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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Grisebach verzauberte sein Publikum bei der Versteigerung der Neueren Meister mit der thematisch breit aufgestellten Auswahl sowie dem besonderen Augenmerk auf qualitätvolle, teils stark umkämpfte Papierarbeiten

Ein tragischer Auktionsheld



Karl Stauffer-Bern, Selbstbildnis mit Zigarette, 1883

Karl Stauffer-Bern, Selbstbildnis mit Zigarette, 1883

Als sich der Schweizer Karl Stauffer-Bern 1883 und damit drei Jahre nach dem Ende seines Studiums an der Akademie der Bildenden Künste München selbst mit dem Bleistift porträtierte, ahnte er wohl noch nichts von seinem weiteren Einfluss. Zu den Schülern des in Berlin tätigen Porträtmalers, Kupferstechers und Radierers zählte später etwa Kunstprominenz wie Käthe Kollwitz. Seine Entscheidung 1888 mit Lydia Escher nach Rom zu gehen, um dort die Bildhauerei zu erlernen, wurde ihm schließlich zum Verhängnis. Denn gegen die außereheliche Liaison der beiden intrigierte ihr Schwiegervater, der Schweizer Bundesrat Emil Welti, ließ Lydia in psychiatrische Obhut geben und den Künstler ins Gefängnis sperren. Nach seiner Freilassung wählte Stauffer-Bern 1891 den Freitod, woraufhin ihm seine Liebe wenig später folgte. Niemand geringeres als Richard Strauss plante, diese dramatische Geschichte in seiner „Alpensinfonie“ zu verarbeiten, verzichtete dann aber auf direkte biografische Bezüge. Dies holte Herbert Meier nach, dessen Theaterstück „Stauffer-Bern“ 1974 die Uraufführung feierte.


Das „Selbstbildnis mit Zigarette“ und Zwicker des noch jungen Karl Stauffer-Bern bot Grisebach nun für 2.500 bis 3.500 Euro feil. Wohl auch der Mythos um den Schweizer Künstler ließ im Auktionssaal Euphorie ausbrechen: Das Bietergefecht zog sich bis zu einer Summe von letztlich 115.000 Euro. Doch nicht nur mit dem frisch aus dem Kunstmuseum Winterthur restituierten Blatt der Sammlung Rudolf Mosse trieb Grisebach sein Publikum zu Höchstgeboten an. Die anderen Eckdaten der Versteigerung von Malerei und Papierarbeiten des 19. Jahrhunderts sprechen ebenso für einen erfolgreichen Tag: Netto gut 1,7 Millionen Euro Bruttoumsatz bei einer losbezogenen Absatzquote von über 74 Prozent sorgten in Berlin für Freude. Das Hauptstück stammte am 29. Mai von Adolph von Menzel. Mit Bleistift verewigte er 1881 das „Innere der Stiftskirche zu Einsiedeln“ und sparte nicht an Details der üppigen barocken Ausstattung, von der dank der Monochromie nicht zu viel Farbe ablenkt. Für seinen Ausschnitt des Chorraumes, der ihm beachtenswert erschien, musste ein Schweizer Privatsammler weit über den veranschlagten 60.000 bis 80.000 Euro zahlen und erhielt erst bei hohen 220.000 Euro den Zuschlag.

Beobachtet und auf Papier gebannt

Aus seinem direkten Lebensumfeld schöpfte Menzel seine Inspiration für die „Österreichischen Offiziere“ von 1852. Die drei Männer, einer als Rückenfigur und den anderen zugewandt, hielt er schon in einem Skizzenbuch fest und führte sie kurz nach seiner Sommerreise durch Süddeutschland, Böhmen und Österreich als Pastell aus. Das Blatt mit seinem Changieren zwischen genauem Beobachten und Fiktion kam auf 32.000 Euro (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Um 1850 entstand in gleicher Technik sein „Herr in Rokokotracht, in einem Sessel sitzend“ mit einer starken Körperwendung über seine Schulter nach links für 25.000 Euro. Aufgrund seiner detailreichen Ausführung scheint er nach mehr als einer bloßen Studie und vertritt einen eigenständigen Kunstanspruch (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR). Eine einfache „Frau in Tracht aus Orferode“ im Profil nahm 1825 Ludwig Emil Grimm in den Blick und betonte ihre bunte Kleidung durch gezielt gesetzte Aquarellfarbe, womit er 6.500 Euro erlöste (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR). Genau zu identifizieren ist dagegen Cuno Amiets fein gestricheltes „Porträt von Rosa Suter“ der Zeit um 1896. Die Jugendstil-Zeichnung erreichte ihre untere Schätzung von 8.000 Euro.

Höhere Preiskategorien erklomm Carl Philipp Fohr mit dem „Bildnis Ludwig Sigismund Ruhl“. In nachdenklicher Kopfhaltung mit einem Brief in der Hand setzte er seinem Malerkollegen 1816 ein beinahe melancholisches Denkmal. Die erst im März vom Berliner Kupferstichkabinett an die Erben des jüdischen Eisenwarengroßhandel Karl Mayer restituierte Zeichnung erzielte ungeahnte 98.000 Euro (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR). Fohrs „Begegnung auf der Falkenjagd“ wohl des Jahres 1816, bei der er mehr Wert auf die mit Feder gezogenen Umrisse legte, kam auf immerhin auf die obere Schätzgrenze von 15.000 Euro. Miteinander beschäftigt ist genauso die Frauengruppe in Fritz von Uhdes Ölgemälde „Holländische Nähstube“ von 1882. Das detailreiche Zimmer mit seiner wohligen Atmosphäre, der kaum Arbeitsstimmung anhaftet, schoss über seine Expertenmeinung von 40.000 bis 60.000 Euro hinaus bis auf 135.000 Euro und damit auf den neuen Auktionsrekord. Jean-Auguste-Dominique Ingres interessierte sich eher für den Arbeitsbereich im Freien und setzte mit dem Bleistift spontan eine römische Straßenecke mit Bildhauerwerkstatt für letztlich 10.000 Euro um (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR).

Mensch und Mythos

Heroisch inszenierte Osmar Schindler seine athletische Aktfigur „Siegfried“ auf einem Ölgemälde im Originalrahmen. Der Drachentöter, der 18.000 Euro einspielte, betrachtet verwundert seinen unverletzten Arm, während vor ihm das besiegte Untier liegt (Taxe 18.000 bis 24.000 EUR). Ähnlich mythenumrankt ist die Figur der Salome, die Max Klinger um 1903 als zarte Bronzebüste, der ihr düsteres Schicksal nicht anzusehen ist, mit schwarzer Patina umsetzte. „Die neue Salome“ brachte taxkonforme 20.000 Euro ein. Während von ihrem berühmten Tanz nichts zu sehen ist, setzte Franz von Stuck diesen 1897/98 umso dynamischer um. Mit den Händen hält seine „Tänzerin“ Brust- sowie Saumbereich ihres Kleides und strebt strahlend nach vorn. Die kleine Plastik eines Gusses vor 1906 war einem Sammler 18.000 Euro wert (Taxe 18.000 bis 24.000 EUR). Gleichsam verklärt sind die Damen in Pierre Olivier Joseph Coomans’ „Liebesgeheimnis“ von 1857. Mit teuren Tüchern bedeckt, wendet sich eine Frau ihrer Begleiterin zu, die wiederum direkt den Betrachter fixiert. Das erotisch aufgeladene, exotische Werk stieg schnell über seine Schätzung von 10.000 bis 15.000 Euro und endete erst bei 38.000 Euro.

Eine einzelne Dame nahm Franz Skarbina in den Fokus. Schreibend sitzt sie an einem Tisch in einem Café, während hinter ihr weitere Personen arbeiten oder speisen. Das braun- und grünlastige Pastell „De quoi écrire“ von 1892 fand einige Liebhaber, die es im Wettstreit auf 30.000 Euro und damit auf über das Dreifache der Erwartungen trieben. Hoch her ging es ebenso bei Adolf Senffs gleichfalls ruhigem, aber eher im romantisierten ländlichen Leben angelegtem „Knaben mit Wanderstock“, der als Brustbild mit braunem Gewand und freundlicher Ausstrahlung das Format vor einer dicht grünen Hecke füllt. Erst bei bemerkenswerten 65.000 Euro fiel hier der Hammer (Taxe 18.000 bis 24.000 EUR). Im Porträt eines jungen Mannes der Zeit um 1810/20 widmete sich Henry Raeburn einem verwandten Sujet, inszenierte den braven Jüngling allerdings mit edler Kleidung und strengem Ausdruck vor monochrom braunen Grund, was zu 17.000 Euro führte (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR). Nur mit einem Lendenschurz bekleidet und nach rechts gewandt, steht Ludwig von Hofmanns antikisch inspirierter Junge in einer Felslandschaft, der 9.000 Euro einbrachte (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR).

Die Früchte der Natur

Seine Erwartungen erfüllte Richard Müllers „Fuchs im Hühnerhof“ von 1926. Im dynamisch komponierten Querformat springt der Hühnerdieb durch das aufgescheuchte Federvieh und erwischt mit seinen scharfen Zähnen einen Hahn. Das neusachliche Werk stellt zwar Unruhe und Chaos dar, führt aber ebenso in seiner feingliedrigen Malweise die Schönheit der Tiere im Kontrast zur Brutalitätt des Jagdtriebs vor, was einem Kunstfreund 70.000 Euro wert war (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR). Mehr Ruhe ist schon bei Wilhelm von Kobells Aquarell „Nach der Jagd“ von 1839 für 40.000 Euro eingekehrt, wo die Männer neben ihrer Beute den Ausblick über einen See genießen (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). Stärker behütet sind die Nutztiere in Johann Christian Reinharts Ideallandschaft mit Ziegenhirten des Jahres 1841. Die Männer, die mit ihren Schützlingen durch die idyllische Region ziehen, kletterten von 6.000 Euro auf 15.500 Euro. Unter den dunklen Wolken scheint der Weg für die Menschen bei Jakob Becker beschwerlicher zu werden. Seine Gewitterlandschaft mit Reisenden und Planwagen der Zeit um 1840/50 brachte es auf 6.500 Euro (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR). Einen unmittelbaren Natureindruck legte zudem Anton Radl um 1830 mit seinem weiten Blick von einer Anhöhe auf Kronberg im Taunus nieder, den die Sammler mit 5.000 Euro honorierten (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR).

Den Mensch außen vor ließ um 1880 ein anonymer deutscher Maler, räumte dafür dem orangerot gefärbten beeindruckenden „Wolkenfeuer“ aber umso mehr Raum ein, das für unerwartete 5.500 Euro den Besitzer wechselte (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR). Carl Gustav Carus richtete sein Augenmerk mehr auf Details und verewigte um 1840 einige satt grüne Tannen, die sich im Bieterduell auf 45.000 Euro verbesserten (Taxe 18.000 bis 24.000 EUR). Etwas günstiger war sein aus dem Dickicht herausgestellter „Weidenstamm“ der Jahre um 1820 für 40.000 Euro zu haben (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR). Früchte der Natur nahm Odilon Redon nicht in ihrem Umfeld auf, sondern drapierte sie in der „Nature morte“ in einen Topf auf einer Holzplatte. Das Aquarell von 1861 mit seinen blass feinen Farben wollte mit taxkonformen 30.000 Euro bezahlt sein (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Weiten Ausblicken wandte sich um 1900 Walter Leistikow zu. Ein sommerlicher Strand im schwedischen Halland inspirierte ihn auf seiner Entdeckungsreise und führte zu seinem realistisch gehaltenen Querformat „An der Küste von Särö“ für heute 24.000 Euro (Taxe 18.000 bis 24.000 EUR). Die leicht ansteigenden Gestade um das „Rheintal bei Bingen“ fielen Jules Louis Philippe Coignet schon an einem bewölkten Tag des Jahres 1829 ins Auge und waren einem Naturliebhaber 8.000 Euro wert (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR).

Alle Preise verstehen sich als Zuschläge ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Grisebach

Fasanenstraße 25

DE-10719 Berlin

Telefon:+49 (030) 885 91 50

Telefax:+49 (030) 882 41 45

E-Mail: auktionen@grisebach.com



10.07.2019

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jan Soldin

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