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Hiwa K gastiert in der Kunsthalle Mannheim

Hiwa K, Alchemy of Love (Mannheim), 2019

Gestern Abend eröffnete die Kunsthalle Mannheim anlässlich der Verleihung des Hector Preises 2019 eine Werkschau des Irakers Hiwa K. Der 1975 geborene Installationskünstler liefert mit konzeptionell und erzählerisch überzeugenden Kunstwerken Analysen global-gesellschaftlicher Verhältnisse und ihrer Formen der Repräsentation. Hiwa K verbindet dabei durch seine Werke das individuelle mit dem kollektiven transkulturellen Gedächtnis. Speziell für die Preisträgerschau schuf er das Werk „Alchemy of Love (Mannheim)“. Die Grundlage bildet eine Luftaufnahme in Schwarzweiß der Stadt Mannheim aus dem Jahr 1943; die Quadrate liegen nach einem Bombenangriff zerstört in Reih und Glied nebeneinander. Dazwischen sind rote Linien eingezeichnet; es sind die Routen der Kampfmittelräumdienste. Dieses Foto hat Hiwa K für sein neustes Kunstwerk auf einen riesigen Teppich drucken lassen. Parallel gibt ein Mediaguide den Besuchern Anweisungen für eine tänzerisch-meditative Begehung der interaktiv gedachten Fläche.

Der weite thematische Horizont seiner Kunst kreist meist um die jüngste Zeitgeschichte mit den kriegerischen Konflikten in seiner Heimat Kurdistan. In der Mannheimer Ausstellung ist eine Auswahl an jüngeren Arbeiten, unter anderem die Videoinstallation „My Father’s colour period“ von 2013 und das Video „Lemon tastes of apples“ von 2011, zu sehen. Außerdem zeigt Hiwa K das 2014/15 entstandene „Bell Project“, eine Glocke aus militärischen Abfallprodukten des Iran-Irak-Krieges (1980-1988) und der beiden Golfkriege (1991, 2003), die der Künstler bereits auf der Biennale von Venedig 2015 präsentierte. In diesem Werk kehrt er die gängige Praxis historischer Kriege um: Hatte man in der Vergangenheit Kirchenglocken eingeschmolzen, um sie zu Munition zu verarbeiten, werden bei ihm Patronenhülsen und kaputte Pistolen zu einer Glocke umgegossen.

Hiwa K stammt aus dem irakischen Ort Sulaimaniyya. Nach dem Schulabschluss bildete er sich im Selbststudium weiter, vor allem europäische Literatur und Philosophie interessierten den jungen Mann. Im Alter von 25 Jahren kam er nach Deutschland, beschäftigte er sich dort zunächst mit Musik und lernte beispielsweise Flamenco-Gitarre. Sein intermediales, skulpturales und oft mit Videoinstallationen verbundenes Schaffen greift erzählerisch anthropologische und politische Themen auf. Es bezieht eigene existentielle Erfahrungen sowie Menschen und Objekte ein, die dem Künstler an den verschiedenen Orten seiner Lebensreise begegnet sind. Seit 2008 ist Hiwa K regelmäßig an verschiedenen Institutionen als Gastdozent tätig, unter anderem 2010 und 2015 am berühmten Goldsmith College in London. 2015 war er auf der Biennale in Venedig zu Gast. 2016 erhielt er den Arnold-Bode-Preis der Stadt Kassel und den Kunstpreis der Schering Stiftung. Ein Jahr später war Hiwa K auf der Documenta 14 vertreten. Der Künstler lebt und arbeitet in Berlin.

Die Ausstellung „Hector Preis 2019: Hiwa K“ läuft bis zum 1. September. Die Kunsthalle Mannheim hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, mittwochs bis 20 Uhr und an jedem ersten Mittwoch im Monat bis 22 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 10 Euro, ermäßigt 8 Euro. Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren ist er frei.

Kunsthalle Mannheim
Friedrichsplatz 4
D-68165 Mannheim

Telefon: +49 (0)621 – 293 64 52
Telefax: +49 (0)621 – 293 64 12


05.07.2019

Quelle: Kunstmarkt.com/Maria Schabel

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Veranstaltung vom:


05.07.2019, Hector Preis 2019: Hiwa K

Bei:


Kunsthalle Mannheim

Kunstsparte:


Installationskunst

Kunstsparte:


Film und Video

Stilrichtung:


Zeitgenössische Kunst

Variabilder:

Aufnahme der deutschen
 Luftwaffe mit Markierungen für den Kampfmittelräumdienst aus dem Jahr 1943
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Variabilder:

Hiwa K, My Father’s Colour Period, 2013
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Hiwa K, The Bell Project, 2014/15
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