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Krems hat nun die Landesgalerie Niederösterreich und feiert die Eröffnung mit gleich fünf Ausstellungen

Dicht gedrängt



Die Landesgalerie Niederösterreich in Krems ist eröffnet

Die Landesgalerie Niederösterreich in Krems ist eröffnet

Nur 70 Kilometer westlich von Wien liegt im Donautal und am Tor zur Wachau das schöne Städtchen Krems. Knapp 25.000 Einwohner zählt die Gemeinde und kann doch mit einem Kulturangebot aufwarten, das einmalig in Niederösterreich ist. Neben dem jährlich im Frühjahr stattfindenden „Donaufestival“, einer Veranstaltungsserie für zeitgenössische Kunst und Kultur, dem Musikfestival „Glatt und Verkehrt“ vereint die „Kunstmeile Krems“ mit der Kunsthalle, dem Forum Frohner, dem Klangraum Minoritenkirche, der Factory, der Filmgalerie, dem Karikaturmuseum und der Artothek Niederösterreich eine gut gefüllte Reihe von Institutionen, die Kunst und Kultur auf hohem Niveau bieten. Ende Mai öffnete nun mit der Landesgalerie Niederösterreich eine weitere Kulturinstitution ihre Pforten. Drei Jahre nach Baubeginn präsentiert das neue, rund 35 Millionen Euro teure Museum die Kulturschätze des Landes, die um Werke aus Privatsammlungen ergänzt werden. Der von den Architekten Bernhard Marte und seinem Bruder Stefan Marte in Stahlbetonskelettbau entworfene, größtenteils fensterlose Bau, der von einer silbrig-grau glänzenden Titan-Zinkschindel-Oberfläche ummantelt wird, bietet auf fünf Ebenen insgesamt 3.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche.


Die neu errichtete Landesgalerie ist ein baulicher Solitär, der sich recht selbstbewusst vor die dahinterliegende, in einer ehemaligen Tabakfabrik gelegene Kunsthalle schiebt. Mit seiner geometrischen Hülle und der verwegenen Drehung der Seiten entspricht der markante Bau mehr einer monolithischen Skulptur als einem funktionalen Gebäude. Die sich verbindenden Geraden zweier ungleicher Quadrate in Grund- und Dachebene formen in einer Verschwenkung von 30 Grad verzogene Flächen. Weiter oben verschmälern sich zudem die Seitenlängen des Baus von 33 auf 30 Meter. Ein einziger Einschnitt im obersten Geschoß gewährt Richtung Donau den Blick auf das Benediktinerkloster Stift Göttweig, das am Ausläufer des Dunkelsteinerwaldes thront. Ansonsten gibt sich das plastische Werk nach außen hin hermetisch.

Im Inneren stanzen sich als vertikale Konstante zwei betonierte Erschließungstürme durch die insgesamt fünf Stockwerke. Gleichzeitig entstanden durch die Dehnungen der Außenwände Ausstellungsräume von sehr unterschiedlichem Zuschnitt. Was auf der einen Seite als flüchtende Fläche wahrgenommen wird, wird auf der anderen zur überhängenden Steilwand. Die vielfach extrem schiefen Wände bedeuten für die Präsentation von Gemälden, Zeichnungen und Grafiken allerdings eine logistische Herausforderung, die aktuell nur durch ein graues Stellwandsystem auf weißen Gerüsten gelöst werden konnte.

Nach einem Pre-Opening im März, wo der noch leere Bau erlebt werden konnte, präsentiert sich das Museum seit Ende Mai erstmals mit Kunst bestückt: Gleich fünf verschiedene Ausstellungen haben Direktor Christian Bauer und Kurator Günther Oberhollenzer ausgerichtet und als programmatische Leitlinie das Begriffstrio „Landschaft, Mensch, Sammeln“ gewählt. Das Erdgeschoss bespielt in einer Solopräsentation die 1943 in Wien geborene Künstlerin Renate Bertlmann, deren Arbeiten derzeit auch im Österreich Pavillon der Biennale in Venedig zu sehen sind. „Hier ruht meine Zärtlichkeit“ betitelt Bertlmann ihre Zusammenstellung von Werken der 1970er und 1980er Jahre und aktuellen Arbeiten. In der für die Künstlerin charakteristischen Melange von phallischen und religiösen Symbolen setzt sich Bertlmann mit den Mechanismen der in der Gesellschaft verankerten Pornographie auseinander und spart dabei Tabubruch, Kitsch und Peinlichkeiten nicht aus. Im Vergleich zu den frühen Werken, beispielsweise der mehrteiligen schwarz-weißen Fotosequenz „René“ von 1977, in der Bertlmann eine direkte, ironische und gleichzeitig humorvolle gesellschaftskritische Analyse von geschlechtsspezifischen Rollenposen betreibt, wirken die aktuellen Arbeiten jedoch eigentümlich glatt und steril.

Im ersten Stock widmet sich die Themenausstellung „Ich bin alles zugleich“ künstlerischen Selbstdarstellungen. Ausgehend von Egon Schiele werden hier Selbstinszenierungen und -portraits unter anderem von Oskar Kokoschka, Herbert Boeckl, Richard Gerstl, Adolf Frohner, Florentina Pakosta, Arnulf Rainer, Jakob Lena Knebl, Maria Lassnig, Bruce Nauman, Hermann Nitsch und Franz West präsentiert – leider viel zu beengt und noch dazu in einer verschachtelten Ausstellungsarchitektur, die an das lieblos vollgestopfte Arrangement einer Messekoje erinnert.

Nicht weniger dicht geht es im zweiten Stock zu, wo in einer weiteren Überblicksausstellung das Thema „Sehnsuchtsräume – Berührte Natur und besetzte Landschaften“ verhandelt wird. Die Auswahl aus der insgesamt rund 100.000 Objekte umfassenden Kunstsammlung des Landes Niederösterreich, die zudem durch zahlreiche Leihgaben aus privatem und öffentlichem Besitz ergänzt wird, kann zwar in der Gegenüberstellung von malerischen Sehnsuchtsträumen wie beispielsweise von Emil Jakob Schindlers 1882 entstandener „Pappelallee nach dem Gewitter“ und Egon Schieles „Zerfallender Mühle“ von 1916 einen spannungsreichen Dialog mit fotografischen Arbeiten Robert F. Hammerstiels, Michael Goldgrubers oder Margherita Spiluttinis setzten, allerdings wäre auch hier weniger mehr gewesen. Der Kurator Günther Oberhollenzer ist der Versuchung erlegen, möglichst viele Exponate zu präsentieren. Eine zeitliche Verkürzung der beiden Themenausstellungen, die immerhin bis Mitte April beziehungsweise bis Mitte August 2020 zu sehen sein werden, zugunsten einer kürzeren, dafür aber reduzierten Präsentation hätte beiden Schauen gut getan.

Großzügiger gestaltet ist dagegen Ebene drei, auf der Heinz Cibulka seine fotografischen Land-Stadt-Konfigurationen ausbreitet. Die ländliche Kultur des niederösterreichischen Weinviertels, wo sich Cibulka vor rund 50 Jahren aus Wien kommend niederließ, steht im Zentrum seiner Fotografien, Bildgedichte und Digitalcollagen. Mit geschärftem Blick für das scheinbar Unbedeutende und Normale spürt er den Menschen und ihrem Leben nach, der Kultur und Tradition, den ländlichen Berufen und religiösen Riten. In „Geschichtes Gedicht“ von 2000 unternahm Cibulka den Versuch, in vier digitalen Bildcollagen einen Einblick in die österreichische Kultur- und Geistesgeschichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu geben.

Wer jetzt noch nicht genug gesehen hat, erkundet im Untergeschoss eine Ausstellung, die dem aus Niederösterreich stammenden Wirt und Kunstsammler Franz Hauer gewidmet ist. Hauer, der aus einfachsten Verhältnissen stammte, zunächst Hausknecht im Kremser Hotel „Zur weißen Rose“ war und 1895 von seinem Schwager die legendäre Wiener Gastwirtschaft „Griechenbeisl“ übernommen hatte, erreichte innerhalb weniger Jahre Wohlstand und wurde nicht nur zu einem angesehenen Mitglied der Wiener Gesellschaft, sondern auch zu einem herausragenden Kunstsammler der Moderne. Hauer war der wichtigste Sammler von Albin Egger-Lienz und besaß umfangreiche Werkblöcke von Egon Schiele und Oskar Kokoschka. Die Sammlung wurde nach Hauers frühem Tod zum größten Teil verkauft und befindet sich heute verstreut in Museen und Privatsammlungen weltweit. Die Ausstellung zeigt in lockerer Raumfolge Werke von Oskar Kokoschka, Egon Schiele, Albin Egger-Lienz, Tina Blau und vielen weiteren, die Hauer in nur wenigen Jahren zusammengetragen hatte.

Fazit: der um sich selbst kreisende Monolith sollte nach den Aufregungen der Eröffnung zur Ruhe kommen. Less is more – denn wie schon Antoine de Saint-Exupéry wusste: „Perfektion ist nicht dann erreicht, wenn man nichts mehr hinzufügen, sondern nichts mehr weglassen kann.“

Ausstellungen
„Renate Bertlmann – hier ruht meine Zärtlichkeit“ und „Heinz Cibulka – Bin ich schon ein Bild?“ bis 29. September 2019
„Franz Hauer – Selfmademan und Kunstsammler der Gegenwart“ bis 16. Februar 2020
„Sehnsuchtsräume – Berührte Natur und besetzte Landschaften“ bis 19. April 2020
„Ich bin alles zugleich – Selbstdarstellung von Schiele bis heute“ bis 16. August 2020

Die Landesgalerie Niederösterreich hat bis zum 3. November täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, in den Wintermonaten bis Februar 2020 täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 10 Euro, ermäßigt 9 Euro, für Kinder und Jugendliche 3,50 Euro.

Kontakt:

Landesgalerie Niederösterreich

Museumsplatz 1

AT-3500 Krems

Telefon:+43 (02732) 90 80 10



06.06.2019

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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26.05.2019, Franz Hauer – Selfmademan und Kunstsammler der Gegenwart

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26.05.2019, Heinz Cibulka – Bin ich schon ein Bild?

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26.05.2019, Ich bin alles zugleich – Selbstdarstellung von Schiele bis heute

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26.05.2019, Sehnsuchtsräume – Berührte Natur und besetzte Landschaften

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26.05.2019, Renate Bertlmann – hier ruht meine Zärtlichkeit

Bei:


Landesgalerie Niederösterreich

Stilrichtung:


Zeitgenössische Kunst

Stilrichtung:


Moderne Kunst

Variabilder:

Erwin Wurm, Ich und Über-Ich, 2008
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Gottfried Helnwein, Selbstportrait mit Cyril und Ali, 1988

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Christian Bauer, Renate Bertlmann, Heinz Cibulka und Günther Oberhollenzer in der Landesgalerie Niederösterreich

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Bernhard und Stefan Marte, Landesgalerie Niederösterreich in Krems, 2017/19

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Ekaterina Sevrouk, Blick auf Weißenkirchen, 2018

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in der Ausstellung „Ich bin alles zugleich – Selbstdarstellung von Schiele bis heute“

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Egon Schiele, Wally, 1912

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Bernhard und Stefan Marte, Landesgalerie Niederösterreich in Krems, 2017/19

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Erwin Wurm, Ich und Über-Ich, 2008

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Michael Goldgruber, Skywalk, 2008

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in der Ausstellung „Renate Bertlmann – hier ruht meine Zärtlichkeit“

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Egon Schiele, Selbstporträt mit Pfauenweste, 1911

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in der Ausstellung „Heinz Cibulka – Bin ich schon ein Bild?“

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