Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Auktionsanzeige

Am 14.09.2019 Auktion 14. September 2019

© Auktionshaus Stahl

Anzeige

Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz
© Galerie Neher - Essen


Anzeige

Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874 / Hans Thoma
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Ausstellungen

Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Das LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster kombiniert in der Ausstellung „Vita Duplex“ rund 140 Werke des irisch-amerikanischen Malers und Bildhauers Sean Scully mit Texten des Künstlers

Das Doppelleben der Bilder



Sean Scully, Vita Duplex, 1993

Sean Scully, Vita Duplex, 1993

Man muss gar nicht mal ins LWL-Museum hineingehen, um mitzubekommen, dass Sean Scullys Kunst in Münster angekommen ist. Exakt vor dem Eingang des Hauses – mit Blick auf den romanischen Dom der Stadt – hat Scully mit der elf Tonnen schweren Skulptur „Moor Shadow Stack“ aus dem Jahr 2018 einen kaum zu übersehenden Blickfänger platziert. Das fast fünf Meter hohe Werk besteht aus rund zwei Dutzend quadratischen Cortenstahl-Platten, die mit leichten Versätzen zu einem Stapel geschichtet sind. Und es erinnert an ein festes Ritual aus der Kindheit des Künstlers. Scullys Vater, ein Friseur, brachte seine Kupfergeld-Einnahmen nach der Arbeit mit nach Hause, wo sie am abendlichen Esstisch der in London lebenden Familie gemeinsam gezählt und zu kleinen Stapeln aufgetürmt wurden.


Genau an diesem Punkt sind wir bereits bei dem, was die Kunst des 1945 in Dublin geborenen US-amerikanischen Malers in ihrem Kern ausmacht. Die Ambiguität zwischen Pathos und Melancholie, die Dualität zwischen dem sprachlich Fassbarem und seiner haptischen Umsetzung in Form eines Werks. Alle seine Arbeiten vermitteln dem Betrachter zugleich auch etwas über die persönlichen Erlebnisse, Gefühle und Erinnerungen des Künstlers im Moment ihres Entstehens. „Nichts ist abstrakt“, sagt Scully, „Es ist immer noch ein Selbstbildnis. Ein Bildnis des eigenen Zustands.“

Rund 140 Werke aus den vergangenen 50 Jahren hat Kuratorin Tanja Pirsig-Marshall für die sehenswerte Ausstellung „Vita Duplex“ im LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster ausgewählt. Neben großformatigen Gemälden in Öl und Acryl versammelt die Schau auch Pastelle, Aquarelle, Zeichnungen, Druckgrafik, Skizzenbücher, Fotografien und bildhauerische Werke. Bilder sind für Scully „Flächen, die über einen Zeitraum entstehen“. Seinen warmtonigen Gemälden, die das Motiv der Linie, des Gitters, des Rechtecks und des Quadrates in gedeckten gebrochenen Farben seit Anfang der 1970er Jahre immer wieder neu durchdeklinieren, sieht man an, wie mühsam der Prozess ihrer Herstellung sein muss. Da werden Farben aufgetragen, wieder weggeschabt oder ausgekratzt, von Neuem geschichtet und entfernt, bis am Ende ein für Scully gültiges, vielschichtiges und stimmungsvolles Gemälde dabei herauskommt. Überreste, Schatten und Sedimente der Zwischenstadien aber künden von der kräftezehrenden Genese der Bilder.

Die Schau setzt ein mit noch deutlich von der Op-Art und der Minimal Art beeinflussten Streifen- und Gitterbildern, die seit Anfang der 1970er Jahre entstanden. Grau- und Schwarztöne dominieren hier. Sean Scully, der damals im britischen Newcastle upon Tyne lebte und arbeitete, ließ sich unter anderem von der Gitterstruktur der sechs Brücken über den Tyne inspirieren, die er als ein Signum der architektonischen Moderne auffasste. Räumliche Tiefe, Hell-Dunkel-Kontraste, perspektivische Überlagerungen, aber auch ein gewisses Interesse an Ruhe, Ordnung und Klarheit kennzeichnen diese Werke.

In den 1980er Jahren beginnt Scully jedoch bereits, die „perfekte“ Form und Ausführung zusehends zu vermeiden. Seine Bildkörper werden objekthafter, quasi rustikaler, und vor allem setzt er an der Wand verschiedene Gemälde unterschiedlicher Formate zu mehrteiligen, physisch stark präsenten und ebenso spirituell aufgeladenen Bildkörpern zusammen. Eine besondere Bedeutung kommt auch den sogenannten „Insets“ zu. Hier dient eine große, mit einer rechteckigen Leerstelle versehene Leinwand quasi als Einschubfläche für ein oder mehrere kleinere Leinwände. Erst aus dem kontrastierenden Zusammenspiel der miteinander verschmelzenden, jedoch unabhängig voneinander entstandenen Leinwände erhalten die Werke ihre Spannung. Beispielsweise werden hier horizontale und vertikale Linien oder Schachbrettstrukturen miteinander ins Verhältnis gesetzt.

Sean Scully, der bereits mit neun Jahren den Entschluss gefasst hatte, Künstler zu werden, machte zunächst eine Lehre als Schriftsetzer, ehe er mit 20 ein Kunststudium aufnahm. Eine Marokko-Reise im Alter von 24 Jahren schärfte seinen Sinn für Textilien, Farben, Ornamente und das Licht des Südens. Zeit seines Lebens ist der kosmopolitische Künstler ein mit offenen Augen Reisender geblieben. Reiseaufnahmen aus Irland, Brasilien, Schottland oder Spanien in der Münsteraner Ausstellung zeugen davon. 1983 wurde er, mittlerweile in New York ansässig, US-Bürger. 1984 bereits erfolgte der internationale Durchbruch. Scully, der lange Zeit auch in Barcelona gelebt und gearbeitet hat, unterhält heute Ateliers in New York und Mooseurach südlich von München.

Das große Verdienst der Münsteraner Ausstellung besteht aber auch darin, Scullys bildnerische Produktion erstmals im deutschsprachigen Raum im Kontext seiner gehaltvollen Schriften zu präsentieren. Rechtzeitig zur Eröffnung der Schau erschien die deutsche Übersetzung des kleinen Bandes „Inner“ mit poetisch-philosophischen Reflexionen des Künstlers über die Natur des Menschen, seine Sehnsüchte und Ängste. Etliche Zitate daraus sind auf den Wänden der Ausstellungsräume nachzulesen und tragen so zum tieferen Verständnis dieser von persönlichen Erlebnissen, aber auch von Landschaft, Architektur, Kunstgeschichte, Literatur und Musik inspirierten, zutiefst humanistischen Kunst bei.

Die Ausstellung „Sean Scully. Vita Duplex“ läuft bis zum 8. September. Das LWL-Museum für Kunst und Kultur hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, am zweiten Freitag im Monat bis 22 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt regulär 9 Euro, ermäßigt 4,5 Euro. Für Kinder und Jugendliche bis einschließlich 17 Jahre ist er kostenlos. Der Ausstellungskatalog aus dem Hatje Cantz Verlag kostet im Museum 38 Euro.

Kontakt:

LWL-Museum für Kunst und Kultur

Domplatz 10

DE-48143 Münster

Telefax:+49 (0251) 59 07 21 0

Telefon:+49 (0251) 59 07 01



14.07.2019

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Gesamt Treffer 25

Seiten: 1  •  2  •  3

Events (1)Adressen (1)Kunstsparten (4)Stilrichtungen (1)Variabilder (17)Künstler (1)

Veranstaltung vom:


05.05.2019, Sean Scully. Vita Duplex

Bei:


LWL-Museum für Kunst und Kultur

Kunstsparte:


Malerei

Kunstsparte:


Grafik

Kunstsparte:


Skulptur

Kunstsparte:


Zeichnung

Stilrichtung:


Zeitgenössische Kunst

Variabilder:

Sean Scully,
 Dark Light, 1998
Sean Scully, Dark Light, 1998

Variabilder:

Sean Scully, Crossover painting#1, 1974
Sean Scully, Crossover painting#1, 1974







Sean Scully, Dark Light, 1998

Sean Scully, Dark Light, 1998

Sean Scully, Crossover painting#1, 1974

Sean Scully, Crossover painting#1, 1974

Sean Scully, Blue Note, 2016

Sean Scully, Blue Note, 2016

in der Ausstellung „Sean Scully. Vita Duplex”

in der Ausstellung „Sean Scully. Vita Duplex”

Sean Scully, Window With, 2015

Sean Scully, Window With, 2015

Sean Scully, The Bather, 1983

Sean Scully, The Bather, 1983

Sean Scully zeigt seine Werke im LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster

Sean Scully zeigt seine Werke im LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster

Sean Scully, Overlay 2, 1973

Sean Scully, Overlay 2, 1973

Sean Scully, Moor Shadow Stack, 2018

Sean Scully, Moor Shadow Stack, 2018

Sean Scully, Margarita, 2008

Sean Scully, Margarita, 2008

Sean Scully, Landline Green White, 2014

Sean Scully, Landline Green White, 2014

Sean Scully, Landline Bend, 2016

Sean Scully, Landline Bend, 2016




Copyright © '99-'2019
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce