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Anna Uddenberg inszeniert Abgötter des Feminismus in Bonn

in der Ausstellung „Power Play. Anna Uddenberg“

Vom Tageslicht abgeschottet, tritt der Besucher in ein flauschiges Ensemble aus Sandtönen, hellgrauen und weißen Farben. Das lange schmale Seitenkabinett der Bonner Bundeskunsthalle ist angefüllt mit zart-graziösen Konstrukten, wobei der erste kurze Abschnitt einer Bar ähnelt. Barhocker mit weißen Sitzschalen gruppieren sich um einen langen hohen Glastisch, auf dem eine aufreizend bekleidete, lebensgroße Frauenpuppe liegt und das Gesäß dem Eintretenden entgegenstreckt. In noch extremeren Verrenkungen knetet sich ein anderes Weib auf einem abseits stehenden Hocker. Rasch wird klar, dass es um Rollenmuster und Klischees von Frauen, um das in Massenmedien kommunizierte typisch Weibliche geht. Unter dem Titel „Power Play“ hat Anna Uddenberg in Bonn ein haptisches und auf den ersten Blick verführerisches Gesamtkunstwerk inszeniert.

Die 1982 geborene Schwedin Uddenberg, die an der Städelschule in Frankfurt und danach an der Königlichen Kunstakademie in Stockholm studiert hat, beschäftigt sich mit gesellschaftlichen Konventionen und Normen in einer exzessiven Konsumkultur, die sie übertrieben zum Ausdruck bringt. Dabei docken ihre Plastiken am Fetischhaften der Warenwelt an. Besonders exzessiv artikuliert sie dies im Kern der Präsentation. Durch eine Öffnung in der Trennwand schaut man in ein von großen Segeln überspanntes Ambiente, das auf den ersten Blick wie eine Sauna- oder Whirlpoollandschaft in einem Yachtclub anmutet. Auf einem durchgängig dicken, flauschigen Teppichboden platziert, erweisen sich die absonderlichen Gerätschaften aber als verschlüsselte, eigentlich nicht benutzbare Extrakte einer Auseinandersetzung mit der weiblichen Identität, dem Schaffenskern Uddenbergs.

Wie Stoffcollagen überspannen Noppenfelder, Netze, Fransen, hyperweiche Plüschteile in sanft femininem Kolorit ihre Organismen in fast anzüglichen Formationen. Uddenbergs Konstrukte wirken wie sonderbare Mischungen aus Autoskootern, Entbindungsliegen, Kinderwagen, Businesssitzen in Flugzeugen oder mittelalterlichen Folterinstrumenten. Nur mit großen akrobatischen Verrenkungen – wenn überhaupt – könnte man auf ihnen seinen Körper positionieren. Bieten die unseligen Sexmöbel entspannte Ruhe oder pressen sie den Menschen in ein Muster? Wie überhaupt und zu welchem Zweck benutzt man sie? Sardonisch hinterfragt hier die Künstlerin die geschlechtsspezifische Performativität des sozialen Gebrauchswertes in der technischen Ästhetik.

Die Ausstellung „Power Play. Anna Uddenberg“ ist bis zum 22. September zu sehen. Die Bundeskunsthalle hat täglich außer montags von 10 bis 19 Uhr, dienstags und mittwochs bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 4 Euro, ermäßigt 3 Euro. Zur Ausstellung ist eine Publikation zu 12 Euro erschienen.

Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland
Friedrich-Ebert Allee 4
D-53113 Bonn

Telefon: +49 (0)228 – 91 71 0
Telefax: +49 (0)228 – 23 41 54

Quelle: Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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in der Ausstellung „Power Play. Anna Uddenberg“
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