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Christian Kosmas Mayer räsoniert im Wiener Museum Moderner Kunst über die Zeit und ihre Paradoxe

Neue Begegnungen zwischen Zeit und Ewigkeit



in der Ausstellung „Christian Kosmas Mayer – Aeviternity“

in der Ausstellung „Christian Kosmas Mayer – Aeviternity“

„Was also ist die Zeit? Wenn mich niemand darüber fragt, so weiß ich es; wenn ich es aber jemanden auf seine Frage erklären möchte, so weiß ich es nicht. Das jedoch kann ich zuversichtlich sagen: Ich weiß, dass es keine vergangene Zeit gäbe, wenn nichts vorüberginge, keine zukünftige, wenn nichts da wäre. Wie sind nun aber jene beiden Zeiten, Vergangenheit und Zukunft, da ja doch die Vergangenheit nicht mehr ist und die Zukunft noch nicht ist?“ Das schreibt Augustinus in seinen „Confessiones“. Alles was wir erleben ist in der Zeit – im „Jetzt“. Im gegenwärtigen Augenblick spiegelt sich die Welt. Wir erleben dieses „Jetzt“ wiederholt, als Aneinanderreihung von Erlebnissen, die voneinander verschieden sind und sich doch auf eine besondere Weise ähneln. Das Zeitempfinden entsteht also aus der Spannung geordneter aufeinanderfolgender Wirklichkeitserfahrungen.


Was aber, wenn die Linearität einer chronologischen Zeit in Frage gestellt wird und sie stattdessen in eine Vielzahl von diskontinuierlichen Zeitsträngen fragmentiert wird? In seiner aktuellen Ausstellung „Aeviternity“ im Wiener Museum Moderner Kunst (MUMOK) folgt Christian Kosmas Mayer derartigen Überlegungen. Seine installativen und medienübergreifenden Arbeiten basieren auf eingehenden historischen und zeitgeschichtlichen Untersuchungen und stellen Evolutionäres und Naturhaftes in einen kulturgeschichtlichen und wissenschaftlichen Bezug.

Der 1976 im baden-württembergischen Sigmaringen geborene Künstler, der in Wien lebt und arbeitet, macht nichts Geringeres als Zeit sichtbar. Das gelingt ihm einerseits in der Gegenüberstellung verschiedener Zustände von Materie, vor allem aber in der Inszenierung jener Rahmenbedingungen, die Objekte zur Verwandlung bringen. Die vorgestellten Objekte werden, setzt man sie bestimmten Kräften aus, zu etwas anderem. Sie fungieren als Reflexionsobjekte, in denen sich der Prozess der Verwandlung selbst widerspiegelt.

Für seine Wiener Schau arrangiert Mayer mehrere Gegenstände in einer Art Versuchsanordnung und extrahiert die in ihnen sedimentierten Formen von Zeit. Wenn er zum Beispiel eine künstliche Quelle installiert, um in ihr Dinge zu „versteinern“, vollzieht er damit nicht allein die Transformation eines alltäglichen Objekts zu einem Kunstwerk, sondern macht ein tiefer liegendes, museologisches Bezugssystem sichtbar.

In Anlehnung an die als magisch geltenden Versteinerungsquellen aus dem viktorianischen England veranschaulicht Christian Kosmas Mayer mit seiner künstlichen Petrifikationsquelle den graduellen Prozess einer Versinterung – das langsame Entstehen von Gestein, das sich durch allmähliche mineralische Ablagerung bildet. Die in Form eines riesigen Regalsystems präsentierte Installation widmet sich der paradoxen Temporalität von Versteinerung sowie der Rolle, die ihr in der romantischen Ästhetik zukam. Mehrere Exemplare derselben Spezies, aus weichem Ton geformte Tierkörper, die von stetigen Wasserrinnsalen übergossen werden, arrangiert Mayer auf dem hölzernen Gestell in einer höhlenartigen Wunderkammer. Im Laufe der Ausstellung werden die Tierfiguren mit einer Steinschicht überzogen. Ob die Objekte dadurch verfremdet oder eher konserviert werden, lässt er bewusst offen.

Die romantische Poetisierung von Material war immer auch Animation des Anorganischen. Exemplarisch für eine solche Vitalisierung ist das Motiv des Bergwerks. In Mayers Ausstellung verschränken sich unterschiedliche Zeitebenen des romantischen Bergwerks mit der Gegenwart seines konkreten Ausstellungsortes, des MUMOK, dessen Architektur selbst in Anlehnung an ein Bergwerk konzipiert wurde. Verortet „unter Tage“ – im zweiten Untergeschoss des Museums – wird der Ausstellungsraum zu einer imaginären und begehbaren Grotte, die außerhalb der Zeit zu sein scheint und gleichzeitig unmittelbar und anwesend durch die visuell und akustisch wahrnehmbare Bewegung des Wassers.

Den erzählerischen Rahmen bildet dabei eines der berühmten Versteinerungsnarrative: Die Geschichte eines Bergmanns, der 1670 bei einem Minenunglück im schwedischen Falun verschüttet wurde. Dessen Leichnam wurde 1719 in nahezu perfekt konserviertem und damit in jugendlichem Zustand wieder aufgefunden. Durch Vitriolwasser all die Jahre vor dem Zerfall bewahrt, härtete der Leichnam an der Oberfläche in kurzer Zeit aus, als wäre er aus Stein. Eine alte, am Ende ihres Lebens stehende Frau erkannte den versteinerten Unbekannten schließlich als ihren verschollenen Verlobten wieder.

In der romantischen Dichtung spiegelte sich dieser Fall in den Idealen der „ewigen Jugend“ bei Achim von Arnim oder des „unverhofften Wiedersehens“ bei Johann Peter Hebel. Christian Kosmas Mayer fokussiert auf das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Zeitformen: den durch Konservierung in anorganischer Natur jung gebliebenen Leichnam des Bergmannes und den biologischen Verfall seiner ehemaligen Geliebten, deren Erinnerung an den Bergmann sich ebenfalls der Zeit widersetzt. Versteinerung tritt hier als transformatorischer Prozess in Erscheinung, um Vergängliches und Vergessen zu überwinden – jedoch um den Preis des Lebens. Paradoxerweise ist es, wie Kurator Rainer Fuchs in seinem Katalogaufsatz schreibt, „die Versteinerung der Dinge, die zu einer Enthärtung eines erstarrten Zeitbegriffs führt“.

Phänomene wie Zeit und Erinnerung und Konstanten wie Lebendigkeit und Tod werden in Mayers Anordnung ebenso eindeutigen Zuschreibungen enthoben wie tradierte Zyklen und Ordnungen. Historische Narrative setzt der Künstler zudem in eine Beziehung zu wissenschaftlich fundierten Techniken, mit deren Hilfe längst abgestorbenem Leben, wie in Permafrost konservierten Pflanzensamen, zu neuem Leben verholfen werden kann. Beispielhaft dafür sind die wiederentdeckten Samen einer Pflanze, die vor circa 32.000 Jahren im heutigen Sibirien von einem arktischen Eichhörnchen in seinem Erdbau gehortet wurden und seitdem im dauerfrostigen Boden lagen. In 40 Metern Tiefe wurden sie 2005 von russischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern gefunden, denen es im Labor schließlich gelang, aus der Plazenta des Samens eine Pflanze wachsen zu lassen.

Da sich die heute in der Arktis lebenden Abkömmlinge dieser Pflanze evolutionär verändert haben, wurde im Labor etwas vermeintlich Ausgestorbenes, ein bereits verloren geglaubtes Stück Eiszeit wiederbelebt. Christian Kosmas Mayer ist es gelungen, mehrere Exemplare der „Silene“ zu erhalten und in einer laborartigen Präsentation in seine Ausstellung zu integrieren.

Die antagonistischen Erklärungsmodelle, die unser Seins- und Weltverständnis bestimmen, erfahren durch Christian Kosmas Mayers Arbeiten eine Relativierung und Ergänzung. Der englische Ausstellungstitel „Aeviternity“ bringt dieses Korrektiv auf den Punkt. Der Begriff beschreibt den Mittelpunkt zwischen Zeit und Ewigkeit und umgeht damit konventionelle Zeitvorstellungen, indem er ein alternatives Konzept von Zeit jenseits von limitierter Zeitlichkeit und unendlicher Ewigkeit offenlegt. Einem „Vorher“ und „Nachher“ werden neue Begegnungen erlaubt. Dass dabei allerdings Grenzen ausgetestet und überschritten werden, die früher nur imaginiert werden konnten, erweist sich längst nicht nur als Zeichen des Fortschrittes, sondern ebenso als Potential für neue Ungewissheiten und Gefahren.

Die Ausstellung „Christian Kosmas Mayer – Aeviternity“ ist bis zum 16. Juni zu sehen. Das Museum Moderner Kunst Wien hat montags von 14 bis 19 Uhr, dienstags bis sonntags von 10 bis 19 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 12 Euro, ermäßigt 9 bzw. 8 Euro. Für Kinder und Jugendliche unter 19 Jahren ist er frei.

Kontakt:

Museum Moderner Kunst - Stiftung Ludwig Wien

Museumsplatz 1

AT-1070 Wien

Telefon:+43 (01) 525 00

Telefax:+43 (01) 525 00 13 00

E-Mail: info@mumok.at



13.05.2019

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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23.02.2019, Christian Kosmas Mayer. Aeviternity

Bei:


Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien

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Christian Kosmas Mayer
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in der Ausstellung „Christian Kosmas Mayer – Aeviternity“
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Christian Kosmas Mayer

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