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Rudolf Scharpff gestorben

Rudolf und Ute Scharpff vor Terry Winters „Shock Front“ von 1995

Rudolf Scharpff ist tot. Der Stuttgarter Kunstsammler starb bereits am 28. Mai im Alter von 89 Jahren. Das gab heute die Sammlung Scharpff bekannt. Er gehörte zu den großen Sammlerpersönlichkeiten des Landes Baden-Württemberg und wurde zusammen mit seiner Frau Ute von der Zeitschrift „Art News“ häufiger zu den 200 weltweit wichtigsten Sammlern für zeitgenössische Kunst gerechnet. Gerade mit den Stuttgarter Museen und Ausstellungshäusern war der studierte Betriebswirt eng verbunden. So präsentierte der Württembergische Kunstverein unter Uwe M. Schneede 1973 in der Schau „Mit Kunst leben. Ausstellung aus württembergischem Privatbesitz“ erstmals die Kollektion. 2004 folgte die Staatsgalerie Stuttgart mit der Ausstellung „Heißkalt – Aktuelle Malerei aus der Sammlung Scharpff“, die zuvor schon in der Hamburger Kunsthalle zu sehen war, 2014 das Kunstmuseum Stuttgart mit dem Resümee „Cool Place. Sammlung Scharpff“.

Rudolf Scharpff stammte aus einer kunst- und kultursinnigen Frankfurter Familie, unternahm in jungen Jahren längere Reisen nach Amerika und Frankreich und kam hier schon früh mit dem internationalen Kunstgeschehen in Berührung. Systematisch baute er die Sammlung dann ab den 1960er Jahren neben seinen verschiedenen beruflichen Tätigkeiten auf, die Scharpff schließlich 1980 in die Leitung des Weinheimer Unternehmens Freudenberg führten. Anfangs begeisterte er sich für die Nouveaux Réalistes, die amerikanische Graffiti-Malerei und die sozialkritischen Kunst in den USA. Später legte Scharpff den Schwerpunkt der Sammlung zunehmend auf die Malerei.

Im Zentrum seiner Sammleraktivitäten stand über viele Jahre der Dialog mit den großen Positionen der amerikanischen Kunst: Christopher Wool, Jeff Koons, Robert Gober, Mike Kelley und Cady Noland. Aber auch deutscher Malerei verschiedener Generationen – von Günther Förg und Werner Büttner bis Albert Oehlen, von Michel Majerus und Neo Rauch bis André Butzer – gehörte das Interesse des Sammlerehepaares. Heute umfasst die Kollektion Werkgruppen international renommierter Künstlerinnen und Künstler aus Deutschland, Amerika und England, etwa von Bridget Riley, Glenn Brown oder Rebecca Warren.

Seit 2004 leitet Carolin Scharpff-Striebich die Sammlung. Gemeinsam mit seiner Tochter hat Rudolf Scharpff seit 2008 mit dem „Offenen Depot“ ein neues Modell entwickelt. Damit wird der Hamburger Kunsthalle, dem Kunstmuseum Stuttgart, dem Kunstmuseum Bonn, der Staatsgalerie Stuttgart und der Kunsthalle Mannheim ermöglicht, mit den Beständen der Sammlung nach eigenen Vorstellungen auf Basis eines Kooperationsvertrages zu arbeiten. Scharpff war kein Sammler, der Museen seine Werke als Leihgabe aufzwang und Gegenleistungen einforderte. Es ging ihm darum, die Möglichkeiten eines Museums zu erweitern und Freiräume zu eröffnen.

„Die Kunst“, schreiben Ute und Rudolf Scharpff in ihrer 2004 veröffentlichten Sammlerautobiografie, „ist das größte Abenteuer, verlangt den größten Spürsinn, den engsten Kontakt mit den Produzenten, die sorgfältigste Abwägung.“ Dieses Abenteuer will nun Carolin Scharpff-Striebich fortsetzen: „Mein Vater wollte immer vorne dabei sein. Er war bis zum Schluss getrieben, neue Künstler zu finden. Intensiv hat er jeden meiner Galerie- und Messebesuche, jedes meiner Gespräche mit Künstlern verfolgt. Da lebte er auf – und man vergaß sein Alter sofort. In diesem Sinne werde ich die Sammlung weiterführen.“


Infos: www.sammlung-scharpff.de


06.06.2019

Quelle: Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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