op de Beeck auf Bühnentricks und Lichteffekte, gekonnt erzeugt er Spannung. Der Betrachter spürt, dass jeden Moment jemand auftauchen, etwas passieren könnte. Doch wenn sich etwas abspielt, dann vor allem in seinem Kopf. „Es interessiert mich nicht, Realität zu simulieren, sonst wäre ich wahrscheinlich als Setdesigner beim Film gelandet. Ich möchte die Welt interpretieren, indem ich fiktive Umgebungen erschaffe, in denen wir das Echo der Realität wahrnehmen können.“

Diese Praxis verfolgt Hans Op de Beeck auch in seinen großen Aquarellen, in Videos und Animationen. In seinen filmischen Arbeiten experimentiert er und wendet verschiedene Techniken an: Der Schwarz-Weiß-Film „Staying Silence“ von 2013 enthält eine Bühne, auf der mit Alltagsgegenständen verschiedene Szenen aufgeführt werden. In der Manier eines Schattenspiels oder Puppentheaters erscheinen am Bildrand Hände, die eine Landschaft formen: ausgegossenes Wasser wird zum Meer, aus Kartoffeln und einem Bonsai formen die Hände eine Insel. In der Schlusssequenz erscheint eine Stadt aus Zuckerwürfeln, die durch Regen aus einer Gießkanne langsam dahinschmilzt. Op de Beeck vertraut auf das Grundprinzip des Erzählens: Gerade weil die Illusion mit einfachsten Mitteln beschworen wird und er im Verlauf des Films seine Tricks enthüllt, wird die Fantasie angeregt und die Ungläubigkeit der Betrachter überwunden.

In der Videoarbeit „The Thread“ von 2015 lässt Hans Op de Beeck wiederum lebende, vermummte Spieler zwei Punk-Puppen eine Liebesgeschichte bis zum Tod des einen armen Helden durchleben. Der ebenfalls 2015 entstandene Animationsfilm „Night Time“ beruht schließlich auf Schwarz-Weiß-Aquarellen, die Op de Beeck in nächtlicher Arbeit zu Papier gebracht und zu einer eindringlichen, traumlastigen Erzählung zusammengeschnitten hat. Die aquarellierten Vorlagen zeigen dunkle Landschaften, Großstadtszenen, Interieurs, Gegenstände und Figuren, die er im Film zu Leben erweckt. „Night Time“ erscheint wie ein düsterer Traum mit unwirklichen Perspektiven und Umgebungen und vermittelt ein Gefühl von schlummernder Gefahr und möglicher Entgleisung.

Als Hortus Conclusus hat Hans Op de Beeck seine Schau in der Kremser Kunsthalle inszeniert, als einen verdichteten Erinnerungsraum, dessen Motiv die Abwesenheit und der Stillstand der Zeit sind. „Ich hoffe“, bekannte Hans Op de Beeck anlässlich der Eröffnung, „ dass, wenn man den evozierten geistigen Raum der Ausstellung verlässt, man die Welt draußen für eine Weile mit anderen Augen sieht, wie wenn man ein gutes Buch gelesen oder einen Film gesehen hat, der einen bewegt.“

Die Ausstellung „Hans Op de Beeck: The Cliff“ ist bis zum 23. Juni zu sehen. Die Kunsthalle Krems hat dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet, montags nur an Feiertagen. Der Eintritt kostet 10 Euro, ermäßigt 9 Euro. Begleitend zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Verlag für moderne Kunst, der im Museumsshop für 29,80 Euro erhältlich ist.

Kontakt:

Kunsthalle Krems

Franz Zeller Platz 3

AT-3500 Krems

Telefon:+43 (02732) 90 80 10

Telefax:+43 (02732) 90 80 11

E-Mail: office@kunsthalle.at



19.03.2019

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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03.03.2019, Hans Op de Beeck: The Cliff

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Hans Op de Beeck, Aquarelle, 2011-2019
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Hans Op de Beeck, Christmas, 2006
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Hans Op de Beeck, Night Time, 2015
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Hans Op de Beeck, Night Time, 2015
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Variabilder:

Hans Op de
 Beeck
Hans Op de Beeck







Hans Op de Beeck, Aquarelle, 2011-2019

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Hans Op de Beeck, Christmas, 2006

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Hans Op de Beeck, Night Time, 2015

Hans Op de Beeck, Night Time, 2015

Hans Op de Beeck, Night Time, 2015

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Hans Op de Beeck

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Hans Op de Beeck, Staging Silence (2), 2013

Hans Op de Beeck, Staging Silence (2), 2013

Hans Op de Beeck, Staging Silence (2), 2013

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Hans Op de Beeck, Wunderkammer (7) und Wunderkammer (10), 2018

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Hans Op de Beeck, Timo, 2018

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Hans Op de Beeck, Tatiana (soap bubble), 2017

Hans Op de Beeck, Tatiana (soap bubble), 2017

Hans Op de Beeck, My bed a raft, the room the sea, and then I laughed some gloom in me, 2019

Hans Op de Beeck, My bed a raft, the room the sea, and then I laughed some gloom in me, 2019

Hans Op de Beeck, Memento Mori, 2019

Hans Op de Beeck, Memento Mori, 2019




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