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Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Ausgesuchte Designwaren im Dorotheum

Ein irakischer Eisberg auf Wanderschaft



Zaha Hadid, Sitz-Skulptur „Iceberg“, 2003

Zaha Hadid, Sitz-Skulptur „Iceberg“, 2003

Bekanntermaßen ist die Spitze eines Eisbergs der kleinste Teil dieses harten Gebildes, dessen weite horizontale Ausbreitung unter Wasser die größte Gefahr ausmacht. Diese zwei gegensätzlichen Bewegungen zogen Zaha Hadid, eine gebürtige Irakerin mit britischer Staatsangehörigkeit, in ihren Bann. 2003 schuf die Architektin und Designerin die Sitz-Skulptur „Iceberg“ für die Mailänder Firma Sawaya & Moroni. Ein schlankes und in die Höhe strebendes Element in Perlweiß definiert die rechte äußere Kante. Von der leicht gerundeten Spitze fällt die Linie steil hinab und führt in einem weiten flachen Bogen zu ihrem waagrecht auskragenden Pendant auf der gegenüberliegenden Seite der Sitzbank mit kleiner Lehne. Im Wiener Dorotheum kann bei der Design-Auktion das erste von zwei Probeexemplaren dieser auf insgesamt elf Stück limitierten Edition für 110.000 bis 140.000 Euro erworben werden.


Dieser schmelzresistente Eisberg ist jedoch nicht das teuerste Objekt am 27. März; das ist vielmehr eine italienische Schleife. Der Bildhauer Giacomo Manzù betätigte sich 1969 als Designer und gestaltete den einzigartigen Couchtisch „Nastro“, zu Deutsch „Schleife“. Das namensgebende Element in Bronze trägt als geschwungener Fuß mit drei Schlaufen die dicke Kristallglasplatte. Manzù formte damit einen Tisch für sein eigenes Heim in Campo del Fico südlich von Rom. Da schon vor einem Jahr im Dorotheum ein astartiges bronzenes Tischgestell samt Glasplatte von Giacomo Manzù für 220.000 Euro zugeschlagen wurde, nehmen sich die jetzt anvisierten 130.000 bis 180.000 Euro nicht zu hoch aus.

Wertvolle Haushaltsauflösungen

Etwas günstiger liegt mit 90.000 bis 120.000 Euro ein schlichter Mahagoni-Schreibtisch, den Adolf Loos 1903 für die Wohnung von Michael Leiss in Wien entwarf. Zur Ausstattung gehörten ferner ein einfacher Schrank aus rotbraunem Mahagoni mit einem Messinggriff, dessen Zierrat sich auf die Rahmung und eine Querleiste im unteren Schrankdrittel reduziert (Taxe 45.000 bis 55.000 EUR), oder zwei Armsessel auf Rollen mit einem vor 20 Jahren erneuerten Lederbezug in kräftigem Petrol (Taxe 34.000 bis 45.000 EUR). Nun darf zu dieser Zeit in keinem nobleren Haushalt ein Spieltisch mit ausklappbarer Platte fehlen, den Loos ebenfalls in rotbraunem Mahagoni fertigen ließ (Taxe 22.000 bis 28.000 EUR). Überraschend sind dann aber doch zwei Stühle, für die sich der bekennende Ornamentgegner bei barocken Ideen bediente: Voluten, eine herzförmige Aussparung wie auch Troddeln dekorieren ihre geschnitzten Lehnen (Taxe 14.000 bis 18.000 EUR).

Ebenfalls für ein Wiener Privathaus plante Franz Singer um 1927 einen Stuhl. Das strenge Möbelstück mit geflochtener Lehne und schwarzen Jutestreifen für die weite Sitzfläche war im Besitz der Industriellenfamilie Condor (Taxe 80.000 bis 130.000 EUR). Aus der Villa Primavesi in Hinterbrühl bei Wien stammen mehrere Objekte, die Josef Hoffmann zugeschrieben sind, etwa das dreiteilige Couchset um 1905/07 mit Bank und zwei Fauteuils aus braunem Leder (Taxe 24.000 bis 35.000 EUR). Ebenfalls zum Hausstand des Industriellenpaares Sigmund und Mary Primavesi gehörten ein Deckenleuchter aus Messing mit floralem getriebenem Dekor und Glasgehängen um 1913/15 (Taxe 12.000 bis 20.000 EUR) oder eine helle Kommode von circa 1905/07 aus Birnenholzfurnier mit einer nach vorne gewölbten Front und einem schmalen querrechteckigen Spiegel. Maria Likarz soll für einen ockerfarben grundierten Teppich mit geometrischem und stilisiert floralem Muster in Blau- und Brauntönen verantwortlich gewesen sein, den sich die Primavesis ebenfalls zulegten (Taxe je 12.000 bis 18.000 EUR).

Tische und Stühle

Vier schwarze, diagonal abstehende Beine tragen eine rot-weiße Platte aus Terrazzo bei Jean Prouvés Tisch „Granito“ von 1945 (Taxe 40.000 bis 50.000 EUR). Einen Tisch ohne die typischen vier Beine ließ Mathieu Matégot 1954/55 produzieren. Ein schlankes Metallrohrgerüst trägt eine kleine Glasplatte. Dazwischen hat Matégot als skulptural anmutendes Element diagonal eine schwarz lasierte Metallplatte mit gerundeten polygonalen und dreieckigen Ausschnitten eingestellt. Ein kleiner Augenfang sind kleine gelbe und rote Kreise als Auflagen für die Platte. Das Model „Santiago“ wurde nur zweimal ausgeführt und soll jetzt 40.000 bis 60.000 Euro einspielen. Eine gerundete Keilform definiert dagegen den Beistelltisch „Twisted“ von Philip Michael Wolfson aus dem Jahr 2009 für das New Yorker Unternehmen Designlush. Die äußeren Flächen des kleinen Tischs sind weiß gehalten, während das Innere in 24 Karat Blattgold aufleuchtet (Taxe 6.000 bis 9.000 EUR).

Dem Motto „Nomen est Omen“ fühlte sich Ron Arad verpflichtet, als er 1994 den Stuhl „Box in Four Movements“ kreierte. Aus Kirschholz und silbrigen Stahlgelenkfedern konstruierte er einen Klappstuhl in vier Segmenten, der verschiedene Positionen einnehmen und zusammengefaltet die Gestalt einer würfelförmigen Holzkiste annehmen kann (Taxe 40.000 bis 55.000 EUR). Fernab präziser Winkel agiert Philippa von Basthas organisch inspirierte Sitz-Skulptur „Turkey Bone“ von 2016/17. Die aus Aluminium gegossene Arbeit bezieht sich humorvoll vermutlich auf die Hüfte eines Truthahns mit der inneren Aussparung und der halbkreisförmigen Konkave, die wohl die Pfanne für ein Beingelenk ist (Taxe 15.000 bis 25.000 EUR). Dass der Documenta-Gründer Arnold Bode auch als Designer tätig war, wissen wohl die wenigsten. Sein Stuhl „Tectaform“ Modell 801 lädt mit seinen geschwungenen x-förmigen Beinen und seinem weichen Stoffbezug in warmem Beige zum Ausruhen ein. Um 1952 für Domus Raumkunst entworfen, ist er eines der wenigen Exemplare der Tectaform-Serie, die umgesetzt wurden und nicht nur auf Papier verbürgt sind. Dazu gibt es eine Mappe, die 36 Blätter an Originalzeichnungen Bodes mit Sitzmöbelideen des „Tectaform“-Projektes umfasst (Taxe 8.000 bis 15.000 EUR).

In einer stilisierten Korkenzieherdrehung erhebt sich der „Snake Chair“ von Poul Henningsen um 1932 in verchromtem Stahlrohr mit rundem Sitz und Lehne aus schwarzem Lederimitat (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). Ähnlich einer stilisierten Orchideenblüte möchte der orangefarbene Stuhl „Floris“ von Günter Beltzig den Sitzenden umschließen. Für den Fiberglasstuhl von 1967 und sein anthropomorphes Aussehen stand ein Abguss des Körpers seines Wuppertaler Designers Pate (Taxe 8.000 bis 15.000 EUR). Das Herz eines Pazifisten mag höher schlagen, sobald es die vier „Paradise-Chairs“ aus der Serie „Peace-Chair“ von Xaver Sedelmeier erblickt. Denn die Form orientiert sich an dem dreigliedrigen Friedenszeichen, das nach innen gelegt innerhalb eines Kreises eine Sitzgelegenheit ergibt. Zudem ist der hölzerne Korpus auf schlanken Stahlfüßen von einem rosafarbenen Stoffbezug umhüllt (Taxe 12.000 bis 18.000 EUR).

Schränke und Sekretäre

An der Schnittstelle von freier und angewandter Kunst ist Esther Stocker tätig und dachte sich 2009 eine Mischung aus Ablageregal und Raumteiler in minimalistischem Schwarz-Weiß aus. Die klare Geometrie und Zurückhaltung des siebenmal existierenden Werks rufen Erinnerungen an Piet Mondrians konstruktivistische Bilder wach (Taxe 20.000 bis 28.000 EUR). Dieselben Farben für eine Regalstruktur, die aus unregelmäßigen Vierecken besteht, verwendete Alfredo Häberli 2006 bei seinem Prototyp des Regals „Pattern“ (Taxe 26.000 bis 35.000 EUR).

Eine Mischung aus schlankem Schrank mit ausgreifenden Armen, die als Ablagebretter fungieren, erarbeitete Ettore Sottsass 1981 in einer frühen Ausführung des Modells „Casablanca“. Bei dem postmodernen Werk sind die horizontalen und vertikalen Tangenten in Rot gehalten, die Fronten des Schrankes und der Schublanden in Weiß beziehungsweise Gelb. Hierüber zieht sich ein einheitliches schwarzes feines Fleckenmuster (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). Als zusammengehöriges Paar sind eine geschwungene Kommode mit drei Schubladen und ein großer Rundspiegel sofort erkennbar. Denn der Schweizer Designer Carlo Rampazzi überzog sie um 1978 mit einem Giraffenmuster in den Farben Elfenbein und Schwarz (Taxe 16.000 bis 24.000 EUR).

Lampen, Teppiche und Varia

Von der Natur lässt sich Deborah Thomas für ihre Kreationen inspirieren. So besteht ihr Kronleuchter „Broken Ice von 1996/98 aus unzähligen kleinen handgeschliffenen Kristallglasfragmenten, die durch dünne Drähte miteinander verbunden sind und eine Art Eiswolke ausbilden (Taxe 12.000 bis 18.000 EUR). Die beiden dazugehörigen Wandappliken listet der Katalog für 8.000 bis 15.000 Euro. Eher an eine Art hängenden Eisberg aus durchsichtigen recycelten Glasteilen lässt ihr etwa gleichaltriger Kronleuchter „Northern Fleet“ denken (Taxe 15.000 bis 25.000 EUR). In die farbprächtige Welt der Korallenriffe entführt hingegen Jacopo Foggini mit seiner Deckenlampe „Anemone“ von 2015. In drei Reihen biegen sich die vielfachen lilafarbenen schlanken Arme sukzessive zu den Seiten, als handele es sich um ein Exemplar dieser Blumentiere (Taxe 8.000 bis 13.000 EUR).

Ivan da Silva Bruhns gehört nicht zu den geläufigen Inneneinrichtern des französischen Art Déco. Doch werden seine Teppiche auch schon einmal mit sechsstelligen Summen bezahlt. Daher nehmen sich die 4.000 bis 8.000 Euro, die das Dorotheum für einen flaschengrünen Wollteppich um 1930 mit ockerfarbenen Klammerschwüngen an den Seiten vorgesehen hat, nicht zu teuer aus. Etwas höher liegt da Hans Steineders Teppichkreation aus dieser Zeit mit bunten Blockstreifen in Mäanderanordnung bei 6.000 bis 10.000 Euro. Vasenentwürfe finden sich auf sechs Skizzenblättern Erna Koprivas von 1930. Die Keramikerin der Wiener Werkstätte und Assistentin Josef Hoffmanns nutzte dabei geschwungene Dekore mit viel Schwarz, die als unregelmäßig breite Linien oder Punkte ausgebildet sind. Einmal hat sie sich auch zu einer Verbindung mit einem rosafarbenen Blumenmuster durchgerungen (Taxe 6.000 bis 10.000 EUR).

Die Auktion „Design First“ startet am 27. März ab 15 Uhr. Die Vorbesichtigung läuft bis zum Auktionsbeginn täglich außer sonntags von 10 bis 18 Uhr sowie samstags von 9 bis 17 Uhr.

Kontakt:

Dorotheum

Dorotheergasse 17

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 515 60 0

Telefax:+43 (01) 515 60 443

E-Mail: client.services@dorotheum.at



25.03.2019

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/S. Hoffmann

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Taxe: 16.000 - 24.000 EURO

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Taxe: 130.000 - 180.000 EURO

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Taxe: 6.000 - 12.000 EURO

Zuschlag: 6.000,- EURO

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Deborah Thomas, Paar Wandappliken „Broken Ice“, 1988/98

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Taxe: 8.000 - 15.000 EURO

Losnummer: 36

Xaver Sedelmeier, 4 „Paradise-Chairs“, 2015/18

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Taxe: 12.000 - 18.000 EURO

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Jacopo Foggini, Deckenlampe „Anemone“, 2015

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Taxe: 8.000 - 13.000 EURO

Losnummer: 75

Erna Kopriva, Sechs Vasenentwürfe, 1930

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Taxe: 6.000 - 10.000 EURO

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Poul Henningsen, Snake Chair, um 1932

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Adolf Loos, Paar Sessel, 1903

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Deborah Thomas, Deckenleuchter „Broken Ice“, 1996/98

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