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Winterlandschaft in Schreiberhau in Schlesien / Hans Purrmann

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Knieende(r), 1907/1908 / Ernst Barlach

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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Bei den Möbeln und Antiquitäten im Wiener Dorotheum suchten die Sammler genau aus und ließen sich nur selten zur Kauflaune hinreißen. Einmal aber konnten sie nicht widerstehen

Nur Engel können fliegen



Ignaz Günther, Paar Engel, um 1760/70

Ignaz Günther, Paar Engel, um 1760/70

Gegen Ende seines Lebens schnitzte Ignaz Günther in München ein freudig lächelndes Engelspaar in der für ihn so typischen Physiognomie mit leicht schräg gestellten Augen, dem geöffneten Mund, den üppig gestalteten Frisuren samt Haarband und der locker von der Hüfte fallenden Draperie. Das beschwingte Duo, das um 1760/70 am Ende des Rokoko wohl zu einer Altarausstattung gehörte und von oben auf das Geschehen herabblickte, war der Überflieger in der Auktion „Antiquitäten und Möbel“ beim Dorotheum. Kein anderes der über 400 Kunstwerke vom Mittelalter bis ins ausgehende 19. Jahrhundert bezauberte das Publikum in Wien so sehr. Die charmanten Engel in leicht gedrehter Körperhaltung und originaler Farbfassung flogen erst bei 100.000 Euro aus dem Saal; die Experten hatten sie nur mit 20.000 bis 30.000 Euro beziffert.


Mit den Möbeln, Skulpturen, Uhren, Bronzen, Kunstkammerobjekten, Glas und Porzellan fuhr das Dorotheum am 2. Mai eine akzeptable losbezogene Verkaufsquote von 45 Prozent ein. Vor allem beim Porzellan gab es zahlreiche hoch dotierte Ausfälle für die übertrieben gestalteten Stücke aus dem 19. Jahrhundert. Kein Käufer mochte sich etwa für eine blau grundierte Prunkvase mit goldenem Zierrat und dem Brustbild König Friedrich Wilhelms III. von KPM um 1840 (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR), für die einige Jahrzehnte jüngere Deckelvase mit Schneeballblüten, Vögeln und Vogelkäfig aus der Meißner Manufaktur (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR) oder das dort produzierte Paar Kratervasen „Apotheose des Homer“ mit Motiven aus der Antike um 1860 entscheiden (Taxe 36.000 bis 50.000 EUR). So markiert das Schwanen-Service für den Grafen Brühl nach Modellen von Johann Joachim Kändler und Johann Friedrich Eberlein den preislichen Höhepunkt der Porzellanabteilung. Die 63 Teile aus der Mitte der 1970er Jahre erreichten ihre untere Schätzgrenze von 48.000 Euro. Mehr Euphorie kam bei den fünf weiblichen Allegorien der Sinne auf. Die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nach Modellen von Eberlein gefertigten, mittelformatigen Skulpturen schossen von 10.000 Euro auf 22.000 Euro. Immerhin noch auf seine obere Preisgrenze von 15.000 Euro kam der „Große Paduaner Hahn“, bei dem Ernst August Leuteritz 1854 auf einen Entwurf Kändlers zurückgriff.

Als einer der besten Blumenmaler der Kaiserlichen Porzellanmanufaktur Wien galt Joseph Fischer, der 1822 auf eine Porzellanplatte einen Strauß in einer Glasvase auf einer Steinplatte malte und nun 18.000 Euro dafür einnahm (Taxe 18.000 bis 30.000 EUR). Joseph Nigg war in Wien ebenfalls für die Verzierung des Porzellans mit floralen Motiven zuständig. Seine gleichaltrige Tasse mit Blumenbukett samt Untertasse reüssierte bei 2.800 Euro (Taxe 1.600 bis 2.000 EUR). Noch in die Zeit der Manufaktur unter Claudius Innocentius du Paquier datierte ein schwarz staffierter Teller mit Villa, Parklandschaft und Kauffahrteiszenen um 1730/35, der sich an seine untere Schätzung von 2.000 Euro hielt. Kauflaune erregte dann noch ein frühsowjetischer Propaganda-Teller von 1918 mit dem Spruch „Die Aufgabe der Wissenschaft ist, den Menschen zu dienen“ sowie Hammer und Sichel bei 7.000 Euro (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR).

In der Glassektion blieben Gebote für die höher dotierten Waren ebenfalls aus. So gingen Anton Kothgassers Ranftbecher von 1832 mit der Sicht auf den gotischen Stephansdom in Wien und Samuel Mohns Becher von 1810 mit den schwarz gemalten Silhouetten eines Herrn und einer Dame bei je 10.000 bis 15.000 Euro zurück, ebenso ein Freundschaftsbecher von 1802 mit ligiertem goldenem Monogramm auf rotem Fond von Johann Joseph Mildner (Taxe 5.000 bis 9.000 EUR) oder ein deutsches Passglas mit vier Ringen aus der Mitte des 17. Jahrhundert (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). Das gleiche widerfuhr den zwei Milchglasvasen, die um 1840/55 in der französischen Cristallerie Baccarat wohl von Jean-François Robert mit dichten prächtigen Blumenbuketts bemalt wurden (Taxe 14.000 bis 18.000 EUR). So avancierte ein Glasfenster mit Personifikationen von vier Berufen, das Karl Muggly um 1920 in Bielefeld in einem abstrahierten Jugendstil schuf, bei 7.000 Euro zum Spitzenlos der Abteilung (Taxe 6.500 bis 10.000 EUR).

Obwohl die Skulpturen mit einer losbezogenen Zuschlagsrate von gut 50 Prozent über dem Durchschnitt der Auktion lagen, mussten auch hier einige höherpreisige Werke passen, etwa eine hieratisch thronende Maria mit Kind, die um 1500 in Nordfrankreich oder Flandern aus Kalkstein gehauen und farbig gefasst wurde (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR) oder der auf Wolken schwebende Gottvater von Hans Patsch um 1630 (Taxe 14.000 bis 16.000 EUR). Das Stuckrelief einer Madonna, das der Werkstatt Desiderio da Settignanos in Florenz zugeschrieben wird, gab sich schon mit 15.000 Euro zufrieden (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). Bei den bildhauerischen Arbeiten behaupteten sich eine schlanke gotische Madonna vom Ende des 15. Jahrhunderts zur oberen Schätzung von 12.000 Euro, Johann Franz Schwanthalers spätbarocke Kreuzigung Christi samt Maria Magdalena für taxgerechte 6.500 Euro oder ein neugotischer Flügelaltar aus Deutschland um 1880 mit zentraler geschnitzter Kreuzigungsszene und vier gemalten Heiligen auf den Seitenflügeln zur unteren Erwartung von 12.000 Euro.

Die Skulpturensuite vom Ende des 19. Jahrhunderts setzten die liebestrunkene Marmorgruppe „Pan und Syrinx“ des Italieners Clemente Origo für 18.000 Euro (Taxe 20.000 bis 26.000 EUR) oder der neckisch in einen runden Spiegel blickende „Kleine Narziss“ von Fritz Heinemann für 4.500 Euro fort (Taxe 5.000 bis 6.000 EUR). Keck ging es ebenfalls bei Cesare Lapinis junger marmorner Dame mit Putto zu, die ihren Arm hochstreckt und einen Schmetterling auf ihrem Handrücken ausruhen lässt. Sie verabschiedete sich zu den unteren angesetzten 15.000 Euro. Übertriebenes Pathos der Zeit um 1880/90 charakterisiert dagegen Marius Jean Antonin Merciés Bronzegruppe „Gloria Victis“, in der ein Engel samt großen Schwingen einen gefallenen Helden mit sich trägt. Sie konnte sich dennoch über 15.000 Euro freuen (Taxe 12.000 bis 14.000 EUR). Im Jahr 1910 arbeitete Franz Seifert die Marmorbüste der eleganten Wiener Tänzerin Lilly Berger aus und erwirtschaftete damit nun 5.000 Euro (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR).

Eine bildhauerische Arbeit mit Funktion war der italienische Atlant aus dem 19. Jahrhundert, der ein Gehäuse samt Uhr auf seiner Schulter in die Höhe wuchtet. Die dunkel gebeizte Arbeit nach Vorbilder der Renaissance brachte es auf 26.000 Euro (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR). Bei den Möbeln aus dem 18. Jahrhundert pickten sich die Sammler eine unprätentiöse zweischübige Rosenholz- und Palisanderkommode des französischen Ebenisten Bon Durand aus den 1760er Jahren für 11.000 Euro (Taxe 6.000 bis 9.000 EUR) oder eine gleichaltrige Variante seines Kollegen Nicolas Petit mit fernöstlichen Landschaften in Lackdekor für 16.000 Euro heraus (Taxe 18.000 bis 25.000 EUR). Ein formschöner, am Übergang vom Rokoko zum Klassizismus stehender Spiegel in originaler Blattvergoldung verdoppelte seinen Wert auf 12.000 Euro, während ein Toilettentisch von Louis Moreau mit großflächiger Blumenmarketerie aus dieser Epoche mit 4.000 Euro zufrieden war (Taxe 4.500 bis 6.500 EUR).

Eine Demi Lune-Kommode um 1780 mit der feinen Marketerie eines stilllebenartigen Arrangements aus Musikinstrumenten, Werkzeugen, Blumen und zwei Putti orientierte sich am oberen Schätzpreis von 8.000 Euro. Knapp darunter lagen mit 7.500 Euro die beiden Empire-Sessel, die wohl Georges Jacob mit zeit- und stiltypischen Schwanenhalslehnen verzierte (Taxe je 6.000 bis 8.000 EUR). Für historistischen Überschwang pur standen zwei Möbel in Boulle-Marketerie: ein Bureau Mazarin einer unbekannten französischen Werkstatt für 15.000 Euro (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR) und Bureau Plat von Mathieu Befort, das seine Vorbilder eindeutig in Werken von Nicolas Sageot und André-Charles Boulle hat. Der Schreibtisch wurde im Nachverkauf bei 32.000 Euro zugeschlagen (Taxe 45.000 bis 55.000 EUR).

Auf die Renaissance griff wohl Louis Malard bei einem Eichen- und Nussholzschrank zurück, schnitzte dafür reich Blumengehänge, Friese, Engelsköpfe und ein Relief mit der Jagdgöttin Diana und holte sich Louis Doyen, der die beiden Medaillons mit Frauenbüsten auf den Türen des Überbaus malte. Herauskamen dabei 8.000 Euro (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR). Ein Vitrinenschrank aus Wien von 1924 vermischte westliches Art Déco mit japanischen Motive. Das Möbel in Pagodenform mit Seepferdcheneinlagen aus Perlmutt, einer bunten exotischen Landschaft, geschnitzten Drachen, Fabelwesen und Blumen sowie einer durchbrochenen Elfenbeinbordüre, für dessen Schnitzwerk der Bildhauer Wilhelm Hejda in Anspruch genommen wird, sagte erst im Nachverkauf bei 22.000 Euro ade (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR).

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Dorotheum

Dorotheergasse 17

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 515 60 0

Telefax:+43 (01) 515 60 443

E-Mail: client.services@dorotheum.at



16.07.2019

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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Flügelaltar, Deutschland, um 1880
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Joseph Fischer, Blumenbukett im Wasserglas, 1822

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Taxe: 18.000 - 30.000 EURO

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Karl Muggly, Glasfenster mit Personifikationen von Berufen, Bielefeld um 1920

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Taxe: 6.500 - 10.000 EURO

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Marius Jean Antonin Mercié, Gloria Victis, um 1880/90

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Taxe: 12.000 - 14.000 EURO

Zuschlag: 15.000,- EURO

Losnummer: 961

Bureau Mazarin, Frankreich, Ende 19. Jahrhundert

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Taxe: 15.000 - 20.000 EURO

Zuschlag: 15.000,- EURO

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Clemente Origo, Pan und Syrinx, um 1880/1900

Clemente Origo, Pan und Syrinx, um 1880/1900

Taxe: 20.000 - 26.000 EURO

Zuschlag: 18.000,- EURO

Losnummer: 1166

Wilhelm Hejda, Vitrine, Wien, 1924

Wilhelm Hejda, Vitrine, Wien, 1924

Taxe: 30.000 - 40.000 EURO

Zuschlag: 22.000,- EURO

Losnummer: 994

Nicolas Petit, Kommode, Paris um 1760/65

Nicolas Petit, Kommode, Paris um 1760/65

Taxe: 18.000 - 25.000 EURO

Zuschlag: 16.000,- EURO

Losnummer: 912

Flügelaltar, Deutschland, um 1880

Flügelaltar, Deutschland, um 1880

Taxe: 12.000 - 16.000 EURO

Zuschlag: 12.000,- EURO

Losnummer: 1163

Wohl Werkstatt Desiderio da Settignano, Madonna, Mitte 15. Jahrhundert

Wohl Werkstatt Desiderio da Settignano, Madonna, Mitte 15. Jahrhundert

Taxe: 20.000 - 30.000 EURO

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Losnummer: 1108

Ernst August Leuteritz, Großer Paduaner Hahn, 1854

Ernst August Leuteritz, Großer Paduaner Hahn, 1854

Taxe: 11.000 - 15.000 EURO

Zuschlag: 15.000,- EURO

Losnummer: 1396

Fritz Heinemann, Kleiner Narziss, 1891

Fritz Heinemann, Kleiner Narziss, 1891

Taxe: 5.000 - 6.000 EURO

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Georges Jacob zugeschrieben, Paar Armlehnsessel, Paris um 1805/10

Georges Jacob zugeschrieben, Paar Armlehnsessel, Paris um 1805/10

Taxe: 6.000 - 8.000 EURO

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Losnummer: 939

Uhr mit Atlant, Italien, 19. Jahrhundert

Uhr mit Atlant, Italien, 19. Jahrhundert

Taxe: 25.000 - 35.000 EURO

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Losnummer: 965




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