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Moderne Kunst im Dorotheum mit starkem französischem Schwerpunkt

Selbst-Grimasse



Giacomo Balla, Autosmorfia, 1900

Giacomo Balla, Autosmorfia, 1900

Wie soll man sich selbst darstellen? Vor dieser Fragen standen und stehen etliche Künstler, so auch 1900 Giacomo Balla. Er ist das Jahr der Weltausstellung in Paris. Der junge Balla weilt seit September als Gast des Künstlers Serafino Macchiati in der französischen Metropole. Er besucht den Louvre, wo er bei den Werken Alter Meister auf ein Selbstporträt des Niederländers Adriaen Brouwer trifft. Bei der Weltausstellung sieht er das symbolistische Gemälde „Hass und Wahnsinn“ des Serben Pasko Vucetic. Er bewundert die Werke und schreibt an seine Frau Elisa: „Nach dem Frühstück malte ich weiter Köpfe, die schrägsten Grimassen ziehend, ich werde ein paar davon malen und dann versuchen sie zu verkaufen.“ Im noch aufbrausenden Alter von 29 Jahren wählt Balla keine klassisch abgeklärte Position, sondern einen überzogenen extravaganten Auftritt. Mit langem, rotzotteligem Schopf und Spitzbart psychologisiert er sich als erstaunter, gar erschrockener Bohemien und tut es damit den „Charakterköpfen“ Franz Xaver Messerschmidts gleich. Mit der „Autosmorfia“, dieser „Selbst-Grimasse“, ergründet er extreme Ausdrucksformen menschlicher Gefühlswelten. Ballas fast fratzenhafte Gestalt ist nun im Dorotheum für 80.000 bis 120.000 Euro zu haben.


Das Selbstportrait ist nicht das einzige und nicht das teuerste Gemälde Giacomo Ballas in der Auktion „Klassische Moderne“. Sein knapp zwei Meter hohes Rollbild „Primavera a Villa Borghese“ um 1918, das in den stilisierten, sich überschneidenden Farbrundungen Anzeichen für Ballas Abstraktion bietet, geht mit 300.000 bis 400.000 Euro ins Rennen. Ganz ungegenständlich ist seine kleine spitzwinklige futuristische Komposition „Forze spaziali“ um 1919 (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Von den sonst im Dorotheum zahlreich vorhandenen Futuristen ist diesmal nur Giulio D’Anna zugegen und schickt die beiden Collagemalereien „Aero in volo + paesaggio dello Stretto“ (Taxe 9.000 bis 12.000 EUR) und „Libri + aero Caproni“ mit Flugzeugen aus den frühen 1930er Jahren in die Versteigerung (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR).

Andere malerische Konzepte verfolgten bei den Italienern Fausto Pirandello mit dem archaischen Realismus in der ländlichen Ungezwungenheit „I pastori“ mit Kuh, Ziege und Esel von 1934 (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR) und Renato Guttuso mit seiner stärker moralisch motivierten Variante, die auch in seiner „Natura morta con drappo rosso“ von 1942 mit Tierschädel ihren Ausdruck findet (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR). Pferd und Reiter waren das Lebensthema von Marino Marini. Zwei Versionen davon liegen im Dorotheum vor: Der „Piccolo Cavaliere“ als unikate bemalte und glasierte Keramikskulptur von 1949 (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR) und der Bronzetorso „Piccolo cavallo“ von 1943 nach etruskischen Vorbildern (Taxe 120.000 bis 180.000 EUR). Auch Giacomo Manzù arbeitete vorwiegend als Bilderhauer. Bei seiner entspannt liegenden „Ragazza in poltrona“ von 1975 fehlt der Sessel; daher scheint seine Bronzefigur zu schweben (Taxe 70.000 bis 100.000 EUR).

Auch bei der deutschen Moderne gibt es eine wichtige Plastik. Als Gipsmodell schuf Wilhelm Lehmbruck 1902/05 sein noch vom Jugendstil inspiriertes „Badendes Mädchen“, das er wohl vor 1910 in Bronze mit dunkelbrauner Patina gießen ließ (Taxe 45.000 bis 55.000 EUR). Dem Expressionismus ist Hermann Max Pechsteins „Junges Mädchen am Meer“ zuzuordnen. Bei dem Ölgemälde von 1923 in spontanem Pinselduktus klingt die paradiesische Sehnsucht des Brücke-Malers nach dem Einklang von Natur und Mensch an (Taxe 180.000 bis 250.000 EUR). Korrekt gekleidet und etwas abgeklärt portraitierte dagegen Karl Hofer 1943 seine zweite Ehefrau Elisabeth (Taxe 50.000 bis 60.000 EUR), während bei Otto Dix das „Mädchen auf rotem Tuch“ wieder nackt und einsam vor weitem Horizont am Strand hockt. Die Kreideskizze zu dem Gemälde „Die Hexe“ soll 20.000 bis 30.000 Euro einbringen. Als Bauhaus-Künstler treten Paul Klee mit der frühen surrealen Radierung „Der Held mit dem Flügel“ von 1905 (Taxe 50.000 bis 60.000 EUR), László Moholy-Nagy mit dem konstruktivistischen schwarz-weißen Linolschnitt sich kreuzender Balken (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR) und Lyonel Feininger mit mehreren späten Tuscheaquarellen an, darunter einer „Street scene“ mit eindimensionaler Häuserfassade von 1952 (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR) oder dem „Sail boat with red flag“ von 1947 (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR).

Den zeitlichen Anfang bei der Kunst aus Österreich macht Gustav Klimt mit einigen Bleistiftstudien, so mit einem übereinander gebeugten, in sich verwobenen Liebespaar von 1903 (Taxe 60.000 bis 90.000 EUR) oder einer etwa gleichaltrigen sitzenden Frau von vorn, einem Entwurf zu dem Gemälde „Bildnis Adele Bloch-Bauer“ (Taxe 20.000 bis 28.000 EUR). Als Vertreter der Secessionisten macht noch Otto Friedrich mit seiner selbstbewussten „Tänzerin“ in weitem folkloristischem Schal auf sich aufmerksam (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). Eine unbeschwerte impressionistische Schilderung mit dem Leopoldsberg, der Donau und Klosterneuburg, um 1915 vom Nussberg aus gesehen, stellt Carl Moll für 70.000 bis 100.000 Euro zur Verfügung. Expressionistischer ist Albert Paris Güterslohs „Stillleben mit Figur und Schleier“ von 1922 in seinem aufregenden Kolorit (Taxe 30.000 bis 45.000 EUR), ebenfalls Robin Christian Andersens „Landschaft mit Klippen und Bäumen“ um 1909/12 (Taxe 6.000 bis 9.000 EUR). Koloristisch reizvoll ist genauso Helene Funkes „Stillleben mit Früchten, Krug und kleiner Skulptur“ von etwa 1925 (Taxe 18.000 bis 28.000 EUR). Genauer geordnet, fast ein wenig abgezirkelt ist Werner Bergs „Asternstrauß auf Kärntnerdecke“ von 1948 (Taxe 80.000 bis 130.000 EUR).

Mit innigen Mutter-Kind-Darstellungen beschäftigten sich Artur Nikodem in seiner auf kräftigen Blau- und Rottönen konzentrierten „Madonna Madre“ von 1929 (Taxe 14.000 bis 22.000 EUR) und Rudolf Stolz in seiner gleichfalls herben Temperamalerei „Mutter und Kind in einer Landschaft“, die immer noch deutlich religiöse Vorbilder rezipiert (Taxe 12.000 bis 20.000 EUR). Bei Sammlern stehen die alpinen sonnenüberströmten Winterlandschaften Alfons Waldes hoch im Kurs, die er mit dicken, meist blau gefärbten Schneemassen anfüllte. Zwei dieser Exemplaren hat das Dorotheum an den Anfang seiner Auktion gestellt: die menschenleeren „Almen im Schnee“ von 1932 für 120.000 bis 170.000 Euro und den einsamen „Hof am Wilden Kaiser“ von 1935 mit zwei Bäuerinnen in Sonntagstracht, die sich ihren Weg durch das Weiß bahnen müssen, für 250.000 bis 380.000 Euro. Während Anton Mahringer in seinem bunten Ölgemälde „St. Georgen im Gailtal“ von 1950 noch eine deutlich erkennbare Landschaft entwirft (Taxe 25.000 bis 38.000 EUR), bleibt bei der 1969 gemalten wässrigen Version „St. Georgen“ nur noch eine abstrakte Erinnerung an seinen Kärntner Wohnort übrig (Taxe 20.000 bis 35.000 EUR). Ein Exot im Auktionsprogramm und im österreichischen Kunstmarkt ist der 1903 geborene Russe Georgy Nissky, der hauptsächlich Industrielandschaften thematisierte. Auch seine abendlichen weiten „Verschneiten Feldern“ hat er um 1970 mit einem kleinen Flugzeug bereichert (Taxe 80.000 bis 140.000 EUR).

Gut bestückt ist die Auktion diesmal mit französischen Kunstschaffenden. Preislich ein früher Höhepunkt ist Paul Cézannes Aquarellstudie „L’Allée des Marronniers au Jas de Bouffan“ um 1890/95, die erst im Mai 2018 bei Grisebach für netto 160.000 Euro zugeschlagen wurde und nun schon wieder für 280.000 bis 350.000 Euro antritt. An einem Sommertag des Jahres 1924 hat Théo van Rysselberghe seinen realistischen „Akt mit Panama“ vor einer blaugrünen Blätterwand platziert (Taxe 26.000 bis 36.000 EUR). Frappierende kompositorische Übereinstimmungen gibt es zwischen Le Corbusiers abstrahiert gezeichnetem Stillleben mit Gläsern und Karaffen von 1922 (Taxe 70.000 bis 100.000 EUR) und Amédée Ozenfants farbig ausgeführter Gouache „Nature morte, verre et carafe“ von 1925, bei der die Gegenstände ebenfalls zweidimensional in der Fläche gebannt sind (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). Zu den Puristen wird ebenfalls Serge Charchoune gezählt, dessen „Composition“ von 1945 mit ihren schwebenden Kreisformen schon surrealistische Tendenzen aufnimmt (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR).

Typische Vertreter des Surrealismus sind dann André Masson mit seinem aufwühlenden, von Gewalt geprägten Gemälde „Le braconnier“ in der Signalfarbe Rot von 1931 (Taxe 70.000 bis 100.000 EUR) oder Wifredo Lam mit seinem titellosen Götzenbild von 1967 (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR). Ruhiger und unaufgeregter geht es bei Pablo Picasso zu, der seine zweite Ehefrau Jacqueline Roque auf zwei Druckgrafiken als in sich gekehrte Lesende eingefangen hat. Die Lithografie von 1957 verlangt 18.000 bis 20.000 Euro, der Linolschnitt von 1964 liegt mit 45.000 bis 60.000 Euro deutlich darüber. Seine typische knochig ausgezehrte Malweise mit kräftigen schwarzen Konturen kennzeichnet auch Bernard Buffets spätes Stillleben „Bouquet dans un vase de Gallé“ von 1998 (Taxe 65.000 bis 100.000 EUR). Als „pseudowissenschaftliche Abstraktionen“ bezeichnete Man Ray seine zehn Collagen „Revolving Doors“, die er 1919 in der New Yorker Galerie Daniel wie eine Drehtür angeordnet hatte. Hiermit schuf er ein frühes kinetisches Kunstwerk und spielte auf das Verhältnis von Mensch und Maschine an. 1942 setzte er diese Collagen als Ölbilder um und gab ihnen skurrile Titel wie „Betonmischer“, „Das Treffen“ oder „Drachenfliege“. Die mit „Long Distance“ betitelte Arbeit aus dieser Serie, eine Überlagerung der Form eines Luftschiffes mit Streifen von knalligen Farben als Symbol unaufhaltsamer Energie, offeriert das Dorotheum nun für 140.000 bis 180.000 Euro.

Die Auktion beginnt am 4. Juni um 17 Uhr. Die Vorbesichtigung findet bis zum Auktionsbeginn täglich von 10 bis 18 Uhr, samstags von 9 bis 17 Uhr und sonntags von 14 bis 17 Uhr statt. Der Online-Katalog listet die Objekte unter www.dorotheum.com.

Kontakt:

Dorotheum

Dorotheergasse 17

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 515 60 0

Telefax:+43 (01) 515 60 443

E-Mail: client.services@dorotheum.at



02.06.2019

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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04.06.2019, Klassische Moderne

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Dorotheum

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Moderne Kunst

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Wifredo Lam, Ohne
 Titel, 1967
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Bernard Buffet, Bouquet dans un vase de Gallé, 1998
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Le
 Corbusier, Stillleben, 1922
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Amédée Ozenfant, Nature morte, verre et carafe, 1925
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Paul Cézanne, L’Allée des Marronniers au Jas de Bouffan, um 1890/95
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Kunstwerk:

Carl Moll, Donau-Ansicht (Blick vom Nussberg auf Leopoldsberg und
 Klosterneuburg), um 1915
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Albert Paris Gütersloh, Stillleben mit Figur und Schleier, 1922

Albert Paris Gütersloh, Stillleben mit Figur und Schleier, 1922

Taxe: 30.000 - 45.000 EURO

Losnummer: 38

Otto Friedrich, Tänzerin, 1908

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Taxe: 40.000 - 60.000 EURO

Losnummer: 6

Hermann Max Pechstein, Junges Mädchen am Meer, 1923

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Taxe: 180.000 - 250.000 EURO

Losnummer: 39

Gustav Klimt, Sitzende Frau von vorn (Studie zum „Bildnis Adele Bloch-Bauer“), um 1903

Gustav Klimt, Sitzende Frau von vorn (Studie zum „Bildnis Adele Bloch-Bauer“), um 1903

Taxe: 20.000 - 28.000 EURO

Losnummer: 8

Giulio D’Anna, Aero in volo + paesaggio dello Stretto, um 1930/33

Giulio D’Anna, Aero in volo + paesaggio dello Stretto, um 1930/33

Taxe: 9.000 - 12.000 EURO

Losnummer: 17

Wifredo Lam, Ohne Titel, 1967

Wifredo Lam, Ohne Titel, 1967

Taxe: 25.000 - 35.000 EURO

Losnummer: 24

Paul Cézanne, L’Allée des Marronniers au Jas de Bouffan, um 1890/95

Paul Cézanne, L’Allée des Marronniers au Jas de Bouffan, um 1890/95

Taxe: 280.000 - 350.000 EURO

Losnummer: 32

Bernard Buffet, Bouquet dans un vase de Gallé, 1998

Bernard Buffet, Bouquet dans un vase de Gallé, 1998

Taxe: 65.000 - 100.000 EURO

Losnummer: 25

Alfons Walde, Hof am Wilden Kaiser, 1935

Alfons Walde, Hof am Wilden Kaiser, 1935

Taxe: 250.000 - 380.000 EURO

Losnummer: 2

Amédée Ozenfant, Nature morte, verre et carafe, 1925

Amédée Ozenfant, Nature morte, verre et carafe, 1925

Taxe: 40.000 - 60.000 EURO

Losnummer: 31

Rudolf Stolz, Mutter mit Kind in einer Landschaft

Rudolf Stolz, Mutter mit Kind in einer Landschaft

Taxe: 12.000 - 20.000 EURO

Losnummer: 48

Alfons Walde, Almen im Schnee (Trattalm am Kitzbühler Horn), 1932

Alfons Walde, Almen im Schnee (Trattalm am Kitzbühler Horn), 1932

Taxe: 120.000 - 170.000 EURO

Losnummer: 1

André Masson, Le braconnier, 1931

André Masson, Le braconnier, 1931

Taxe: 70.000 - 100.000 EURO

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