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Staffelübergabe unter Vorzeichen der Forschung im GNM Nürnberg

Rembrandt Harmensz van Rijn, Selbstbildnis, 1629

Kunstwerke und Kulturgüter aus allen Epochen im deutschsprachigen Raum zu erforschen, worauf sich der Begriff „germanisch“ im Namen bezieht, lautet der Gründungsauftrag des 1852 etablierten Germanischen Nationalmuseums (GNM) in Nürnberg. Mit einem Sammlungsbestand von 1,4 Millionen Objekten von Gemälden über archäologische Artefakte bis hin zum Handwerksgerät ist es das größte kulturhistorische Museum im deutschsprachigen Raum und als kultureller Leuchtturm ein Publikumsmagnet. Es gehört zu acht Museen der Leibniz-Gemeinschaft, die als „Forschungsmuseen“ firmieren und vom Bund sowie den Ländern finanziert werden. Mit 70 Prozent an Ausgaben ist der Forschungsanteil im GNM der höchste eines Museums in Deutschland. Besonders in den zahlreichen hauseigenen Publikationen kommt dies zum Ausdruck. Sie dokumentieren die Resultate, die meistens auch in der Form von Ausstellungen präsentiert werden. Nach 25 Jahren wechselt der Generaldirektor Ulrich Großmann heute in den Ruhestand und übergibt die Leitung an den hier seit 1998 tätigen Kunsthistoriker Daniel Hess. Großmanns letzte Ausstellung widmet sich dem „Abenteuer Forschung“.

Forschen bedeutet heute eine Reihe von unspektakulären Arbeitsschritten. Wann, wozu und von wem ein Objekt geschaffen wurde, sind dabei Ausgangspunkte. Immer häufiger tragen moderne technologische Errungenschaften zur Ermittlung von Ergebnissen bei. Am Beispiel von knapp 100 Exponaten thematisieren Großmann und seine Kollegen die Forschung und ihre Methoden in sechs großen Abschnitten. Zu Beginn steht der Besucher vor einem Selbstporträt des jungen Rembrandt, der früh erfolgreich in seiner Werkstatt Bilder von Schülern kopieren ließ. Das Bildnis galt lange als Wiederholung des vermeintlichen Originals im Den Haager Mauritshuis. Untersuchungen internationaler Experten ergaben 1998, dass das Nürnberger Werk aber das Original ist.

Umgekehrt verhält es sich bei Jan Philip van Thielen. Ein Blumenstillleben war dem flämischen Meister zugeschrieben, das sich bei einer kunsttechnologischen Untersuchung aber als Fälschung herausstellte. Wie Röntgenbilder offenbaren, wurde es aus 28 Einzelteilen neu arrangiert, durch Übermalungen vervollständigt und fand als Beispiel für den Umgang mit Kunstwerken Eingang in den Fundus des GNM. Ein als exzellentes Exemplar deutscher Volkskunst gedeutetes Spielzeugpferd konnte über dendrochronologische Analysen zweifelsfrei als in der Schweiz gefertigtes Objekt klassifiziert werden. Das letzte Kapitel widmet sich neuen Trends und Sichtweisen infolge politischer, wirtschaftlicher oder gesellschaftlicher Umwälzungen. Diskussionen um Indianerkostüme im Karneval oder das Werbedesign des Sarotti-Mohrs sind nur einige von vielen Anzeichen grundlegender Neubewertungen. Der Schweizer Kunsthistoriker und Dürer-Experte Daniel Hess wird nun in der Nachfolge von Ulrich Großmann die Neukonzeption der Dauerausstellungen auf dieser Grundlage sowie die eingeleiteten Sanierungsarbeiten weiterführen.

Die Ausstellung „Abenteuer Forschung“ läuft bis zum 6. Januar 2020. Das GNM hat täglich von 10 bis 18 Uhr, mittwochs bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 5 Euro. Der Ausstellungskatalog kostet 26 Euro.

Germanisches Nationalmuseum
Kartäusergasse 1
D-90402 Nürnberg

Telefon: +49 (0)911 – 13 31 0
Telefax: +49 (0)911 – 13 31 20

Quelle: Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Rembrandt Harmensz van Rijn, Selbstbildnis, 1629
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Blumenstillleben aus dem 17. Jahrhundert,
 Arrangement und Umarbeitungen aus dem 19. Jahrhundert
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