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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Bassenge würdigt neben den Klassikern einige weniger bekannte, aber nicht uninteressantere Vertreter der Moderne in einer gesonderten Auswahl. Auch eine Grafiksammlung hält der Berliner Versteigerer bereit und ergänzt damit sein breit angelegtes Angebot

Düster und doch ansprechend



Albert Birkle, Schlächterwagen, 1923

Albert Birkle, Schlächterwagen, 1923

Der Erste Weltkrieg bedeutete eine tiefe Zäsur in der Jugend des 1900 geborenen Albert Birkle, bevor er seine Lehre und das nachfolgende Studium in seiner Heimatstadt Berlin antrat. In den Kunstbetrieb der Hauptstadt gliederte er sich schnell erfolgreich ein, knüpfte wichtige Kontakte und fand etwa 1921 Aufnahme in der Berliner Secession. Gegenüber sozialen Problemen und politischen Missständen reagierte der bekennende Pazifist stets sensibel und prangerte diese in seiner Kunst ausdrucksstark an. 1923 dokumentierte er seine subjektiven Eindrücke eines schicksalsreichen Jahres der Weimarer Republik, als Deutschland in die dramatische Inflation mit verheerenden wirtschaftlichen Folgen rutschte. Ausgemergelte Gestalten und Pferde ziehen im „Schlächterwagen“ durch das dunkle Nichts. Ein von Not und Hunger gezeichneter Mann blickt schwach von unten links zum Betrachter, während in der Mitte eine elegante Dame in offener Droschke mit Kutscher fährt. Die gesamte Szene spielt sich dabei im schummrigen Zwielicht ab. Birkles Werk hat damit neben dem emotional aufrüttelnden Stil damit noch eine kritisch chronografische Wertigkeit.


Albert Birkle, wohl noch einer der prominenteren Vertreter der von Bassenge als „Vergessene Moderne“ betitelten Privatsammlung, soll mit dieser Arbeit 35.000 Euro erwirtschaften. Derartige, trotz ihrer Qualitäten häufig weniger bekannte Künstler offeriert der Berliner Versteigerer am 1. Juni in einem Sonderkatalog neben der Modernen Kunst und einer weiteren Privatkollektion unter dem Titel „Meistergraphik deutscher Klassiker“. Die 120 Positionen der „Vergessene Moderne“ führen in die verzweigten Wege des „Expressiven Realismus“ vor den Zweiten Weltkrieg, rücken Künstler ins Blickfeld, die von der NS-Diktatur verfemt und verfolgt und damit um die besten Jahre ihrer künstlerischen Entwicklung gebracht wurden, präsentieren Zauberhaftes und Erschreckendes, Leid und Lebensfreude.

Düster, wie bei Birkle, ist die Thematik ebenso bei Willi Kohl im Jahr 1919. „Lot und seine Töchter“ ziehen verloren durch eine albtraumhafte, prismatisch gebrochene Landschaft als Zeichen von Flucht und Vertreibung nach dem Ersten Weltkrieg (Taxe 18.000 EUR). „Zwei Koketten“ vor dunklem Grund mit absurden runden Körpern und überspannter Farbigkeit gestaltete Hanny Korevaar zu einer bizarren Karikatur der damaligen Stadtwelt aus (Taxe 10.000 EUR). Ihr Ehemann Armand Bouten steht ihr mit dem „Akt mit Katze“ in nichts nach. Auch seine Frau mit ellipsenhaftem Kopf und Mandelaugen von 1921, die ihre Arme vor dem Körper verschränkt, hat der Niederländer maßlos verzerrt. Ihre Schwangerschaft kann sie vor dem Betrachter trotzdem nicht verbergen. Denn diesem führt der Künstler einen Embryo vor Augen (Taxe 20.000 EUR).

Ambivalente Menschenbilder in der „Vergessenen Moderne“

Freundlich und ruhig ist dagegen Hanns Bolz’ „Traum im bunten Zimmer“ von 1910, den eine in der rechten Bildhälfte sitzende Dame mit geschlossenen Augen in ihrem individuell eingerichteten Apartment erlebt (Taxe 20.000 EUR). Das kunsthistorisch häufig behandelte Thema der Badenden setzte Gottfried Graf um 1923 als Hochformat mit kantig geometrischen Formen und leuchtendem Kolorit um. In den aufgesplitterten Strukturen lassen sich mehrere Damen in dominierenden Rottönen ausmachen, die von gemusterten Textilien verdeckt sind (Taxe 10.000 EUR). Mit kubistischen Tendenzen hat sich auch die Irin Evie Hone in einer hochformatigen Komposition beschäftigt, die zwei Figuren bis zur Unkenntlichkeit in einen Farbteppich zerlegt (Taxe 5.000 EUR). Auf seine Grundformen und Umrisse reduzierte Karl Hermann Haupt den „Trinker“ im Jahr 1925. Fantasievoll sind dessen Augen verdreht und die Körperteile, wie rechts ein Arm, durcheinander gewirbelt, während links eine Schnapsflasche und eine Zigarette den Grund für seinen Zustand liefern. Das deutlich von Bauhaus-Ideen inspirierte Ölgemälde soll 10.000 einspielen.

Thematisch verwandt, aber noch verruchter ist Hans Spiegels natürlicher gemalte Darstellung einer Frau „In der Sektbar“ um 1923, vor der gleich zwei angefangene Gläser stehen. Mit tiefen Augenringen blickt sie über einen Fächer zum Betrachter in der Hoffnung, dabei nicht entdeckt zu werden (Taxe 15.000 EUR). Einen gesünderen Lebensstil verfolgen seine sportlichen „Ruderer“ aus den Jahren um 1930, von denen zwei mit kräftigen Armen das Boot voranbewegen und dabei von einem drittem lautstark angetrieben werden (Taxe 12.000 EUR). Der 1894 geborene Hans Spiegel, ein Mitglied der Stuttgarter Üecht-Gruppe, dessen Atelier und Werk im Krieg zerstört wurden, war ein Favorit des Sammlers. Noch weitere seiner in der Vorkriegszeit geschaffenen Ölbilder listet der Katalog, darunter eine verschachtelte Straße mit zwei seltsamen Gewächsen, die anscheinend eingeschneit ist (Taxe 2.400 EUR), oder ein „Stillleben mit Masken“ samt übertrieben langen Nasen (Taxe 8.000 EUR).

Dynamischer ist Josef Eberz’ freudiges Gemälde „Der exotische Tanz“ von 1917. Die Bewegung der überlängten Figuren betont er durch an die Künstler des Blauen Reiters erinnernde Farbflächen (Taxe 16.000 EUR). Einsam steht dagegen ein Mann in der weitläufigen „Landschaft bei Assisi“, die Eberz 1920 inspirierte. Um ihn breitet sich das mediterrane Dorf und eine satt grüne Vegetation aus, die in teils glänzenden Tönen vom türkisblauen Himmel her beleuchtet ist (Taxe 18.000 EUR). Josef Eberz war ein weiterer der geschätzten Maler des Sammlers. Von dem 1880 in Limburg geborenen Expressionisten legte er sich noch die südlich heitere „Küste bei Ragusa“ von 1923 mit tiefblauem Meer, Fischern und den eindrucksvollen Befestigungsanlagen im Hintergrund zu (Taxe 6.000 EUR). Der 1943 im KZ Majdanek ermordete Jude Hermann Lismann lagerte 1920 seinen müden „Wanderer“ samt Hund übergroß in einer kristallin zersplitterten Hügellandschaft (Taxe 8.000 EUR). Als Meister der Reduktion von Stadt- und Naturansichten gilt Lyonel Feininger, der 1951 „Das Meer von Island (Lone Ship)“ mit der Feder umriss und stellenweiße als Aquarell dezent ergänzte. Die Linien lassen einen abstrakten Eisberg erahnen, dessen Größe das kleine Schiff im Zentrum hervorhebt (Taxe 16.000 EUR).

Typische Vertreter der Neuen Sachlichkeit sind Willy Boers’ „Stillleben mit Pfeife“, Büchern, Spielkarten, Tonvase und einer Zwiebel von 1934 für 3.000 Euro und Albin Edelhoffs „Stillleben mit Rose“ vor schwarzem Hintergrund für unschlagbare 1.000 Euro. Lyrisch lässt Erich Feyerabend 1926 seinen Akt mit blauer Blüte zwischen Rehen in einem stilisierten, nach hinten gestaffelten Wald stehen (Taxe 2.500 EUR). Die Vorliebe für nicht geläufige Positionen führte den Sammler auch zu Emil Boehm. Der 1873 geborene Münchner Maler gilt mit seiner fast naiven Malweise als Phantast, der etwa einen Trinker auf dem „Weg zum Glück“ oder einen „Kartenspieler“ schildert, auf dessen Schulter zwei kleine Gestalten – wohl ein Engel und ein Teufel – um seine Person ringen (Taxe je 500 EUR).

Klarer tritt das sozialpolitische Engagement bei Fritz Schirrmacher hervor, etwa bei seiner farbigen Kreidezeichnung eines vollkommen ausgemergelten Leierkastenmanns von 1922 (Taxe 800 EUR) oder in dem erschreckenden Blatt „Vor und hinter den Hausmauern“ von 1946 mit einem Erhängten (Taxe 1.800 EUR). Die harte gesellschaftliche Realität der Zwischenkriegszeit spiegeln zudem Willi Hertlein in seinen Gouachen „Alte Frau“ (Taxe 600 EUR) und „Invalider“ (Taxe 1.000 EUR), Anton Sailer in seinen zart aquarellierten Federzeichnungen „Dirne vor dem Hotel“ (Taxe 1.000 EUR) und der skurrilen Szene „Les deux rats“ (Taxe 800 EUR) oder Fritz Fuhrken in seinem bunten, dennoch erschütternden Aquarell „Totenzug“ (Taxe 2.800 EUR).

Blätter, Leinwände und Plastiken der Moderne

Preislich führt die Hauptauktion der Modernen Kunst Emil Nolde mit einem seiner zahlreich ausgeführten Blumenaquarelle an: Die „Mohnblüten, Iris und violetten Astern“ von 1925/30 verlangen 100.000 Euro. Noch verwaschener ist seine Ansicht von „Venedig. Santa Maria della Salute“ des Jahres 1924 als abendliches Querformat, die schon in der Dezember-Auktion bei Bassenge für 60.000 Euro zu haben war und nun für preiswertere 40.000 Euro ein weiteres Mal antritt. Als kritzelige Zeichnung legte Ernst Ludwig Kirchner 1919 seinen „Blick auf die Stafelalp mit Tinzenhorn“ an und beschränkte sich mit der Feder auf wenige nötige ausdrucksstarke Linien (Taxe 12.000 EUR). Als Gouache wirkt Hermann Max Pechsteins „Mühle und Ruderboot“ von 1931 geschlossener (Taxe 15.000 EUR). Noch detailreicher arbeitete sieben Jahre später Conrad Felixmüller in Öl auf Leinwand. Seine „Küste vor Møvik in Norwegen bei Abendsonne, Häuser und Wolken“ strahlt trotz der nahenden Nacht in starken Tönen (Taxe 12.000 EUR). Einzelne Blüten in einem einfachen Glas arrangierte Hans Purrmann 1949 zu seinem „Kamelienstillleben“ in gröberer Malart (Taxe 25.000 EUR).

Von der feingliedrigen Arbeitsweise Käthe Kollwitz’ zeugt ihre auf 1890 datierte „Studie einer auf einem Stuhl sitzenden Frau mit herabhängender Hand“, die ausschnitthaft im Fokus auf dem sonst leeren Blatt steht (Taxe 30.000 EUR). Einfacher gehalten ist Edvard Munchs Lithografie „Trauernder Akt“ eines Mädchens in Seitenansicht mit weggedrehtem Kopf von 1908/09 aus einer frühen Fünfzehnerauflage (Taxe 10.000 EUR). Otto Muellers „Fünf gelbe Akte am Wasser“ von 1921 wirken da vergnügter. Zwei der jungen Frauen befinden sich im kräftig blauen Wasser, das einen starken Kontrast zum Gelb ihrer Körper aufbaut (Taxe 24.000 EUR). Mit in sich gekehrtem Blick und ausdruckslos nach unten am Betrachter vorbei schauend, porträtierte Karl Hofer 1954 ein „Mädchen en face“. Der flächige Hintergrund greift dabei in Öl die Blau- und Goldtöne ihrer Bekleidung wieder auf (Taxe 30.000 EUR).

Die Skulpturen spielen ebenso mit figürlichen Formen. Unter den ältesten Stücken ist dabei August Gauls „Sitzender junger Löwe (Dusselchen)“ von 1898, bei dem der Namenszusatz seinen jungforschen Blick mit leicht gesenktem Kopf erklärt (Taxe 7.000 EUR). Eine ähnliche, ruhigere Kopfhaltung nimmt Ernst Barlachs „Lesender Klosterschüler“ als Bronzeguss nach 1938, der in unbequemer Pose mit geradem Rücken und durchgestreckt aufgestützten Armen dem Lernen überdrüssig scheint (Taxe 15.000 EUR). Verspielter sind Renée Sintenis’ Tierbronzen, von denen unter anderem ein „Junger Bär“ im Stehen auf einem hellgrauen Marmorsockel von 1932 für 7.500 Euro sowie ein „Junger Hund (Junger sitzender Terrier)“ von 1925 für 6.000 Euro zu haben sind. Genauso kindlich, aber weniger realitätsnah ist Max Ernsts Gesichtsfigur „Chéri Bibi“ von 1973 auf einer quadratischen Fläche mit kegelförmigen Füßen (Taxe 13.000 EUR).

Internationale jüngere abstrakte Arbeiten

Bis auf die Farbe brach Yves Klein sein experimentelles Schaffen herunter. Im Trio sind zwei Farbserigrafien, eine in seinem typischen Blau und eine in Magenta, sowie ein teils mit Blattgold belegter Karton unter dem Titel „Monochrome und Feuer“ und damit der „Katalog“ zu seiner ersten und einzigen Auslandspräsentation 1961 im Krefelder Haus Lange für 12.000 Euro im Angebot. Cy Twombly blieb dem Zeichnerischen treu und füllte mehrere schwarze Blätter unter dem Namen „8 Odi di Orazio“ mit seinen charakteristischen schrifthaften weißen Linien und Schwüngen, die als Hunderterauflage 1968 erschienen und heute im Schuber auf 12.000 Euro hoffen lassen. Schriftsymbole sind ebenso Bestandteil von Antoni Tàpies’ Œuvre. Als abstrakte Kommentare zu Texten von Rafael Alberti schuf er 1977 in „Retornos de lo vivo lejano“ 19 Doppelblätter mit 14 Farblithografien in einer Leinenkassette für zusammen 8.000 Euro.

„Rechenzeichen“ setzte Herbert Zangs um 1975 aus reliefartig collagierter Wellpappe, übermalt mit weißer Dispersionsfarbe, in einem Objektkasten zusammen (Taxe 8.000 EUR). Als Hauptvertreter der informellen Kunst in Deutschland gilt Karl Otto Götz. Für „Castor + Pollux“ komponierte er 1996 seine typisch dynamischen breiten Pinselschwünge in ein Tondo, das neben der Dynamik noch von seinen starken Kontrasten zwischen Gelb, Schwarz und Weiß lebt (Taxe 10.000 EUR). Ergänzend treten Gerhard Hoehme mit einer feinen, gesteinsartig geschichteten Tuschezeichnung von 1961 (Taxe 6.000 EUR), Fred Thieler mit zwei energischen Mischtechniken aus dem 1950er Jahren (Taxe 1.800 EUR und 3.500 EUR) und Mark Tobey mit zwei aquarellierten Farbflächen samt skripturalen Zeichen aus dem 1960er Jahren hinzu (Taxe 4.000 und 3.000 EUR).

Da hielt schon die Pop Art und damit wieder die Figuration Einzug ins Kunstgeschehen, etwa Mel Ramos, in dessen Aquarell „The pause that refreshes“ um 1975 ein Pin-Up als Rückenakt vor einem Coca Cola-Schriftzug sitzt und lasziv über die Schulter zum Betrachter schaut (Taxe 12.000 EUR). Figürliches Gestalten blieb wichtiger Bestandteil der Nachkriegskunst bis in die jüngste Zeit, etwa bei François-Marie Baniers „Saint-Pétersbourg, Novembre 1991“ als Fotografie von 1999 mit gut gelaunten Küchenarbeiterinnen, die er in Acryl stimmungsgerecht bunt übermalte (Taxe 10.000 EUR). Der 1958 in Ravensburg geborenen Matthias Mansen setzt auf die Technik des Holzschnitts und arbeitete zu Beginn der 1990er Jahren an der Serie „Das Haus“. Drei seiner dreiteiligen großformatigen Interieurs sind für Schätzungen zwischen 2.200 Euro und 3.000 Euro zu haben.

Eine Sammlung hohen Anspruchs: Meistergrafik deutscher Klassiker

Mit einer älteren, naturalistischeren Arbeit als bei der „Vergessenen Moderne“ taucht Lyonel Feininger nochmal in der Grafiksammlung von Bassenge auf. In dieser Rubrik steht der „Ausrangierte Eisenbahnwagen“ von 1910 zum Verkauf, bei dem besonders die Figuren schon seine spätere starke Stilisierung vorausahnen lassen (Taxe 7.500 EUR). Unter den Hauptstücken ist Karl Schmidt-Rottluffs abstrakte monochrome „Ziegelei bei Varel“ von 1909 als seltener Holzschnitt für 35.000 Euro. Mit ähnlich flächigen „Weißen Häusern“ im oberen Drittel über einer tiefschwarzen und nur selten von wenigen weißen Strukturen durchbrochenen Landschaft ergänzt ihn Erich Heckel mit einem Blatt der gleichen Technik von 1907 bei 7.500 Euro. Scheinbar unbeobachtet und tief ins Bett versunken stellte Heckel 1913 seine „Schlafende“ dar, deren einer Arm zu Boden hängt. Fantasievoll wie ein Traumgebilde formte er aus runden und zackigen Linien den abstrakten Raum um die Figur (Taxe 8.000 EUR). Reduzierend auf die Konturen ging Karl Schmidt-Rottluff bei seinem „Sitzenden Akt“ von 1914 vor, füllte die damit entstehenden Flächen innerhalb des Körpers und darum aber mit Grautönen auf der Lithografie, die die Experten Bassenges nach eigenen Angaben im internationalen Auktionshandel nicht noch einmal nachweisen konnten, (Taxe 10.000 EUR).

Geschäftiges Treiben zeichnet Max Liebermanns mit Kohle und Bleistift übergangene „Judenstraße“ von 1909 aus. Händler und ihre Kunden bevölkern die figurenreiche Szene, die als Vorbereitung für sein im selben Jahr fertiggestelltes Gemälde gesehen werden kann, das am 31. Mai bei Lempertz in Köln angeboten wird (Taxe 7.500 EUR). Ungewohnt detailreich, monochrom und bedrückend sind die „Bretonischen Bettler“ als Lithografie von 1907 für den später vor allem für seine bunten Tierabstraktionen bekannten Franz Marc (Taxe 6.000 EUR). Umso besser passt das aus ausdrucksstarken Umrissen in Holz geschnittene „Totenhaus“ von 1922 zu Max Beckmann, der sich in seinem künstlerischen Werdegang häufig mit schwierigen Thematiken befasste (Taxe 25.000 EUR). Kritisch richtete ebenso Jeanne Mammen ihren Blick auf die Gesellschaft. Um 1930 stellte sie zwei „Nutten“ in aufreizender Kleidung in einen durch den Asphaltdruck tiefschwarzen Raum (Taxe 5.000 EUR).

Desillusioniert schaut Emil Noldes „Prophet“ als grober Holzschnitt von 1912 drein, dessen Gesichtspartien sich aus dem schwarzem Grund lösen und geisterhaft in Erscheinung treten (Taxe 30.000 EUR). Die Kälte inspirierte Rolf Nesch 1930/31 zu seiner Radierung „Winterlandschaft“ mit zwei kargen Bäumen vor einer Hecke. Den Probedruck schätzen die Experten des Versteigerers genauso auf 7.500 Euro. In die Ungegenständlichkeit führt Georg Muches Radierung „Kosmisches Stillleben“ von 1922, die der Sammler als Doublette im Bauhaus-Archiv in Berlin erworben hat (Taxe 3.500 EUR). Surreal ist Karl Hubbuchs Blatt „Das dritte Gesicht“ von 1921 voller Mensch-Tier-Gestalten und technischen Gerätschaften mit wirren Proportionen in einer Fantasielandschaft (Taxe 15.000 EUR). Für jeden Sammler zu empfehlen ist Lesser Urys Lithografie „Der Kunstkenner“ von 1922, der karikaturhaft mit einem kleinen Vergrößerungsglas ein Kunstwerk auf der Staffelei inspiziert (Taxe 1.800 EUR).

Am 1. Juni versteigert Bassenge in Berlin ab 11 Uhr die „Vergessene Moderne“ und „Meistergraphik deutscher Klassiker“ sowie ab 15 Uhr die „Moderne Kunst Teil I“. Die Vorbesichtigung ist noch bis zum 30. Mai jeweils von 10 bis 18 Uhr und am 31. Mai von 10 bis 16 Uhr in der Abteilung Moderne Kunst, Rankestraße 24, 10789 Berlin möglich. Die Lose sind zudem online unter www.bassenge.com abrufbar.

Kontakt:

Galerie Bassenge

Erdener Straße 5a

DE-14193 Berlin

Telefon:+49 (030) 893 80 290

Telefax:+49 (030) 891 80 25

E-Mail: info@bassenge.com



30.05.2019

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jan Soldin

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